SKriLKÄsu und HausWesen.
Ht J3. jo 3t Jahrgang. or o o Grafisbelgabe zam Bomfatiusboten. □ □ Zulda, den 26. 3uni 192t
Der Versöhnung zwischen Stadt und Land wurde auf dem Bauerntag in Rendsburg Anfangs Juni 1921 manch treffliches und kräftiges Wort gewidmet. Der bayerische Bauernführer Dr. Heim sprach auch manch beherzigenswertes Wort. Sein „Bauern hec- ins" war kein Streitruf zum Kampf, fanden ein Auf. ruf zur Liebe gegen sich selbst und den Nächsten. Tref- knb wandte er sich gegen die Sozialisierung und das Schablvnisieren. Sobald ich, sagte er, solche Fremdwör- ter höre, denke ich immer an Gaunerei und Wahnsinn. Der Boden kann nur befruchtet werden durch den Fleiß lies Bauern mit 24ftünbiger Arbeitszeit. In der Land- virtschaft ist alles so verästelt, daß man keine Schablone mieten kann. Wohl sönne man nach demselben Rezept schuhe fabrizieren, Flaschen füllen, aber nach gleichem Regept könne man nicht überall auch eine Sau füttern. Der Bauer ist kein Spielzeug, er läßt nicht mit sich spieen, aber er spielt auch nicht mit den übrigen Ständen. Er weiß, daß er nicht sagen darf: „Alle Mägen müssen knarren, wenn wir unsere Hände sparen." Den braven Bauern hat die demoralisierende Wirkung der Revolu- lion nicht von seiner Arbeit verscheucht. Er tritt in ehrlichen Kampf mit den schuldbchafteten Extremen des Kapitalismus. Bei all' seinen glücklichen Vorzügen vor >en eingeengten Stadtleuten hat der brave Bauer ein unpsängliches Gemüt für die Not der Städter und öffnet eine Hand und seine Scheuer. Wag sei härter: Wenn Dausende Männer und Mütter in der Stadt ihre Kin. »er bleich Heranwachsen sähen, weil die Milch fehle, ober im ländlichen Haushalt die Freude zu genießen, rotwcui- Sige, gesunde Kinder zu sehen? Es gebe kein Deutsch, land der Bauern, der Arbeiter, der Unternehmer usw., sondern ein Deutschland des deutschen Volkes. Das allgemeine Schicksal gehe auch an der Tür des Bauern nicht vorbei. Der Bauer müsse Achtung haben vor dem Volk der Arbeit in den Städten, das vielfach nicht zu sehen sei vor den Müßiagängern. Das Volk der Arbeit in Stadt und Land müsse sich nerständiaen. Das ma. serielle Leben bilde nkcbt den ganzen Inhalt des Lebens. Die Entwurzelung des Christentums wäre auch eine Ent- wurzelunq des Bauernstandes Man sprech? soviel von Wiederaufbau. Wir hätten sogar einen Wiederaufbauminister, allerdings fürs Ausland. (Heiterkeit) Wirk, üche Wiederaufbaumeister seien die ihre Kinder christlich erziehenden Familienväter. (Stürmischer Beifall.) In »er Erziehung sei man zu weichlich geworden. Man müsse härter werden. Ein Zittern gehe durch die Welt, eine Periode des Bebens ist da Wie solle es anders »erben? Da müsse feder bei sich selbst anfangen k
Deutschland sei kein Montenegro. Die unbarmher» )igen Feinde würden noch einsehen, daß man an Deutsch, land nicht ungestraft sündigen dürfe: denn Deutschland fei für Europa mehr als der kleine Finger. Treue der Scholle, der deutschen Heimat sei die Parole! Notwendig 'ei. daß wir seien ein einig Volk in Angst und Noli Wenn Deutschland fest Zusammenhalt, dann ist's das stärkste Volk der West,
Betrifft Lieferung von M$ aus die Bezugscheine für Tauschmais.
