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Petrus Lanistüs.

(Zu seinem 4LX)MrlgM GÄmrtstag, 8. Mai.)

Seit den Tagen, da vor zwölfhundert Jahren der hl. Bonifatius, der großeApostel ber Deutschen" mit dem Segen des hl. Papstes Gregor H. über die Alpen zu uns kam, um seinen deutschen Stammesge nassen die frohe Botschaft des Glaubens zu bringen, ist das Antlitz der deutschen Katholiken nach Rom gerichtet. Und wenn sie das kostbare Erbe in treuer Liebe zu Rom hindurchgrrettet haben durch die Stürme der Re­formation. die wie eine Eiszeit alles katholische Leben zu vernichten drohte, wenn ein neuer Frühling frischen religiösen Lebens heraufzog, wenn auch heute noch trotz Krieg und Umsturz Millionen katholischer Man- ner in unserem VaterlarÄ sich stolz zur Kirche Christi und ihrem Oberhaupte bekemiM, so ist das nicht zum mindestenDeutschlands zweiten Apostâ" zu verdan­ken, dem seligen Petrus Canisius, dem ersten deutsche Jesuiten. Moß ist borum Misere Daârschuld und eine Ehrenpflicht ist es, baß wir dieser Dankesschuld zum vierhunderls^rigen Geburtstage unserer großen Wohltäters uns erimrern.

Gebonm in wilderreNtr Zeit, am Tage, da der neu« Kaiser Karl V. mit seinen Reichs fürsten in Worms durch feierlichesGänft" die Acht wider Mar­tin Luther erklärte mrd so dessen endgültige Absage an die Mutierkirchr besiegelte (8. Mai 1521), sollte in ihm der Kirche Deutschlands der Alarm ersiehrn, der viele im Glauben Schwache kräftigen, verlorenes Land zu­rückerobern, auf Ruinen neues Leben erblühen lassen sollte. Seltene ®^en des Geistes und des Herzens schmückten den erstgeborenen Sohn des reichen und hochangesehenen Biirgermeisters der Reichsstadt Nym- wegen, die unter der lietwollen Obsorge einer frommen Mutter mrd des feingeb ildeten Vaters Jakob Cants, forofame Pflege erfuhren. Studien irr seiner Vater­stadt, beim auf den Hochfchân von Köln und Löwen, vor allem aber innere Ausbildung in der Geistes sch ule der Exerzitien des hl. Ignatius, die er unter Leitung des seligen Petrus Faber in Mainz 1543 durchmachen durfte, und schließlich eine letzte Schulung unter der persönlichen Obhut des hl. Orden-stifters selbst schu­fen aus ihm ein taugliches Werkzeug in der Hand der Vorsehmcg. Es war ein denkwürdiger Tag, als der erst 28jährige Ordensmann am 2. September 1549 zu den Füßen Haitis III. kniete, um den Segen des obersten Hirten zu seiner Sendung nach Deutschland zu erbitten.Dann fühlte ich mkh angetrieben", so schreibt Canisirw fast 50 Jahre später in seinem Testament",den hl. Apostelfürsten die Verwirkli­chung und Bekräftigung dieses päpstlichen Segens in» ständig artzuempfehlÄr. Auch sie gaben mir ihren Se­gen und bestätigten meine Sendung nach Deutschland. Es war mir, als verhießen sie mir ihren wohlwollen­den Schutz als einem Apostel von Deutschland." So zog er, feste Zuoersicht und starke Hoffnung im Her­zen, feurige Liebe zuseinem" arg zerrütteten und zerrissenen Deutschland in der Brust, mit feinen Mit­brüdern, dem Magister P. Claudius und Magister P. Salmeron Ende des Jahres 1549 zum Norden.

Ein gewaltiges Arbeitsfeld tat sich da seinem apostolischem Eifer auf, gab es ja nach seinem eigenen Berichtein Deutschland unendlich viele, die im Glauben irrten." Vor allem galt es das Unterrichts- und Erziehungswefen zu heben; zu diesem Zwecke hatte ja ber Bayernherzog Wilhelm IV. Canisius zur religiös und wissenschaftlich arg zerfallenen Hochschule von 9n golftest berufen. Mit rastlosem Eifer nahm der junge Profestor mit seinen Gefährten die Arbeit p 7^, Al» akademischer Prediger, gefeierter Lehrer, spwcr als Rektor der Universität, verschaffte ' ^lbser r^men kurzem einen Weltruf, der Studierende aus _ den £ andern unb den ersten Ständen dorthin ^' > cht i gem cVcharfblick hatte er erkannt, daß man mitber reügios-sütlichen Erneuerung, vor allem der stâenden Jugend beginnen müsse. Katholische Hochschulen, das war sein Losungswort! Und dient» falben: in Wien, Prag, Dillingen, Iulda, Brauns- derg, Augsburg und anderswo erstanden auf seine Anregung und durch seine Mitwirkung Mittelpunkte katholischer Jugenderzichung. 12 Hochschulen und Kollegien in verschiedenen Ländern deutscher Zunge bat er selbst seMündeh für andere den Boden avebnet.

