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Durch Arbeit zur grei^it

Mit diesen Worten hat Reichskanzler Wirth das Gebot der Stunde gekemizeichnet. Nicht über Schlacht­felder führt die Bahn zur Freiheit, dort stehen Kreuze genug, wir veilen nicht auf neue Kriege sinnen.Ich rufe nicht aus zum Schmieden neuer Wassen, ich rufe die Welt aus, so sagt der Kanzler, zu einem Ml'enntms MN Stecht auch für Deutschland, ich rufe das deutsche Volk aus zum Bekenntnis zu einer freien und großen Arbeitsleistung. Leistungen allein tonnen die Welt von den: guten Willen Du tschlands überzeugen. Es gibt draußen in der Welt, man kann es freimütig und offen arrssprechen, fast niemand, der Deutschland nicht große Leistungm zutraut. Die Welt glaubt also an ein wirtschaftliches Erstarken Deutschlcurds, nun müs­sen wir auch selbst daran glatten und die Hand daran legen, diesen Wiederaufbau zu beginnen. Manches hat sich im Laufe der letzten 2 Jahre schon gebessert und wenn es uns weiter glückt, die Wiederbelebung der. Wirtschaft und des Handels durch Förderung der Pro­duktion zu erreichen und in Deutschland dem hungern­den Silagen wieder geniigond Nährstoffe zuzuführen, so wird, davmt bin ich überzeugt, das deutsche Volk auch freiwillig beträchtliche L-eisttuigen aufbringen," Hier hat der Reichskanzler wirklich

den RaZel auf den Kopf getroffen.

Die Not des Vaterlandes muß Sorge aller werden. Jeder muß in seinem Pflichtsnkreis zu Opfern bereit fein und sie auch bringen. So sicher di« Zeit vorüber »st mit den Ni esengewinnen ter Industrie, des Handels und jeder Probuttion, so gewiß muß aber auch jeder einzelne von sich selber größere Arbeitsleisiung bei gleichbleiberrder Bezahümg verlangen. Das gilt für alle ohne Ausnahnre für dir Haub- und die Kopfardci- ter. Wenn wir das nicht selbst bei Zeiten ein sehen dann werden wir eben dazu gezwungen werdA. Ge- nußmittel wie Tabak, wofür heute unser armes Deutschland fünfzehn Milliarden jährlich hinauswirft, oder Alkohol gar mit zwanzig Milliarden jährlich, wer­den zur alten bescheidenen Rolle im Haushalt des Bob kss wie des Gingel neu zurilükehren müssen. Kurz von der Großindustrie bis zur Lebnrsführung des einzelnen Bolksmitgliedss wird eure große geistige Unlftellung eintroten müssen. Produktive Arbeit, äußerste Spar» fam^it bei höchsten Leistungen werden die Forderun­gen unserer Zeit. Für Dornel>me Nichtsürer mit tem Tennisschläger wie für ArbÄtsfchr« mit ter Ziga- jette sorge ein Arbeusdielssifahr, das bereits in mml- chvrr Ländern eingeführt ist. Zur Entlafümg unserer großen sozialen und karitativen Einrichtungen diene ein Frauenpflichtjahr für die entsprechend.» weiblichen Ätüßiggängerinnen. Im neuen Staat der überulensch-- lichm BerpstichtungM kmm es nur Veteranen dir Ar­beit und Kranke geben, die vom großen eisernen Ge­setz der Arbeit eine Ammahms nürchen.

Was uns fehlt

ist Einigkeit und Geschlossenheit die jetzt in der großen Not des Vaterlandes doppelt nötig wäre. Aber die Urretnigfeit ist von jeher ein Erbübel der Deutschen gewesen. Noch immer gilt das Wort des großen Jos. v. Görres, das er vor 100 Jahren dem nach Elba verbannten Napoleon in den Mund legte:Zwie- spalt durfte ich nicht stiften unter den Datschen, den» me Einigkeit war aus ihrer Mitte längst gewichen, -nur meine Netze durfte ich stellen, msd sie liefen mir wie ein scheues Mld von selbst hinein. llrtfèreimutter löten sie sich erwürgt und glaubten redlich ihre Pflicht

rr^tl£üölöubiger ist kein Volk gewesen, und tortcht-tolter kein anderes aus Erden. Steine Lüge ist so grob ersonnen worben, ter sie nicht 'm unbegreif- ilcher "Albernheit Glmiben beigemeffter hätten. Nichts Schandbares für sie ist vorgegangen, dein sie nicht eine schöne Seite abgewonnen. Die törichte Mißgunst wo­mit sie sich untereinander angefeinbet, hab ich zu mei­nem Gewinnst« wohl gehegt; iinmer haben sös mehr Erbitterung gegetreinanter als den gegen den wahren sseind gezeigt." Ist uns nicht, als ob diese Worte auch heute noch Geltung hätten nach hmldert Jahren? Das gegenseitige Herunterreißen der einzelnen Parteien, die cufentlichen Auseinandersetzungen zwischen den Anhän- gern derselben Partei, das bietet wahrlich kein erfreu- ilches Bild in einer Zeit, wo Feinde ringsum auf rem Sprung liegen, um uns zu v.-rnichèen.

