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Ausgabe B

* Kassel, den 25. September (92t.

Nr. 59

für die katholischen Gemeinden Kassels

Erscheint jeden Sonntag u. ksM PierteüäbrL Ausg. A 3. Mk., B3.50 Mk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die einspaltige Kolonelzekle oder deren Raum 50 Pfg. Bel Wiederholung entsprechender Rabatt. Für Offert- und Auskunst-Anzeigen 30 Pfg. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckeret in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher. Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerel.

Wochenkalender.

intag, 25. Sept. 19. nach Pfingsten.

mtag, 26. Sept. Cyprian und Justina, M.

mstap, 27. Sept. KosmaS und Damian, M. ttwoch, 28. ^epL Lioba, Jgfr., Wenzeslaus, M. nnerstag, 29. Sept. Michael, Erzengel. titan, 30. Sept. Hieronymus, Kirchl.

mStag, 1. Oktober. Von der Mutter Gottes, Remi- piuS. B.

Neunzehnter Sonntag nach Pfingsten.

(Evangel. Matth. 22, 1-15.)

In jener Zeit trug Jesus den Hohenpriestern und arisäern folgende GlelchniSrcde vor: Das Himmel- tz ist einem Könige gleich, der seinem Sohne Hochzeit lt. Er sandte seine Knechte aus, um die Geladenen : Hochzeit zu berufen, und sie wollten nlcht kommen. :rmat sandte er andere Knechte auS, und sprach: get den Geladenen: Siehe, mein Mahl ist bereitet, ine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, und eS ist bereit: kommet zur Hochzeit. Sie aber achteten nicht, und gingen Ihrer Wege, einer auf seinen ierhof, der andere zu seinem Gewerbe. Die übrigen r ergriffen seine Knechte, taten ihnen Schmach ein, > ermordeten sie. Als dies der Kong hörte, ward zornig, sandte seine Kriegsvölker aus, unb ließ jene rder umbringen, und ihie Stadt in Brand stecken, in sprach er zu seinen Knechten: Das Hochzeitsmahl zwar bereitet, allein die Gel -denen waien dessen st wert. Gehet also auf die offenen Straften und et zur Hochzeit, wen ihr immer findet. Und seine :chte gingen aus auf die Straßen und brachten alle immen, Die sie fanden: Gute und Böse: und die hzeit ward mit Gästen ganz besetzt. Der König r ging hinein, um die Gäste zu beschauen und er daselbst einen Menschen, der kein hochzeitliches ld an hatte. Und er sprach zu ihm: Freund! wie du da hcreingeloinmen, da bii kein hochzeitliches ib an hast? Er aber verstummte. Da sprach der âg zu den Dienern: Bindet ihm Hände und Füge werfet ihn hinaus in die äußerste Finsternis: da d Heulen und Zähneknirschen sein. Denn Viele 1 berufen, Wenige aber auserwählt.

's^- Neidlos. -^ä

ie Hochzeit im heutigen Evangelium ist ein Bild und Gleichnis aller Eh- ren und Freuden, die der himmlische Vater seinen Kindern schenkt; denn die göttliche Liebe kennt keinen Neid. Auch der Heiland besitzt eine edle,

herzige, neidlose Seele. Drum die Mahnung des Paulus im Brief an die Römer:Wie am e laßt uns ehrbar wandeln, nicht in Schmause- n unb Trinkgelagen, nicht in Schlafkammern und euschhelt, nicht in Zank und Neid, sondern ziehet Herrn Jesum Christum an", handelt nach dem bild des heiligsten Herzens Jesu. (Röm. 13. 2k

Betrachte einmal die edle, neidlose, freigebige See e des Heilandes. Nicht wahr, wenn ein Men'ch reich und dabei neidisch wäre, so wünschte er, allen Reichtum allein zu besitzen und daß die übrigen Menschen am Hungerluch nagten. Nun war bei Heiland reich an Weisheit und Macht. Hat er aber all seinen Reichtum in sein Herz eingeschlossen und für sich allein behalten? Nein; mit unendlicher Freigebigkeit und göttlicher Liebe hat er den Aposteln und den Gläubigen und auch uns davon mitgeteilt. Die Predigt derfrohen Botschaft" hätte der De ­land ganz allein bewerkstelligen und mit dem Schall seiner Stimme die ganze Welt erfüllen können. Das hat er aber nicht getan. Er gab auch seinen Apo­steln Anteil an seinem Lehramt:Gehet hinaus in alle Welt und lehret alle Völker". (Mt. 28, 19). Nicht bloß gleiche, nein, sogar größere Lehrgewalt gab der Heiland seinen Aposteln. Denn während er selbst sich darauf beschränkte, in dem enaen Win­kel von Palästina zu sprechen und ohne viel Aufhe­bens seine schlichten Lehren vorzutragen, sollten die Apostel öffentlich und feierlich vor aller Welt auf- trefen. Dies ist der Sinn seiner Worte:Was ich euch im Finstern lehre, das verkündet im Lichte, und was ich euch ins Ohr sage, das prediget auf den Dächern" So hat der Heiland wenigstens die Wundermacht für sich Vorbehalten? Nein. Die Apostel sollten die gleiche Macht besitzen,©eilet bie Kranken", sprach er zu ihnen,erwecket die To­ten, reinigt die Aussätzigen, treibet die Teufel aus". Und tatsächlich haben sie mit dieser Wundermacht nicht gegeizt. Petrus richtete den Lahmen auf an der Tempelpforte zu Jerusalem, heilte den Aeneas, erweckte die Tabitha; ja man legte die Kranken so­gar an die Straßen, an denen er vorüberkam, damit wenigstens sein Schatten sie berühre und von jeg­licher Krankheit heile. Paulus heilte zu Lynra einen lahmen Mann, erweckte den toten Eutyches zum Leben und man legte seine Schweißtücher und Gürtel ben Kranken auf, und die Krankheiten wichen von ihnen und die en Geister fuhren aus. Noch mehr: die Apostel sollten den Heiland in der Fülle und Größe der Wunder noch übertreffen:Jyr weide, die gleichen und noch größere Wunder tun als ich". Nicht bloß den Aposteln, nein allen Gläubigen ohne Unterschied, Männern und Frauen, sollte die Wun- dermachl zuteil werden. Höre die Worte des Hei­landes:Denen, die an mich glauben, werden fol­gende Wunder folgen: in meinem Namen werden sie Teufel austreiben, in neuen Sprachen reden, Schlangen aufheben und wenn sie etwas Tätliches getrunken haben, wird es ihnen nicht schaden". (Marc. 16, 17).