Diejenigen Kreise, welche zwecks Erzielung eigener und teilweise sehr erheblicher Gewinne ein Interesse ho. den, von den Landwirten die Bezugsscheine zu erwer. den, versuchen die Landwirte zur Veräußerung mit dem Hinweis zu veranlassen, daß der Mois erst spät und twnn in mangelhafter Beschaffenheit geliefert werde. Bezüglich der Lieferbereitschaft des Maises sei darauf hingewiesen daß sich auf Lager bezw. auf dem Transport eine erobert Menge von Mais befindet, als auf Be-
'Tu" ^™ w" bezüglich der DeschaffenhÄt sei ^erv rgehaben, doch die Bezugsvereinigung bei ihren An- teufen die größte Aufmerksamkeit beobachtet hat. Klagen von irgendwelch-r Bedeutung sind trotz der seit- hörigen großen Slbleferung nicht an sie gerichtet wor.
^Ur nordamerikanischen Mais, bei dem im Som- mer die Frage der Haltbarkeit von CMahr kein fnnn hat sich die Bezugsvereinigung von vornherein die Track-' aung im Ursprungsland und die Gewährlcistuna eine« Höchstwassergehalts ausbedungen. "
Der Landwirt sollte die günstige Gelegenheit z-m Be° zilge des verbilligten Maises auf Grund der ihm gegen die Getreideablieferrmg ausgestellten Bezugsscheine r e st - ‘°5 ausnutzen und eine Veräußerung bet e ^" kl s scheine, soweit er irgendwie Verwendung für den Mais in der eigenen Wirtschaft hat, unbedingt unterlassen.
greie GetreidedeVirtschaftung $922.
Der Reichstag sausschuß für Volkswirtschaft nahm den Gesetzentwurf über die Neuregelung der Drotoersorgung in erster und zweiter Lesung im wesentlichen in der Fassung der Regierungsvorlage an, noch welcher das Umlagesystem Gesetz wird. — Minister Hermes erklärte, er glaube peinlich. daß, wenn nicht ganz unnsrhergesehen« i Umstände emtreten, des Umlageverfahrsn der Schritt in 7 bis freie Wirtschaft für 19 2 2 sein werde.
VerVMdMß der Ziegenmilch.
In manchen Familien gibts setzt reichlich Ziegenmilch. Sie sind aus der Milchnot heraus. Daß aus der Ziegenmilch sich auch vortrefflich Butter bereiten läßt ,ist allgemein bekannt. Allerdings ist sie von weißer Farbe. Man bekommt gelbe, wenn man ihr einen entsprechenden Zusatz von Butèersarbe gibt, die in jedem Drogengeschäft zu haben ist.
Aus der frischen Ziegenmilch laßt sich auch ein woht- ßhrneckeuder Käse Herstellen. Dazu ist nötig, daß man die Milch durch Hinzufügung von etwas Essig oder Lab- essenz schnell zum ©erinnern bringt. Lobessenz ist and) in jeder Apotheke oder Drogerie zu haben. Die so gewonnene geronnene Milch wird in ein reines Seihtuch geschüttet. Das Wasier, die Molke, fließt ab, und der Käse, Quark, bleibt zurück. Man muß genügend lange ab tropfen lassen, um einen trockenen, schönen Käs« zu er- hatten. Satz, Pfeffer, Kümmel machen den Käse genuß- fertig. Die abgriropfie Molke darf nicht forkgeschütiet waitben. Sie enthält noch Eiweißstoffe und kann daher porteilbeft zur Fütterung des Schweines oder der Ziege Verwendrrr^ finden. Wenn man Dauerkäs« machen will, muß b:e Milch vor dem Hinzufügen von Labesseirz auf etwa 30 Grad Celsius erwärmt werben. Dann scheidet sich die Molke von dem Käsest off reckst schnell. Die Molke wird ab gegossen, der Säfeftoff mit Hrlfe eines Seift- taubes möglichst trocken ousgepreßt, und er kommt dann im die für den Käse bestimmten Formen. Diese Formen müssen kleine Löcher haben, damit das im Käsestoff nach verbliebene Wasser herouskonn. Auf bk Farm kormnt ein passender Deckel, und auf diesen Deckel legt man einen schweren Stein. Wenn nun infolge des Druckes der Käse eine gute Festigkeit erlangt hat, wird er aus der Form genommen und gut mit Salz singerieben. Das wird nach einigen Togen wiederholt und der Käse dabei umgeroenbet. So muß nun der Räte 8—10 Dachen bis zu feiner Reife lagern, und während der Lagerzeil noch mehrmals mit lauwarmem Salzwasser abgewaschen und wieder gewendet werden. Es dauert ein wenig lange bis jur Gsnußreife ,aber dafür hat man dann auch einen wirklichen Gerrutz.
z Verschiedenes.
