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Mmisteclâirettor Wckrmbsld — Landwirlschaft, Staatssekretär Prof. Dr. Becker — Wisftnschast, Kunst und Volksbildung. Von den Ministern gehören 6te» «rwald und Zehnhoss dem Zentrum, Fischbeck und Dominikus der demokratisch^?. Parte: ül die anderen find Beamte ohne besondere pouL Färbung. Die Co- gialdeniokraèen sind also bann nicht vertreten a. die neue Regiermtg ist auf die Mnferf'Gl^r.g aller bürgrriichrn Parteien, von den Demokraten bis zu den Deutsch, nationalen angrwksen. Wenn die Sozialdemokraten glauben, das hinreichend agitatorisch ausbeuten zu können, so Werden sie sich wohl täuschen, Herr Steger- rvald wird ihnen dazu recht wenig Gelegenheit bieten. Wir haben immer den Standpunkt vertreten, daß in rrnssrcm Vaterlands nicht gegen die Sozialdemokratie regiert r^rden kann, weil sie die größten Masftn hinter sich hat, und zwar jene Masftn, bei denen nicht zuletzt die Entscheidung liegt, ob unsere politischen Verhältnisse sich in Ruhe allmählich festigen oder immer wieder aufs neue aus dem Gleise geworfen werden. Es liegt auf der Hand, daß die uns so bitter notwendige Stetigkeit am testen gesichert werden konnte, wenn die Verantwortung direkt mit aus den Schultern der Sozialdemokratie lag. Nun, da sie das ostentativ abgelehnt hat, gilt es zu beweisen, daß die bürgerlichen Parteien auch für sich allein einsichtig genug sein können, so zu regieren, daß innrrpolitische Erschütterungen möglichst vermieden werden, zumal armesichts der schwierigen außenpolttisä)«n Lage. Die Programm- rede Stegerwalds hat das bestätigt. Kurjj, klar und kraftvoll verkündete er in 20 Minuten — bei der Vielrederei in den Parlamenten ist das tefonters er- freulid) — sein Programm. Er proNamirrte, um es kurz zu sagen, die Politik der Sachlichkeit, die Volk und Staat aus allen Gebieten zu geben sucht, was sie in dieser Zeit der Not brauchen, die dabei bewußt abzu- fehM wünscht von allen Experimenten und Einseitig- teilen; sein Programm hat mit sog. Reaktion ebenso« Kenig zu tun, wie mit fahrlässiger Preisgabe der Slastsautorität. Die Regierung steht nach der Er- kkrrrmg ihres Chefs „einmütig auf dem Boden der Reichs- und der preußischen Verfassung, und sie wird Lieft GrrmLbfttzr des deutschen und des preußischen Domes „nach allen Seiten hin energisch verteidigen". Eine größere Entschlossenheit in der Verteidigung der Staatsverfassung hatte auch ein sozialdsmokratischer Ministerpräsident in seiner Programmrede nicht zum Ausdruck bringen können und werm die Sozialdemokraten ehrlich sein und nicht um jeden Preis Opposition machen wollen, hätte Stegerwalds Programm auch ihren Beifall finden müssen. Allein sie sind gegen das neue Kabinett fd;-on in die Opposition getreten, ehe sie sein Programm überhaupt kannten. Was die sozialdemokratische Presse schon angekündigt hatte, bestätigte der sozialdemokratische Redner Siering, daß nä-n lich die Sozialdemokratie gegen das Kabinett Ste- gerivald den schärssten Krrmps eröffnen werde. Geradezu kindisch ist die Behauptung des sozialdemokratischen Redners, dos neue Mimsterium fei ein Ministerium gegen die Arbeiterschaft, wenn man sich vor Augen führt, daß ein anerkannter Arbeiterführer an der Spitze steht und wenn er meinte, die neue Regierung fei gegen den Willen des Volkes zuftLnds ge- Lsnrmen, jo hat der Abg. Herold, der für das Zentrum geschickt urib eindrucksvoll sprach, gleich zu Beginn seiner Rede die