Wochenkalender.
Sonntag, 18. Sept. 18. nach Pfingsten, Josef von Cuperlino, Bek.
Montag, 19. Sept. Januarius, B. u. seine Genossen, M-
Dienstag, 20. Sept. Eustachius u. seine Genossen, M.
Mittwoch, 21. Sept. Quat. Matthäus, Ap. und Ev.
Donnerstag, 22. Sept. Thomas v. Villanova, B. u. Bek.
Mauritius und seine Genossen, M.
Freitag, 23. Sept. Quatember. Linus, P. und M. Thekla, Jgfr. u. M.
Samstag, 24. Sept. Fest Maria von der Erlösung der Gefangenen.
Achtzehnter Sonntag nach Pfingsten.
(Evangel. Matth. 9, 1—9.)
Scheelsucht. -Zs
chau mir einer die Pharisäer
an:
ihrem alten Ruf, daß sie Heuchler sind, machen sie heute wirklich Ehre Tun sie nicht, als hätten sie alle ^ Gottesfurcht allein gepachtet? „Die- ser lästert Gott", sprechen sie mit scheinheiliger Entrüstung gegenüber dem Heiland, als dieser dem Gichtbrüchigen seine Sünden nachgelassen hatte. Als ob es ihnen so furchtbar leid getan hätte, wenn wirklich eine Gotteslästerung geschehen wäre! Lüftet nur euer Visier, ihr verkappten Heiligen! Nicht aus der Gottesfurcht, nein, aus der Scheelsucht, ist euer Wort geboren. Ihr könnt es nicht sehen, daß Jesus etwas tut, das chm Ehre einträgt, etwas, wozu ihr nicht fähig seid, was euren Ruhm verdunkelt. Und gesteht es: dieser Neid hat euch immer weiter getrieben, immer weiter gehetzt, bis ihr euch dazu verstiegen habt, die Sonne anzuschwärzen, die Heiligkeit zu verleumden, die Unschuld zu morden! — 1
-an, der Neid, die vierte unter den Hauptsünden, ist ein gemeines, ein häßliches, ein verderbliches, ein törichtes und dabei ein weilverbreitetes Laster. Wo zeigt der Neid zum erstenmal sein bleiches Gesicht uni. wo aßt diese Leidenschaft zum erstenmal' ihre heisere Stimme hören? O an einem Ort, an dem der Friede und das Gluck ewig hätten wohnen sollen — im Paradies!
Schlage auf das Erstlingsbuch der Menschheit die Genesis. Was liesest du? „Voll Neid schaute der Teufel auf das Glück der ersten Menschen" Siehst du die Quelle dieses Lasters? Der Rhein entspringt in Graubünden, der Main in Oberfranken die Elbe im Riesengcbirge und fast alle Flüsse haben ihren Ursprung in sonniger Höhe! der Neid allein, ia, der Neid entspringt in lichtloser, schwarzer Tiese, der Neid entspringt in der Hölle und wälzt von da seine schmutzigen Fluten durch die Welt, an deren
Ufern Haß und Feindschaft, Lüge, und Verleumdung, Not und Tod wohnen und gedeihen. Der Stich der neidischen Schlange hat dem Menschengeschlecht den Tod gebracht. Aus Neid hat Satan die Stammeltern versucht, und dieser Versuchung sind sie unterlegen, und diese Niederlage war eine Sünde und diese Sünde hat die Stammeltern um Glück und Frieden betrogen und hat ihnen und uns Verderben und Tod gebracht. Folglich ist der Neid der Vater
Scheidegruh.
Dem Hochwürdigsten Herrn Bischof vr. Schreiber.
ohl ist Dein reiches Wirken uns entschwunden; Doch nie Dein Bild im Herzen uns verblaßt. Wenn Du auch trägst in opferschweren Stunden An fremder Stätte hehren Amtes Last.
Des Heilands Lehre sollst Du laut verkünden;
Umbraust vom Tosen einer andern Welt, Des Glaubens Türme zielfest stärker gründen, Ob auch Dein Werk dem niederen Sinn mißfällt.
Wenn haßerfüllt in finsteren Gestalten Der Feind der Kirche Deiner Arbeit droht, Set eingedenk, daß nach des Sturms Gewalten. Des Glaubens Flammenfeuer heller loht.
Du trägst der Gnaden Fülle in den Händen.
