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Ausgabe B
Kassel, den 2. Gktber J92J
Nr. 40
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Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag u. kostet olertelsâhrl. Ausg. A 3.— Mt., B3.53 Mk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die ein-paltige Kolonetzeile oder deren Raum 53 Pfg. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Für Offert- und Auskunft-Anzeigen 30 Pfg. extra. Anzeigen mü'sen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher. Druck und Verlag bet Fuldaer Actiendruckerei.
Wochenkalender.
. 2. Oktober. 20. nach Pfingsten. Schutzengelfest.
, 3. Oktober. Vom Tage.
f, 4. Oktober. Franz v. Assissi, OrdcnSst.
h, 5. Oktober. Plac duS und Genossen.
>tjg, 6. Oktober. Bruno, Ordensst.
7 . Oktober. Noscnkranzfest. MarkuS, P., as und 3 ano. M.
8 Oktober. Birgitta, Wtw
Lnzizster Sonntag nach P^ngjUn.
(Evangel. Joh. 4, 46—54.)
jener Zett lebte ein Köttglichcr, dessen Sohn ia naiim krank lag. Da dieser gehört hatte, daß in Judäa nach Galiläa peko innen sei, be ab er bat ihn, daß er Hmadkoinme um seinen Sohn mn er war Datan zu sterben. Da sprach Jesus : Wcnn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet bl ihr nicht Der Königliche sprach zu ihm: mme hinab ehe mein Lohn wirbt Jesus sprach : Geh' hin, dein Sohn lebt. Und der Mann dem Worte, welches ihm Jesus gesagt hatte g hin. Uno da er hinab.ini, beat meten ihm «echte, verkündeten ihm und sa len, daß sein be. Da erforschte er von ihnen die Stunde, in es wit ihm besser geworden war. Und sic zu ,hm: Gestern um die siebende Stunde ver. das Fieber Da erkannte der Baier, vag es ttbe Stunde war, in welcher Jesus zu ihm gelte: Dein Sohn lebt. Und et glaubte mit »auzen Hause.
^- Langsam zum Zorn! -<^
Bie weltlichen Hantierungen und De- schäfttgunze» können zu einem tr ff- Udjen Spiegel für die Anttiengungen der Seele werden, wenn wir dafür em aufmeitsameS Auge haben. So vt der hl. Chly ostomuS der Ansicht, " ^^^^?" li ch die Landleuie zum Muster Wie diese alle Monate eine andere Bring haben, io sollten auch die Christen jeden eine neue Tugend sich vornehmen. Der Jun, Heumouat, der Juli als Erntemana,, Sep- und Oktober al» Herbstmonale. Wäre es ön, wülden wie auch jeden Monat ene be- Lugen» zur Uebung an eyen? Ich mache den >g, während des Oktober- die Geduld aufs i nehmen, die Geduld, zu ernten aber der Acker, der mit Weizen bestellt wer- ' Zuerst von Quecken und Unkraut gciäubeit muß, so mutz auch die Seele, in welcher Ge- 6 ^üw ko men tollen, zue»st von der Leiden- s Zornes befreit werden. Ich betitele bar* iw ungerechie, unedle, unordentliche Auf- des Gemütes, verbunden mit Regungen be»
Hasses und der Rachsucht. Von solchem Zorn sagt der hl. Jakobus: „Jeglicher Mensch sei langsam zum Reden und langsam zum Zorn; denn der Zorn des Vien; eben tut nicht, was recht i|t vor Gott!" (Jai. 1,19). Vom Zorn faat also der Apostel, daß er „nicht tue, was recht ist vor Gott", daß er Gottes Heiligkeit und Gi'lie w deripricht, datz er auf eine Beleidigung Gottes hinausläuft, daß er mit einem Wort eine Sünde ist. Da ist der hl. JalobuS sicher beim Heiland selbst in die Lehre gegan icn, der in b r Bergpredigt sagt: »Ihr habt gehört, daß zu den Alien gesagt wurde: du sollst nicht tö’en; wer aber tötet, der ist des Gerichtes schuldig: ich aber sage euch, daß ein jeder, der über seinen Bruder zürnt, irr gegen einen Mitmenschen einen ungerechten Zorn unterhält, schon des Gericht, s schuld g ist; wer aber zu »einem Bi uder sagt: du Narr, der ist des Haien Rates schuldig, und wer zu ihm tagt: du Gonlas'r, der ist des höllischen Feuers schnloig". (Dit. 5,21)
Mithin ist nach de; Heilandes Lehre ungerechter Zorn eine Sunde, wobei es aber verschiedene Stufen und G> ade gibt, denen verschiedene Strafen entsprechen.
