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feit ^tzt bcM.MN. Auch der Nachruf Dr Erzberger ^'urde nrit eindrucksvoller Kundgebung ausgenommen. ' )ie Liebe der deutschen Katholiken zum deutschen Ba­uland kam unzweideutig zum Ausdruck. Endlose tubelstürme erfolgten, als der Vertreter des hl. Vaters, iumius P a c e l l i, in deutscher Sprache die Versamm­lung begrüßte und liebevolle Worte für das schwer 'leidende deutsche Volk fand. Als er den päpstlichen Segen erteilt hatte, setzte eine Kundgebung für den . Vertreter Papst Benedikts ein, die minutenlang dcn !Raum, in dem wohl 15 bis 20 000 Menschen ver­sammelt waren, machtvoll durchflutete. Ein weiterer Höhepunkt war die folgunde Rede des Bischofs von Limburg. Beifall, Händeklatschen, Bravo­rufe, unterbrachen häufig die kraftvollen Ausführungen, jo z. B. als er gegen die Hetzereien desReichsboten" Zogen den Nuntius Protest erhob. Der Begeisterung War kein Ende. Sie wurde durch die gediegenen Re­ferate noch weiter gehoben. Das herrlich: Sommer- wetter, festlicher Sonnenglanz, gab der Tagung die rechte Feicrstimmkmg.

Erzberger ermordet.

Abgeordneter Erzberger ist einem ruchlosen Ver­brech ff zum Opfer gefallen. Während er in den still- friedlichen Bergen des Schwarzwaldes mit feiner Fa­milie sich erholte, haben die Mörder ihrem Opfer auf* gelauert und in grauenhafter Weise diesem arbeitsrei­chen Leben ein jähes Ende bereitet.

Am Freitag voriger Woche, morgens etwa 10 Uhr machte Erzberger von Grimbach, wo er mit feiner Frau mrd seinem kleinen Töchterlein in einem katholischen Schwesternhause wohnte, in der Richtung auf ds: Alexanderschanze einen Spaziergang in Begleitung sei­nes Porieifwundes, des Abgeordneten Diez-Radolfzell (der vor Jahren als Verwalter auf dem Herrlein- toen Gut in Margrethenhaun tätig war). Die beiden Herren waren in angeregter politischer Un­terhaltung begriffen, einige Kilometer von Griesbach entfernt, als sie von zwei gutgekleideten jungen Män­nern, bereit sie keine Beachtung schenkten, überholt wurden. In einer Straßenturoe standen die beiden jungen Leute plötzlich wieder vor Erzberger und Diez. Ohne ein Wort zu sagen, feuerten beide aus nächster Nähe ihre Revolver auf die zwei Abgeordneten ab. Der Abz. Diez wurde zuerst in d-k linke Schulter ge­troffen. Er stürzte bewußtlos zu Loden. Wahrend Erzberger wohl auch schon getroffen um Deckung zu suchen einen Abhang hinuntersprang, wurde er von den beiden Mördern, die ihn verfolgten, durch 12 Revoluverschüsse in den Kopf und Leib getötet. Als der Abg. Diez sich wieder entfachen konnte, um nach Erz­berger zu sehen, konnte er nur noch den Tod feststellen. Die Mörder sahen von der Straßo aus zu. && stiegen dann die Höhe hinauf.

Sobald die Bluttat besannt geworden war, eilten Geririüsperfomn aus Oberkirch, der Offenburger Staalsanwolt und der Karlsruher Gmeralstaatsanwalt an den Tatort, wo sich auch eine Laâsjägerrnann- fchast und Fahndungsmcnmschaftrn eingefunden hatten. Durch Aussagen verschiedener Personen konnte eine ge- »sue Beschreibung der Mörder ausgenommen werden, zu deren Ergreifung umfangreiche Maßnahmen getrof­fen worden sirÄ.

Daß der Mord du politisches Verbeschen ist, stand von vornherein fest für jeden, ter nicht absichtlich die Augen verschließt. Das ganze Ausland war sich darin einig, sowohl das befreundete, wie das nnrtrale und feindliche, ebenso die gesamte Rutsche Presse der Links­parteien; selbst ein Teil her recksts gerichteten Blätter mußt« es zirgbeen, wenn such Me Mehrzahl derselben sus begreiflichen Gründen zu leugnen und auszuwü- chen such-te. Denn ein großer Teil dieser Blätter trägt durch ferne unmrsWsetzte schmachvoll,: Hcharbeit gegen Erzberger ein volles Maß der MLschutd. Zum großen Teil ist dieser politische Mord ihr Werk. Die deutsch- nationale Presse wird es nicht vermögen, sich davon rein zu waschen. Hatte sie sich doch gerade noch in den letzten Wochen wieder mit aller Kraft darauf ver­legt, ihn als den hassenswertenNeichsverdnrber' hin- znstellen, ein Wort, das sich fast täglich, seit Jahr und Tag in ihren Spalter: wiederholte.