historische Tatsache feftgeftelü, daß die Wahlen vorn 20. Februar eine Versckpsbung in den Parteiverhâltnisfen im Vergleich zuen Januar 1919 mrch rechts herbeigrsührt haben der durch Ausnahu:e der D. Volkspartei in die Regierung Rechnung getragen werden sollte, was die Sozialdemokratie aber vereitelt hat. Uebrigens wird die Kampfstellung der Sozialdemokratie gegen das neue Kabinett hin Gegenstück in einer Kampfstellung des Kabinetts gegenüber der Sozialdemokrstie finden, das haben Herold und Stegerwald ausdrücklich erflärt Niemanü hat die Sozialdemokratie absichtlich und planmäßig von d:r Teilnahme an der Regierung ausgeschlossen. Das hat sie selbst getan, indem sie Bringungen stellte, die für andere Parteien unannehmbar waren. D-ss Er- gebnis der ar- dir Programmrede des Mimsterpräsiden- ten sich anknüpfenden Aussprache war, daß dem neuen Ministerium von allen bürgerl. Parteien das Vertraue- ausgesprochen wurde. Von 346 abgegebenen Stimmen lauteten 216 mit ja unb 130 (aller jozialdemokratisck)en Gruppen) aus nein. Das Vertrauen des Larchtags, das Stegerwald selbst durch die zweimalige Wohl zum MinisterpräsidentM gesunden hat, hat sich demnach auch ruf sein Kabinett übertragen. Wird dessen Arbeit von demselben Geist erfüllt sein, den die Programmrede hüb die Reden der Vertreter der bürgerlichen Parteien atmeten, dann braucht man kein Prophet zu sein, um vorauszu-sagen, daß die Mühen unb Opfer, die Eteger- v-aid und die hinter ihm stehende Z-nckrumsparki auf
rung verwandten, hi^ ganz vergeblich gewesen sein, daß sie uns mindestens über die tritifdx Zeit der nach sten Wochen m-d Monate hinweghelfen werden.
Die neue Zollgrenze
am Rhein ist am 20. April in Kraft getreten; seit diesem Termin sind die linksrheinischen Gevlere und die erst kürzlich besetzten rechtsrheinischen Landesteil» 3oß auskmb; wer von hier nach Deutschland reist, muß am Zolldohnhos durch die Zollschranken und fein Gepäck durchsuchen lassen als käme er aus Holland oder Amerika. Diese Maßnahmen haben natürlich arge Störungen in den gesamten Eisenbahrwerkchr, besonders den EAerverkehr gebracht. Die Mißstimmung in den Kreisen der Industrie, der Geschäftswelt, des Handel» und der Spediteure kann man verstehen. Auf den Zollstationen stauen sich die Wogen wegen der zeitraubenden Kontrolle, zumal es anscheinend an dem ausreichenden Personal fehlt. Die Ausführung her Zwangsmaßnahmen ist zudem eine unterschied- liche, bei den Franzosen natürlich am strammsten.
Das Schicksal Oberschlesisss
ist noch immer unentschkden. Der polnische Hetzer Korfanty ist in Paris und sucht dort Stimmung für die Auslieferung des ganzen Gebietes an Polen zu machen. Wenn es Frankreich nachginge, würden wir das Land verlieren, es scheint ater, als ob Erfand nicht damit einverstanden ist, auch amerikanische Stimmen werden laut dir für uns günstiger sind. Neuerdings spricht man von einer Lösung, wonach Pleß. Nybnik und Tarnowitz mit einer Anzahl durchaus polnischer Gemeurden Polen zu gesprochen werden sollen, während die hauptsächlichsten Städte, die eine deutsche Mehrheit aufmeifen, deutsch bleiben sollen. Gerade in den Kreisen Pleß und Rybnik befinden sich die größten Kohlenseldsr, die einen Abbau für 200 bis 300 Jahre gestatten, während in dm anderen Kohlenrevieren die Ersc^^ung schon in 80 bis 100 Jahren eintreten dürfte. Die Abtrennung dieser Gebiete wäre daher von außerordentlicher Tragweite für Äe oterfd?tefi$e Industrie und das ganze Reich.