Zieh, Hirt, hinaus in tagendes Gefild, Zerstreuter Herde Himmelstrost zu spenden, Das Wappen Christi sei Dir Schutz und Schild!
Engelbert May-Fulda.
des Todes. Ausdrücklich bestätigt diese Wahrheit der hl. Geist im Buch der Weisheit mit den Worten: „Durch den Neid des Teufels ist der Tod in die Welt gekommen".
Wo die Gänse weiden, sagt man, wächst kein Gras mehr: und wo der Neid spazieren geht, da verdorrt die Freude, da verschwindet der Friede, da heult der Schmerz, da grinst der Tod. Betrachte den Kain. Weil seines Bruders Opfer iungefällig ausgenommen, das seinige aber verschmäht 'wurde, war der Friede seines Herzens dahin und es nagten daran Zorn und grimmiger Neid. Anstatt aber ?ein bches Herz zu bessern und durch Buße Gottes Wohlgefallen zu erwerben, ließ er dem Neide alle Zügel schießen. Heimtückisch lud er eines Tages den Abel auss Feld — und draußen in einsamer S ’Ue erschlug er seinen Bruder. Da trank die Erde zum
erstenmal warmes Menschenblut, und ach es war Bruderblut, vergossen vom Neid! —
Wie manche Verfolgung, wie manche Anfechtung, wie manche Verleumdung, wie mancher Mord ist auch in unsern Tagen auf das Konto des Neides zu setzen! —
Eine ganze Schar von Neidbolden tritt uns in den Brüdern Josephs entgegen. Wegen seiner Jugendfrische, wegen seiner Herzensun chuld, wegen seines Gehorsams war er des Vaters Schoßkind, und, um ihm eine Freude zu bereiten, ließ ihm der Vater den im Morgenland so beliebten bunten Rock machen. Da war schon Feuer unter dem Dach. Dazu kam noch ein Traum. »Mir ists gewesen, als würden wir Garben auf dem Felde binden ; meine Garbe ricbiete sich auf und stand, eure Garben aber neigten sich vor der meinigen ringsum zur Erde". „Was soll das heißen?, herrschten ihn die Brüder an; willst du etwa unser König werden?". Von da an hatte/ Joseph keine schöne Stunde mehr im Hause seines Vaters, und endlich wurde im Rate der Brüder sein Tod _ beschlossen. In seinem Blut wollten sie den Durst ihres Neides löschen. Doch Gottes Ratschluß hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht und der Brüder Neid wurde zum Steigbügel zv Josephs Ruhm und Größe.
Wie schlimm hat der Neid dem König Saul mit« gespielt. Wenn er nur drei Gramm Demut und Klugheit besessen hätte, so hätte er den ganzen Ruhm Davids an seinen Wagen spannen können. Doch er besaß sie nicht. Als David den Riesen Goliath mit einem Steine ruedergestreckt hatte und die Soldatey siegreich durch die Lande zogen, da kamen ihnen überall Frauen und Mädchen entgegen mit Pauken unk Reigen, und sie sangen und sprachen: „Saul hat tausend erschlagen, David aber zehntausend". Das iDUrmte den König. Das konnte sein Hochmut nicht verwinden. Was, so dachte er, dieser hergelaufenL Hirtenknabe soll mehr geleistet haben als ich, der König in Amt und Würde? Und es befiel den König die Schwermut und es bemächtigte sich seiner der böse Geist. Manchmal wurde David herbeigeholt, um mit seiner Harfe den bösen Geist zu bannen. Als er wieder zum Klang der Harfe seine frommen Psalmen sang, griff Saul in einem Anfall von Raserei zur Lanze und schleuderte sie gegen David. Wäre dieser nicht zur Seite gewichen, so hätte David damals sein eigenes Grablied gesungen.
Siehst du die Häßlichkeit und Verderblichkeit der Scheelsucht? Ich möchte sie eine Augenkrank» heit nennen; denn sie macht, daß einem das Glück des Nebenmenschen Schinerzen bereitet, daß man es nicht sehen kann. Nan wächst auf unsereli Herbstwiesen ein hübsches Blümchen mit weißgelben Blüten, Augentrost genannt. Davon nimm gegen die Scheelsucht; dieser Allgentrost ist aber die Zufriedenheit. Schau nicht immer auf das vermeint- liebe Glück deiner Brüder, das deme Phantasie dir riesengroß ausmalt; betrachte vielmehr dein eigenes