Damals zur $& des Helfferich Prozesses hat diese Hetze einen unreifen Burschen, der zum deutschnai'.o- Halen Retter des Bate neuntes berufen zu ein glaube, < dazu getrieben, enf den Reichsfinanzm i n ist er vor dem ' Gerichtsgebärrde ein Attentat zu verüben, durch das tiefer, wie ernmerlich, schwer verletzt wurde; die jdjigen - Schützen haben das Zln erreicht, das jenem vsrfchwebte. Bus einsamem Waldweg« haben sie ihrem Opfer auf- MlcmeÄ und den, wie seinen W'rleiter, Wetzrlsssn

niedergesireckt. Die Folgen, die dieser Mord nach sich ziehen wird, sind zur Stund: nicht zu übersehen. Daß er eine starke Erregung in der Arbeiterschaft Her­vorrufen wird, ist zu befürchten. Jeden anständig Ge- sinnten aber muß die Tat bis ins Innerste erschüttern, mag er noch so s,.hr Einzelheiten im politischen Wirken Erzbergers nicht gebilligt haben und gar nicht mit uns der Rainung sein, daß er stets das Beste zum Heile des Beltes und Vaterlandes gewollt hat.

Erzk^rger war einer der fähigsten, arbeits- und opferfreudigsten Parlamentarier, die Deutschland her- vorgebracht hat. Liußerordenttich war schon d:r äußere 5)ergang und Ausstieg seines Lebens. Matthias Erz­berger wurde am 20. Sept. 1875 als Sohn eines Leh­rers in Battenhausen (Württemberg) geboren, besuchte das Lehrerseminar in Saulgau »md war baun zwei ^ahre ebenfalls als Voi-ksschuUchrer tätig. Sodann studierte er an ter kath. Universität zu Freiburg in der Schweiz Staats recht und Volkswirtschaft unb wirkte dann als Schriftsteller und Redakteur in Stutt­gart, wo er auch in der christlichen Gewerkschafts- b^wegung tätig war. Im Jachre 1897 war er Dele­gierter zum internationalen Arbeiter kongreß in Zürich. Im Jahre 1903 wurde er von d:m Wahlkreis Biberach in den Reichstag gewähU er war damals der jüngste Reichstagsabgeordt^e und hat feittem ununter­brochen dem Hause angchört.

Die rasch und energisch zugreisende Natur dieses Mannes, fein vor keiner Arbeit und Schwierigkeit zurückfchreckender Eifer, feiin Beweglichtett und feine sichere, rafchv Ausfaflu-igsgabs, feine GrschicktichiM in dcr Erfassung und Ausmitzung der jeweiligen Lage c^rschafsken ihm trotz seines jugeMichen Alt^s bald einen bedeutenden Einfluß. Eins hnvorragende Rolle spielte er in den Kommissionen, er galt bald als einer der besten Kermer des Etats. Besoârs urächte er von sich rebeu in den parlamentarischen Kämpfen, die Snte 1906 zur Auflösung des Reichstags und zu den Holtentottenwcchlen führten. Damals setzte zum ersten­mal eine widerliche H tze von nationalistischer Seite gegen ihn ein. Sern« Arbeitskraft war bald fast un­entbehrlich. Als einmal der ioz. Abg. Kunrrrt sich im Reichstag beklagte, daß ein Abgeordneter ein Zim­mer für sich allein als Arbeitszimmer benutz-, wo er Sommer und Winker ich hatte beinahe g sagt Tag und Nacht haust", antwortete ihm der national liberale Vizepräsident Dr. Paasche:Ich freue mich, daß einer unserer fleißigsten Kollegen, der Herr Abg. Erzberger, ein stilles Plätzchen gefunden hat und ich bin überzeugt, jetcr von uns, mit Ausnahme des Herrn Kunert, gönnt ihm dieses Plätzchen; denn er ist einer Derjeni­gen, der uns immer überrascht mit einer Fülle von Material, das er aus allen Ecken zclsannner^bcacbt hat."

