— 174 -
Aich. für den polnische Anspruch ins Feld geführt werden; denn Oberschlesien war damals nicht polnisches, sondern deutsches Land. Aber gesetzt einmal es wäre wahr, daß Oberschlesien vor 600 Jahren zu Polen gehört habe und Polen deshalb einen Anspruch darauf habe — was würde Herr Briand wohl sagen, wenn man ihn daran erinnern würde, daß es kaum 200 Lahre her sind, daß Elsaß zu Deutschland gehörte und wir davrrus die Schlußfolgerung ziehen wollten, daß wir einen geschichllichen Anspruch aus dew Elsaß hätten! Herr Briaich ist um Gründe nicht verlegen, aber er wählt sie nicht mit genügender Vmsrcht aus. Derselbe Hilt mehr sSer weniger von den anderen Gründen Briands, daß die Stimmen der armen polriifäM Bergarbeiter soviel wert seien, wie die der reichen Deutschen, dc ß bei den VertragsverhmidMlMn in Versailles alles einig gewesen sei, ganz Oberschlesien den Polen zirzu- spccchcir (das war aber eine große Ungerechtigkeit), dcH erst nachträglich die Entschâung durch eine Abstim- mung beschlossen worden sei; und daß Polen eben dieses Kohlengebiet brauche, wenn es als selbstäiMger Staat in Zuk'.vcht bestchm wolle. Demgegenüber ist zu betonen, daß die Abstimmung ohne Zweifel eine deuische Mehrheit ergeben hat und daß man ein Zerrbild daraus machen würde, wenn man jetzt mit allerlei zweifelhaften Manövern sie für Polen unrgudrchen sich bemühen wollte, in tem man beispielsweise die Abstimmung in einzelnen Kreise oder Bezirken und Orten herausholt und dann die Zone für Polen so zieht, wie noch gerade zur Not eine polnische Mehrheit, sei es and) nur von einer Stimme, herauszurechnen ist. Diese Teilrvchângen führen zu parteiischem Ur= teil und müssen neben dem durch sie verursachten Unrecht die schwoften wirtschaftlichen Nachteile verursachen, weil sie Zusammengehöriges trennen und eine blühende Wirtschaft dem Verdorren aus setzen, denn Polen ist gar mcht in der Lage, die Industrie allein auf der j^chigen Hohe zu halten, statt aufzubauen würde es nur zerstören. Übrigens braucht Polen Oberschle- ßeri nicht, wenn es nur jeine eignen Kohlenbergwerke entsprechend ausbauen würde, wobei ihm DeutschlarÄ behilflich sein wüM'. Das ist den polnischen Herrschaften «Ger zrl befchw«lich, sie legen sich lieber in «in gemachtes Bett. Das ist Oberschlesien allerdings. Drüsche Kicktur- und Wirtschaftsarbeit hat ihm seinen berttigen Wirt gegeben und seine Bodenschätze erschlossen und entwickelt, es wäre ein Unrecht, den durch diese Arbeit erwirkten Anspruch einfach zu kassieren und nun alles Polen preiszugeben, dem keinerlei Verdienst mn Oberschlesien zutommt. Eine EnisHtidung, Re der Eerechtigksit und den wirtschaftlichen Not- wendsgkciten entspricht, man denke nur ay unsere Wie- dergulmochuL^oei'pflichturitzen, muß anders ausfallen: Ve-knunft und Recht fordern gleichermaßen das Verbleiben ganz Oberfchlefiens bei Deutschland, sie widersprechen auch jeder Zwischrnlösrmg, die nur ein Herd immer neuer Unruhen und Zerstörrmgen sein würde.
lmrg hatte erfordern müssen. Ganz mit Recht hat das Gericht in diesen Verstößen eine Schüdigrmg des Ansehens der deutschen Arm« und des deutschen Volkes als Kulturnation erblickt und deshalb trotz Anerken- ramg des Pflichtgefühls der AngeNagten auf râe Ge- fänßulsstrafe erkannt. Diese Gerichtsentscheidungen müssen auch im Auslcmd als der Ausdruck reinster Gerechtigkeit anerfannt werden. Es fcheirtt auch der Fall zu fehl; wenigstens hat bet Berichterstatter des »Daily Telegraph" anerkannt, daß die in Leipgig an- r-efenden Engländer einstämmig der Ansicht zu sein fdâenen, daß sowohl die Richter, als auch der An- Ha^«>erfreter die BeadjmiNurtgen vollkommen unparteiisch führten. Unsere deutschnottonslen Blätter faUen natürlich über das Reichsgsricht her, weil es zu einst Verurteilung gekommen ist. Diese Leitte möchten aus den A-rgeklagten am liebsten nationale Heilige machen. Das ist ganz mwerständtich; u. E. ist es eine schwere Versündigung am deutschen Ansehen, wenn man offen» fündige Gewalttätigkeiten und Verstöße gegen die Menschlichkeit verteidigt. Recht muß Recht bleiben und Unrecht darf man nicht zum Recht machen wollen.
