MMW
für die katholischen Gemeinden Kassel
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Wochenkalender.
ionntag, 10. Juli. 8. nach Pfingsten. Die7 hl. Brüder, M.
Nontag, 11. Juli. P»uS I., P. u. M.
Dienstag, 12. Juli. Johannes GuolbertuS, Abt. Nabor und Felix, M.
Nittwoch, 13. Juli. AnakletuS, P. u. M.
Donnerstag, 14. Juli. Bonaventura, B. u. Kirchenlehrer.
Freitag, 15. Juli. Heinrich, Kaiser.
samStag, 16 Juli. Skapulierfest (Maria v. BergeKarmel).
Echter Sonntag nach Pfingsten.
(Evangel. Luk. 16, 1—9.)
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern Keses Gleichnis: ES war ein reicher Mann, der hatte nnen Verwalter, und dieser kam in Übeln Ruf bei ihm. tlS hätte er seine Güter verschwendet. Er rief ihn also md sprach zu ihm: Warum höre ich das von dir? Äiv Rechenschaft von deiner Verwaltung; denn du chnnst nicht mehr Verwalter sein. Der Verwalter sprach )ei sich: W >s soll ich tun, da mein Herr mir dre Ver- naltung abnimmt? Graben kann ich nicht, und zu betteln schäme ich mich. Ich wertz. was ich tue. damit, wenn ich von der Verwaltung entfernt sein werde, sie mich in ihre Häuser ausnehmen. Er rief nun alle Schuldner seines Herrn zusammen und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Dieser aber sprach: Hundert Tonnen Oel. Und er Prach: Nimm deinen Schuldschein, setze dich geschwind, and schreibe fünfzig. Dann sprach er zu dem andern: Wie viel aber bist du schuldig? Er iprach: Hundert Malter Weizen. Und er sagte zu ihm: Nimm deine Handschrift und schleibe achtzig. Und es lobte der Herr )en ungerechten Verwalter, daß er Hug gehandelt habe; Senn die Kinder dieser Welt sind in ihrer Art klüger, US die Kinder des Lichtes. Auch ich sage euch: Machet mch Freunde mittels des ungerechten Reichtums, da. mit, wenn es mit euch zu Ende geht, sie euch in die ewigen Wohnungen aufnehmen.
Ein vielköpfiges Ungeheuer.
er gewaltige Herkules erlegte die Lernäifche Schlange, ein Ungeheuer mit neun Köpfen. Das ist nur eine Sage. Ich weiß ober ein an» deres Ungeheuer, das überall in der . , r vorkommt und mit seinen meken Köpfen großes Unheil anrichtet. Das ist die anmäßigkeit — besonders in den Rauschgelränken. Wäre mit der Unmäßigkeit alles vorbei und Durüe diese Sünde einsam bleiben wie der Storch ruf dem Dache, so könnte man sich damit abfinden. Das in aber nicht der Fall. Diese Sünde ist wie NN Schlangenkopf, aus dem viele andere hervor« Dachsen.
Durchgehe einmal die Gebote Gottes der Reihe rach, ob nicht eines um das andere vom Trinker ntt Füßen aetreien wirv.
Wie hält der Unmäßige das erste Gebot? Wie dient er feinem Herrn und Gott? Wie kommt e> dem Gebete nach? Ach, sein Gott ist ja der Bauch, dem er mit Vorliebe huldigt und opfert. Wird woh: der Unmäßige, nachdem er den ganzen Abend gezecht, noch ein Nachtgebet sprechen? Und wenn er in der Frühe — oder vielleicht erst beim Sonnenschein oder am hellen Mittag — aus dem Du el erwach», wird er da noch ein Morgengebet verrichten? Eder würde man einen Stier im Stalle beten hören als einen Betrunkenen.
Wie hält der Unmäßige das zweite Gebot? O welch abscheuliche Flüche stürzen aus dem Mund eines Angetrunkenen. „Noch zittert mir,* so erzähl« ein Geistlicher, „das Herz, wenn ich an ein Erlebnis denke, das mir in einem Dorfe einer Weingegend zugestoßen ist. Dort war eine Hochzeit gefeiert worden. Andern Morgens gegen zwei Uhr wurde ich vom Schlafe nufge chrecki durch einen fürchterlichen Sp k- >akel. Was war los? Einer der Hochzeitsgäste war betrunken auf der Straße liegen geblieben. Sein Kamerad, der etwas nüchterner war, wollte ihn nach Hause ichaffen. Jener aber schrie aus Leibeskräften: „Ich will sterben, wie ich liege; so wie ich bin, soll und) . . . holen". Und eine solche Schmutzflut von Flüchen und Verwünschungen ergoß sich aus seinem Halle, daß mich heute noch darob schaudert und daß lch mit Danie ausrufen muß:
„O Langmut Gottes, die so viel du duldest! —"
Wie hält der Unmäßige das dritte Gebot? Nur zu oft kommt es bei ihm unter die Räder. Es ge- hört in Stadt und Land zu Alltäglichkeiten, daß man gern zu den Bereiirsveranstaltungen wie auch zum Privatvergnügen den Samstag Abend benützt. Wundert es uns dann, wenn solche Leute den Sonu« lag Vormittag im Bett verträumen und von der Kirche höchstens das Dach sehen? Auch giebt es so manchen Trinkbruder unwiderstehlich dorihin, wo man nicht mit Glocken, sondern mit Bierglâsern zusammenläuiet.
