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3m Reichstag
fand eine längere Aussprache darüber statt, warum Me Regierung in der Wedergutmachungsfrage die Vermittlung Amerikas angerufen habe. Die Unabhängigen und die Deulfchnationalen, di« sich merk- würdigerwe^r immer zusammenfircken, sind gar nicht zufrieden mit dem 6*ritt, der den Deir^chnaiionalen unvereinbar scheint mit tem Unannehmbar vom 12. März. Mit der Unbekümmertheit eines Kritikers, dessen Partei in der angenehmen Stellung einer verantwortungslosen Opposition sich befindet, übte der dsuischnationale Redner scharfe Kritik an der Hand- lungswsise der Regierung. Das Telegramm an Amerika nannte er würdelos. Warum habe Dr. Simons keine Verbindung mit den Volksvertretern gehalten und den Auswärtigen Tttrsfchuß nicht eittberufen? Dr. Simons antwortet« erst am folgenden Tage, er gab sich alle Mühe, das Verhalten der Regierung zu rechtfertigen. Seit vor 6 Wochen die Londoner Verhandlungen «^scheitert sind — so führte er aus — war er bestrebt, einen Ausweg zum Wiederanknüpsen derselben zu suchen. Bei der ablehnenden Haltung des Feind- bundes und der Vorbereitung Frankreichs zur Verschärfung der Zwangsmaßnahmen wurde die außrn- potitsche Lore Deutschlands immer trostloser: das game Ausland, selbst uns wohlgesinnte neutrale Kreise, hielten uns wirklich für einen böeariieen Schuldner, der wobl zahlen könne, aber es unter allerlei Ausreden hincmsschiebe. Versuche, mit Hilfe einer neutralen Macht zum Ziele zu gelangen, schärten. Der erfahr- litte Augenblick des 1. Mcü kam immer näher., So blieb ihm als verantuwrilichen Minister nichts anderes übrig, als den un- Mwvtmten Schritt zu tun, sich u-nmittelbar an den Präsidenten der Dere'nialen Staaten zu wenden. Um töber die ehrliche Absicht Deutschlands, feine Wieder- autmachungsvst^chlen auch wm^ch zu erfüllen, keinerlei Zweifel zu lassen, überließ Dr. Simons die ganze Entfck^idung dem Rechtsaefühl und der politischen Einsicht der mit dem höchsten Richteramt in Amerika betraut gewesenen Personen. Harding und Hughes, fest überzeugt, daß sie als angerufene Schiedsrichter auch als solche, nicht als ehemals feindliche Politiker handeln würk TN. Das fei keine deutsche Würdelosigkeit, sondern für die oerantwortungtragende ^Regierung eine schwere Pflicht gewesen. Mit dem fortwährenden Kuft rümpfen, wie es die deulschnationole fresse verlangt, werde ^j^enfalls gar nichts erreicht, es ist Wich gar nicht
angebracht, angesichts unserer furchtbaren Zwangslage. Denn von deutschnationaler Seite behauptet wurde, daß die deutsche Regierung zu wenig tue, um in Reden mb durch Fühlungnahme mit der P reffe im Ausland« Stimmung für Deutschimch zu machen, so wie Briand und Lloyd George es für ihre Länder töten, und daß besonders noch nichts geschehen sei zur Aufklärung teer die Schuld der Entente am Weltkrieg, so konnte Dr. Simons dazu sagen, daß an der gründlichen Auf- Körung durch Sammlung und Sichtung der Dokumente ständig gearbeitet werde, daß aber augenblicklich jede derartige Veröffentlichung nur als Borwarch Deutschlands hingestellt werd«, um fid) von feinen Ver- Pachtungen zu drücken. Damit kann Simons auch recht haben. Die vier Koalition-Parteien (Zentrum, Demokraten, Deutsche Bolkrpartei und bayrische Volks- Partei) sprechen in einer gemeinsamen Erklärung ihr „Enwerskëudws drxm aus, daß die Regierung den Weg. der sich ihr bot, betreten hat, um die Vermittlung des Drilfidenien der "Bereinigten Staaten zu erlangen. Das deutstbe Volk wolle leisten. was es leisten kann. Schlägt auch dieser Versuch fehl, so ist vor der Geschichte fkstgestellt, daß Deutschland alles getan hat, was in feinen Kräften stand, um der erschöpften und zerstörten Welt den Frieden zu verschaffen. In diesem Bewußtsein würde bas deutsche Volk allem Schweren, was Gewalt verlangen kann, furchtlos Stand halten." Auch die Soziotdemokraten verhielten sich zurückhaltend. „Neun Zehntel sehen ein, daß es henèr «ich! anders geht", meinte der „Vorwärts-.