Das Retchsminisleilum

ist vervollständigt worden. Außenminister unirbe der seitherige Gesandte in Holland, Dr. Rosen, ein Berufs­diplomat, der seit 1889 dem Auswärtigen Amt cm- gehört und also groß« Erfahrung besitzt. Mederans- bauminisler wurde der Präsident der Allg. Elektrizi- täks-Gefellschaft, Walther Rathenau, ein bekannter Führer der deutschen Industrie.

Von einerEmsMnnuug"

spricht man in den Zeitungen. Briand, der fraugufü ichs Ministerpräsident, hat in ter Kammer eine große Rede gehalten und darin ganz andere Töne Deutsch- land gegenüber angeschlagen ais man dies seither ge­wohnt war. Er hat ausdrücklich den guten Willen Deutschlands anerkarmt und erklärt, daß der neu- deutsche Reichskanzler Dr. Wirth, seit er an der Spitze der Regierung sèche, Beweise großer Offenheit und Loyalität gegeben, daß er Verpflichtungen übernom­men und ohne HürKrhâigkeit und Verzug das Nötigste getan habe, um sie zu Taten zu machen. Für gewöhn­lich ist es ja freilich gerade keine betontere Empfehlung, wenn ein leitender Staatsmann ein Vertrauensvotum Port seiMN Feinden erhält. Die Lage jedoch, in ter sich Deutschland befindet, fordert gebieterisch/ daß die Gegner Vertrauen zu uns gewinnen. Der gute Wille, endlich zur Verständigung und Beruhigung der curo- pAschsn Politik zu konunen, erfüllt die weitesten Kreise des deutschen Volkes. 2>arum wird die abfällige Kri­tik, mit der die Deutfchnalionalen infolge tiefer frango» sischsn Anerkeunwig Wirths über ihn herfân unb ihr sinnloses Geschwätz vonnationaler Würd-" keinen großen WiLerhali beim Volke sirrden. Wir find leider einmal ter ter U ebermacht unterlegene, néetergerum gerre Feind. Da Hilsts nichts, mit den Zähnen zu knirschen, die Faust zu machen und sich unnachgiebig zu jergeu. Das Eingeständnis, daß man unterlegen ist, offen und ehrlich, macht wenigstens dem rohen An­blick des Siegers mit tem Knie auf ter Brust des Un­terlegenen ein Ende. Das erste erfreuliche Anzeigen dieses Umschwungs ist in der Siete Briands ohne Zweifel zum Ausdruck gekommen. Unwillkurtich frag! man sich, ob das ter feite Briand sei, der erst vor turzrm das Wort prägte, man müsse Decüfchlaird beim Kragen packen. Hier sieht man den unverkenn­bar:» Einfluß des engiifchen Ministerpräfldenken Lloyd George unb feilte Stellungnahrne in der oberschlesischen Frage, in der er bekanntlich für Deutschland GerechUg. keit verlMgè hat. Briand hat insolgedesten einle'icken müssen, tin? den offenen Konflikt mit England und da­mit den ZtlfümmAlbruch der Entente zu vevwân. Diese f)alhmg Englands, ter wir die au^nblickliche Cnispanm-ng verdanken, wäre aber faum so bestimmt MM Ausdruck gestürmten und seine Politik, die auch von Sintertfa unterstützt wird, hätte sich kaum 'm dieser Weise durch^-tzen könrren, wenn nicht die derüsche Po­litik durch Annahme des Ultimatums ihr die Möglich­keit dazu gegeben hätte. Nm auf diesem Wege können wir weiterkaniMLN. Stetige elltschiedeue Betorrung des Rechisgedankerrs tet äußerster Kraftanstrengung^ die mm eimtml üternommeren Verpslichturrgen zu erfüllen, nur das kann die große Richtlinie der deutscheil Poli­tik sein. Je mehr wir selbst unseren Willen, zu halten, was wir mrterschrieben, beweisen, um so schär­fer kömiLN wir darmlf bestehen, daß mich rms unser Recht wird, daß auch unsere Gegner die Pflichten eilt Halim, die sie durch den Vertrag sich selbst auferlegt haben. Lloyd George hat diese Pflichten als heilige bezeichiret. Wir wollen hoffen, daß England sich dessen bewußt bleiben und auch weiter für ihre Er­füllung eitttreten wird.

