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Deutschland überhaupt. England möchte Deutschland das Industriegebiet überlassen und den Beziehungen mit Deutschland durch Verständigung wieder eine nor­male Gestalt verleihen. Die Franzosen wollen durch dauernde militärische Uebermacht Deutschland Nieder­halten und Lazu brauchen sie hu Osten die Polen. Ge­rechtigkeit, Abstimmungsergebnis, wirtschaftlich und geographische Verhältnisse sind den Franzosen, die sich immer als die Hüter der Humanität und Freiheit bei der Entscheidung über das Schicksal Oberschlesiens auf. spielen, gleichgültig, sie wollen unter allen Umständen auf Lern europäischen Festland die führende Rolle spie­len. Die Engländer sehen naturgemäß diesem Streben ihres allzu groß gewordenen Schützlings mit scheelen Äugen zu. Oberschlesien in der Hand Polens und Frankreichs bedeutet die Vereinigung des Besitzes fast der ganzen Kohlenförderung und Eisenindustrie des Kontinents in dèr Hand Frankreichs, das ja sicherlich alsbald auch die Industrie des Ruhrgebiets von der Konkurrenz ausschließen könnte. (England hat sich bis­lang diesen Bestrebungen Frankreichs nach der Vor­machtstellung nicht allzu scharf widersetzt, da es seine Aufmerksamkeit hauptsächlich den innerpolitischen Schwierigkeiten, sowie den asiatischen Problemen zu- wenden mußte. Infolge des Weges der Griechen und der Beruhigung im Innern jedoch hat Lloyd Ge­orge wieder etwas mehr Bewegungsfrecheit erlangt und zeigt dies denn auch gleich durch größere Festig­keit gegeniiber Frankreich. Wie der Streit ausgehen wird. Et noch nicht zu sagen. Im Augenblick scheint es ja, daß Frankreichs Baume nicht in den Hinunei wachsen. Doch wollen wir uns keiner Täuschung hin. geben, es ist immer noch nicht ausgeschlossen, daß wir auch diesmal, wir schon so oft in den letzten Jahren, wenn zwei der ganz Großen nicht einig wurden, die Leidtragenden sein werden, und man sich auf unsere Kosten wiâr einigt. Es wäre natürlich von unserm Standpunkt aus zu begrüßen, wenn die Fran- zosen ihre Angst und ihren Haß ablegten uni) sich auf die Notwendigkeit einer Verständigung mit uns zum gemeinsamen Wiederaufbau besännen. Schließlich ist es doch ein offenbarer Widerspnuh, wenn Briand einerseits für das Kabinett Wirth immer schöne Worte bat und dadurch seine Sympathie für die deutschen Be­strebungen nach Verständigung bekundet, auf der an- deren Selle sich aber von dem Einfluß der Haßpoirtiker nicht losmachen kann und eine PoLtik verfolgt, die aus völlige Nieosrwrfu^ und dauernde Vernichtung Deutschlands hinausiaust.