Zur Sache selbst stellt sich übrigens immer mehr heraus, daß wir am Gescheitesten getan hätten, die Pariser Vorschläge, wenn auch mit einer Derltmgeruug ter Fristen, in London anzunehmen. Wenn es wahr ist deß ein amerikanischer Staatsmann erklärt hat, DeutMond könne nicht mehr leisten als höchsten« 15 Milliarden Dollar, so wäre» die Aussicht«« der «nerckâschen DermrtÄiurg für uns wsnLa vertockeâ i
denn das ist ja noch mehr, als was Brkavb verlangte, nämlich 62 Milliarden Goldmark, wenn sofort bezahlt: zwischen 200 und 300 Milliarden aber, je nachdem sie erst im Laufe von 40 aber 60 Jahren und mit 4, 6 oder 8 Prozent verzinst werten müßten. So unge» steuerlich die Forderungen erscheinen, sie sind nicht so schwer, als wenn Frankreich das Ruhrgebiet abschnürt und für jede Tonne Kohle von uns 700 Mark verlangt. Einen Fehler hat Simons jedenfalls in London gemacht, daß er unser 50 Mlliarden-Angebot nicht richtig dargelegt hat. Wenn diese 50 Milliarden im Laufe der Jahrzehnte auf dasselbe hmauskommen. wie die 226 Milliarden, welche Frankreich verlangte, warum hat er so fest an der Nennung der kleinen Summe lestgehalten und damit in der ganzen Welt den An- fd)ein erweckt, als stellten wir der französischen 226 Milliardenforderung nur ein Angebot von 50 gleichwertigen deutschen gegenüber? Er fürchtete den schlechten Eindruck, den diese Darstellung auf die Bevölkerung in Deutschland machen könnte. — Doch diese ist ja jetzt schon so abgestumpft, daß es ihr einerlei ist, wenn in 40 bis 60 Jahren ihre Kinder noch zahlen sollen. „Jutertum fit aliquid", sagt ein lateinisches Sprichwort. „Inzwischen kann sich allerlei ereignen." Wenn wir nur setzt Zeit gewinnen und den Zerfall des Reiches verhindern. Slbtr die Schreiereien, die von ter sogen, nationalen Presse in die Wett gehen, stecken die Bevölkerung an, wie seinerzeit die der Vater, lanbspartei, und treiben die Regierung und mit ihr den Reichstag zu allerlei Beschlüssen, die wir dann doch nicht festhalten könnten. In der Politik sollte man niemals jagen: „Niemals".
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Frankreich rüstet sich, triumphierend über de« Rhein zu mors ieren und das Ruhrgebiet zu besetzest, wonach es fest uem Friedensschluß strebt. Zwar ist, während wir dies schreiben, die Entscheidung noch nicht gefallen und wir wollen hoffen, daß im letzten Augenblick vielleicht doch noch das Verhängnisvolle abgewandt wird. Auch Frankreich wird bacon seinen Stutzen haben. Haben dir französischen Bauern etwa» davon, wenn ter Haß zwischen ten Nachbarvölkern immer neue Nahrung erhält, damit er sich durch Generationen sorlpfianzt und wieder einmal ju einem fürchterlichen Ausbruch kommt? Haben die französischen Arbeiler, die Gewerbelreibevden einen Nutzen, wenn Deutschland getemutigt und wirtschaftlich geschädigt wird? Wenn die Pariser Blätter bei gesellschaftlichen Anlässen von „tout Paris" (ganz Paris) sprechen, so meinen sie damit eine kleine Zahl doh Müßiggängern, die überall dabei sind, wo es eine Unterteilung gibt; wenn sie in diesem Falle von Frankreich sprechen, so meinen sie eine Gruppe von Großindustriellen, welche sich von der Befehung des Ruhrgebietes R'resengewinn verspricht. An ihrer Spitze Loucheur, der böse Geist des Mincsteriums Briand, vielleicht der gesährlichste Mann Frankreichs. Es ist beinahe ohn« Beispiel, daß ein Millionär in einer Regierung so ungeheure Gewalt hat, wie Louchrur. Er hat es hintertrieben, daß deutsche Arbeiter die zerstörten ©.biete Rordsrantrrichs aufbauen, weil dadurch jein Gewinn geschmälert worden wäre. Loucheur will mit Hilfe französischer Bajonette de» deuffchen Nibelungenhort fassen, der nicht mehr aus gleißendem Golde besteht, sondern aas schwarzer Kohle. Um die Kohle geht der Kerripf. Die Worte Wiedergutmachung, Schuld am Weltkrieg usw. sind für die Massen bestimmt, aber wenn man hinter die Kulissen bliest, sieht man, daß Loucheur geradeso wie der Stinnes bei uns den Wert einer gehorsamen Preise erkannt hat. Damit soll nicht behauptet werden, daß alle Blätter, welche zur Besetzung des Ruhrgebiets aufrufen, dies aus Begeisterung für Loucheur tun. Im selben Sinne arbeiten auch die nationalistischen Organe, die in der Besetzung des Ruhrgebiets bloß den ersten Schritt zu weitreichenden imperialiftifd)en Plänen erblicken. Ein Rheinbund unter französischem Proiektorat, Trennung von Nord- und Südbeutschtaud, das sind die Ziele dieser Imperialisten.
