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Fuldaer Katholikentag.
klingen wird: Wie heilig hast Du, Gottes, freund, hier nach dem Heil gestrebet! Schulkinder ziehen voraus, Jünglinge, Männer folgen, vorbei am Bonifatillsdenkmal, das in schönem Schmucke prangt, hin zum Som. Urrvergeßtiches Bild: schon sind wir tu das Portal des hohen Gotteshauses eingezogen, doch der Blick muß zurückschauen, hinaus durch das hohe Portal auf den Domplatz, den strahlender Sormen- schein überglänzt, den das saftige Grün der hohen Kastanien und Lilien umrahmt unb der im Kranze wimmelnden Lebens den feierlichen Zug der Fah- nengnippen zeigt: wuchtig, festesfroh, in stolzer Männlichkeit die Chargierten der katholischen S t u d e n le u k o r p o r a t i o n e n der benachbarten Universitätsstädte, dann die Geistlichkeit der Stadt- pfarrkirche, und in unabsehbarer Zahl Fahne auf Fahne, die Wallfahrer aus dom Geisner Amk, aus dem Süden der Diözese tmb aus Obsrhessen, die alle Schwierigkeiten der Verkehrsverhaltnisse überwunden haben um zu zeigen, wie katholischer Gemeinschaftsgeist Raum und Zeit überwindet, um den zu ehren, der uns alle in den Schoß der helligen Kirche geführt und zu Kindern Christi gemacht hat.
Das bischöfliche Hochamt
beginnt Bis auf den letzten Platz hat sich die weite Kathedrale gefüllt. WährerH zum Brausen der Orgel mächtig das Lied der Tausende ertönt Ich glaub an Gott in aller Not! hat der Hochw. Herr Bischof inmitten des Domkapitels und der Geistlichkeit seinen Einzug gestalten. Festliche Sonnenlichter glänzen über dem herrlich geschmückten Hochaltar; ein unendliches Spiel von Farben durchflutet Las Gotteshaus, hart an hundert Fahnen füllen den Raum unter der großen Kuppel. Kyrie eleison und Gloria erklingen in feier, ttebem Kirchengksang und nach bem (Evangelium hält Domkapitular Dr. Lenl>ari-rUoinz mit glänzender Be- redfwnkeü unb überall im weiten Gotteshaufe verständlich, die
Zeslpredigl.
Dem Introitus dcs Bonifatius-Offiziums entnimmt :er den Vorspruch: „Meine Auserwählte»« sollen nicht vergebe.^ arbeiten, noch Kinder haben mit Schrecken; denn sie fürb die Nachkommenschaft der Gesegneten des Herrn, unb ihrs Enkel mit ihnen Gf. 65)." Von den Auserwählten spricht er, von St. Bonifatius unb dem seligen Petrus Kanisius, treffen Leberrsarbeit vor 400 Jahren das bedrohte Werk des hl. Bonifatius in den Gewitterstürmen der Reformation gerettet hat. Er tröstet das deutsche Volk und ki'mdet ihm Errettung von den Schrecken unserer Zeit, wenn es die apostolische Senbuw. die einst St. Bonifatius und'der seli^ Kemisius erfüllten, nunmehr als Aufgabe der Gs- famtheit der deutschen Katholiken auf sich nimmt: in kachoNschem Glauben, in katholischer Sittlichkeit, in der Arbeit an dem Werk des Bowsatiusoereins für die katholische Diaspora- nicht weicht unb wankt trotz aller Bemühungen der Feinde.
Eaude Fulds, plm.de Gertnanis.
(Freue dich Fulda, jubele Deutschlmiü.)