Obwohl diese Anstalten aber keineswegs der ausschtieß- lichm Hercmbildmig des Klerus dienten, so waren sie doch für Tausende die Vorhalle zum Priester- urÄ Ordensstcmde, und wenn ein neuer, gutgebildeter und sittenreiner Klerus der Kirche Deutschlands erstand, so war das die Ernte von der Aussaat des apostolischen Mannes.

War Liebs zum armen, irregeführten Volke die letzte Triebkraft, die ihn bewog, dem Volke Hirten und Führer herai^ubilden, so drängte ihn die nämliche Liebe, selbst dem arg vernachlässigten und seiner Seel­sorger beraubten Volke das Wort Gottes zu kmrèen. Fast alle Domkanzeln von Wien und Strahb'.ug bis Köln sahen ihn predigen, vielleicht aber noch häufiger die bescheidenen Dorfkirchen verwaister Landgemeinden. So tonnte er rastlos von Gemeinde zu Gemeinde zie­hen. Weder Eis noch Schnee, weder Beschimpfungen noch Nachstellungen persönlichster Art konnten seinen Lauf Hindenr. Und wie Drängte sich das Volk zu die­sem Manne, der ihm mit solcher Liebe nach langen Hungerjahren wieder das Brot des Wortes Gottes brach. Sein glühender priesterlicher Eifer, sein gren­zenloses Mitleid mit dem verlassenen Volke scharte TarrserL« um seine Kanzel. Wie ein Paulus durfte er von sich sagen:Ich bin allen alles geworden"; predigte er ja nicht mir vor Fürsten in der Hofburg, vor Den Ständen auf beim Reichstag, sondern auch für Geistliche und Ordensieute, für einfache Landleute und für Studierende, für Dienstvoten, für Kranke, für Ge­fangene usw. Und er, der als gefeierter Theologe auf dem Konzil von Trient gehört wurde, der Wortführer der Fürsten auf den Reichstagen war, der als Ratgeber bas Vertrarren des Kaisers genoß, der als Gesandter von vier Päpsten von Fürstenhof zu Fürstenhof zog, er liebte es noch mehr, als demütiger Katechet den Kleinen Christerrlehre zu geben. Man wird an den göttlichen Kinderfreund erinnert, wenn man sieht, wie die Mittler der Stadt Freiburg dem ehrwürdigen Greis auf feiner täglichen Wallfahrt zu der nächst der Stadt gelegenen Liebfrauenkapelle ihre Kinder bringen, Da» mit er sie segne.

Doch sein apostolischer Feuergeist durchbrach die jeder Wirksamkeit auf dem Lehrstuhl und auf der Kan­zel naturgemäß gezogenen Schranken und suchte wei­tere Balken. Wo seine Füße ihn nicht hintragen tonnten, wohin seine Stimme nicht reichte, da sollten seine Schriften reden von her Lehre Christi, sollten neue Liebe wecken zu seiner hl. Kirche. Und wie wirksam haben seine mannigfachen Schriften, beson­ders sein kalechrsmus diesen Zweck erfüllt, tat ja eine Klarstellung, Segrünbung und Verteidigung der ange- feindeten GiaubKislehren besonders not. So erschien im April 1555 seinInbegriff der christlichen Lehre": ihn folgte späterDer kleine Katechismus für Katho- Ilten" undDer kleinste für Kinder und gewöhnliche Leute". Kurz und klar, aber inhaltreich, ohne jede Bitterkeit und Schnähungen der Andersgläubigen, da­bei in einer tadellosen, sehr angemessenen Sprache er­klärte er in diesem Katechismus die Lehre der Kirche. In seiner dreifachen Gestatt wanderte er durch alle Deutschen Gaue, ja bis nach Paris und Löwen, Spa- nien und Italien. Schon zu Lebzeiten des Seligen war er in 12 europäische Sprachen übersetzt und hätte mehr denn 200 Stuflagen und während drei Johr- hunLerte ist er der Lehrer der Deutschen katholischen Jugend geblieben. Canisius' Name aber wurde weit über die Grenzen unseres Vaterlandes in Ehren ge­nannt:Du bist nicht unbekannt und unbeachtet", schreibt ihm der hl. Aram von Sales von Genf aus, sondern durch so viele Taten, die du für Christus vollbracht durch Wort und Schrift, bist du allen Christ- gläubigen besannt." Staunen muffen wir fürwahr über dir gewaltige Arbeitskraft dieses Mannes. JnAner stand er in der ersten Linie, wo es galt, für Christi Reich verlorenes Gelände wiederzugewinnen oder Neueroberungen zu machen. Von den Vogesen bis zu den Grenzen des Tatarenreiches, von der Mün­dung des Rheinstromes bis hin zu seinen fernen Quellen auf schneebedeckten Bergriesen Helvetiens dehnte sich sein weites Arbeitsfeld. Wohl kein Land des heiligen römischen Reiche» deutscher Nation, keine bede'ânde Ortschaft, die nicht Zeuge seines Wirkens, kein Bedürfnis der deutschen Katholiken, das keinem

immerwachen Auge entgangen, kein schwieriges Werk, das seine nimmermüde Hand nicht herzhaft angrfaßt.