Des Lag vss Worms,
ter 400jährige Gedenktag jenes Tages nämlich, an dem Luther auf dem Reichstage zu Worms den letzten Versuch des Kaisers, die Einigkeit im Glauben zu erhalten, gestützt durch einen Teil des deutschen Adels und deutscher Fürsten schroff abwies, ist von den Protestanten dieser Taxe gefeiert worden. Dem Evangelischen Bund hat die Frier als Mittel dienen müssen, IKK durch das Feldgeschrei gegen Rom die zersprengten Fähnlein zu einer Kampffront zusammenzurusen. Recht wohl zu Mule ist aber auch ihm bei Ler ganzen Feierei nicht gewesen. Der „Reichsbote" hat vor dem 18. April die Frage aufgeworfen: „Sollen wir den Tag von Worms feiern?" Schon do.raus, daß die Frage gestellt wird, spricht die Unsicherheit. „Die Resormâtioir" (Nr. 4) meint sogar, „daß auch die deutsche evangelische Kirche keine Ursache hat, in diesen Luthertagrn den Mund voll zu nehmen und Fanfaren zu blasen und sich mit Luthers Glorie zu schmücken". In Wmenberg hat nach dem Beriâ)t des „Anzeigers" Superintendent Brinckmann-Halberstadt einen „ern- sten und mit Humor (!) gewürzten Feftvvrtrag" gehalten über das Thema: „1521—1921. Römiscl-c ®zfal)r und evangelische Abwehr." Wir möchten tem Herrn «n'.plehlen, einmal einen Vortrag zu Hallen über „Eisleben 1521 und 1921". Es ist doch wohl nicht von „Ohngefähr", wenn in der sächsischen Heimat Luthers der autoriiätsfeinLliche Sozialisnms und ter staatssrindlichr Kommunismus seine tiefsten Wurzeln lassen konnte. Selbst ter „Reichsbote" meint: „Der Umstand ist für uns evangelische Christen besonder- widerlich, daß Orte, die durch Martin Luthers Nân und Loben geweiht sind, in erster Linie in Mitleiäon- jchast gezogen wurden, allen voran Eisleben, des teuren Mannes Gcbuüs- und Sterbestadt." Sine protestantische Wochcnsck^ist meint sogar, von Verdiensten Luthers inWorms zu reden, sei fast unl ätherisch Aur diesen Bedenklichkeiten, die aus protestantischkm Munde laut werden, spricht nicht zuletzt die innere Unruhe und der nagende Zweifel, daß der Tag von Worms doch nicht das gebracht hat, was er zu bringen versprach, „die alte mittelalterliche Kirchrnwett in Stücke zu zerbrechen." Er hat wohl die Einheit ter Christenheit und die innere Geschlossenheit der abendländischen Welt zerstört, konnte aber der Kirche und dem Papsttum nichts auf die Dauer anhaben. Luther hat vielmehr mit der Keule, mit der er die Kirche zertrümmern wollte, im letzten Grunde nur das Reich zer- trmmnrrt, hat den Grund gelegt, ohne es zu wollen, zu jener traurigen Zersplitterung des deutschen Volkes,
g'osen EètzA'.satz in ter Well hervorgerufen, ter den politischen nur noch verschärfte. Jedenfalls kann kein Doutfcher, am wenigsten rin Katholik, Luthers SchrUt in Worms ihm zum Verdienst M>rechr,rn: nein, es war eine unverzeihliche Schuld, die sich hier Luther zugezo- gen. Nichts Positives, aber viel Negatives war das Ergebn^ tes Wormser Tages. Selbst von unseren Feinden müssen wir es uns sagen lassen, was ter Tag nsu Worms bedeutet: Der bekannte französische Schriftsteller Louis Venilot (gest. 1883) schrieb darüber: „D Ihr Deutschen, wenn mir eure großen Meister wie Goethe, Hegel und Fichte die katholisch« Kirche gekramt hätten. Wenn sie nur Deutschland wieder zu Lem Lichte, das ihnen Bonifatius gebracht, zurückgeführt, bas Luchers Haß bei ihnen arrsgelöscht hat. Welcher Glanz würde heute um des großen Deutschlands Stirn leuchten und welch reiche Ernte an Ruhni könnte es heute einheimsen."
Wollte das protestantische Deutschland doch an Lu- lhcrs schweren Fehlern lernen. Möchte es mit historischem Verständnis das Jahr 1521 mit 1921 messen und den inneren Zusammenhang erfassen, so dürfte es nicht mehr so trotzig das alte Wort wiederholen, das Luther in Worms gesprochen haben soll, aber tatsächlich nicht gesprochen hat: „^iec stete ich, ich kann nicht entere!