Es ist ein furchtbarer Gedanke, daß als treibende Kraft Hipler den großen Konflikten Geldiatoresse» stehen. Wenn aber in Frankreich der Schlachtruf: „Hre Louchem" giß, barm darf aus Deutschland nicht ter Gegenrus: „Hie Stinnes" erschallen. Wegen des Gegensatzes zw-cier Trust magna! en, wegen des Konkurrenzkampfes zweier Gwßindustriâr dürfen nicht zwei Völker, die in vereinter Arbeit die Kultur zur höchsten Entwicklung bringen könnten, in ewiger Feindschaft erstatten werden. Darum muß die deutsche ! Regierung selbst den Schein vermeiden, als diene sie den Interessen des Herrn Stinnes. Es muß dem deutschen Volke auch in den Tagen ter Entscheidung die Sicherheit gewahrt bleiben, b^ wenn die deutsche Regierung wirklich wettere Zryestäntmifse in der Re^trationefrage âhnt, sie ausschließlich von den Interessen des teutschen Völker geleitet ist und nicht etwa so teilten aus Lieddienerei gegen einige gelb- gewaltige Herrenmenschen. , ,
verstLnöi-Zmg oder Einmarsch ins Ruhrgebiet?
Das ist die bange Frage, die fest acht Tagen die öffentlich« Meinung in Deutschland beschäftigt. Die Nachrichten jagen skh geradezu, etwas Bestimmtes ist aber aus all dem $3uft nicht herauszuholen, es handelt sich meistens um mehr oder weniger glaubhafte Vermutungen phantasilkbegabter Journalisten und Telegra- pbenagent irren. Nachdem Briand und Lloyd George erst allein zusammen waren, ist der oberste Rat in London ■tufammengetreten, um die ErUscheidung zu treffen. Auch über diese Verhandlungen bringen die Blätter spalten« lange Berichte und Mutinaßungen. Als richtig darf man wohl annehmen, daß Frankreich dabei die aller- schärfste Tonart vertritt. Briand hat ja erklärt, daß tie deutschen Vorschläge nicht einmal der Prüfung wert seien. Also Ablehmmg „aus Prinzip", eben weil die Franzosen unter allen Umständen „marschieren" möchten und von ihnen ein Raubkrieg nach dem Muster des von Ludwig 14. einer geredeten Verständigung mit Deutschland vorgezogen wird. Nicht mit deutschem Geld, sondern mit Deutschland selbst wollen sie sich für chre ungerechten Forderurrgen bezahlt machen. Fvankreich will sich in seinem Machtbewußtfein nicht mit der pâischen und militärischen Diktator-Rölle in Europa begnügen, es möchte die französische Diktatur imd) auf wrrtjchsstüchem Gebiete errichten. Darin wird es von feinem Wiederausbauminister Loucheur, dem größten Stahlinduftriellen Frankreichs, mitgeriffen, und dazu braucht es die Kohlenlager und die Industrie des Ruhrxebieles. „Wer la Ruhr statt, statt Deutschland-, schreibt General Caftelnau im „Echo de Paris". Die Gier nach dem Ruhrgebiet erregt vor allem in England ater manchen Anstoß. England mimt den Geist der Versöhnlichkeit und Verständigung und Lloyd George bremst gegenüber dem Drängen Briands. Amerika hat indischen die deutschen Vorschläge als ungenügend bezeichnet. Schließlich hat man in London einen 53er« mittelungrvorfchalg der Beligier angenommen, wonach Deutschland noch einmal eine Galgenfrist von einigen Tagen bekommen soll, um sich über das neue Ultimatum der Alliierten schlüssig zu werden. Danach müßten wir 132 Milliarden in 30 Jahren bezahlen ohne die bel- gische SchuL, die wir noch zu Wernehmen haben und uns geeniffe Garantien der Entente gefallen lassen, so wie KorrtroLkornmiffion für die Zölle und Kohle», Ausgabe an Go Wons nnd eine Ausfuhrobgabe. Ob urch imoieroest eine Dermittelungstärigkest Amerikas noch in Frage kommt, ist unbestimmt. Große Hoffnungen darf man jedenfalls nicht darauf fetzen. Amerika ist und bleibt der Derbündelr der Alliierten und wird sie Ächt im Stiche lasten. , ^
Der Friede mit Amerika
wirst nun bald geschloffen werden. Der Senat hai die Friedensentschließung des Senators Knox mit 49 gegen 23 Stimmen angenotiwen. Senator Lodge, der in einer Red« diese Entschließung befürwortete, kündigte an, daß wahrscheinlich ein Vertrag mit Deutschland folgen werde, sobald sie Gesetzeskraft erlangt habe.__
Ass Amerika
ist ein 3weiter Transport von Milchkühen (ca, SOO Stück) «»gekommen, die besonders für bedürftige Wohltâtigkc il § anstalten bestimmt sind. , -
Unser Geld
steht noch hraner schlecht. Am Dollar gemessen gilt bi» deutsche Paxiermark 9 Pfennig. Doch ist es immerhin ein gutes Zeichen, daß wir ttotz Paris und Londo» und trotz der an^edrechten SaMtionen uns doch immer auf gfoitber Höhe gs^ttou Hades, während das fron*