Groß sind fürwahr die Verdienste des großen Gottesmannes um die deutsche Kirche. Seine ganze Person, seine unerwüMidje Arbeitskraft hat er voll und gan; in ihren Dienst gestellt, und es ist kein leeres Wort, wenn ihm die Kirche den Ehrentitel Apostel Deutschlands" zuerkenitt. Apostolische Taten quellen aber aus apostolischem Herzen,Apostel­herzen aber sind ein Feuerbrand, der von Christus glühr". In feuriger Christusliebe müssen wir die Wurzeln seiner Erfolge suchen, einer dhjiftusliebe, die sich verzehrte in Arbeiten für Christl Reich, die Tag und Nacht nur eines samt, nur eines dachte: Meh­rung des Miches Gottes auf Erden. Daher feine glü^nde Liebe zur Kirche, für die er arbeitete und opferte, leben unb sterben wollte.Möchte doch der Eifer für das Haus Gottes uns ergreifen und ent» flammen!" so klingt es aus feinem apostolischen Her­zen in einem Brief an den Bayernherzog. Das ist fein Gebet:Daß der Weinherg Christi seinem ober­sten Hirten und einzigen Statthalter auf Erden bald und vollständig zugeteill werde/Dazu," so schreibt er an Papst Pius VI.,müssen wir alle Sorge und Miche aufbieten, ja selbst Leben und Blut opfern, bis auf den letzten Mann."Wer mit dem Stuhle Petri vereint ist, der ist mein Mann," so bekennt er frei mit dem hl. Hieronymus. Und wie ein rühren­der Dankeshynums für das Glück, in der Kirche und für die Kirche zu leben, Hingt es aus dem Abend- gebet seines Lebens:

Dank sei dir und Ehre, o Vater, Herr des Him­mels und der Erde, mein Schöpfer und Erlöser, meine Kraft und mein Heil, der bu mich von Jugend auf mit dem geheiligten Brote deines Wortes beständig ernährt und mein Herz gestärkt hast. Damit ich nicht etwa uncherirre mit irn irrenden Schafen, welche keinen Hirten haben, hast du mich in das Haus deiner Kirche ausgenommen!, darin mich erzogen, beschützt und durch jenen Lehrmeister und Hirten unterwiesen, in innen nach deinem Willen die Hausgenossen dich selbst hören und deine Stimme erkennen sollen. . . . 0 hei ige, römische Kirche! Andere mögen sie ver­achten und eine Kirche des Antichristes nennen; ich Menne mich als ihren Bürger; ihrer Autorität unter« werfe ich mich ohne Vorbehalt; für sie bin ich bereit, Gut und Blut hinzugeben; in ihr allein ist Heil für mich und andere durch die Verdienste Christi, unseres Herrn, und Ll« Gaben des hl. Geistes. Dies ist mein Glaube, meine Zuversicht, meine felsenfeste Ueberzeugung. In dem Glauben und in der Lehre will ich ruhen, welche ich als Knabe eingesogen, als Jüngling fcsigrhalten, als Mann vorgelragen, bis zur Stunde mit meiner schwachen Kraft verteidigt habe."

Und dieses fein Lebensprogramm faßt noch seine Grabschrifl in die ausdrucksvollen Worte zusammen: Er war zu seiner Zeit eim Säule der Kirche, auf dem ganzen Erdkreis bekannt." Doch nicht nur zu seiner Zeit! . Canisius ist nicht tot, noch lebt er und muß leben in den Herzen deutscher Katholiken, die in Liebe und Dankbarkeit aufsehen zu dem Mann, den der Herr in schwerer Zeit der Kirche Deutschland» geschenkt, der einst in schlimmen Tagen unseren Vor­fahren das Gut des Glaubens gerettet, der in der Hand Gottes ein auserwähltes Rüstzeug war, um seinen Namen zu tragen vor Fürsten mrd Völker. Möge sein Bild vor ihrem Geiste leben, sein Bild truf dem dunklen Hintergrund dieser namenlos trau­rigen Zelt hellstrahlend emporleuchten, das Bild ihres Vaters unb Lehrers, so recht ein wahres Abbild des gottmenschlichen Hirten und Lehrers, besten Geist er in sich nachgebildet, und dessen Herzenswmisch er tief ersaßt:Ut omnes, sint mmml"Daß alle eins seien!"

Weyhers. Mit dem 1. dieses Monats ist auch unser Herr Lehrer Valentin Lotter in den Ruhestand ge­treten. Derselbe war vom 1. Juli 1886 hier als tüch­tiger Lehrer und Organist mit gutem Erfolge tätig. Vorher amtierte er in Kleinsasten und Finkenhain. Seine Schülerzahl dahier belief sich manchmal auf