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deln wagrn, wenn fk genügend hinter die Kulissen gebiickr haben. Hören mir, was er selber schreibt:
I „Ich sah mir die Führer an. Die Beobachtung war Niederschmetternd: Die da in der Führung sogenannter Arbeiterparteien saßen, dachten im Ernst nicht an den Sozialismus, sondern nur an die Befriedigung ihres persönlichen Ehrgeizes. Die Krippenjägerei der Mehrhritssozialistsn kannte ich ja. Aber wie kam es nur, daß in der U.S.P. vornehmlich Juden das Heft in der Hand hielten? Was hatte z. B. der jüdische Großlapitalist Bankier Simon bei den unabhängigen Sozialisten zu suchen? Warum machten sie diesen, durch undurchsichtige Kolonialgeschäfte zum Millionär gewordenen Mann gar zum preußischen Finantzmini- ster? — Und weiter: bei den Kommunisten auch so ein millionenschwerer Kolonialgeschäftsmonn, der jüdisch? Rechtsanwalt Hertzfeld in Berlin, war er wohl geeignet, die Arbeiter in das gelobte Card des Hikunfts- ftaates zu führen? Endlich: Parrus-Helphant, Stern Israels einer, der durch „Lebensmittelgeschäfte" mit dem neutralen Ausland und Kohlenlieferungen an dänische Gewerkschaften zu 60 Millionen gelangt, würde wohl dieser „Expropriateur" für die Enteignung sein? Da hatte der jüdisch-christliche Großbankier von Schwabach-Wolf für die sozialrevolutionare Tageszeitung „Republik" eine Million hergegeben — warum? Da Hütte der jüdische Bildermakler und Millionär Paul (laifiem die unabhängige „Freiheit" finanziciren helfen — wieso? Da saß in der Redaktion des Arbeiter- blattes „Vorwärts" der jüdische Herr Stampfer und um ihn die Stammesgenossen Kuttner, Pfeifer, Rich Bernstein, Lepere, Viktor Schiff — weshalb? Da redigierten das andere Arbeiterblatt „Freiheit" die jüdischen Herren Hilferding, Hertz, Karfunkelstein, Stoessin- yer — weswegen?"
Ja, die ganze Sozialdemokratie ist verjudet und der größte Esel ist der Arbeiter, der sich von dieser Gesell- schaft am Gängelband führen läßt. Er sollte nur einmal sich das protzige Gebaren dieser „Arbeitervertreter" Mtt ihren brillantenbehängten Weibern ansehen, die es entrüstet ablehnen würden, sich mit Arbeitern, die „nach Schweiß riechen", an einen Tisch zu setzen, dann bekommt er Ekel und Abscheu davor. Es ist etwas anderes, Proletarier zu sein und vor Proletariern zu sprechen, um dann mit elegantem Automobil in eine elegante Gesellschaft zu fahren. Deutsche Stir heiter, wann fangt ihr denn zu denken an?
In Sachsen
sit bekanntlich gelegentlich der 700jährigen Jubiläums des Domstiftes zu Bautzen der alte Bischofsstuhl von Meißen vor einigen Wochen durch den Nuntius Pacelli im Auf- trag des hl. Vaters wieder hergsstellt worden. Sm An- schloß an die Jubläumsseier unternahm der Nuntius mit seiner Begleitung in zwei Automobilen eine Rundreise durch Sachsen. Yachdem ein Sohn der Diözese Fvtda zum ersten Bischof des wledererstandenea Bisènms erkoren ist, wird für unsere Leser ein Bericht über diese Fahrt von besonderem Interesse sein. Sie ging zunächst in die kath. Wendel; zuerst wurde ber Nuntius in Marienstern begrüßt, wo ihn der Abt von Ossegg, dem die beiden Zi- sterzienserinnenklöster Mariental und Marienstern unterstehen, Prälat Theobaldus Scharnagel, empfing. 3m Kloster Mariastern stattete er nach kurzer Andacht und Erteilung des päpstlichen Segens der Aebtistin Anna Lang einen Besuch ab. Von da ging es weiter nach dem Hauptorte der katholischen Wendel, nach Chrostwitz, wo ein Festzug stattfand, der die mannigfaltigen Trachten der Wmdel in wunderbarer Weise zur Geltung brachte. In Chrostwitz. seinem Heimatort, zelebrierte auch der neu ernannte Domdekan von Bautzen, apostolischer Protonotar Skala, zum ersten Male das Pontifikalamt. Weitere Be- grüßungen des Nuntius fanden in Storcha und Ratibor statt.