Das Kreuz auf dem Brote ... In manchen Ge. fknben herrscht bei den Katholiken de: schöne Brauch, daß der Hausvater oder die Hausnnüter, bevor sie ein Brot anschneidsn, erst dos hl. Kieuzzeiche? auf dasselbe machen. Es wird dadurch sinnreich angebeutet, daß der gekreuzigte Gottessohn das Brot geheiligt hat, indem er sich selbst und in Brotesgestalt als Speise unserer Seelen gibt Ihm wird durch dieses Kreiyzzeichen auf dem Brote gehutdigt unb zugleich siegt darin die Bitte, werm auch nicht mit Worten ausgesprochen, er wolle uns bas irdische Brot zum HsÄe des Leibes und der Seele gereichen lassen. Schon bei den alten Heiden, lange vor Christi Geburt, war es üblich, den kuchenartig gebackenen Broten Einschnitte einjuprägen, derart, daß auf jedem dieser runden Brote das Zeichen des Kreuzes erschien. Freilich buchten die Heiden nicht an dos Kreuz, sondern mochten diese Gn schnitte, um bas Brot leichter In vier Teile brechen zu formen. Das Brot wurde nämlich nicht zerschnitten, sondern mit den Händen zerbrochen, wie es jetzt noch im Morgenlande üblich ist. Co haben schon die Heiden durch die Figur des Einschnittes, ohne es zu wissen, angedeutet chaß bas Brot ernst durch den sich am Kvèuze opfernden Welterlöser geheiligt werden wü-de. Es ist daher erklärlich, daß die Christen gleich anfangs die Hostie des Abendmahls mit dem üblichen Kreuze bezeichneten, teils aber auch, weil sie dem Kreuzzeichen nun die hohe, auf Jesus Christus bezügliche Bedeutung gaben. Daraus entstand auch bei den Christen des Abendlandes der fromme Brauch, jedes Brot mit dem hl. Kreuzzeichen zu bezeichnen, bevor es zum häuslichen Bebens angeschnitten wird.
Die Eierprobe. In einer Zeit, da der Eiersegen ein so geringer wie jetzt ist, erscheint es doppelt wertvoll, von vornherein feststellen zu kör len, ob das zur Verwendung gelangende Ei auch wirklich gut und frisch ist. Die bei der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart erscheinende Zeitschrift „Ueber Land und Meer" meist die Wege, wie man sich von der Beschaffenheit der Eier ohne S'hwierigkeit vor dem Gebrauche unterrichten j kann. Zur Prüfung der Eier auf ihre Frische steht die Leuchtprobe und die Schwimmprobe zur Verfügung. Die Leuchtprobe vollzieht man ohne jeden Apparat in der Weise, daß man das zu prüfende Ei in die hohle Hand nimmt und es, indem man die Hand dicht vor das beschattete Auge bringt, gegen die Sw ne ober eine starte künstliche Lichtquelle hält. Ist das Ei frisch, so erscheint es gleichmäßig hell mi* einem leichten geü ben Schimmer, alte Eier hingegen sind trübe und bun^ sei. Zeigen sich bei der Probe dunkle Flecke, so handelt es sich um ein sog. Flecke das gleichfalls unbrauchbar ist. Je älter das Ei, desto größer wird infolge des Wosierverlusts die in der Spitze sitzende Luftblase, daher schlottern alte Eier brim Schütteln. Es wäre aber verfehlt, diese Schüttelprobe allzu drastisch anzuwendem da sonst leicht die Eihaut zerreißt, sodaß Eigelb und Ei-c weiß ineinander fließen; solche Eier sind zum Verlaufe nicht mehr geeignet. Das sicherste Mittet zur Feststellung des Alters eines Eis bleibt nach wir vor die Schw mm« probe. Man gibt in eine tiefe ©ta^fd/üffel oder ein Biru macheglas einen Liter Wester, in dem man vorher 102 ©-amm Kochsalz aufgelöst hat. In diese Lösung wird das Ei eingelegt. Ist es frisch, so fUft es sofort unter und legt sich flach auf d^n B^er, E.er, die erst einige Tage alt sind, sinken au.) unter stellen sich aber auf ble Spib» Ein bis xwc. Wr hen alte Eier schwimmen i- der Losung und zwar um so höher, je älter sie sind. Ganz alte Eier halten sich schwimmend an der Obere fläche. Man erkennt also verdorbene, ober alte, als« unbrauchbare Eier daran, daß sie an der Oberfläche ob« dicht darunter schwimmen.
