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Der Volksfreund.

Hr. 12. - :o: Beilage zum Bonifatiusbofer* so: Zulda, den 2. Oktober 1921.

Zettgedanken.

1. Darin ve> ständige sich ein jeder wohl, daß er Gegenwart begreift und nicht verworren und be» ibt in ihr aufgeht.

2. Wie wen es die Deutschen im Unverstände ngen können, wenn sie sich einmal fleißig darauf liegen, geigt heute unser Volk in Führern und :i führten.

3. Allzu stark ist die drangvolle Zeit gespannt, uer dem maßlosen Drucke der äußeren und inneren inde ver ällt das Volk in aedanken- und Willen, e Betäubung, wird die Masse Platt und seelenlos, ripor die Herzen! Laßt die angeborene Sehnsucht id) Krutt und Geist nicht rauben.

4. Wir müssen den wilden Pöbel der Triebe in is bändigen und mit! mutiger Entschlossenheit ein» lanren : volle Hinaabe ans Vaterland, an Stile io Recht, den Glauben an die Fügung Gaues, e alles aus tiefster Verborgenheit zu lenken ver- ag und bo le Ablage an die selbstgeformten ausgötzen und die ihnen oorgespiegelten gleißenden chätze, die doch niemals Wirklichkeit werden können

5. Kein Mantel der Heuchelei darf das Böse der cd decken.

6 Die Roßtäuscher sind noch wie von jeher - geräu ffcbo l in Worten. Wer's treu meint, ist irz im Wort, aber zuverlä sig in Heiz und Hand.

7. Willst du deinem Volke unberechenbare Dienste weisen, so trage mit unverwüstlicher Heiterkeit de Art von Entbehrungen; dadurch enttäuidtit du e grausame Lust derer, die sie dir aufzivlugen nd du gennnntt noch Zahlpfennige, um den geistigen nd leiblichen Bedürfnissen öer armen Kinder, der Öffnung unserer Zukunft, beizn pringen.

8 Bemühe dich dauernd, über alles, was die .enichtrche Natur unvollkommen mach n kann, die ierrschajl zu gewinnen.

9. Ter Mensch ist um so freier, je unabhängiger : von sich selbst nnd von den Bedürfnissen des ebens ist.

10. Ein reiner, edler Mensch von überzeugungè- efem Glauben rettet immer noch in den Massen e Ioeale des Ledens; er kann eine ganze Gememde nfeuern, lebendig und lruchibriu.zend machen.

11. Laß nicht Trägheit und Nachläisigkeit ein« mizeln; sie werden Steine, die feine Anstrengung lehr wegwälzt.

12. Massen, die glauben, daß sie zu einem eien* 'N Leben verdammt sind, folgen blindlings jedem, ?r ihnen eine bessere Zukunft voriäaschr, auf allen Irrfahrten, wenn er nur der Herde Ver pricht, sie us einem Dasein voll hossnungslo er, drückende, eiben an der Vollen Tafel im Prunksaale des richen, zügellosen Prassers zu matten.

13. Wer die Menscher, davon überzeugt, daß sie ach einem Eigenleben voll Elend nicht einmal im fen eits eine Z < flucht finden können, der verwandelt e leicht in eine Tigerherde.

14. Die Aeltgeschichie lehrt, daß Völker zu fürchten >nd, die sich nach e-was Besse« m, als nach der sie umkrallenden Ecnieöri <ung lehnen.

15. Tiefe Sehn'ucht nach Bergeilligung des Da eins ist noch vorhanden. Sie ist auch gleicherweise ins das Gedankliche wie Gefühlsmäßige eingestellt. Flur die Unrast de« Z «t verhindert, daß sie breiten Schichten Ruhe unb Heiterkeit und Verklärung des lebens gibt

I^ Schmarotzer schleichen sich allerwärts ein, die ws Volk stark aus augen und jedes Aufwärtsstreben tnierbinben. Der Heldengeist und die Heioenseelc veichen dem Händlcrgerste und der Krämerseele.

17. Wer glaubt, daß sein Volk Spielbasi tn bei Gewalt zäher Feinde und ihrer Zeifle,ichunftspolit,k ft, der bleibe mannhaft sich selbst und seinem guten siecht« treu; Schicksal und Vorsehung scheren sich nicht um Mammon. Zaghafte, gleichgültige und nützige Menschen sind von Gott verlassen.

18. Beklagenswerte-Verblendung, die mit züngeln- «en Flävimchen spielt und hinterher erstaunt ist, wenn ofjenbe Brände über den Köpfen zusammenMagen!