Im Kriegs wmd« die bedsutends Tätigkeit Erz- bergers an der Spitze des Simics für Ausiandspropa- ganda, namentlich die in Slatien, zuerst aud) von feinen späteren Gegnern hoch eingeschätzt. Später aber, na* menttich seit der griebensrefoUinon, war er der best* geb' jgte Marm für die Partei der Militaristen um LrÄenborff, und noch heute macht man ihm die Reso­lution zum Vorwurf, obwohl feststeht, daß ihr durch das VechÄien urür die Politik der Michaelis, Ludrn- borff mD Konsorten, namentlich gegenüber der Frbr- densvernntttur^ des Papstes, jrder Erfolg unmöglich gemacht wurde.

Als es dann zu dM vnlitärrfihen Zufamnleiibrmh kanl im Jahre 1918 unb Erzberger gegen LuèkiÄsrff recht behalten hatte, fmâ ihn die deutsche Reichs- regierutfg durch die Kampf! inien Äs Waffenftillstsnds- Unterhändler. Ihm traute man die Nerven zu, in diesen furchlbaren Tagen das deutschen Volkes auszu- halten. Was er damals tat, tat er im Auftrag und mit ausdrücklicher Zustimmung der OberstM Herres- leitung. Hindenburs selbst hat ihn beauftragt, mtter jeder Bedingung zu untsrsch^ân. Und doch setzte später daraufhin die widsrlichste und gemeinste deutsch- nationale Hetze ein, die ih»r wegen der Waffenstillstands- bedingungen als Erzo erderber des Reiches, als oster landslosrn Gesellen, als Verräter der Heimat verfchr-e. Daß es Ludendorff war, ter das deutsche Waffenstcll- standsangeboi ungefrün verlangt und im mi-geenznenien Moment vom Kaiser und von der Regienwg erzwu!'.- gen hatte, wird dabei geflissentlich und in rrmvahr- hastrqer Weise verschwiegen.

In jenen Tagen wuchs die Zahl fein t Gegner mit jedem Tage, sowohl im Hee»: der Bsamten, denen der ,.Emporkömmling" höchst unangenehm mar, als auch in den Kreisen der Kriegsgewinnler, denen Erz­berger mit scharfen Etimergesetzen an den Leib r üd^ da er der Meinung war, daß die Mittel für den W^- deran-beu nicht von den versrnüsu Massen des Vol­kes, sondern von bett MMâirsn b^ Milliardären stnzntxriben wären. Es ist fMr $rd auch sn Wesen

©eschen, an der Sieitenefcmn! imb an der Veruw- gensabgabe herumImörgelt worden; die Kritiker be- dachten wenig, daß nur das rasche Zugreifen Deutsch­lands Wirtschaft retten konnte und daß bei solchen in rasender Eile geschaffenen Gesetzen Fehler nicht ver­mieden werden können.

