Die ZeuLrumssräMöN
b» Reichstags hat an Stelle des vrestorbenen Abg. Trimborn den Abg. Landgerichtspräsidenk Marx zum 1. Vorsitzenden und an Stelle des verstorbenen Abg. Burlagè den Abg. von Guerard zum 3. Vorsitzenden gewählt. Zweiter Vorsitzender bleibt wie feixtet der Abg. Becker (Arnsberg).
Gestänkert
und zemichlt wird schon seit einiger Zeit gegen den derzeitigen Aeichskanzier Dr. Wirch in einer Weise, di- alles Maß übersteigt. Es geht fast geradeso wie bei Erzberger. „Ein mittelmäßiger Schulmcisb.r", „ein leidpürtiger Dillettant", „Mchier um die Gunst der Straße", „schwächlichsr Pazifist ohne Nationalstolz", „Verräter deulscher Interessen" — „Reichsverderbrr". Das ist die Stufenleiter und dazwischen liegen noch miarmigfaüige Varianonen. Ein ganzes Bündel von vergifteten Pfeilen ist es, das auf ihn abgcsHofsen wird, seitdem er das Ultimatum unterschrieben und sich ehrlich bemüht, es zu »erfüllen. Diese Poiiäk ter Erfüllung uikd Versöhnung ist freilich nicht populär, weil sie innen und außen Opfer verlangt und wer sie fordern muß, ter wird verdammt. Die Deutschnationaten geben bei dieser Hetze natürlich den Ton an, sie lehnen sich auf gHLn die Tatsache unserer Niederlage und die Folgen, die aus ihr fließen, sie wollen mever erfüllen noch versöhnen, sie wollen es nicht einmal versuchen, weil sie auch nichts hergeben wollen von hab und Gut. Keine Wiedergutmachung, teure Simerlasten um der Wiedergutmachung willen. Das ist der Standpunkt diefr nanonaliftifchen Lbenl-eurer, die auch vor dem Bürgerkrieg, vor einem Entfcheiüungskampf zwischen der Oberschicht und den breiten Massen nicht zurückschrecken würden. Da Dr. Wirth der Vertrauensmann Les Zemrums ist, gehen die gegen ihn gerichteten Angriffe letzten Endes auch gegen die ganze Partei, die man gar zu gern auseincurder manövrieren möcht»:. Das wird aber nicht gelingen, wenn auch ab und zu «in „Spähnchen" ab fliegt. Itzt erst recht wird die Parec den Kampf für den Kanzler Emehucen und entschtoffen durchführen. Er muß und soll es wissen, daß wir ihn nicht der Meute der nationalistischen Hetzer ausliefern, daß wir ihn nicht verlassen in ter Stunde der Slot, sondern daß die ganze Zentrumspar:« im weiten Deruschen Reiche Himer ihm steht, denn ohn.' dieses Bewußt sein kann er die schwere Last nicht tragen. Dies.s Eintreten für den Kanzler kann uns nicht schwer fallen. Dr. Wirth ist ZeMrumsmattn mit Leib und ©Tie; er ist ein Sohn des Volkes, ein Man«, der aus feinern katholischen Glauben heraus mit jeder Faser feines Herzens an feinem berüfchen Volke hängt und unter Hingabe all feiner reichen Kräfte un-ern 'üblich urck» in vorbildlicher Sclbftlosigläit für dieses Volk arbeitet. Was er als junger Stadwerordrseter in Frei- burg, als LandtagssbgevrdEter in Karlsruhe und als Retchs-agsabgesrorreter in Senin war, Las ist er mrch heute noch Äs Reichskanzler: ei^e von sozialem Geist d-archdrulAMke Füyrertrârx. Zu ihm müssen heute alle offen und rückhaltlos sichen, die sich Zentcumsanhänger nennen. Wer den r Mann in FrankpJrt in der Ver- samnÄung des AugustüwLVereins gehört hat, wo er in einer fast zweistündigen