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Nr. 27
Kagd, de» 5, Juli (921.
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katholischen Gemeinden Kassel
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Erscheint jeden Sonntag u. kostet olerteljährl. Ausg. A 2.— Mk., 8 2.50 Mk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die einsaitige Kolonelzelle oder deren Raum 40 Psg. Lei Wiederholung entsprechender Rabatt. Für Offert- und Auskunft-Anzeigen 30 Pfg. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher. —————— Druck und Vertag ber guldarr Artiendruckerri.
Wochenkalender.
ntntag, 3. Juli 7. nach Pfingsten. Prozessus und Marimianus, M.
'ontiv, 4. Juli. Ulrich, B. — Berta.
ieustan, 5. Juli. Anton iuS Maria Zaccaria, B.
ittwoch, 6. Juli. Oktav deS Felles Peter und Paul, onnerstag, 7. Juli. Cyrillus und Methodius, B. — Willibald, B.
reitag, 8. Juli. Kilian und Gefährten, — Elisabeth, Königin von Portugal.
arnstag, 9. Juli. Uebertragung der Gebeine des hl. Bonifatius.
Siebenter Sonntag nach Pfingsten.
(Evan^el. Matth. 7, 15-21.)
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: ütct euch vor den falschen Propheten, welche in Schafs, eidern zu euch kommen, inwendig aber leitzende Wölfe rd. An ibren Früchten werdet int sie erkennen, chnmelt man denn Trauben von den Dornen, oder eigen von den Disteln? So bringt jeglicher gute Baum ite Früchte; der schlechte Baum aber bringt schlechte rüchte. Ein guter Baum kanck nicht schlechte Früchte .mgen, und ein schlechter Baum kann nicht gute Früchte 'mgen. Jeder Bau in, der nicht gute Früchte bringt, rd obgeonuen und ins Feuer geworfen werden, arum sollet rhr sie an ihren Früchten erkennen icht ein Jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird das Himmelreich ehr ehen, sondern wer den Willen eines Vaters tut, der im Himmel ist, der wird in -s Himmelreich emgehcn.
Ein SijLbaum.
'/^§^^^ut Paradies war ein Baum, der überaus lieblich anzuschauen war, ' so daß er unsere Stammeltern be- T^d:«- Bezwungen von der Hinter- list des Teufels, bezwungen vom > ^2°^7H Verlangen, Gott gleich zu sein, be- 'zivuiigen durch die Lust, von der löst ließen Finch» 1 Esst », no< en sie das Gebot Gottes übertreten, und r aum wurde ihnen und dein ganzen Men;chen- k1’ 5"^l Unglück, zum Tod und zum Ver-
Freund, ich kenne einen anderen Baum, der nicht tmger verführerisch ist wie der Paradvesesbaum Er rspricht den Menschen, sie ihrer Sorgen zu entheben, himmgzutauschen über die Unannehmlichkeiten tes was, sie zu versetzen in eine Oase des Friedens, be* ucres, der Zufriedenheit, der Wonne und Frellde enu die Menschen sich betören lassen von diesem -um und von seinen Früchten im Uebermaß genie- n. so werden ihnen seine Früchte zum Verderben und hen ihnen das Mark aus den Knochen und das Blut s den Adern und das Rot aus den Wangen und L„ ^ dem Beutel und die Unschuld aus dem ^âen und das Gluck aus dem Hause.
Dieser heimtückische Gislbaam — ich brauche ihn dir nicht zu nennen, längst hast du seinen Namen erraten: es ist der Gisibaum Alkohol, es ist die Unmäßigkeit im Genuß geistiger Getränke.
An der Hmid biblischer Beispiele will ich dir zeigen, wie viel? und zum Teil sogar edle Menschen sich schon vom Gistbauni Alkohol Fluch und Verderben gegessen haben.