Inzwischen sammelten sich die Gegner Erzbergers unter der Führung des früheren Siaatsfekuetärs für Finanzen von Helfferich. Es begann eine Hetze in der denifchrnitionalen Presse, die auch vor schmutzigen Mit- teln nicht zurückschreckte. Durch Aktendiebstahl setzten fid) feiiK Feinde in den Besitz der Steuererktärungen Erzbergers, um die Beschuldigung zu konstruieren, der gegenwärtige Reichsfinanzmimster habe sich in früheren Jahren der Steuerhinterziehmig schuldig gemacht. Schwerer Mißbrauch seiner politischen Stellung zu Ge­schäften wurde ihm vorgehalten. Jetzt wuchsen die Angriffe gegen ihn sich zum wahren Hexenfabbcuh aus. Erzberger war seinen Gegriern der Inbegriff des deut- scheu Defaitismus, dieInkarnation der deutschen! Sünde, die uns ins Unglück gebracht hat", der Ber« röter, ter im Walde von Compiègne dem Feinde scham­lose Unterwürfigtett bezeugt habe, derReiä-sver- derber", der die Rcpublck und die Linksrichrung der inrrereu Politik Deutschicurds und dessen Ohnmacht nach außen auf deni Gewissen habe. Doch die Kri.ik blieb bei seinen, politischen Behalten nicht stehen, feine all­deutschen Gegner haben ihn in dem bekannten Helfferich« prozeß als den Ausbund der Korruption und schmutzi­ger Eigensucht hinzustellen gnsucht, es seidie Erz ber­ge re i die Pestbeule des deutschen Volkes". Die An­klagen gegen seine persönliche Ehrenhaftigkeit haben sich als ©ntftdlmigen oder Erfindungen erwiesen, jene g gen seine politische Tätigkeit vermengen zum Teil Uebertreibungen mit der Wahrheit, zum Teil wider­sprechen sie mit einem geradezu blinden Fanatismus dem geschichtlichen Tatbestand. Heute z. B., da die bitter ernste Denkschrift des Kronprinzen Rupprecht besannt ist, die schon im Juni 1917 von dem drohen­den Sturz der Hohenzoll rn sprach und zum raschen Friedensschlüsse mahnte, und da man aus den Akten könnt, wie die Frieäensvermittlung des Papstes 1917 unter Kühlmann-Michaelis in Berlin vereitelt wurde, teht wahrhaftig die damalige Fr^densaktion Erz- lergers als eine Bettungstai da, die leider an denen um Ludendorff scheiterte. Selbst die Urteilsbegrün­dung des Helfferich-Prozesses erkennt Erzbergers zwei­fellos: Begabung, großen Fteiß, bctDunirernsroertes Ge- dächinis, Tatkraft und außerordentlich: Rührigv.tt art und selbst Lies s Gericht, das ihn, den Ankläger, mora­lisch in diefem po.ikischen Tendenzprozcsse zur Erde zu schleudern suchte, mußte in seinem Urteife einräumen, daß Erzberger mit seiner hohen Begabung das Beste für das Vaterland cnkg ftrebt habe.

Als damals das erste Aktenktt gegen Erzberger ge­schah und das gefährliche G.fchoß an ter Uhr kette des Ministers absprang, während andere Schüße ihn ver­wundeten, gab der Aktemät-er an, er hab: aus Vater­landsliebe gehandelt, denn er habe die Ucberzeugung gewönnet'., Laß Erzberger ein Schädling sei. Erzberger Hal dv: Tat damals mit folgenden Worten gekennzeich­net:Hclfferich hat den persönlichen Kampf in eine, Weife geführt, daß ein Tallkopf unter Berufung au die Broschüre Helch?richs zur Mordwaffe griff. Dei Mordversuch bleibt für alle Zeiten an den Rockschöße» Heifterichs als eine Folge ferner unverantwortliche, KsmpftLwèif« hängen."

Das Urteil im Hckffts-ichpr^etz, das, wie heute Mi steht, mrf fchrveren Lrrtümem beruhte, zwang Erzber ger zur Zurückhaltung. Jetzt, Äs di« Anlagen roegei S^-LerhtnlerziehrniL und w> grn Mewn-id enbgüliig ab getan waren, als die Ehrenrettung Erzbergers im befi^ Zuge war, als ferne schwer entbehrte Ard-itskrast de ', der Fraktion und dem Reichstag bÄd wiede zur Lerfügunq xeftrân hätte, hat ihn der Mord stahl natwnKlistifch-rechtsradikaler Buben getroffen.

Auch für die tctth. Kirche ist Erzbergers Tod d schusmer Verübt. Was er für die Misfrsnen, für de Bersin vom hl. Lande und in vielen kleinen und gn gen AngeleLLnhiten, über die heute noch die Akte fchâgen, für die kirchliche Sache ^mn hatt wird ,hi lwosrgessen bleiben. Dir offizi»:llen kirchlichen Stelle KHonders der Papst, haben Erzberger t za^ fd;e$ und ihm wiederholt drwch besondere Auszecchaunge die nicht an die große Glocke gehängt wurden, in ehr: vollster Weitz: ihre hohe Anerkcrmung ansKefprochr Er, drr als treuer Sohn der Krck-e gelebt ter gera als KalhÄik den protestanlischmÄionalrftltchsn Krcrs so v'chaßt war, hat es verdient, daß ein Vertreter È Erzbischchs von Freiburg, Dvmkap-iular Weber, I her Einfrgnng friiM Leiche tu mimen Worten dan für afie feine Licbe xnd Mühe um die kirchliche Sac daß die treuen Ksthottken reu. Erics büch und d.r m teren Umgebung, bessârs die kÄh. Vereine mit ch Fahnen ihm dir letzte Ehre erwiesen bei ter Xot.i^