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Kurland.
Zurückhaltung
in ter Beurteilung der Persönlichkeit des Kaisers Karl erscheint uns, wie wir schon wiederholt betont haben, sehr <mgebrad)t; besonders die kath. Presse hat gegenüber der vielfach aus sehr trüben Quellen stießenden Geschichtsmache, welche auch die Vorgänge der letzten Sahre verzerrt hat, allen ©rund zur größten Vorsicht. Was man sich gegenüber dem König Karl alles leistet, zeigt ein Artikel tes roten „Tag", in dem es ein Herr Wugk inrierntenmt, den König Knrl IV. von Ungarn als Zitamann, Sixtusschreiber, Eidbrecher, Ilkdas, Verräter usm. zu verhöhnen, ähnlich wie um ter Uftnegstenchterstaller Karl Rosner in seinem Buch „Der König", das Wilhelm II. zum Helden hat, als „schossen Jesuitetizögling", der Giftsuppen zusammendraut und als „erbärmlichen, schäbigen Lügner, kleinen in Furcht vor Rom verkuppelten, entmannten Jesuitenzögling" beschimpft. Aehnlich« Töne erklingen fast aus der gcurzen nichlkatholischen und besonders der derrischrmtionÄen Presse. Wir meinen, bas sollte genügen, um darzutun, daß der Haß gegen den Habsburger hauptsächlich antikacholi- schen Instinkten entspringt. Demgegenüber erfordert es die Gerechtigkeit, festzustellen, daß Kaiser Kart durch das Buch des Prinzen Sirius von P.uma glänzerw rehabilitiert ist, was selbst der ihm sonst Mjr abgeneigte deutsche Botschafter a. D. Graf W del «wohnet de« Krieges in Wien) zugeben muß. Aus dem Buch geht hervor, daß Kaiser Karl den Frieden Ivl7 jevera^u haben sonnte und Nicht nur Schlesien und ganz SüLdcutfchland bis zur Mainlinie, sondern such Polen als Königreich dazu in Form eines Bundesstaates. Obwohl Sixtus ihm die Annahme dringend empfahl, lehnte Karl diesen Vorschlag rundweg J), da er sich nicht auf Kosten seiner Bundesgenossen bereichern wolle. Seine Absicht war, durch Sixtus erträgliche Frisdensdedingungen auch für Deutschland zu erlangen. Er erfuhr aber, daß der Krieg gegen Deutschland unter allen Umständen weitergehen müsse bis zur Vemichturrg. Davon aber wollte Karl nichts wissen. Wer sich aber daran stößt, daß er kürzlich (angeblich) auf französische Veranlassung das Land, Lessen König er ist, betrat, den fragen wir: Haben m<$ auch andere deutsche Staatsmanne« mit Frankreich viel folgenschwerere Akmrachungen ge> troffen? Abmachungen, btt sogar Verrat gegen Kai- er und Reich darsteMen, z. B. Moritz von Sachsen, der Metz, Soul und Verdun den Franzosen auslieferte, der preußische „Große fiurfüsfr, ter von Ludwig XIV. Hilssgelder bezog, Friâich d. Gr., ter an Ludwig XV. iL testen Mätresse unwürdig kriechende Briefe schrieb u. Friedrich Wilhelm II., der im Separat friste von Basel 1794 Kaiser unb Reich an die Franzosen verriet, nur um in Polen freie Hand zu erhalten., Bismarck, ter Napoleon III. Luxemburg versprach und dann sein Versprechen nicht hielt u.a. m. Wenn Kai er Karl Elsaß-Lochringen opfern wollte, so nur, weil er ter Ansicht war, besser ein Glied amputieren, als den ganzen Körper ter Vernichtung weihen. Und war er nicht selbst zu größten Opfern bereit und wollte das Trrntino und Galizien abtreten, um den Frieden zu erhalten? Jedenfalls hat die kathollfche Presse keinen Anlaß, Lieft Hetze mttzumachen gegen den Träger einer tau^nbfährigen Dynastie, die sich große Verdienste am DerrtfchlaiÄ und die tathoftjch«