5er gewöhnliche Zoin, eine nur kleine und kurze Aufwallung des Gemütes, wird in der Regel den Rahmen einer läßlichen Sünde nicht überschreiten Hättest du tn deiner Haushaltuna, in deinem Geschäft, mit deinen Kollegen oder Freunden oder mit deinem Gatten oder deinen Kindern dich einige Au- genblicke erzünt und dabei einige heftige Worte in der Ueberettung pe prochen, so darfst du o me Beängstigung zum Tische des Herrn gehen ohne vor- beuge Beicht, falls du im übrigen im Stande der Gnade dich befindest. Erwecke nur über deine Ent- gleisung einen Akt der Reue, leiste dem sanften Erlöser Herzen Abbitte und versprich Bester»ng. Jener Zorn aber, der mit großem Ungestüm loSbricht, der in Fluchen, Schreien, Beschimpfung und Verwünschung sich Luft macht, überdies lange anhält und berbunber. tu m.t Rachsucht und Feindseligkeit, muß unter d,e chweren Sünden gerechnet werden. Nach den aus- diücklicheu Worten des Heilandes würdest du dabei «das höllische Feuer" riskieren.
Nein, der Zorn tut nicht, was recht ist vor Gott; rm Gegenteil, et läßt sich hinrerßen zu Taten, bis Gott verboten hat. Wollte ich auch nur ein Tausendstel der Verbrechen aufzählen, die der Zorn auf dem Gewissen hat, ich würde daS ganze Blatt ausfüllen, und würde doch an kein Ende kommen. Zo», Zai n forlgerissea bat Kain seinen Bruder Abel iotge|d)la> gen; vom Zoi n verblendet wollte Esau seinen Bruder Jakob umbringen und hat 20 lange Jahre die G ul des Hasses unterhalten auf der Este seines Herzens; vo n Zorn uiunad)tet ließ Her ödes die un- ichuldigen Krnder wie eine Herde Lämmer nieder- metz-ln und erweckte im Munde der Mütter eine stel.lerweichendr Totenklage; vom Zorne übernannt vollzog Theodosius in Thestalomke, Karl der Gioßc «n Verden ein gräßliches Blutbad. Gleich einem Orkan rast der unbeherrschte Zorn dahin und richtet
überall Unheil an; gleich einem Fieberkranken spricht der Jähzornige Worte und vollbringt Taten, vor denen er nachher weinend dasteht um spricht: „Bin ich es wii klich, der solchen Unsinn geredet und solche tolle Streiche sich geleistet hat?---
Lass.n wir diesen Tyrannen nicht nach B lieben schalten. Zwar stedt es nicht in unfeict Macht keinerlei Regung d.s Zornes zu empfinden; wohl aber steht es in unterer Macht, die Auswüchse des Zor"es zu befchneid.'U. Welches ist das beste Mittel hiezu? Sankt Jakobus hat es uns angegeben mit den Wo>ten: „Ji-glicher Mensch sei tanzsam zum Reden und langsam zum Zorn!" Ge« 'vädre also dem Zorn einen Aufschub, last ihn nicht ogleich austoben, setze ihn auf die Wartebank. Eine praktische Stufenleiter im Kampf gegen den Zorn hat uns der hl. Gregor v. Nazianz aufgestellt mit fü gender Anweisung: „Zunächst gib dir Mühe, daß der Zorn dir nicht einmal ins Herz kommt; ist er aber schon im Herzen, so sorge dafür, daß er dir nicht tns Gesicht steige; ist er aber schon im Gesicht, so sorge dafür, daß er dir nicht in den Mund kommt; ist er aber schon im Munde, so orge dafür, daß er dir nicht in die Faust fährt!" Warum also gleich ein finsteres Gesicht machen? Warum gleich die Stirne in Fa ten legen und die Augenbrauen zuiammenziehen? Warum gleich ein Donnerwetter toslasten? Warum gleich die Hand e>heben? Warte, warte. Dem Kaiser Cäsar soll ein Phtlosoph den Rat gegeben haben, bei aufstei- oendem Zorn das Alphabet âufzusagen; dieser Ra! könnte auch uns gute Dienste tun. Anstatt gleich losz,liegen und wie ein Blitz dareinzufahren, fange an: A, B, C usw. wie ein Schulktnd. Meinst du nicht, daß beim M schon bei halbe und beim Z der ganze Zorn verraucht wäre? Für einen Christen soll zu in bloßen Warten auch noch das Beten kommen. Und da wir heute gerade das Rosenkranz- rest feiern, so will ich noch an eine rührende Ro enkranzgeschichte erinnern, die schon einmal in diesen Blättern zu lesen war. Nach Kriegsschluß. wurde ein Soldat in die Heimat entlassen. Bom rauhen KliegShandwelk her steckte noch viel Aufregung in feinem Blut; bei dem geringsten Anlaß Vielte eS ihm in allen Nerven und Fingerspitzen; tern: Eltern und Geschwister hatten unter seinem wilden, mürrischem We en viel zu leiden; ja manchmal griff er unwillkürlich in die Tasche, und seine Di ui ter fürchtete, er möchte einen Revolver her vo rziehen und ein großes Unglück anrich.en. Als sie aber eines TagcS die Ho en ausbesterie, fand sie im der Tasche — einen Ro enkranz. Darnach hat e der junge Mann gegriffen und in so allmählich wieder Herr geworden üoet den Zorn. Wohlan: daS fei un.ere Uebung diesen Monat: langsam zum Zot» — und heute schon ist Beginn der Vorstellung.
Der Burgpfarrer.