— ■ ' »^» —' ——
Prinz Lièe! Zriedrich
ist dieser Tage wegen KapitalvSrschlebung (337 000 Mk.), die er mit Hilfe der Firma Gruss er vorgsnommen hat, zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Das Vergehen gegen die Gesetze hat damit seine Sühne gefunden und damit könnte der Fall erledigt fein. Die Blätter der Rechtsparteien aber haben das undegictjli^c Bestreben, den Fall politisch auszuschlachten und den Pmrgen sozusagen als einen Märtyrer hinzustellen. Dabei werden Methoden onge- wsndet, die geradezu zum Widerspruch herausfordern. Die Tägliche Rundschau bringt in ihrer Verbohrtheit die printzliche Kapitalsverschiebung in Verbindung mit Ecz- barger, ohne dabei zu bedenken, wie schlecht ihr Hskd bei einem Vergleich mit der Erzbergerschen Sl-evermrgelogen- heit lvegkomnik. Dem Versuch, das von der Tägl. Rurch- schau angoschMtene Thema weiter zu verfolgen, wollen wir w.derst-hen, aber wir können nicht unterlassen, auf den merkwürlügen Untsrfchied hinzmveisen, der in der Behandlung der Steuecfachen Erzberger und Eitel Friedrich in der deukfchnationalen Presse beliebt wird. Obgleich Erzberger nicht das mindeste Versäumnis in seinem Steuerfall nachgewiesen ist, hat die Reckflepresse dieses Thenm monatelang in bemaßoglfd):r Weise „bearbeitet" in* sich nicht genug tun können m moralischer Entrüstung. Dern Prinzen sind Kopitalsosrschiedungen gerichtlich nach- geWkesen worden (337 000 Mark) und jetzt stellt sich die- sÄbe Presse schützend vor den Dermteilteiv. Die Tägliche Rundschau findet nichts natürlicher, „cis daß er Äs der« zeitiges Oberhaupt der Familie einen Notgroschen in Sicherheit bringen wollte." Die D. Tageszeilz., die s. Z. die in der Presse gegen den Prinz«: erhobenen Vorwürfe als Ong und Trug erklärt hatte, findet jetzt — nachdem das
Atflchlußbewegmrg feine Bedeutung, zur Zett kmm sie sogar mehr schaden als nützen. Die kleinen Nachbarstaaten, Jugoslavien und Rumänien, sind dagegen, Jugoflavien wartet nur auf eine Gelegenheit, Südkärnten und Südsteiecmark zu besetzen und wird sicher den Plan in die Tat umfetzen, wenn die Anschlußbewe- gang weibrrgeht. Auch die große Entente will von der AnschÄthbrweguug nichts wissen, sie sicht darin einen Bruch des Fricherrs von St. Germain, der den Arflchdtß verbrs-et. Das ist Sein Wrnrder, sie will kein ftMkss Deut sch Kmd. Sie br^t Oesterreich mit der Einstellung der Hilfsaktion, durch die man dem Land wirifttzaftiich aufhelfen will. Die österreichische Regierung hat insslßèdessen Zagen die Abstimims^cn Stel- liärg Mismuren mÄ sie jeden amälid^in Chsrakwrs entkleidet. Dhr Wunsch, daß auch die priosre Ad- ftinuniRig unterbleiben möge, ist aber weder in Tiro! noch in Salzburg erfüllt worden, dagegen will man in Steiernurrk vernmiftigerweife von der Abstimmung Abstand nehmen. Politik ist bekanntlich die Kunst des Möglick-en. Das scheint man in Oesterreich auf Seite der ZÄflchluß freunde zu vergessen. Äm sttziMi Augenblick ist an einen Arrschluß gar nicht zu irrten, gegenüber dem Willen der Entente, die den Anschkitz nicht
will, muß das wchrlofe, lpUMnrde Oesterreich sich fügen, es hat keine äußeren Machtmittel, um sich gegen Ungerechtigkeit uteb Unterdrückung zu wehren, jeder Widerstand muß feine Lage nur noch verschlimmern. Daran können all die großen Reben. (Schärten urrd Drohungen, in denen sich die Alldeutschen noch immer gefallen, znchks andern. 3n ist Schlußze kn des ftfiönften sophoklrifchm Dramas singt der Chor ein erhabenes Preislied auf die Vecuunft. Richt die Weisheit nennt er selig, die Wissensschätzs sammelt, nicht die Leideiftchast, deren Kraft in züsfllofem Fühle» sich verblutet, sondern die Vefonnenhelt, die prunk- los und bescheiden der Greven des menschliches Könnens sich bewußt wird und in aushurrerrdem Zletbe- wußlfein an der Zukunft baut. Das tonnten sich auch unsere LÜdsulschen und devischnettisnalLU Phrasendrescher merken, die vor dem Krieg mit ihnnr Erobernngs- plänen uns in der ganzen Welt verhaßt gemacht, die Lm Krieg jedes Verständnis für die Wirklichkeit Der« missen ließen und jetzt in Tönen reden, als hätten wir noch ein Milliorwni^r zur Verfügung.
