Line merkVörölge KSgung.
Dvrw»itar Kslpllig, der Gründer der katholischen 'seüenvereme, war nebst dem früheren Dechanten hn. von St. Kolumba manchmal Gast in einer alten, rnehmen Kölner Familie dieser Pfarrei. Als Tisch- aofse wußte er durch seine gemütliche, herzerquickende zählm^sa« alle zu fesseln, und manchen denkwür-L- n Vorfall aus seinem schicksals- und tatenreichen rben hat er dort mitgeteilt. Manche dieser Erinne- ngrn sind wert, der Rachwekt überliefert zu werden, eil so wunderbar Gottes Vorsehung aus ihnen her- uleuchtet. Aus diesen persönlichen Mitteilungen des ligen Kolping stammt folgendes denkwürdige Vor- mumis aus seinem Leben, das ich dem Leserkreise itteilen möchte.
Als Kolping sich als Schuhmachergeselle entschlos- lt hatte, dem Studium oüzuiiegen und dem hohen iele zuzustrrben, das er im Priestertum vor sich sah, ietete er in der stillen Salomonsgasse ein Dachzim- erchen, um dort mryestört sich in seine Bücher ver- tfen z« können. Beim trüben Oellämpchen oder beim erzrnschnn, saß er nun, 23 Jahre alt, als Student jer seinem Latein, seinem Griechisch, seiner Mathema-
In der Stille feines Kämmerchens glaubte er, von rr ganzer Menschemoeit abgefchnitten und unbeob- lhtet zu sein.
In dem gegeraEberlieger.je* Haufe wohnt» eine riche, jüdische Familie, deren Dienstmädchen, da» auch sraelitin war, abends spät bis tief in die Nacht hinein, tfi« sie Gesellschaft hatten. das helle Dachanae des tebenhaufer verwundert sah. Allmählich wurde ihre lrugierde wach. wer dort wohl jede Nacht so spät noch rbeile. Sie beobachtete, wie jeden Tag dort ein jun* er Mann, anscheinend ein Harchrocrker, ins Haus ing Was mochte der aber für eine g^einmisvolle Zeschöftigr«^ zur unheimliche Nachtzeit dort oben reiben?
Als str eines Tages ihn zufällig auf ber Straße raf, wollte sie ihre Neugierde befriediaen. Sie fragte n naiver Weise ihn dreist: „Darf ich fraym, wes- «lb lassen Sie in dem Hause uns gegenüber bis 1 oder i Uhr nachts immer das Licht an?"
Kolping konnte es merkwürdiger Weise nicht über ich bringen, wie er erzählte, Me vorwitzige Fra^ ein- ach abzuweisen, sondern erklärte der Jüdin offen: „Ich oill katholischer Priest« werden, und um schneller Dar- närts zu kommen, do ich schon älter bin, muß ich die Radrtftimben zum Studium ausnutzen. Das ist also üe geheimnisvolle Beschäftigung, die ich in memer Kachzeür des Nachts treibe."
„Wenn es Ihre Religion ist, die Sie zu solcher ilufopferung treibt, so muß ich das bewundern. Sie »erzeihen eine weitere Frage. Ich fühle mich so sehr k»r Religion der Katholiken hingezogeu. Frage ich in wirrer Familie darnach, so weist man mich ab. Aus vrlche Weise könnte ich die Religion kennen lernen?"
„Da kann leicht geholfen werden. Ich werde A)nen tinen volkstümlichen Katechismus besorgen, der mit vielen Erklärungen und erzählenden Beispielen aus- -.stattet ist."
An Hand dieses Katechismus vertiefte sich das Ju- »enmâdchen nun in die katholische Lehre. Das Buch ^^-^ Freund; sogar in den freien Augenblicken in her Küche las sie darin. Da trat eines Tages plötzlich die Dame des Haufes in die Küche. Diese sah mit Er- staunen ihre^Köchin so eifrig lesen und griff nach dem «komm " ' E Schrecken als ein katholisches Buch
tll».i^ ^^.?^«?Efe vermeintliche Dkrletzung der fidlsch«, Rechtgtaubrgkeit ließ die ZornesLer her fjernn anschwellen. Es kam zu einer heftigen Szene, uni> das Eâ war — sofortige Emlassung des Mäd- ^"b, S ^^''"ohme erfuhr Kolping am Abend auf ber Straße, wo das Mädchen ihm in den Weg lief, was Ë^. Unh--l ^ vom ihm herrührende Katechismus über dre Arme gebracht hatte.
Der angehende Gottesstreiter wollte aber nicht an etn Unglück glauben, sofern tröstete die Verzagte mit dem HmEis darauf, daß denen, die Gott lieben und eyrlich suchen, aller irdische Unsegen zum Heile ae- sT »iJf ^6 ihre anscheinend schlimme Lage nur
den Anfang einer visüeicht besseren Zukunft bilde.