Erschossen

hat sich der frühere bayerisch« Verkehrsminister von Flaueudarsscr, zuletzt Leiter der Münchener Zweigstelle des Reichsverbehrsmlnifleriums. Er war, wie es früher in Bayern fast bei allen höheren Beamten Sitte war, liberal und ein ©egner des Zentrums; sehr sremLiich stand er zu den Sozialdemokraten. Als Hertling Mi­nisterpräsident wurde (1912), mußte er zurücktreten. Kun Eisner und seine Iudenfippschast, die im November 1918 bis guten Münchener Bierphilister überrumpelten, nahm ihn in sein Ministerium wieder auf und da er sich um das bayerisch« Verkehrswesen große Ver­dienste erworben hatte, blieb er, abgesehen von der kurzen Rätezeit, Minister bezw. Staatssekretär bis zum 20. Juli d. Äs. Schon seit langn Zett gingen allerlei Gerüchte über ihn und jetzt hat sich herausgestellt, daß er Münzfälschungen in großem Stil begangen hat. Ob eine krankhaft? Sammelwut oder ein anderer Grund ihn dazu getrieben, wird sich wohl kaum mit Sicherheit feststellen lassen. Münchener Zeitungen schreiben, er habe für seinen weiblichen Anhang viel Geld gebraucht und sei in letzter Zeit immer in Geldverlegerchetten ge­wesen, deshalb habe er sich zum Verkauf seiner Münz­sammlung entschlossen. Der damit beauftragte Ber­liner Agent entdeckte dabei falsche Münzen und zwar durchweg alte Stücke, die bisher als größte Selten­heiten oder nur als in et nm Exemplar vorhanden bekannt waren, vor allem römische Münzen. Frauen- dorffer hatte diese Fälschungen anfertigen lassem und seiner Sammlung eingereiht, was ihm umso leichter war, als er während seiner Mimsterzeit sich leicht Ab­güsse dieser seltenen Minzen aus allen möglichen Samm­lungen, vor allem in London verschossen konnte. Nach anderen Meldungen hat er als Minister, die in den staatlichen Sammlungen ihm zugängigun seltenen Münzen mit nach Hause genommen, Abgüsse davon machen lassen und solche gefälschte Stücke schon öfter bei Munzvrrsteigerungen mit in den Verkehr gebracht. Bei einer gerichtlichen Haussuchung wurden Kisten mit Gipsformen und Abgüssen von solchen Münzen gefunden. Am 20. Juli war er gerichtlich vernommen morden, einer zweiten, für den 22. Juli angesetzten Vernehmung hat er sich jetzt durch Selbstmord ent»

MM. Die bayerischen Novembermlnister nehmen eilt tragisches Ende. Elsner wurde erschaffen, Joffe en­dete im Irrenhaus und o. FrauenLorsser hat die Mord­waffe gegen sich selbst gerichtet.

Richtet Euch nach meinen Worten. . "

Der kommunistische Führer Abg. Adolf Hoffmann hat auf die Wiederherbeischaffung der seiner Frau gestohlenen Brillanten und Schmucksachen im Wette von 100 000 Mark eine Belohnung von 10 000 Mark ausgesetzt. Durch den Einbruch bei Hoffmann hat die Behörde erfahren, daß der kommunistische Abgeord­nete,^ der in der Sta^oerordnetenversammlung die EtÄeignuttg aller Bür^rwohnungen für die Obdachlosen verficht, selbst zwei Wohnungen seit vielen Jahren imichot, eine Sechszimmenvohnung in der Stadt und eine Billa an der Oberspree. Wegen dieser Gesetzes­übertretung, die umso schwerer ist, als es in Berlin 92000 Wohnungslose gibt, ist das Verfahren gegen den kommunistischen Führer vom Wohnungsamte ein» geleitet worden.

Das gut ausgepolfkerle Kleiubürgerdasein.

DerVorwärts" ist entrüstet über dierechtestetjeitbe Prelle, bis sich schon drei Tage im Vergnügen wälze"; weil der Adolf Hoffmann eingebrochen worden sei, wobei bekannllich Brillanten und anderes im Werte von 100 000 Mark gestohlen wurden. Im Verzeichnis der gestohlenen Gegenstände sei dochnichts Aufregen­des".Es sei im besten Falle das Inventar eines gut ausgepolsterten Kleinbürgerdaseins. Daß Hoff- mann . . . nicht genötigt ist, das Leben eines Prole- tarier« zu führen und wer führt es, wenn er nicht muß ist eben auch kein Geheimnis."

Es ist recht und löblich, Freunden in Verlegenheit beizufpringen. Aber im Zusammenhang mit Brillau» tenLiebstahl, Stadtwohnung und Landsitz vonKlein- bürgerdasein" zu sprechen, oerrät denn doch eine be- deutliche Begriffsverwirrung. Gegen diese Aufstellung polemisieren zu wollen, hieße ihr die erheiternde Wir­kung nehmen. In der Diskussion mit Leuten, die über Sünden der Stadtverwaltung" und ähnliche Dinge den Mund nicht voll genug nehmen können, wird Ab. HoffmannsKleinbürgerdasein" noch manchmal gute Dienste leisten. Für uns ist der Mann wieder einmal unbezahlbar. ____