Gdersch!esien nimmt natürlich immer noch das Interesse der ge- famten Oesftnrlichkeit in Anspruch und zwar nicht nur bet uns, den zunächst Beteiligten, sondern auf der ganzen Welt. Allerlei TeilunWpläue tauchen auf. Daß wir es ganz bekommen, erscheint wohl völlig aus­geschlossen und wie die Entscheidung im obersten Rat schließlich fällt, ist im Arrgenblick noch nicht zu sagen; neuerdings tritt auch wieder der Gedanke auf, das um­strittene Kohlengebiet vorläufig als Freistaat, ähnlich wie das Saargebiet, unter die Kontrolle tw Entente ober des Völkerbundes zu stellen, was natürlich nach Lage der Verhältnisse mit einer Auslieferung an Polen fast gleichb^eritend wäre. Die Lage in Oberschlesien hat

1 sich noch nicht gebessert, Korfanty hat mit feinen Hor­den immer noch die Oberhand. 2(uf seine neueste Kundgebung, daß er die Waffen meterlegen wolle, ist natürlich eben so wenig zu geben, wie auf seine söltherigen Erklärungen, von denen er keine einzige gehalten hat. Wenn Kritiker bei uns sagen, die Reichsregierung sei 3» schlapp, sie dürfe dem Treiben Korfantys nicht ruhig zusehen, sondern müsse mit der Reichswehr oder mit Freikorps in Oberschlesien Ord­nung schaffen, so ist das Ansinn. Ganz abgesehen^ da­von, daß bei den fetzigen Verhältnissen derartige Frei- ferps nur die eigenen Leute brandschatzen irrten, weil es an geordneter Unterkunft und Nahrungszu­fuhr für Tausende von Menschen fehlt, würde das den Polen den Vorwand geben, nun mit rregulär«? Truppen einzmnarschieren und offen den Krieg iU erklären. Zum Krieg ist aber unser Volk weder ge­willt noch sühig, sofort würde auch die Entente uns den Krieg erkkärerr und ins Ruhrrevier einmarschierm und die letzten Dinge würden noch schlimmer sein als die ersten. Unsere nationalen Schreihälse können es anscheinend immer noch nicht glauben, daß wir unter geinten ringsum eingekeilt, wehrlos wie wir find, uns unter den Willen unserer Sieger beugen müssen. Inzwischen skaten die Engländer beschlossen, «ein« ganze Dmision nach Oberschlesien gu schicken, um bis Ordnung wieder herzu stellen unb das Land von den Korfantuschen Banden zu säubern. Die wenigen feit- her tert l^fürdlichen englischen Truppen haben zu- jammen mit den ilaUerftschen schon seither ihre Schul­digkeit getan, während das von den französischen nicht gesagt werden kann; sie haben ganz bestimmt mit Korfanty ein Techtelmechtel gehabt und durch ihre Untätigkeit den Polen erst ihren Cinsall in Obirschlesien ernrMAjt. Die Engländer haben üb­rigens für bu Polen ebensowenig Sympathie, w'.s Vertrauen zu ihnen, daß sie dis reichen Schätze des Lindes industriell richtig und zweckmäßig ausbeuten formen. Die Gefangennahme und unwürdige Be- Handlung des englischen Majors Pswell durch pol­nische Banden hat den Unmut der Engiânder noch gesteigert. Außerdem sicht die Furcht im Hintergrund, das französische Kapital möchte sich der oberschlesischen und angrenLMden Grubeugebicte bemächtigen und mit den Gebietsn in Lothringen, an ter Saar und in Nordfrankreich ter gefährlichste Konkurrent Englands werden. *

Das ist wohl auch der tiefste Gnmd, warum Eng­land sich gegen einen französischen Einmarsch ins Ruhrgebiet wehrt, so lange es kann, und daß deshalb Lloyd George und feine Anhänger so sehr auf An- nahnre des Londoner Uttimatums drängten. Es sollte damit den Franzosen der einzige einigermaßen be­rechtigt erfd^nenbe und auch so bei den Neutralen aufgesaßte Grund zur Besetzung des Ruhrgebietes entMrndel» werden.

Wie weit die Engländer unsere Ansprüche auf Oberschlesien ^mnächst bei der Ettlscheidung durch ten obersten Rat faktisch anerkennen werden, wird sich bald geigen. Allzu große Hoffnungen wollen wir jedenfalls auf ine Leichts Erschütterung der Entente- sreundschaft zwischen England unb Frankreich nicht etzen. Halten beide zusammen, gehts uns schlecht. Und streiten sie sich, dann gehts auch wieder auf unsere Kosten.___

Wie Brombeeren

so wohlfeil sind bekanntlich Gründe; das hat auch Herr Briand wieder bewiesen mit denGründen", die er dafür angegeben hat, daß Oberschlesien zu Polen kommen müsse. So behauptet er, daß Oberschlefien überwiegend von Polen bewohnt sei, daß das Land von Preußen gewaltsam ten Defterreid^rn in den schlesischen Kriegen abgenommen worden, also erst 200 Jahre bei Preußen sei und früher überhaupt nicht zum Deutschen Reich gehört habe nämlich vor 600 Jah­ren! Dys stimmt nicht; ein geschichtlicher Anspruch der Polen auf Oberschlcsten besteht überhaupt nicht, beim Ober tolc fielt ist nicht vor 600 Jahren durch Ge­walt an Deutschland gekommen, sondern es ist vor 900 Jahren gewaltsam von Polen erobert worden und 200 Jahre später, also vor 700 Jahren, hat es sich infolge des Verzichts des polnischen Großherzogs Wla- dislmis Laskouogi, also auf völlig friedlichem Wegs von Polen getrennt. Mich ter Uebergang Schlesiens an Preußen durch Vr» Giebechährigen UrM, läW