In seiner Hoffnung wurde Kolping zwar peinlich ernüchtert, als er seinen israelitischen Schützling von einem kacholischen Mägdehause, wohin er zu gehen geraten, abgewresen sah. Gut« Leute halfen ihm aber, das Mädchen in einer gut katholischen Familie unter* zubringen. Hier konnte es mit Muße nach Erledigung seiner häuslichen Verrichtungen sich in den Jnhatt bw liebgewonnenen Katechismus vertiefen. Die katholische Atmosphäre, die es in diesem Hause umgab, ließ das in seinem Herzen keimende Glaubenspflänzchen sich kräftig entwickeln. Was Kolping der Verlassenen tröstend angekündigt, ging in Erfüllung. Sie verlangte bald mit Se^ffucht nach der Aufnahme in die tachol. Kirche, und nach einer musterhaften, eifrigen Vorbereitung empfing sie das Sakrament der Taufe.
Unb nun begann in wunderbarer Weise für die Be- kehrte ein gnadenreiches, KHeutungsvolles Dasein. Der jüdische Freidenker und Christenhasser Ratisbonne hatte sich 1842 infolge der bekannten, in Rom ihm zuteilgewordenen Erscheinung der Gottesnnttter plötzlich bekehrt, war Katholik und 1847 Priester geworden.
Dieser Pater Ratisbonne gründete in Jerusalem- das Kloster Ecce-Homo der „Töchter Unserer Lieben Frau von Sion", womit später die Waisenhäuser St. Johann im Gkbirg und St. Peter bei Jerusalem verbunden wurden. In dieses Kloster werden bekehrte jüdische Mädchen Äs Schwestern ausgenommen, um für die Bekehrung des jüdischen Solf es zu beten. Auch jüdische grauen und Mädchen, die sich bekehren wollen, ftnben hier Aufnahme. 3n dieses Kloster trat auch jene Bekehrte aus Köln ein, von derem merkwürdigem Lebensgeschick Pater Ratisbonne in Köln erfuhr. Und merkwürdig: Das ehedem jüdische Mädchen aus der Salomonsgasse zu Köln wurde später die General- oberin des neuen Ordens und hat überaus verdienstvoll gewirkt Gottes Wege sind doch wunderbar. Der studierende Handwerksgeselle zu Köln, das jüdische Dienstmädchen und ein jüdischer Freidenker werden segensreich wirkende Werkzeuge in seiner Hand. Dwi Menschen-- die sich so fern zu stehen schienen, bk so verschieden au Bildung und Geistesrichtung waren, fiihrt Gottes Vorsehung zusammen, weil er sie zu besonderem Wirken Dorner bestimmt hatte.
Der Hitzkopf.
Schimpfnamen sind eine Erfindung des Teufels: unser Herrgott hat nur die Taufnamen aufgebracht; die Schimpfnamen „Narr" und „Racka" usw. werden von ihm scharf verurteilt. Und doch kommen oft aus dem Dtunde, der bei der hl. Taufe das „sal sapiemiae", das Salz der Weisheit bekommen hat, Namen, daß einem die Haare zu Berge stehen; Namen, dir mit „Hund" und „Sau" beginnen und mit „Racker" und „Teufel hÄen" endigen. Und diese Namen gelten nicht bloß Feinden und Neidern, sondern auch Nachbarn unb Mitbürgern. Und am allertraurigsten ist es, wenn in der katholischen Familie die Kinder mit den Eltern oder umgekehrt, solche Zwiesprache führen.
Das ist die Geschichte vom Hitzkopf, der Gift und Galle speit, das ist die Geschichte vom Zorn und Zorn-Igel, der bei jeder Gelegenheit die Well mit fernen Stacheln aufspießen möchte.
Schau einen Hirten an: sei es ein öfter Griesgram, der den glmzen Tag an feiner Pfeife schmaucht und kein« drei Worte redet, sei es ein Schulbub, der den ganzen Tag mit seiner Peitsche knallt, in ber Schule aber nicht bis fünf zahlen kann. Kaum geht jedem der Mund auf, und der Kleine flucht so meisterhaft, wie er es vom Großen gelernt bat.
Zieht durchs Feld ein Ackersmann hinter feinem Pfluge her. Es geht nicht lange her, da höre ich ihn schellen und fluchen. Er ärgert sich, die Galle läuft ihm über, weil das Rößlein etwas aus ber Richtung kam. Wenn er das Rößlein nicht so notwendig brauchen würde, würbe er es augenblicklich totschlagen. Aber das will er doch nicht bet dem jetzigen Pferdepreis, jetzt muß es unser Herrgott entgolten. Und was hilft der Zorn: Nichts.
Ein Handwerker arbeitet Stunde um Stunde; auf einmal merkt er, daß die Geschichte nicht recht stimmt, daß er etwas falsch gemacht hat und manches wieder ändern muß. Jetzt wirft er alles in dir Ecke
und flucht elendig dazu: als ob unser Herrgott schuld wäre, daß er nicht aufgepaßt HÄ.