Ueber die Ursachen der Weltkriegs und seinen verlauf

werden fortwährend Schriften veröffentlicht. Jetzt ist auch der frühere russische Kriegsminister Suchomlinow damit beschäftigt, seine Erinnerungen zu schreiben, wo­nach Frankreich und England allein die Schuld treffen soll. Viel Zweck hat all diese Schreiberei nicht, denn ein* roandfrei wird wohl kaum je festpütelleu fein, wer wirklich schuld ist. Auch bei all den Betrachtungen über den Verlauf des Krieges kommt nichts heraus. Es mag ja interessant fein, aber ein klares Bild gewinnt man auch nicht, denn jeder sucht natürlich die Sache so darzustellen, wie sie für ihn am günstigsten ist. Auf­fallend ist, daß so viele jetzt schon nach der Marne­schlacht an uns. Enderfolg gezweifelt haben wollen, be­kanntlich gehört dazu auch der deutsche Kronprinz und neuerdings sind auch Aeußerungen des bayerischen Kronprinzen bekannt geworden, die sich in ähnlicher Richtung bewegen und mich die Unbeliebtheit de? Ho- henzollern erwähnen. Schr eigenartig berühren an» gebüche Aeußerungen des Generals Hoffmann, des ehemaligen Gensralstrchschefs von Ober-Ost. Er spricht sich sehr abfällig über Ludendorff aus. Sein Birch sei ein Verteidigungsbuch, deshalb dumm, falsch und verlogen. Ueberall, wo er sich verteidige, mim» mele es von Irrtümern.Und der gute Hindenburg? Na, sein Buch ist sogar so, daß es einen Hund jam­mern könnte. Der einzige, der gut berichtet und wirk­lich auch etwas zu sagen hat, weil er eben ein ganzer Kerl ist, ist Tirpitz." Hoffmann meint, der Ausgang der Marneschlacht sei eine direkte Folge vonhöherer" Unfähigkeit gewesen. Auf dem linken Flügel habe man zehn Divisionen zu viel gehabt und auf dem rech, ten Flügel hätten sie gefehlt. Wir hätten die Schlacht und den Krieg unbedingt gewinnen können: aber man verzettelte die Kräfte in einzelnen Aktionen und traute sich keinen entscheidenden Schlag zu führen. Nicht einmal 1918, als ich Ludendorff eine Million Soldaten, die wirklich kämpfen wollten, nach dem Westen geschickt hatte, wagte man einen entscheidenden Schlag. Die Aktion gegen Italien war ebenfalls nicht genügend vor» bereitet, sonst hätte man die Linie Genua-Venedig sicher erreicht. Hätten wir 1914 sofort zwei Armee­korps mehr nach Rußland geworfen, so waren wir in kürzester Frist in Warschau gewesen und Men da­

gesamte Kriegslager Rußlands für uns netto können. Daß unsere Offensiven nach Anfangsers fast immer stecken blieben, ist richtig. Aber wer sagen, ob sich das wirklich hätte vermeiden l bei der Menge der Feinde und der gewaltigen a tonischen Hilfe besonders in den letzten Monate!

Ausland.

In dem Krieg zwischen den Griechen und Türk hoben die Griechen bei ihrer OfsMsive anschei große Anfangserfolge erzielt, eine Erscheinung v alle neueren Osfenpvm begleitet und worin i noch nichts Emjcheiüelwes zu erblicken ist: dies gilt besondere für Kleinasien, wo die Bedingungen für Bewegungskrieg sehr günstig sind. Wie oft haben u Offensiven im Weltkrieg Anfangserfolge gehabt. ( zu Beginn des Krieges im Westen, dann unter Hir bürg im Osten, später bei Tarnow-Gorlive, dann der bei Verdua, 1917 in Italien und schließUö Frühjahr 1918 im Westen und immer tam früher pater der Rückschlag und schließlich der Zujam bruch. Bis fetzt sind zwei wichtige Punkte tu Händen der Griechen. Aphium Karahissar ü ten der fruchtbaren Mohuselder, der Kreuzungsx der Bahnen nach Konstantinopel und Angora, Smyrna und nach Koma-BagSad mit seinen ur Sorten Depots und Kurahia, eine Stabt mit 61 Einwohnern, das alte Kvlyäon, an der Kreuzung alten Karawalienstragen nach Brujjc, Smyrna, Zj und Angora, und seit dem Mitktalter eine der bt tenüsttt! Städte des inneren Kleinasiens. In A h/ttschl natürlich Siegesiaunrel. Die ganze Nacht durch läuteten die Glocken, Freudenseuer wurden gegiüibei. Kanorrcnjchüjse verkündeten den Sieg, der Metropolitankirche fand ein feierliches Ler statt und ganz Alhen ist festlich beflaggt.