Das hl. Opfer nimmt feinen Fortgang. Nach der Opferullg singt der Dom- und Aürmnenchor mit Orgei- imb Jnstrumentalbcgkiümg das „Gaude Fulda", dessen Wucht und GliUtz immer wieder die Seele emporreißt. Und hochgestimmt bleibt das Herz, werm die heilige Handlung fortschreitet unb die feierlichen Augenblicke sich folgen. Angesichts der gewaltigen Masten katholischer Christgläubigen in den Hallen des Gotteshauses graben sich die Worte des Kairons noch tiefer in das Gemüt als sonst: Schenke, o Herr, Deiner Diener und Dienerinnen «nÄ aller Umstzchenden, deren Glaube und Andacht Dir bekannt ist. . . . Gedenke auch, o Herr, Deiner Diener und Dienerinnen, die uns mit dem Zeichen des Glaubens oorangegangen sind unb mm schlafen im Schlummer des Friedens. . . . Auch um Sündern, Deinen Dienern, die wir auf die Fülle Deiner Erbarmungen vertrauen, würdige Dich, die Teilnahme unb Gemeinschaft Deiner heiligen Apostel und Märtyrer zu verleihen. . . . Gegen Ende der hl. Handlung bringt ein Diakon in Bsgleitury; von
Das Wort hat Soiifenbe im Fuldaer LarrL und in der ganJen Diözese begeistert und elektrisiert und sie am Bonifatiussonntag nach Fulda geführt. Es war die erstere größere Katholikenversammlung der Diözese. Die Tagung sollte sein und war in der Tat eine öffentL Bekundung und ein mormmArtaler Lobpreis des katholische:, Gemeinschaftsgeistes, dieses akurellsten Gedankens unter den vielen herrlichen Idealen, die der katbol-fche Glaube in fick schlicht. Wenn andere sich mühen, das Volk zu zersplitern, auszulösen in Stände und Schichten, die sich bekämpfen, dann setzt die k a- tholische Kirche alles daran, ihre ganze gewaltige Macht über die Seelen, die sie von ihrem Stifter, von Christus, erhalten hat, um die Einheit zu wahren, Stände und Schichten des Volkes zu versöhnen, in allen das lebende Bewußtsein jener Gemeinschaft der Heiligen Hervorzurufen, die tiefgehenden Zwist und Streit und Haß gar nicht au Rommen lassen kann. Um die gottgewollte Einigkeit überzeugend zu predigen, dazu bedarf es solcher Katholikentage; da tritt sie deutlich vor jedes Auge, auch vor das, das sich verschließen will. Uild wer die gewaltigen Massen in ihrer Mamrigfalligkeit und Zahl tdyaur, wer den Geist der Einigkeit gespürt hat, der über den im gemeinsamen Glauben unb in der flammenden Gottesliebe um ihren Bischof versammelten Katholiken einer Diözese schwebt, der erkennt in der Möglichkeit einer solch glänzenden Veranstaltung das göttliche Zeichen für die Echtheit unseres Glau- lumsbekenntniffes und faßt den mannhaften Entschluß, zu leben, zu arbeiten unb zu sterben in diesem schönen katholischen Glauben und mit Begeisterung stimmt er ein in das Banne^ied der Katholiken: Fest soll mein Tausbund immer stehen!
Abendfeierglocken.
Ueber der Stadt, die im wnrinen Glanz der Sonne liegt, des Glutballs, der allmählich am west, litten Horizont hinurttergleitet, jauchzt plötzlich Glocken- lang Asm hohen B^t« bestimmen die Ofamm und ihre zahlreichen Schwestern ihr melodisches Lied zu fingen, um am Vorabend des Festtages wuchtig, ernst, erschi'üternd und erhebend Gott zu preisen. Die vielen, vielen Männer und Frauen, Kinder und Greise, fremde Gäste unb mit den Bräuchen der Heimat behaglich vertraute Bürger, sie alle, die in lebhaftem Verkehr die Straßen bevölkern, hier und dort das festliche Bild vollendend, das die Natur selbst mit sommerlicher Pracht und auch eifrige Men- fchenharrd mit Fahnentuch und Fesiesgrün geschaffen haben, sie horchen auf; es ist, als ob überirdische Welten in den feierlichen Glockenklang die Bewohner des Erdentales grüßten. Hinauf zum Himmel den Blick! Sphärentöne schwingen aus Himurelsweiten zur Erde! Fromme Schauer der Aadacht im Menschen, berg, St. Bonifatius fleht am Hiinrnrlsthron für fein deutsches Volk, dem er vor 1200 Jahren die Botschaft des Heilandes gebracht hat: Gemeinschaft der Heiligen!
Set ÄEM
Dom Michaelsberg dröhnt in die feierliche Somr- tagsnwrgen-Still« der erste Schlitz der Böller und bald führen sich Trommeln unb Pfleifen der Jünglinge der ^-tadtpfarrei, um des Festtages Beginn der allmählich rrwa^yeiDen Stadt zu verkündigen. Auf allen Wegen, mr zur Stadt sichren, wird es leberüng, das Lmödvolk f," Umgegatib eilt nach Fulda, die Wallfahrten von Herrenberg, Die Arshan unb Horos, bett Filialen der Stad - mrd Dompfarrei, ziehen nach alter Sitte zum Bomfatrusgrab, Scharen auswärtiger Gäste strömen m die Stadt, die Fahnen der Vereine sammeln sich rm Vannkreis der ehrwürdigen Pfarrtürme die fo wuchtig im Mittelpunkt der Bonifatius stadt aufragen.