Und so geht» hundertmal. Wenn ein Nagel ini der Wand nicht halten will, wenn ein Zündholz nicht gleich anbrennt: gleich läuft die Galle über. „Du Narr", möchte ich sagen, wir kannst du dich wegen solcher Kleinigkeiten so ärgern.
Aber wie ists denn, wenn die Sache wichtiger ist. Zum Beispiel, wenn bu unschuldig geschimpft ober gestreift wirft, wenn dich jemand bestiehlt oder sonst ins Unglück bringen will. Darfst du da nicht zürnen?« Mein lieber Freund: der Zom, der zu Haß und Feindschaft führt, ist nie erlaubt. Du brauchst dir zwar nicht alles gefallen lassen; du hast das Recht, dir das zu verbitten, solche Leut« zu warnen, drin Eigenttun zu verteidigett, du kannst und darfft sogar den Schutz der Gerichte gegen sÄche Menschen anrufen; aber nie und nimmer darfst du dich an ihnen rächen unb Böses mit Bösem vergelten. Im augenblicklich auswal lenden Zorn mußt du dich mit aller Gewalt za beherrschen suchen. „Der Zorn des Menschen hit nicht, was vor Gott gerecht ist" (3at. 1, 19.). Wenn man den Sturm im eigenen Innern wallen hört, heißt es schweigen mit der ganzen WUlensstärke. Alles, was man im heftigen Zorn sagt oder tut, fällt ganz gewiß schlecht aus und kann die schrecklichsten Folgen haben. Woher kommen bie vielen Streitigkeiten, Mordtaten, Messerstechereien usw., als von plötzlichen Zornausbrüchen? Es ist weit gefegt, wenn Eltern ihre Kinder im ersten Zorn strafen. Die hl. Schrift sagt: „Verblich ist dir Züchtigung, dir im Zorn geschieht." (Sir. 19, 28.)
Ja aber soll man denn ganz still sein, wenn maN sieht wir es zugeht, wie Kinder oder Dienstboten Unfug treiben? — Es ist schon reckst, aber nur nicht gleich so hitzigf Kein Mensch verlangt, daß du nicht zürnen und strafen sollst, es gibt auch einen gerechten Zorn. Nur der Jähzorn ist nicht recht. Du muht immer den ersten Zorn verrauchen lassen. Wenn eine Sache oder Arbeit oder Person dich ärgert, geh weg davon, sag nichts, tu nichts, bis du wieder ruhiger geworden bist, erst dann rede und handelet
Also „Mensch ärgere dich nicht" über Kleinigkeiten; und wenn es keine Kleinigkeit«, find, dann ärgere dich schwelgendi
Ganz ohne Aerger wird das Leben nie verlaufen. Die Welt wurde vom Schöpfer um der Sünde willen verflucht, und deshalb kann uns nicht alles nach unserem Kopf hinausgehen. Ein Blick aufs jkreuz zeigt uns den Heiland, der geschmäht wurde und schwieg, geschlagen wurde und sich nicht wehtte. Ihm zu lieb müssen wir unseren Zom bewältigen, ihm zu lieb ben Zorn bekämpfen wie ein schädliches Feuer: Selig die Sanftmütigen (nicht die Hitzköpfe), sie werden bas Erdreich besitzen.
Die gleichen oder ähnliche Siegeln gelten auch, wenn andere Leute zornig sind, wenn man mit Hitzköpfen umgeben muß. Wir wollen uns nicht in Familienangelegenheiten einm'fchen, aber das eine ist sichen nicht ein Viertel von allem würdet ihr Frauen z« dulden haben, wenn ihr gleich am Anfang still wäret uno das Feuer nicht noch mehr anschüren würdet. Eure Kunst soll es sein, die Männer zu besänftigen. Der weife Sirach hat da wieder ein originelles Merkwort (28, 14.): „Bläsest du das Fünklein an, so brennt es als Feuer auf; spuckst du aber braus, so loscht es aus: beides kommt aus dem Munde." „Einem Zornigeft gib keine Antwort", sagt der hl. Ambrosius, „wenn zwei Steine sich reiben, gibt es Feuer." Ja die Sanftmut ist eine große Macht.
Zuerst also müssen wir uns selbst beherrschen lernen, bann werden wir auch mit zornigen Rtenschea umgehen können: „Das Erdreich besitzen" heißt durch Sanftmut die Mitmenschen besiegen und beherrschen.
Diöze-e Fnida»
Gestorben ist in Limburg im Alter von 70 Jahren der auch in unserer Diözese viel bekannt« Jnspeklor Johann Milbach, der Begründer und langjährige Schriftleiter des ,®L ß u* bentinsblattes^. des kirchlich-politischen SonntaaL