Spätlinge in d' i Garkenkulturen. Außer den Erd» fföyen tritt in diesem Jahre die Kohlhernie viel auf. Weiter ist die gefürchtete B l u t l a n « an unseren Dbf». bäumen viel zu beobachten. Gerade diese erfordert zu ihrem Bertreiben umsichtige Arbeit; mit einer scharfer» Bürste beseitige nur die weißen. Flaumstellen sorgfältig Aber auch der Nachbar muß dieses Bewahren einhalten, sonst ist alle Arbeit umsonst. Gegen die ebenfalls häufig auftretenben Blattläuse hilft ein Bespritzen mit Tabakbrüh«.
Um ^ch« ikblumen lange im Z-mm« zu Hao«!, schneid« man sie rr irgens in aller Frühe, noch vor her Eigentlichen Entfaltung; am längsten halten sich tte Blumen, wenn sie bei kühler Witterung geschnttten wer, de«. Man bringe die Schnittblumen alsbald in frilchs Master und rn einen kühlen, nicht sonnigen Ort. Dil Stiele müssen täglich schräg ubgeschnitten und bas Waz< fer (große Basen) täglich erneuert werden; tut man norf’ ein Körnchen übermangansaure» Kost ober etwas gei pulverte Holzasche in das Master, halten sich die Blume» noch länger.
Zur Bereifung von Hovvvdorwes.^, Zuerst ein paf. frobes Faß. gut mit kochendem Master ausgebrüht, den Spund hinemgeschlagen und dasselbe hin- i nb h^rgrfuL lert. Dann das Master herauslosten und mit kaltem Wasser nachspülen. Im Faß gcfelterter Wein hat Vorzugs vor dem in großen Glasfloschcn angesebten, man greife deshalb erst nach letzterem, wenn kein Faß aufzutreibeg ist. Die reifen Beeren werden von den Dolden gestreift und zu Brei zerdrückt, das nötige Master dm-aufgcgosten und gepreßt. Auf 1 Liter Saft 1 Liter Master und I Pfund Zucker. Traubenzucker, d. h. Kartofielzucker, tarf nicht zum Kellern benutzt werden, es ei an et sich Raffinade am besten dazu. Den Saft in das Faß gefüllt vnb zur Gärung ausgestellt bei 15—18 Grad Reaumm« Sollte dieselbe nicht eintreten, setzt man Reinhefe zu und zwar auf 100 Liter 500 Gramm. Das Faß stets spund- voll und sauber hasten, mit Lappen und Brettchen be» deckt. Sobald die Gärung beendet, mittels Gumm^ schlauche» auf ein geschwefelte. Faß gezogen ui^ zug« schlagen. L
kalk im Kovlposthaufeu v«bringen hatten wir fBt sehr fehlerlM und ungeeignet, obgleich dies von oideti Seiten sehr empfohlen wird. Es kann nicht geleugnet werden, daß die Bt-kmischung von Kolk die Zersetzung Beü jufanrunertget rageneu Stoffe günstig beeinflußt. Zu bedenken ist aber, daß der Komposthoufen reichliche Menges an Stickstoff enchokt, welcher den Kompostdünger ebenso hochwertig macht. Nun hat der Kalk aber die Eigenschaft, den Stickstoff zu verflüchtigen, also aus dem Kompost ausz-utreiben, wodurch derselbe um seiner, werlvoüsisq Bestandteil an Pstanze-mrabruna entwertet wirb.