Ob das Kriegsglück den Griechen günstig b wird sich ja bald -eigen, da die Türken schon von; Gegenossetlsive berichten. Im übrigen ist es gut, sonders wenn die Zettungen große Leureziffern )en, sich daran zu erinnern, daß vor der Wahl, )er Jagd und im Krieg am meisten gelogen wird davon werden auch Türken und Griechen seine 5 nähme machen. Man muß erst das Ende «Viva Letzt darf man ja die Richtigkeit dcr Kriegsberichte zweifeln; als wir f. Z. einmal bei den recht merkwi sen Berichten unserer damaligen türkischen Bunde nossen die Bemertung beifügten:weml man den kischm Berichten glauben darf", besamen wir tele phisch und noch ein mut schriftlich einen Rüssel Frankfurter Generalkommando. Es wäre viel! besser gewesen, wenn man auch die Schlaf eingeftanben und nicht mit allerlei Ausreden, an ja ärch kein vernünftiger Mensch glauben konnte, i Nachteilige unterdrückt hätte. Deshalb war die I täuschung, als der Zirsammenbruch kam, in vielen L sen so groß.

Der Kath. Gesellenverein nach dem Krh

Gerade beite darf bet von Adolf Jtolp'mg in den r lutionaren Zeiten des vorigen Jechchurrderis gegrün Gesellenverein besondere Beachtung beanspruc Kolping hat seinen Verein als ein Heilmittel für Wmiben der Zell betrachte«, die er in dem damollgen letarld eibßdte: in den durch Sie wirtschaftliche (Ente Imig und Agitation der menschlichen Gesollschost entsr deten Gesellen imb jugendlichen Arbeitern. Diese d moralische' Hebung, durch Wiedereü>gewöhaung In Familienleben, durch Erziehung zu einer rekigmsen x sossung der ArbeL zuâzugew-mren und aus ibn et t tige Bürger ihres Volkes zu machen, war fein ^itL . Werk Kolping wuchs prächtig h«on, a^ l^s Stil früher Tod (1865) büte -hm kein Erbe. BeMNN Werttneaes zählte es 86 839 ordentliche und'an 130 außerordentliche MitB«der, 68 464 von den domali Mitgliedern lebten im Deutschen Reiche, die anderen Oesterreich-Ungarn, in der Schweiz, in Holland, Ni amerifa, in vatis, Brüssel, London, Stockholm und Nom. .. .

Der Krieg hat in den Reihen dieser LBtvlleder, ja fast alle im militärpflichtigen Alter standen grcnrso Lücken gerissen; an 20 000 haben Sr Leben im Kn gölassenl Das Kolpingwerk schien fast vcrmaün! 21 dennoch: der Name Vater Kolplng fw,rte l-liw^ ta. 50 000 Miigsteder in Deutschland und 12 000 ^ alüder in den arideren Länbsrn zusammc''! Das rrug Leben wurde durch rskig'.öfs Vortrags, vor allem in pnnttnsamon Sakraarenienempfang genarrt; an den mslâWchen Kormmmionen nânm durchchnÄllich bis 80 ProZ. teil. Für die Ausbildung in den burgerlu Tsuntnivsn. Mr dis FachauâLunL wirrde vieles fiel in icW phlerr'.chlskurscn ist an 17 000 Mil^redern riÄ^cechMr 'ForkbiLungsunlerricht ertert worden. 0 bSMW WMM for^U b^ -*4<ÄSK:;rein. 547 i