Am Dienstag, den 28. Juni, wurde die deutsche Lausitz besucht. In Löbau zelebrierte der Nuntius eine stille hl. Messe und reichte den zahlreich erschienenen Gläubigen die hl. Kommunion. An diesem Tage hatte für den in« folge einer Familienfeier ab gereisten Erbprinzen von Schönburg-Hartenstein, Graf Schall den Ehrendienst über- nommen. Die Fahrt ging dann von Löbau in das Görlitz er Neißetal, unb zwar zum Kloster Mariental, wo ebenfalls feierlicher Empfang stattfand. Das Pontifikalamt hielt dort der Abt von Ossegg. Nachmittags wurden dann die Diaspora-Gemeinden Zittau und das einzige rein kathoksche Städtchen Schirgiswalde, der Geburtsort des zuletzt verstorbenen Bischofs Löbmann, besucht, wo, wie überall, der Nuntius mit großem Jubel empfangen wurde. In Schirgiswalde segnete er auch die Bischofsgräber ein.
Am Feste Peter und Paul hielt der Nuntius das Pontifikalamt in Dresden in der katholischen Hoskirche. Tausende von Katholiken hatten sich eingefunden, als der Nuntius seinen Einzug in die herrliche Kirche hielt. Nach dem Pontifikalamt wurden in der bischöflichen Woher ung auf der Schloßstraß« in Dresden die Vertreter der katholisch geistlichen Behörde, der Siadtkler-us und schließlich gegen 30 katholische Laien, Männer und Frauen, als Vertreter der katholischen Vereine und der ^katholischen
Bevölkerung empfangen, In deren Namen der Vorsitzende des Ortsoerbandes der katholischen Vereine Dresdens, Abgeordneter Heßlern, sprach. In herzlicher Weise ant- wartete der Nuntius stellt und sprach vor allem zur großen Freude der Anwesenden die Hoffnung auf ein bol- Wiedersehen in Dresden aus. Nach einem Besuch Im MlNlsterrum setzte der Nuntius seine Reise nach Leipzig fort, wo abends eine große Versammlung stattfand, in
Herr Justiz rat Dr. Schrömbgens die Festrede hielt Der Besuch des Nuntius hat überall nicht nur große Freude erregt sondern er hat dazu beigetragen, die Dlaspora-Katholrken erneut zu ermutigen, im Kampfe um höchsten Güter auszuharren.
Der Sport
nimmt immer tollere Formen an. In vernünftigen Grenzen läßt man ihn sich gefallen, er darf aber nicht, wie das heute leider vielfach der Fall ist, in Roheiten und Verrücktheiten ausarten, wie das bei den immer häufiger werdenden Box- und Ringkämpfen und — wenn auch nicht so häufig — bei dem Fußball der 6all ist. Das Tollste war in den letzten Tagen der Rmgkampf zwischen dem Amerikaner Dompsey und dem Franzosen Carpentier. Dieser Letztere war der Stolz, Frankreichs, selbst Marschall Foch trat ihm gegenüber in den Hintergrund. Erst vor kurzem hatte er den Sieg über den ersten englischen Boxer davongetragen, nun sollte er sich auch mit dem Ameri- faner messen. 400 Poüzistm und einige Polizeiflug-/ Zeuge hielten Ordnung. Rings um den Boxring arbeiteten ton vier langen Tischen 400 Journaâsten, weitere 300 hinter den Logenplätzen. Hundert Telegraphenapparate waren rings um den Ring ausgestellt. Zwei französische Zeitungen hatten Son-öer- kabel gemietet, um möglichst schnell die Nachrichten nach Frankreich zu bringen, wie einer dem sichern einen „Stoß auf den Bauch versetzt" oder einen „Schlag hinhaut" u. bergt. In Paris wurden auf einem der größten Plätze der Stadt diese Nachrichten über den jeweiligen Stand des Kampfes dem Publikum kundgetan. Natürlich zweifelte man nicht an dem Siege des Franzosen. Da kam die niederschmetternde Nachricht von dem tödlichen Schlag in der 4. Runde, den Carpentier und mit ihm ganz Frankreich erhalten hatte. Eigentlich tödlich war der Schlag nichtz Nur konnte der aus Mund und Nase blutende Carpentier nicht mehr aufstehen. Sein Nasenbein war