Nr. 50
Kafiel, den 24. Juli (921
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für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag u. kostet vierteljâhrl. Ausg. A 2 — 'M., B 2.50 Mk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen bte einspaltige KolonelzeUe oder deren Raum 40 Pfg. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Für Offert- und Auskunft-Anzeigen 30 Pfg. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher. Druck «ud Verlag bet LuLdaer Aetiendruckerel.
Wochenkalender.
mtag, 24. Juli. 10. n. Pfingsten. Christina Igfr. u. M. mtag, 26. Juli. JakobuS, Apostel, Christophorus, M. mStag, 26. Juli. Anna, Mutter der heil. Igfr. tttvoch, 27. Juli. Pantaleon, M. nnerstag, 28. Juli. NazariuS u. CelsuS, M., Viktor, 3. u. M., Jnnocenz, I. Papst.
:itag, 29. Juli. Simplicius, FaustinuS u. Beatrix, M. Rartha, Igfr.
mstag, 30. Juli. Abdon u. Sennen, M.
Zehnter Sonntag nach Pfingsten.
(Tvangel. Luk. 18, 9-14.)
In jener Zeit sprach Jesus zu Einigen, die sich ist zutrauten, daß sie gerecht seien, und die Uebrigen achteten, dieses Gleichnis: Zwei Menschen gingen auf in den Tempel, um zu beten; der eine war ein arisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer ite sich hin, und betete bei sich selbst also: Gott, ich tte dir, daß ich nicht bin, wie die übrigen Menschen, : die Räuber, Ungerechten, Ehebrecher, oder auch wie ser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche, und >e den Zehnten von Allem, was ich besitze. Der Hn« aber stand von ferne, und wollte nicht einmal Augen gegen Himmel erheben, sondern schlug an re Brust, und sprach: Gott sei mir Sünder gnädig. I sage euch: Dieser ging gerechtfertigt nach Hause, er mcht; denn ein jeder, der sich selbst erhöht, wird üedrrget, und wer sich selbst erniedriget, der wird ühet werden.
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^> Das Rettungsboot. UEe^
H^uf großen Dampfern befinden sich V Rettungsboote. Ist das Schiff in y Gefahr, so werden sie über Bord gelaffen, und die Paffagiere steigen ein und bringen ihr Leben in s* Sicherheit.
Beißt uns nicht das heutige Evangelium auch Rettungsboot? Ja, ei« Rettungsboot für die ele. T«eh, der Zöllner war ein großer Sünder, Betrüger, ein Halsabschneider. Was hat ihn :r gerettet? Was hat ihn versöhnt mit Gott? rs hat ihm ein Lob aus dem Munde des Heilandes Betragen9 Die demütige Buße, verbunden mit II aufrichtigen Bekenntnis seiner Sündhaftigkeit. Und nun, mein Freund, steht auch dir ein ttungsboor zur Verfügung: es ist die Buße, die der hl. Beicht geübt und durch die Lossprechung Priesters gekrönt wird.
Groß und wunderbar ist in diesem Sakrament Gewalt des Priesters, ähnlich groß wie die molungsgewalt. In der hl. Messe übt der Prie- : Gewalt über den wirklichen Lèib Christi, in der ^t aber über den mystischen Leib Christi, der lldet wird von den..Seelen der Gläubigen, die der
Herr erkauft hat mit seinem kostbaren Blute. Ich bitte dich, diese Absolutionsgewalt einen Augenblick gläubig zu überdenken.
Gesetzt den Fall, du wärest durch Leidenschaft oder Verführung in eine schwere Sünde gefallen, hättest dadurch die Gnade Gottes und den Himmel verloren, wärest in die Botmäßigkeit Satans geraten und der Hölle schuldig geworden. Wer kann in diesem Unglück dir helfen? Wer dich herausziehen aus der Umklammerung Satans? Wer dich auflesen am Rande der Hötte? Wer das Rettungsboot dir Zuspielen? Der Priester, einzig und allein der Priester. Dazu hat Gott ihn ausgerüstet mit der ®e» walt der Lossprechung. Unabänderlich bleibt Christi Auftrag an die Apostel und ihre Nachfolger, die Bischöfe und Priester: „Empfanget den hl. Geist: welchen ihr die Sünden nachlaffet, denen sind sie nachgelassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten." (Joh. 20, 22.)