Ju welchem Ansehen steht das vierte Gebot bei den Unmäßigen? Wo wird am meisten über „bie Alten" gespottet als beim Bierglas und unter den Radaubrüdern beim wüsten Zechen? Wie es dann zu Hause manchmal zugeht, wenn in der Familie ein Trinker sich findet, dafür ein abschreckendes, trauriges Bei Piel. Da lebte in einem Dorfe ein Sohn, der jeden Sonntag, den Gott werden ließ einen Rausch hermbrachte. Der Vater stellte ihn darüber zur Rede. Anstalt sich aber zu fügen und zu bessern, setzte sich der junge Mensch zur Wehr gegen seinen Vater und wollte sich an ihm vergießen, io daß man die Nachbarn holen mußte, um den Vater vor dem Mester deS wütenden Sohnes zu schützen. —
Wie der Unmäßige mit dem fünften, sechsten und siebten G-bot umg ht, darüber will ich mich aller eigenen Worte enthalten und nur die nackten Zahlen der Statistik sprechen lassen. Nach der Berechnung eines Oberarztes an einet großen Strafanstalt, dre
sich auf 32837 Sträflinge erstreckte, kamen unter mndert Verbrechen gegen das Leben 63, unter hundert Ve« brechen gegen die Sittlichkeil 77 und vn er hundert Verbrechen gegen das Eigentum 32 auf das Konto ieS übermäßigen Alkoholgenusses. Was die Ehrlich« fett angeht, so gibt uns auch das heutige Evangelium etwas zu denken. Glaub t du wohl, daß der reiche Grundbesitzer seinen Verwalter schlecht bezahlt Hal? Das ist durchaus nicht anzunehmen. Warum hat der Verwalter dennoch feinen Herrn betrogen ? Warum kam er wegen seiner Mißwirtschaft in V rruf? Das Evangelium überläßt die Aniwort un erm Nachdenken. Fch glaube aber, daß wir nicht auf falscher Fährte uns befinden, wenn wir an nehmen, der Verwalier >ei ein Verschwender und Lebemann gerne en, dec mit seinem Gehalt nicht ausfam und deshalb zum Dieb wurde an den Gittern seines Herrn.
Noch ein Gebot bleibt übrig. Wie stellt sich der Unmäßige zum achten Gebot? Sieht er nicht mit der Wahrheit auf ge panmem Fuß ? âieh, der Alkohol löst die Zunge zu mancher Unwahrheit, Verstellung, Uebertreibung, Verleumdung, und dies um omehr, da der Unmäßige alle Herrschaft über die Zunge verliert. Deshalb ist sie auch nicht fähig, anver« traute Geheimnisse zu bewahren. Daher die War« nunr, des hl. Geistes: „Gebet den Königen keinen Wein, weil kein Geheimnis behütet ist, wo die Trunken« heit die Herrschaft führt". (Spr. 31,4)
Soll ich noch Hinweisen auf die Verheerungen, die der unmäßige Genuß geiziger Getränke anrichtet an Körper und Geist des unglücklichen Trinkers, die Verheerungen an seiner Familie, seiner Frau, fernen armen Kindern? Laß mich lieber ein kleines, lehrreiches Beispiel erzählen:
Eine arme Frau hatte einen Trinker zum Mann, der oft stundenlang im Wirtshaus sag und den ganzen Lohn durch die Gurgel goß. Als er wieder eines Tages lange ausblieb und zum Mittagessen nicht heimkam, nahm sie eine verdeckie Schüssel, ging damit zur W-rtschaft und stellte sie auf den Tisch vor ihrem Manne nieder mit den Worten: „Lieber Mann, da du heute wohl keine Zelt hattest, zum Esten heimzukommen, so habe ich dir dein Teil mit» gebracht" Spra hs und entfernte sich. Als der Mann neugierig den Deckel von der Schüssel nahm, fand er darin nichts als einen Zettel mit folgenden Worten: Möge dir das Essen schmecken, es ist das gleiche, das deine hungernde Familie daheim hat!---
Das also ist die Schlange mit den vielen Köpfen, die Un Mäßigkeit. Hüte dlch vor dieser Schlange und nähre sie nicht an deinem Buien. Und wenn niemand dir die Freiheit raubt, dein Gläschen in tUläßig« fett zu genießen, io laß auch andern die Freiheit auf dieses Gläschen zu verzichten und mache nie einen Abstinenten zum Gegenstand des Spottes. Von den L'pp 'n deiner Kinder aber halte jeden Tropfen Alkohol fern — je länger, desto bester.
Der Burgpfarrer.
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