gebrochen unb die Foust verstaucht. Sein Unterkiefer etwas verschoben, der Kopf eingenommen und der Magen in Unordnung geraten. — Wir haben's herrlich weit in der Welt gebracht! Ueber diesen in seinen Schilderungen geradezu verrohend wirkenden Zweikampf macht man ein Wesen, als ob's nichts Wichtigeres gebe! Man gibt Millionen aus für Steifen und De- psschen, Millionen für Zuschauen und Wetten, als ob keine Not in der Welt Mllionen Armer bedrückte! Man entrüstet sich über die rohen, grausamen Stier- kämpfe in Spanien und jubelt über den gelungenen Kienbackenschlag ober Magenstoß oder Hieb auf den Hals oder Kopf des Nebenmenschen, als ob dieser weniger Schmerz und Gefühl hätte, als ein wütender Stier oder alter Klepper. Das Bedauerlichste ist, daß besonders die Jugend vielfach nur noch für Sport Sinn hat und für ernste Dinge nicht mehr zu haben ist. Da muß unbedingt eine Wandlung ein treten, wenn nicht die Verflachung immer mehr um sich greifen soll.
Ueber den Krieg im Orient
zwischen den Türken unter Kenral Pascha und den Griechen lauten die Nachrichten widerfprAhend. Ein nachhaltiger Erfolg der Kenialisten würde nicht nur Griechenland, sondern auch Indien, Aegypten, Mesopotamien und außerdem noch Konstantinopel bedrohen. Einen solchen Krieg könnte England bei all seinen sonstigen Nöten gerade noch gebrauchen! Aber schließlich müßte es doch eingreisen, wenn z. V. Kemal Pascha Konstantinopel besehen sollte. Uebrigens wird Eng. land immer mehr als der Todfeind des Islam betrachtet. Bekanntlich hat es Zeiten gegeben, wo die Dinge anders lagen — damals vertraute man auf Englands Hilfe und Beistand gegen die damaligen Nationalfeinde: die Russen. Im Krimkriege schlugen England und Frankreich das Rußland Les Zaren nieder und in allen Moscheen wurden dafür Dankgottesdienste abgchalten. Aber allmählich wandelte sich die Stimmung in England zu Ungunsten der Türken; dafür wurde Griechenland Englands Liebling. Der große Gladstone sprach von dem „unspeakable Turk" (des unaussprechlichen Türken), ^tatt dessen haben die Türken — so wandelbar sind die Beziehungen in der großen Politik! (ein Trost auch für uns) — sich in die offenen Arme Sowjet-Rußlands geworfen. Russen und Türken, fett Jahrhunderten Todfeinde, find jetzt innige Freunde geworden und bedrohen d^n
britischen Besitzstand in Indien, Vorderasien Aegypten. Kirgisische Reiterregimtener sollen schor Kleinasien den Kemalisten zu Hilse geeilt sein. Ob die griechische Offensive Aussicht auf Erfolg hat ist n als zweifelhaft. Griechenland wollte eine Revision Friedens von Sevres zu feinen Gunsten erzwing aber statt dessen wird es sich auf Verluste g-rfaßt ma müssen. Uebrigens ist die Bevölkerung der Tü durch ein Himmelszeichen in große Aufregung freudige Hoffnung versetzt worden. Bei vollem geslicht beobachtete man nämlich, daß ein Nern z schen den Hörnern des zunehmenden Mondes fit und da auf diese Weise der Himmel selbst das W pen Mohammeds" so wunderbar Hervorzsubrrte, fe sie darin „eine günstig: Vorhersage für ben Ausg der gegenwärtigen Wirren und Gefahren". Auch Europäer hat ja diese Erscheinung interessiert: Planet Venus, der vor einigen Tagen in Monsuns mit dem Mond stand. Man kann ja nur münfd daß die Türken ihr ©taube nicht trügt und daß Erscheinen dieses nationalen Symbols ihnen mirl zu neuer Festigung ihres Reiches verhifft. Deim w sie auf das Wiebere rfchemen des Zeichens warten w ten, fo müßten sie sich bis zur Mitte des Iahchund gedulden, und so lange werden sie nicht warten wol mag auch die Ordnung der Verhältnisse vom „he Rat" noch so schr verschlügt werden.