gem, es
EereSji^keit in Leipzig.
Das ist der Eindruck, den Jsdenrrann von den ersten Prozessen gegen die wegen Gefangenenmißha-td- fwgen angeklagten Kriegsbeschuldigieu bekormmen haben nmß. Ihr Verlauf gibt richinendes Zeugnis von der vollen ObMivität des baulichen Gerichts. Das Reichsgericht hat das politische Moment vollständig ausg^schaltet, es hat nur nach Gesichtspunkten des Rechts geurteilt mü) danach seine Entscheidung getrof- fen. Daß die gleichen Verfehlungen, die hier in Frage stehen, auch von Llngrhörigen unsti'er früheren Feinde gegen deutsche EesanMne begangen worden sind, durfte selbstverständlich das deutsche Gericht nicht davon abhallen, das, was als strafbar erkannt worden ist, auch mit Strafe zu belegen. Danach ist mit strengster Un- Parteilichkeit verfahren worden und der erste, Unler- offizier Heynen, ist mit 10, der andere, Harrpünann Müller, mit 6 Monaten Gefängnis bestraft worden. Dreierlei kam in den Verhandlungen zur Sprache. Eine Reihe allgemeiner Unzulrä^ichkeiten, wie hygienische Stängel schnell errichteter Lager, ErnähnmgL- schwrecigkeiien, von denen ja das ganze Volk betroffen war, waren unveru eidliche Kriegswirkungen, für die die Lagerkommandanten nicht verantwortlich gemacht werden können. Der zweite Punkt der Beanstandungen, das Anhalten der Gefangenen zu Arbeiten, zu denen sie sich nicht verpflichtet glaubten, und die Anwendung von Gewalt bei solchen Weigerungen entsprach einem allgemeinen Befehl, sodaß auch hier die Wachmannschaften keine Schuld trifft. Was aber unter keinen Umständen entschuldigt und noch weniger gebilligt werden darf, das sind die direkten Mihhaich- lyngetT und Beschimpfungen, die um so schwerer wie« gen, wenn sie gegen wehrlose Gefangene begangen Kerben, deren Lage überall eine schonende Behand-
Gericht etwas anderer Ansicht gewesen ist, heraus, „daß Prinz Eitel Friedrich mit der Uebergaüe eines Teiles fÄnes Vernrögsns an das Bankhaus Grosser nichts anderes im Auge hatte, de dessen Sicherstellung vor den neu- gierigen Fingern der ReDolutionshelden vom 9. Novem- ber." Welch wimderbars Auswege eröffnen sich hier allen Kapitalsoerschiebern! Man bringt einen Notgroschen in Sicherheit oder entzieht sein Gell» den neugierigen Sin« gern der Steuerbehörde! Solch zarte Auslegungen sind aber nur zulässig, wenn es sich «m Deutschnallonals Han- ML Arrdernsatls ist man ein ganz gemeiner Steuer- betriiger, den man nach Herzsttslust durch den Schmutz schleifen darf. Die Tägliche Rundschau schließt ihre Mohrenwäsche mit dem Satz: „Der Prinz Eitel Friedrich hat eine Geldstrafe zu erleiden; moralisch verurteilt aber sind die Skandatmacher im Reichstag vom November 1920." — Die Deutsche Tageszeitung erklärt, daß aus den Prinzen kein Makel falle. Ganz anderer Änsrcht ist aber der d.eutschnatiünale Abg. Gräfe, der am 4. Mai 1921 im Reichstage ausführte: „Das Borgehrn der Steuerhinter- zichung und der Kapitalflucht ist nach unserer Llusfassung niemals ein poli^fches, sondern stets ein gemeines Delikt, lmd zwar ein solches, das die Ehre des betreffenden Be- schrckkügten berührt." Damals hatte freilich Herr Gräfe
" den Abg. Erzberger im Auge und das ist eben
Lnxemburg im belgische» Sack.