Rede die politische Lage besprochen hat, der mußte sich sagen, hier hat man es mit einem Ma«^ zu tun, mit einer wirklichen Per- ssvlichkett van frischem Geist, unverbrsuchler Toikrafk, ehr cHem DermümortiichkeitsZesAhi und unleugbaren Zegwungsei^^^a. (^ P eine Anmaßung ssn- oergreichen, wenn man besonders in Leutfchnati analen turcisen den Glauben verbreiten möcht??, im Vergleich "'^ ^.i1 h^kklich,n Erscheimmgen, die früher auf Mi- Nisterbsuken soßen^sci alles, tcas heute regiere, »n- fahiKe ^câafngkecn In Wahrheit mar von den »»ersten der früheren MtÄster nichts weiter zu sagen als deß 12 auf ein Dutzend gingen und nur wenige davon wr-ren imstande, uw den Schwierigkeiten und Stürmen der Gegenwart sich zu behaupten. Die meisten von ihnen konnten überhaupt nur „Figur machen", als in einem unbesiegten, ruhigen, wnformten Deutsch' land alle Dinge sich nach dem bürokratischen Schema erledigen ließen und der Kleinste durch die Tressen, cré man chm auf den Rock hesdcbe, Bedeirtung gesamu Geniiß, Wirchs ist kein Disurarck, aber das waren auch Saprtui und Hohen!etzc nicht und auch nicht der viel- «mvandLs Bülow, er uns Lmrch feine Politik in der â^ tfahert hat. Auch Bethmann Hollweg war kâ I
staatsmännlsches Genie von überragender Bedeutung und der hilflose Michaelis erst recht nicht. Und Helff- rich, der jetzt den DLund so weit aufmacht, — er ist während des Krieges, vom Ehrgeiz gestachelt, aus einem Amt ins andere hinübergeklettert, in seinem aber hat er eine Leistung vollbracht; dagegen trägt er die Schuld an unserem jetzigen Zinanzelead und ein Hergt, der jetzt als Adjutant Helffrichs fungiert, der nie einen andern Gedanken erzeugt hat, als den, daß die.„Amerikancr nicht flirgen und nicht schwimmen" und also nicht über den Ozean kommen könnten, ist Fin-anzmimster gewesen, hat in Preußen die allmächtige Exzellenz gespielt! Da ist Dr. Wirth doch ein gang anderer Mann. Seine Politik ist energisch und zielbewußt. In der äußeren Politik hat er in die Mauern des Hasses, die uns umgeben, eine Bresche geschlagen, indem er den Erfüllungswillen zur GrmrLlinie seines politischen Stv'bens gemacht hat, denn nur dadurch können wir uns, wie die Dinge nun einmal liegen, in der W ft draußen wieder Sympathien erwerben, daß wir unsern guten Willen zeigen, den Vertragsverpflichtungen ehrlich nachzukommen. Wenn die ganze angel» sächsische Welt an diesen Willen glaubt und selbst Frankreich ihn an.'rfentten muß, dann ist dies in erster Linie der gegenüber den außenpolitischen Erfordernissen zielb:wußen Persönlichkeit unseres gegenwärtigen Kanzlers zu danken. Es ist in diesem Zusammenhang nicht zu viel gesagt, wenn die „Frkft. Ztg." schreibt: Was den Kanonen Ludendorffs nicht geglückt ist, ist in bisherigen Politik des Herrn Wirch gelungen. Die Einheitsfront der Feinde Deutschlands ist erschüttert. Daß er auch in der inneren Vo'ili? auf dem rechten Wege ist, darüber sind alle Elusichligev sich klar, nur die unverantwortlichen Hetzer von rechts und links, die Nichts- und Linksbolschewisten sind anderer Meinung. Ihr Urteil wiegt nicht schwer. Man sann sie ihrem Schicksal überlassen.