Da hast du es gehört. Zu wem also mußt du gehen, wenn du auf Nachlassung deiner Sünden rechnest? Zu den Aposteln und ihren Nachfolgern, auf welche die Absolutionsgewalt durch die Priesterweihe sich vererbt hat. Wotttesi du eigenmächtig einen andern Weg einschlagen: es wäre ein Irrweg. Würdest du etwa zu deinem Schutzengel gehen, èr würde dich abweisen und zum Priester schicken. Würdest du zum Heiland selber gehen und ihn bei all seiner Güte und Milde um Verzeihung deiner Sünden anflehen: ich sage dir, er würde dich abweisen und jenes Wort zu dir sprechen, das er einst zu den Aussätzigen sprach: „Gehet hin und zeiget euch den Priestern". Das ist die Praxis der Kirche durch die Jahrhunderte, das die Lehre der hl. Väter. Es ist als hätte der hl. Augustinus mit einem Adlerblick die Ausflüchte hochmütiger Menschen von heute vorausgesehen und zum Voraus entkräftet. Sage nicht bei dir, so schreibt St. Augustin: ich mache meine Sache heimlich mit Gott ab; Gott weiß cs schon; er ist es, der mir verzeihen muß. Wie töricht! Hat demnach der Heiland umsonst gesagt: „Welchen ihr die Sünden nachlaffet, denen sind sie nachgelassen"? Sind umsonst der Kirche die Schlüssel gegeben worden? Es ist also nicht genug, Gott zu beichten: man muß auch denjenigen beichten, die von Christus die Macht zu binden und zu lösen bekommen haben. Energisch warnt derselbe Kirchenvater vor gewissen Gescheidlingen, indem er sagt: „Laß dich nicht verführen von jenen Träumern, welche dir, wenn sie dich besuchen, vorschwätzen, als sei ein mit Umgehung der Priester Gott allein gemachtes Bekenntnis hinlänglich, um selig zu werden: nein, den Priestern, steht es zu, zu lösen und zu binden; diesen also, den Priel ern, muß man die Sünden offenbaren". Der hl. Cyprianus gibt uns folgende eindringliche Ermahnung: „Liebste Brüder, beichte doch jeder sein Verbrechen, so lange er noch lebt und |o lange die von den Priestern erteilte Nachlassung Gott angenehm ist".
Wie groß ist also die Gewalt des Priesters in der hl. Lossprechung. Schweige mir von der Befugnis der Regenten, Verbrecher zu begnadigen. Größer ist die Gewalt des Priesters. Sie löen die Seelen von den Feffeln der Sünden und öffnen mit goldenem Schlüssel die Pforten des Himmels. Haben etwa die Engel eine solche Gewalt? Keineswegs; denn zu keinem aus ihnen ist gesagt: welchen ihr die Sünden nachlasset, denen sind sie nachgelassen.
Welch große Wohltat spenden also die Priester den Seelen in der hl. Lossprechung. Setzet den Fall, ein Taurist wäre in den Alpen abgestürzt und läge hoffnungslos im schauerlichen Abgrund; da würde sein Freund unter eigener Lebensgefahr hinabsteigen und den Verunglückten zum Lichte des Tages zurückbringen. Das wäre sicher eine große Wohltat. Größer aber ist die Wohltat, die der Priester spendet in der Absolution: nicht einen vergänglichen Leib, sondern eine unsterbliche Seele holt er heraus aus dem Abgrund der Hötte und trägt sie zum himmlischen Licht. Vom hl. Johannes von Gott wird erzählt, er hübe sich einst in das brennende Spital gestürzt und auf seinen eigenen Armen die armen Kranken aus den Flammen getragen. Das war gewiß eine große Wohltat; eine größere Wohltat spendet aber der Priester in der Absolution : Seelen, die schon den Brandgeruch der Hölle an sich tragen, holt er heraus aus den Flammen und legt sie in den Schoß der göttlichen Barmherzigkeit. Hättest du auch nur ein einziges Mal eine schwere Sünde begangen und hättest vom geringsten aller Priester davon die Loffprechung erhalten — wahrhaftig, du wärest dem Priestertum ewig verpflichtet.
Warum also bei manchen Katholiken eine solche Scheu vor dec Beicht? Warum so selten und nachlässig sie verrichten? Könntest du dir die Steuern und Umlagen vom Halse bringen, du würdest wahrhaftig keinen Gang scheuen. Und um deine Sünden loszuwerden solltest du zurückschrecken vor dem Gang zum Priester, zurückschrecken vor einem ehrlichen Bekenntnis? Den Schaden hast du selbst bei seltener Beicht, aber auch den Nutzen und Segen bei öfterer Beicht. Das Wort, das einst dem seligen Pfarrer Vianney entschlüpfte mit Bezug auf seinen Beichtstuhl in Ars, das dürfte man auf jeden Beichtstuhl anwenden: erst am jüngsten Tage wird es offenbar werden, wie viel Gutes geschehen rst in diesem Beichtstuhl. Der Burgpfarrer.
Zur Priesterweihe.
Was ist dir, lieber Leser, der katholische Priester? Wer seine Priester mit weltlichem Blicke betrachtet, der sieht in ihnen nichts anderes als gebildete Männer, welche die Menschen mit dem kalholischen Glauben bekannt machen. Ja, es mag sogar Katholiken geben, welche den katholischen Priester geringer werten als die ebenso vorgebildeten Vertreter weltlicher Berufe.