Luxemburg wurde zu einem Zoll verband mit Vel> gien gezwungen. Die luxenstmrgischr Presse äußert sich darob recht wenig erfreut. Das offiziöse „Luxom. burrer Wort" schreibt: Wir können die Begeisterun; der" belgischen Presse nicht teilen, denn &rremburc wurde durch seinen starken Rackflwr Ki diessn Verlrat gezwungen aus Gründen der internationalen Politik Verschiâne Vestimnnu^en des Vertrages sind sthi drakonisch. Zwang tut nicht immer gut. — Bekannt lich war Luxemburg vor dem Krieg in näherer Vcr binidung mit Dein sch!and.
In Frankreich
„nur etwas
ganz anderes.
Oesterreich.
üt der Erzkulturkämpfer Combes, 83 Lahre alt, ge starben. Anfangs Theologe, wandte er sich dem Sru dium dcr Atedizin zu und wurde Arzt. S-eit 188; war er Abgeordmter, 1902 trat er an die Spitze de Regierung und begann sofort mit seinen kulturkämpferi schen Maßnahmen. Unter Aufbietung von Milita und Polizei ließ er 135 Ordensschuten schließen, 200 Ordensniederlassungcn wurde mit achttägiger Fri die Auflösung an gedroht. Rücksichtslos wurde tro des Einfpmchs der Bischöfe der Kampf sortMsetzt un von der Kommer gebilligt. 1904 kam es zum offene Bruch zwsichen Frankreich und dem Papst un irr der Folge zur völligen Trennung von Staat uv Kirchs, die Combes allerdings während seiner Mtnistei präsidc>7t1chast nicht mehr erlebte. 1905 wurde ex geftiir und seitdem war er ein politisch toter Mann, der ii öffentlichen Leben teile? Rolle mehr spielen konnt Die Mißstimmung und Abneigung, die gegen st wegen seiner im Kongregationstanipf bewiesenen Ui duldsantkeit und Rücksichtslosigkeit herrschte, oerhli derte, daß er st wieder ein Ehrenamt rrhielt. En merkwürdige Fügung wollte es, daß Com^s fast der gleichen Stunde verschied, in der c^nc or >>onna nach Rom abreiste, um die von Combes un ^ag 1904 abgebrochenen diplomattschen Beziehungen zu schen Frankreich und dem Vatikan wieder, herzusteln Combes teilt das Schicksal aller jener, die im Lm der Äahrhrmderte gegen die kalh. Kirche ansturmt und sie zu vernichten glaubten. Wenn sie alle ton ! vergessen sind, wird die Kirche unerschuttert dasteh i unter den Völkern des Erdkreises. „Starke, die I o- -t— c^fi^ __ snarbon hrtsb mir ls-lbst aetrvcb
Nachdem Tirol sich durch eine private, nicht am!« lichs Volksabstimmung mit großer Mehrheit für den Anschluß an das deutsche R^ich erklärt hat, hat Salz, bürg mn vorigen Sonntag in derselben Weise fast cm« stimmig sich für Deutschland bekannt:
Vom Bruderreich soll Grenz und Pfahl Uns fürder nicht mehr trennen, Wir wollen ein für allemal Zu Deutschland mrs bebennrn. • un^i w» ...... —-
Das ist die Stimmimg, die jetzt das Volkin.Deutsth--Treiber dünken,,— Werden doch mir selbst g^r -b ^t.^^i.k, ^cunt «r« ,r.th sm- sich ist däs ia für jedes — Heergerale euks Srarcern, D.e, georauü),
ch, aber praktisch hat diese 'brauchst zerstieben. — All die Riesen sind nur Zrver
Oesterreich erfüllt. An urrd ten'f^o 5)erz r«H erfrculti