Die BsmMuswallfahrt der Stadtpfarrei soll nach altem Herkommen zu Be. ginn der Bonifatiuswoche nach dem hohen Dome ziehen. Brausend setzt die Orgel der Kirche ein, mächtig löst sich aus der Fülle der Töne das Lied, das nun wieder eine Woche lang durch Fuldas Straßen
zwei kerzentragenden Alumnen den altehrwürdigen elfenbeinernen Stab, den nad) der Ueberlieferung der hl. Bonifatius getragen. Diesen Hirtenstab in der Hand haltend, erteilte der Hochw. Herr Bischof den Segen. Gewaltig brauste zum Schluß, nachdem der Domchor noch zum fatramentalen Segen ein fünfstim- miges Tantum ergo von Haller gesungen, der Volks- gesang: „O Glaubensvater, sich die Not, in der wir uns befinden", durch die weiten Hallet.
Die Rückkehr zur Stadtpfarrkirche gestaltete sich bei herrlichein Sonnenschein zu einem glänzeiideri kirchlichen Schaugeprange. Die noch in- zwischen «ngetrofstnen zahlreichen Fahnendeputatio- nen, der Pilgerzug aus dem Ecisaer Amt, die Vereine arrs der Hanrmer Gegend, die Ober- hessischen Vereins, die studentischen Fahnengruppen, acht an der Zahl, »md alle die anderen, wollten gar kein Ende nehmen. Das Chor der Pfarrkirche faßte, als die Prozession wieder ihren Einzug gehalten hatte, nicht die Masse der Abordn'.mgen. Allen Teil» nehmen, wird gerade dieser Rirckweg vom Dom zur Pfarrkirchs als eine großartige öffentliche Bekurchung katholischer Elaubensfreude und Glaubenstre^ie immer in der Erinnerung bleiben.
Lebhaft wurden wir La erinnert an die Enlleitungs- worbe der Predigt, die 1892 bei der Wallfahrt der deutschen Katholiken zum Grabe des hl. Bonifatius der rodegewajtige StaLtpfarrer Huhn von München gesprochen Er erirmerte an die Szern, da Josus im Kampf« um das gelobte Land nach ter Schlacht gegen die 5 Könige der Anunorrhiter, in der durch die vom Himmel gefallenen Stell« n«hr Feinde erschlagen wurden, als durch das Schwert der Israeliten, um den Sieg auszunützen mrd den FcirL» bis in feine letzten Schlupfwinkel zu verfolgen, das gewaltige Wort sprach:
„Sonne bewege dich nicht von Gabaon".
Rub er fuhr dann fort: Unter einem solchen Eindrücke stehe ich in dieser Stunde. Ach, es gibt Augen- btlcke im menschlichen Leben, die man sesthalten möchte, Tage, an denerr man das Hinunslsgewölbe in feinet Bewegung aufhalten möchte, bamit es lange Tag fei unb kamst wir den Segen eines Tages ganz aus* nützen könnterv O wie schön ist ein solcher
Tag in Fulda
an, G.ade des hl Bonifatius, wo Tausrâ aus adett Teilen der weilausgedehnten Diözese zusaumwnkom. men, um für die Gnade des hl. katholischer» Glaudens Gott bem Herm zu danken, um das Grad des glorreichen Apostels zu verhsrrlicherr und um heilige und unvergängliche (Gelöbnisse zu erneuern. Unsere Herzen erzittern in hl. FwrSe, unsere Augen leit ästen in heil. Glanze und unser Mmrd spricht es aus in hl. Begeisterung, daß wir überaus glücklich sind, an diesem Tags Hier fein zu dürfen und stünde es in unserer Macht, wir würden der Sonne befehlet, inne zu halten in ihrem Lauf, auf daß dieser Tag uns verlmsgert werde."
Der Jestzug.
Kurz vor Mittag fing es an aus schweren Wolken, die in verschiedenen Richtwagen den H'unmel bedeckt haste»«, zu biitzcn und zu krache»». Auch regnete es zeitwollig. Gleichwohl eilten die Vereine jum Sammelplatz des Festzuges an der Kurfiirstenstraße. Viele Tarrfende tarnen. Ein Fahnenwald baute sich auf. Die Leiter des Festzuges, Stlldrcmat Dr. Classen und der Feuerrochrkommandont, Melenneister Wehner, die mit Hilse der Ordrrer und der Feuerwehrleute schor« bei der Prozession am Vormittag eine überaus glatte Durchfühnrng in die Wege geleitet hatten, brachten auch diesmal wieder schnell Ordming in die rmsbsehbare Schar der Teilnchiner. In den Festzug- straßrn standen die Zuschauer, darunter zahllose Fremde, Kopf an Kops.
Gerade als sich der Zug in Bewegung setzte, kam ein Gewitter über die Stadt gezogen, das der Erst» faltung des Zuges zwar Abbruch tat, aber den ge- wattigen Eindruck di^er Masienkunügebung nicht oer* hindem sonnte. Gerade der Umstand, daß trotz Blitz