Der Koalition Don Scheidemann bis Stresemann
d. h. der Verbreiterung der jetzigen Koalition durch Len Beitritt der Sozialdemokratie, ist durch den sozialdemokratischen Parteitag in Görlitz bet Weg gebahnt und nachdem der Reichstag wieder zusammengetreten ist, w rden die Parteien dazu Stellung nehrnen. Es harte eine Zeft lang den Anschein, als ob die Deutsche Volkspartei hren Eintritt in die Koalition von dem Rücktritt Wirchs abhängig machen woll?, die Art und Weift, wie ihr Führer «Stresemann gegen den Reichskanzler zu gelte zog, mußte diesen Gedanken nahe- legen. Das Echo, das seine Reden in der gesamten Presse der seitherigen Koalitiourparllren gefunben haben, wird ihn aber wohl zur Ueberzeugung gebracht haben, daß das vergebliche Liebesnmhe ist, sie stehen einmütig hinter Wirth. Wenn Herr Stresemann die Teilnahme an der Koalitiorc mit seiner eigenen Reichs- kanzlerschast »rinteiten und der kommenden Entwicklung eine velkspMteiliche Prägung und Färbung geben wollt,?, dann war er ans dem Holzweg. Schließlich dürfte man aber doch auch soviel schon gelernt haben, um zu wissen, daß in einer Koalition, das heißt in einer Arbeitsgemeinschaft von verschiedenen Teilen, jede Pari« bestrebt sein muß, sich nach Möglichkeft in den Rahmen des Gcmzen ein» zufügen. Es wäre daher wünsche,cswert, wenn man sich in volksparteilichen Streifen bald mietet in die irdische Wirklichkeit zurückfände. Denn unter dem vom Zaune gebrochenen Streit um die Personen leitet die Scche. Uebrigens gibt es auch in der Perfonalfrage Lorbeeren zu pflücken. Es hicHe nur einmal 'den Mut auf bringen, im Fimmzwinlstärn eine unpopuläre Politik zu machen. Dieft Frage ist schließlich der Er» örteinng wert. Herr Wirth wird das Finanzministerimn, tes er noch verwaltet, weil es ihm noch keiner abrrehmen wollte, gern abgeben. Es wäre zweifellos das größte Verdienst um das herrische Volk, wenn einmal einer ter großen Industriekapitäne aus der deutschen Bolkspardn dieses Unternehmen wagte. Aber — te heißt es freilich nicht Abbau ter Steuern, sondern Aufbau und Ausbau, nicht Lastenvermiâ-rung, fon» dem Lastenvergrößerung, wahrlich eine Aufgabe der Unpopulär bat. Warum soll aber immer das Zentrum feinen Buckel dafür herhallsn? Es heißt in einer Ver- lautbsrmrg aus Kreisen der Volkspartei, ihre Mitarbeit käme nur dann in Frage, wen« energische Mittel an» gewanLâ würden, um das Elend der Reichsfinanzsn zu
beftitigen. In diesem Wunsche sind wir alle einig. Sie Volkspartei möge nur den Jinanzmimster stellen, der diese Ausgabe in befriedigender Weise löst. Leicht^lst sie freilich mchi. Es wird eines großen Maßes von eeib|t« losigkeit, Selbstüberwindung unb Opferwillens von allen Seiten bedürfen. 15 Steuergesetzentwürfe hat tee Regierung bereits vorgelegt. Im Lauft der -Debatte über diese Entwürfe wird es niemanden verborgen geblieben sein, daß die SoziaiLenwkraten uiÄ auch ba? christlick^n Gewerkschaften Stege rwalds diefs 15 Entwürfe als nicht ausreichend bezeichnet haben. Sia Parole der Erfassung des Besitzes ist oott jenen Kreisen damals verschärft ausgegeben worden. Daraus geht n-.it voller Deutlichkeit hervor, daß das noch 00x52- legend»? Restprogramm mit einem deutlich sichtbaren Opfer des Besitzes unbedingt verbunden fein muß. Gerade die Volkspartei scheint uns am geeignetsten, den hi ihr vertretenen Kreisen diese Pflicht klar zu mache» und so praktische Aufbaupolstik zu leisten.