So hat der Heiland wenigstens die Gewalt der Sündenvergebung sich ausschließlich Vorbehalten? Keineswegs; seit seiner Himmelfahrt hat er die Reinigung, Heiligung und Leitung der Seelen in die Hände seiner Apostel und ihrer Nachfolger gelegt: ^Emvfanaet den hl. Geist; welchen ihr die Sünden

nachlassen werdet, denen sind sie nachgelaffen, und welchen ihr sie behalten werdet, denen sind sie be­halten". (Joh. 20,20.)

Noch mehr; was nützt uns alle Weisheit und alle Wundermacht und alle äußere Gleichstellung mit dem Heiland, wenn wir nicht auch innerlich ihm ähnlich werden? Und auch diese Möglichkeit hat er uns ei öffnet. Denn er hat denen, die an ihn glauben, die Macht geg-ben, Kinder Gottes zu werden" und bat sich gewürdigt, uns seineBrüder" zu nennen. Als Kinder haben wir dann auch das Recht, im öaufe Gottes zu wohnen auf ewig. Das ganze Meer seiner Seligkeit, die ganze Pracht seiner himm­lischen Herrlichkeit, alles, alles will der Heiland mit uns teilen.Ich gehe hin, euch eiire Wohnung zil bereiten, damit auch ihr da seid, wo ich bin".

Welch neidlose Seele des Heilandes! Ach daß auch nur der tausendste Teil einer' solchen Gesinnung auf Erden wohnte. Aber der Geist bet Finsternis, der Geist der Hölle, der Geist des Mißgunstes, der Geist des blassen Neides hat noch viele Nistplätze auf unserm Planeien, viele Nester in den Herzen der Menschen. Ich will nicht leben vom Neid unter den Nationen, von denen eine die andere mit Argusaugen verfolgt, ob sie nicht politisch oder wirtschaftlich in die Höhe kommt, von denen manch eine die Fackel des Krieges über die Grenze wirft, nur um den Aufschwung des Nachbarlandes zu unterbinden. Ueber den Sternen stehls geschrieben, wie viele Kriege, wie viele Trä­nen, wie viele Leichen, welche Unmasse von Unge­rechtigkeit, Grausamkeit und Sünde der Neid auf leinem schuldbeladenen Gewissen hat. Doch davon will ich schwelgen. Aber wie viel Neid herrscht noch unter den Christen derselben Nation, desselben Landes, derselben Gemeinde: wie viel Neid unter Ministern und Staatsmännern, von denen oft einer feinen Kollegen aus purem Neid zu stürzen sucht; wie viel Neid unter den Beamten, von denen einer dem an­dern seinen schönen Platz an der Staastkrippe nicht gönnt; wie viel Neid unter Professoren, Aerzten, Anwälten, Kaufleuten, Wirten, Gewerbetreibenden, wo einer dem andern seinen Ruhm, seine Kundschaft, sein Einkommen nicht gönnt; Wie viel Neid unter den Arbeitern, wenn einer einen leicht ren Posten und einen größeren Lohn hat als fein Mitarbeiter; wie viel Neid unter Bauersleuten, wenn des einen Acker mehr Frucht, mehr Kartoffeln, seine Bäume mehr Obst, feine Wiefen mehr Futter bringen als des andern, wenn einer für seine Waren' ein Paar Papierscheine mehr löst als ein anderer. Nicht zu reden von der Sünde: wie viel Unsinn, Verkehrtheit und Selbstschädigung liegt in solchem Neid, wie schon Sirach betont mit den kräftigen Worten: Des Men­schen Leben ist ein gesundes Herz; Knochenfraß aber ist der Neid. Drum fort mit dem Neid und ange­zogen das Kleid des Heilandes, das Kreid der Teil« na-me, das Kleid der Liebe: weinet mit den Trau­rigen und freut euch mit den Fröhlichen.

Der Blirgvkarrer-