Von Roe hast du gehört. Wer dürfte zweifeln an der Tugend eines Mannes, den Gott vor der Süud- fiut bewahrt hat, während tausende seiner Zeitgenossen im Wasser umgekomtr.cn sind? Und nun schau: diesen gerade, diesen tugimdbewührten Mann, dem die Wasser der Sündfiut nichts anhaben konnten, den hat d<r Alkohol zu Boden gestreckt, den hat der Alkohol in Schande gestürzt. Er pflanzte einen Weinberg, preßte den Saft aus den Trauben, ließ ihn vergären und trank von der köstlichen Flüssigkeit im Uebermaß, bis er nicht mehr wußte, was er tat, und entblößt n seinem Zelte lag wie das unvernünftige Tier im Stall. Du wcißr, wie er in diesem Zustand von Cham verspottet wurde und welchen Denkzettel der ungeratene Sohn samt seinen Kindern erhielt. An Noes P>.'r- sönlichkeit knüpft sich eine Erzählung, die sehr geeignet ist einer reiten fieser zum Nachdenken zu veranlassen: als Noe den Rebstock pslanzte, schlachtete der Teufel ein Lamm, einen Papagei, einen Löwen und ein — Schwein. Das Blut dieser goß er um den Weinstock. Wird nicht in dieser sinnigen Erzählung die Wirkung des Atkoholgcnusses trefflich charakterisiert? Ein mäß-ger Genuß macht gemütlich, sanft und umgänglich gleich dem Lamme; spricht man dem Alkohol mehr zu. so löst er die Zunge, und es kommt der Papagei zum Vorschein; ein weiteres Quantum von Alkohol, und es entwickelt sich ter Löw-?: denke an so manche Rauferei, Stecherei und Händel in gewissen Lokalen und Bierkneipen; wann aber das Schwein herauskommt und wie sich das Schwein aufführt, — das zu beschreiben sträubt sich meine Feder! —
Kennst du die Geschichte des Lol? Abrahams Vetter war er, ein Ehrenmann, der sogar im lasterhaften Sodom nicht ohne Kampf und Opfer die Keuschheit zu bewahren wußte. Dafür wurde er auch von Engeln herausgeführt aus der brennenden Stadt. Und demwch, dieser Mann, der die Probe ter Keuschheit bestanden hatte, hat in der Trunkenheit und im Rausche eine Schandtat begangen, über die man nicht schreiben, sondern weinen soll. Siehst du, daß des Weines Uebermaß vernünftige Menschen in Schweine verkehrt?--
Die Israeliten hatten manche Probe der Treue abgelegt und am Fuße des Sinai den Schwur ewiger Treu- gegen Gott geleistet Und bald darauf — o weh — haben sie ihren Schwur vergeßen und gebrochen, und der Alkohol hat dabei eine unrühmliche Rolle gespielt. Als Mojes lange auf dem Bergs geblieben war, machten sich bie Israeliten ein goldenes Kalb. Und dann gings an ein Essen und Trinken und Schmausen, verbunden mit greulicher Unzucht. In Heiligem Zorn zerschmetterte Moses die Vundestasctn,
verbrannte das Kalb zu Asche und ließ 23 000 Mann töten, von denen viele mitten im Rausch hinübergingen in die Ewigbnt.
Amon hatte ein Gastmahl veranstaltet, und als er betrunken war, befahl Absalom, dem Wüstling den Garaus zu machen.
Holofernes war auf dem Punkt, die Festung ®2» tf ilia zu erobern und den Gipfel des Feldherrnruhmes zu ersteigen. Da trank er sich in einer bösen Stunde einen Rausch an und lag wie ein Sack auf seinem Ruheb'lt. U .b Judith zog sein eigenes Schwert aus der Scheide und hieb dem Ungeheuer den Kopf ab. Da lag der Trunkenbold, erschlagen von einem Weib!
Obwohl der Alkohol soviel, soviel Verderben auf tem Konto hat, gibt es noch Menschen, die einen Rausch als harmlos ansehen, ihn als Bagatelle oder als Selbstverständlichkeit betrachten, ja sogar als Heldentat verherrlichen. Es gibt Menschen, die den öden Spruch :m Munde führen: „Wer niemals einen Rausch gehabt, der ist kein braver Mann!"--Gibt es ein Sprichwort so dumm, so dreist, so gewissenlos, so verlogen so gemein wie dieses? Gewiß wollen wir keinen Stein werfen auf einen Menschen, der eine schwache Stunde hatte, der vielleicht der Verführung erlag. Abcr den Rausch zum Prinzip erheben, davon die Tüchtigkeit und Brauchbarkeit eines Mannes abhängig zu machen, das geht über die Hutschnur. Im Gegenteil: gerade vor einem solchen Menschen müssen wir Respekt haben, der sich niemals gebeugt hat vor dem Götzen Alkohol, der niemals unter seinem Szepter g standen ist, der furchtlos gekämpft hat gegen die Tyrannei dec Trinksitten, gegen den Zwang der Mode, der wie jener wackere Schwab»? keine Angst hat vor den Pfeilen des Spottes. — Freund! Haft du schon eine schwache Stunde gehabt, vielleicht in der Jugend stürmischen Tagen, vielleicht bei einer Fahnenweihe, bei einem Abschied, bei einem Kommers, bei einem Fest, beim Militär? Dann bereue in der Bitterkeit deines Herzens diese Entgbeisung und lege dem dürstenden Heiland den Vorsatz zu Füßen: niemals mehr zu viel! Denn — so sagt der hl. Augustinus: die Unmäßigkeit hat schon viele uimgebracht, die Mäßigkeit keinen; unzähligen hat ter Wein geschadet, die Nüchternheit noch keinem. Der Burgpfarrer.
Wir dürfen es,
Elsbeth Düker.
Kinder pflegen glücklich aufzuhorchen, wenn ihnen aus Elternmund der Ausspruch entgegentönt, welcher mit den verheißungsvollen Worten beginnt: „Du darfst." Machen wir den Kleinen recht oft solche Heime Freuden, daß sie jubeln: „Wir dürfen!" Wir können nicht genug Blumen auf den Weg einer Kindheit treuen, denn wir gehen ihn ja nicht wieder zurück. Aber nicht hierüber wollte ich jprechen, fondern von dem, was mir großen Kinder dürfen, von dem Höchste» und Tiefsten. -