Zu Erzbergers Lharabierbttd
bringt die „Allgem. Ztg.", eine — nichtkahtolische — alllibrrale Wochenschrift, einen bemerkenswerten Ar- rifel. Es wird darin hingewiefen auf die süddeutsche liebenswürdige Art des Heimgegangenen und feine große Kunst der Ueber rebung, die ihm die Herzen zu» sichrten. Erzberger hatte, so heißt es da, so gar nichts Ostelbifches, nichts A'ftsforÄes und Ministerielles; er war im Grunde eine gütige und gutmütige Natur, die im Erfüllen kleiner GrfalligkeUen sich erschöpfte; er hoibe in dieser Mästung nichts von dem in dre Höhe Gekommenen, die ihre frühere Art und ihr Herkommen gern vergessen und sich auf den „Hohen H.rrn" hinausspielen. Er blieb immer Mallhias Erzberger, ter Schulmeister, der jedem gefällig war. Wenn Erzberger trotzdem auch in süddeutschen Kreisen leidenschaftlich ârkämpfuWg fcurd, fo dürfen zwei Umstände nicht vergessen werden: Sein Kathollzismus und seine Srcuerreform. Erzberger wäre um 50 Prozent weniger verhaßt gewesen, wenn er nicht „katholisch" war. Auch der gebildete Prot<staut in Süddeutschland ist von waschechtem Antiultramontanismus, und es gibt keine Legelide auf dem Gebftbr, die er nicht glaubt. So war Erzberger natürlich ein Römling, ter Geschäftsträger von Karl und Zita von Oesterreich, ter geheime Miaâtor ter Jesuiten und Spezialist für die Einführung ter Weltherrschaft des Papstes. Sie Steuerreform aber — die Lüftung, mit ter Erzberger in die Reihe der Politiker mit geschichtlicher Geltung trat — ließ alle Besitzenden — und deren gab es seit dem Kriege gar viele — sich aufteßnen gegen den Zugriff, ter auf igre Taschen geplant war; der deutsche Böurgesls ist um nichts besser als der französische, und er verträgt alles, wenn man ihm sein Porte- mormaie in Ruhe läßt. So halte Erzberger natürlich viele und fanatische FeitLe, und dem Fanatismus ist er zum Opfer gefallen."
Wertvoll ist hier besonders das Geständnis, daß „Erzberger 50 Prozent weniger verhaßt gewesen wäre, wenn er nicht katholisch war". Das Geständnis stammt nicht aus dem Zentrmnslagcr, es stammt auch nicht aus einer karholischen Feder, es stammt aber auu einer Beobachtung, die sich offenbar sehr gut La drüben aastennt
Der sozialdemskraiische Parteitag in Gör!ltz
hat sich hauptsächlich mit drei Fragen beschäftigt. Der Frage dres Parteiprogramms, der Eitrigkeitsbestrebun- gen mit der USPD, und ter Stellungnahme zur Ksa- litionspolilrk. Die beiden ersten Problenue, so wichtig, sie für die Mehrheitsfszioldemokratie selber sind, und so sehr sie auch für uns und die übrigen Parteien ter weitgehendsten Beachtung wert sind, treten derrnoch im gegenwärtigen Augenblick unserer politischen Lage vor ter letzten Frage zurück, nämlich ter Stellung der UrehrheUssözialdemokralie zur Koalllignspolilik «ud damit auch ihrer Stellung gegenüber ter Deutschen volkspartei. Wie die Dinge liegen, verlangt es die Zukunft unseres Vaterlandes, daß sich endlich einmal fei politischen ß’ben alle diejenigen Kräfte zusammen- finden, die überhaupt noch den Glauben haben, unser Schicksal wenden zu können. Vor allem ist es die wirtschaftliche LsZe Deulschlands, die er notwendig macht, daß die erostsu und iührendeu Kräfte ^.An>