Was an versteckter Wut in Tausenden von Herzen glimmt, schlägt einmal, ost urplötzlich in hellen Flammen empor.

19. Wenn das gemeine Recht nicht mehr dem oben Uebermute den Zaum anlegen darf, dann weicht der F iedensengel, und der Rachegeiit schwingt die Peitsche über die Albernheit. Denn die St, ase ist der nie weichende Schatten jeden Uebermuis und läßt nicht von ihm, bis ihr Rachewelk vollendet ist.

20. Auch am Feinde soll man das Gute rühmen. Vorerst aber müssen alle einig werden in der Liebe zum eigenen Laude und Volke; diese muß siegen in jedem Widerstreit der Meinungen und über den ge« schästig schwatzenden Alllag. J. Br.

Gemeinsinn.

Recht alt ist schon der Widerstreit zwischen Arm und Reich. $bn gab es bereits im alten heidnischen Rom. Da geschah es eines Tages, daß die Armen sich von den Reichen bedrückt fühlten. Sie wanderten daher aus auf einen benachbarten Berg und wollten dort eine eigene Stadt gründen. Da kam ein weiser Mann Menenius Agrippa und erzählte ihnen die Fabel vom Magen und ben Gliedern. Die Glider sagten einst zum Magen:Du willst nur immer haben. Da­bei müssen wir arbeiten und du liegst ruhig. Von heute ab (efemmft du nichts nebr." Sie ließen also den Magen ohne Nahrung. Aber was war die Folge? Die Glieder wurden schwach und konnten sich nicht mehr regen. Bald sahen sie ihr Unrecht ein und gaben dem Magen wieder Speise. Diese Gschicht« machte auf die Lcule einen solchen Eindruck, daß sie wieder nach Nom zurückkehrten und die beiden Klassen sich oer- söhnten

Geht es in unsern Tagen nicht ähnlich? Krieg und Umsturz haben unser Volk innerlich gespalten und zerklüstel. Schamlos« Habgier treibt immer tiefer den Kml zwischen Arm und Reich. Zügelloser Neid hegt die einzelnen Stände gegeneinander auf. In unbe­greiflicher Kurzsichtigkeit wähnt jeder Stand, er sei der wichtigste, dem sich die anderen unterzuordnen hätten. An gegenseitigen Vorwürsen fehlt es nicht. Arbei er, Bauer und Beamter stehen sich wie Feinde gegenüber. Unruhe, Unzufriedenheit, Unsicherheit herrschell im gan­zen Lande. Die einzelnen Glieder halten nicht zu- famnien. Wir müssen alle darunter beiden.

So kann es nicht weiter gehen," sagte man. sich. Aber wie sollen wir denn die Sache anjangeti, damit diese unseligen Zustände sich einmal ändern? Da hilft nur die alte Forderung: Zurück zu ChnstusI Wir wären nicht so tief gesunken, wenn noch mehr leben­diges Christentum in uns gewesen wäre. So aber sucht jeder nur sich selbst. Unb die geordnete Selbst­sucht ist zum Naäonalwster und Nationalunglück ge­worden.

Wie schon heißt es in bet Apsstrlgsschichte (4, 32) von den ersten Christen:Es war eher die Menge der Gläubigen ein Herz und eine Seele." Daron fehlt es bei uns. Aber dieser Gememstnn muß auch bei iwfertm Volk wi^er Wurzel schlagen. Leder muß die heilige Ueberzeugung haben, daß er nicht nur für sich, sondern auch für seine Mitmenschen zu sorgen habe. Hat die Revolution auch manches umgeworfen, ewig steht das göttliche Gebot: Du sollst deinen Näch­sten lieben wie dich selbst!

Die Landwirte vor allem müssen jetzt Gemeinsinn zeigen. Sie sollen ja nicht denken:Für mich langt es: was ich brauche, ist da." Bedenkt vkelns.hr, w^^ wichtige Aufgabe Gott euch anverlraut hat. Millionen sollt ihr mit Brot versorgen. Mit jedem Zentmr Getreide, den ihr ablrefert, gebt ihr über 200 Menschen für einen Tag Brot. So seht ihr, welche Macht in euren Händen liegt. Man sagt: Wem Goll ein Amt gibt, b?m gibt er auch Verstand. Ob es wahr ist, wollen wir nicht untersuchen. Wünsck)en wollen wir aber aus tiefstem H.rzensgrund: Wem Gott einen so wichtigen Beruf gibt wie dem Landmann, dem gebe er auch die nötige Nächstenliebe!