Begm Professor Dr. Schreiber Bischof von Meißen.
Der Regens des Fuldaer Priestersenmiars, Proft Dr. Christian Schreiber ist vom Hl. Vater zum Bif des wledererrichteieu Bistums Meißen ernannt wov Stolz unb Freude, daß unsere Diözese diesen e tigen Posten mit einem ihrer Priester besetzen bars, < auch tiefes Bedauern, daß tu i r «neu der bc Männer aus unserer Mitte scheiden lassen sollen, t Gefühle stürmten bei der Nachrichl auf uns ein. ' sind überzeugt, daß es bei allen unsern Lesern nicht ant sein wird. Stolz und Freude über die Ehre, herzlt GlücklMMfch für den Erwählten des Hl. Vaters, Im und Schmerz um den Weggang des Herrn Regens, rote feiten ein Mitglied unseres Klerus, die Hei aller gewonnen hat, die mit Sxn in Berührung treten sind. Weil über den Kreis der [ daer Katholiken hiimus, über den Kreis derer htm die ihn in der Diözese Fulda und über deren Gier als den begeisterten und begeisternden Redner kennen lernt hatten, auch in den Kreisen der Andersgläubi hat Regens Prof. Dr. Schreiber Verehrung ob fe edlen Menschheit, Liebe ob seiner nie versagenden H berelkschaft, Achtung ob seines Wissens und feiner allen Gebieten der Kunst und Wissenschaft glänzend wahrten Art gefunben. Nun soll er von uns gehen. Hl. Vater stellt iha auf einen wichtigen Posten. Rer Prof. Dr. Schreiber wird schworen Herzens von I gewonnener Tätigkeit scheiden, aber er wird dem 3 folgen, um die Gaben, die ihm der gütige Gott liehen hat, da zu gebrauchen, wo ihm der Stelloertl Christi den Platz angewiesen hat. Mit seinem Bisi mit dem Klerus, dessen jüngere Angehörige in ihm it Lehrer und Berater sehen, begleitet ihn bas kathol Volk der Bomsatiusstadt und der Diözese Fulda den besten Wünscher, zu der neuen schweren Aufg Der Amtsantritt des ernannten Bischofs von Me! soll, wie wir hören, tunlichst beschleunigt werden, bleibt uns nichts, als dem Meister heiliger Kircheum dem sortreißenden Prediger, dem sesselndcn Volksf schullehrer, dem vielseitigen Gelehrten und Schriflstc dem edlen Priester, dem verehrenswürdigen Freund, sicherlich seinerseits die Hcmraüdiözese, die erhebet und die schweren, ja sehr schweren Swnden im Du der Kirche und des Baterlaudes, die er gemeinsam treu ergebenen Weggenossen hier verlebt Hatz nicht geffen wird, aus ganzem Herzen zuzurusen:
Golles reichsten Segen dem Bischof von Meißer
Der vom Hl. Vater zum Bischof von Meißen ernn Regens Dr. phil. et tijeoL Christian Schreiber Ist 3. August 1872 zu Somborn im Freigericht (Kr. C Hausen) geboren. Er bestand 1892 am Gymnasiun Fulda mit Auszeichnung die Reifeprüfung unb studiert Fulda und Rom. Am 28. Oktober 1898 wurde er Priester geweiht. Am 1. Oktober 1899 wurde er ’ fessor am Bischöflichen Priesteffeminar. Subrcgens w er am 1. Mai 1902 und Regens am 1. April 1907 Srochfolger des jetzigen Hochmürvigsten Herrn Bif Joseph Damian. Am 14. Februar 1908 wurde er 2 präbendant.
Das wiedererstandene Bistum Meix zu dessen ersten Bischof N e ge n s D r. Schreiber