Nicht durch Schelten wird unser krankes Volk ge­sund. sondern durch uwTigenuützrge Nächstenliebe. Jeder muß sich fühlen als ein Glied am Körver des Volkes

Wir stehen und fallen mit unserem Volke. Geht es unserem Volke gut, dann auch uns. Deines Volkes Elend ist auch das deine. Es ist eine verkehrte Schlau­heit, sich auf Kosten seiner Mitmenschen bereichern zu wollen. Wir hängen zu enge zusammen, daß nicht der eine die Schmerzen des andern spüren müßte.

Wir wollen wieder zurückkehren zu unserem altert Vorbild. Ein Herz und eine Seele müssen wir wieder werden. Gemeinsimr muß uns wiâr durchdringe^ und bessere Zeiten werden wieder kommen.

Die soziale ZerklSstung des Volkes, die sich in der Revolution wie ein Abgrund auftat, et* weist sich in diesen Tagen tiefsten nationalen Unglücks! aufs neue als eines der stärksten Hemmnisse nationale, Ein gkeit. Wenn es gelingen soll, die durch die Revo­lution auseinandergerissenen Volksgruppen zu einem einheitlichen Volk und Staat innerlich wieder zusam- menzubringen, muß vor allem diese soziale ZerkÜif- tung ernstl ch überbrückt werden.

Als Deutschland, um feine überschüssige Bevölkerum zu ernähren, die Industrie mit der seit Jahrhunderten aufgespeicherten Volkskraft aufzubauen begann, über­nahm es die Aufgabe, die besitzlosen, durch Massrw» abwanderung vom Lande aus der Bodenständ'gkeit de" alten Volkstums herausgerissene Arbeiterscharen an neuen Wcchn- und Arbe'tsorten anzusiedeln und boden­ständig werden zu lassen. Es hat diese Aufgabe nichi gelöst, die zu lösen gewesen wäre. Was sich nicht bie­gen wollte, ist in der Revolution gebrochen. Was man früher in Pfunden nicht zugestchen wollte, mußte man jetzt zentnerweise nachgeben. Dazu ist das Staatsleben in einer Revolution in die Brüche gegangen. Leider haben Ungezählte in den besitzenden und studierten Kreisen auch heute noch nicht begriffen, daß mit bloßen erzwungenen äußeren Zugeständnissen an Rechten und Fre heilen keine innere soziale Versöhnung, kein einiges Volk gegeben ist.

Ebensowenig ist es den Millionen sozialistrschei Arbeiter und Angestellten zum Bewußtsein gekommen, daß mit der brutalen Machtanwendung des Klassen- kampfes eine sozialist sche Minderheit kein gesundes Staatsleben ins Lot bringen kann. Ihnen insbeson­dere mu^ man es in die k^rrthörigen Ohren rufen, daß der zur politischen Mackt gelangte Sozialismus nun n cht selbst in den Fehler des Herrenmenschentums fallen darf, das er beim ksgital'st schen Staate mit so großer sittlicher Entrüstung bekämpfte und für den Zu­sammenbruch unseres Volkes haftbar macht. Mit der politischen Vormacht haben die Arbeiter vor ihrem eigenen Volke die Verantwortung übernonmien, vor allem durch das eigene Beispiel die Einheit herbeizu- sichren, ohne die ein Volk nicht leben kann.

Beim Kriegsausbruch haben alle Deutschen aus tie- fern nationalen Gefühl das als Höck stes Gebot empfun« den und den fe^iolen und parteipolitischen Burgfrieden verkürrdet; heute, wo mir am Rande des Verderbens st hm, tut dieser Burg- und Gotkesfriede uns ebenso not. Er ist höchstes nationales Gebot. Sven Hedin, der große Deutssbrnfreund, uns jüngst zugerufen: Deutscher, schweige und arbeite und hadere nicht'" Wie dürfen wir auch miteinander hadern, wo wir, fast von allen verlasien, einsam in der Wett bestehen'. Ein anderer Schwede, der streng neutrale Gelehrte R. Lkjellen, urteilt:Durch mangelnde Zusammengehörig- ksit und Staatetreue ist Demschland (als Großmacht) unter gegangen." Wenn noch der einfache nationale Wille zum Leben eines freien Volkes in uns vorhan­den ist, dann muß er sich in dem felsenfesten Entschlusse bekunden, daß w r als Brüder eines Volkes brüderlich zusammenstehen wollen. Dann muffen wir aber in den Tagen tiefster nationaler Demütigung vorab den sozialen Frieden untereinander schließen. Denn fern Hader in unsern Tagen hat sich so tief eingefresien wie der fokale Haß zwischen Besitzenden und Besitzlosen, wie die Interessengegensätze zwischen den Erwerb» ständen.