Der Volksfreund
Nr. 3
sos Beilage LUM DonlfaNusbolen. .-os
Zulda, den 10. April 1920.
Deutscher Kommunismus.
In den weitesten Kreisen des deutschen Volkes hat man bis jetzt nicht recht gewußt, was Kommums- ums ist. Wohl wußte man in der Oeffentlichkeit, daß Rußland eine kommunistische Herrschaft habe und Ungarn eine gehabt habe, über deren Entfernung schließlich aber alles froh war. Aber dis Nachrichten )on dorther fanden immer eine geteilte Ausnahme, weil die einen fast nur Günstiges, die andern fast nur Ungünstiges berichteten, je nach der Parteistellung. Dabei war allerdings durchweg festzustellen, daß schließlich selbst deutsche Befürworter des Kommunismus vielfach die Nase von dem russischen Bolschewis- mus bezw. Kommunismus voll bekamen, daß vielen bisherigen Liebhabern der Appetit nach Kommurris- NUS verging.
Jetzt aber haben deutsche Kommunisten ihre Sache elbst in die Hand genommen und klären die weiteste Öffentlichkeit in wuchtiger Schrift über die Idee und )as Ziel des Kommurrisnurs auf. Und man muß gegeben, daß sie dabei eine so deutliche weithin hör- )are Sprache sprechen, unb eine so allgemein lesbare
Schrift schreiben, daß ein Mißverstehen schlechterdings unmöglich ist. In Mitteldeutschland und an der Wasserkante ist es losgegangen. Dort klärt man zur ^eit die Welt über den demschen Konnnunismus aus. Das geschieht mit Bomben und Granaten, ^mit Plün- rerung und Mord und Zerstörung. Da stehen schöne Äerichlsgebäude mit Verbrecherakten voll gespickt. Lian legt Bomben hinein und läßt sie in die Luft liegen; manchmal sind keine Menschen darin, dann 'ostet es kein Menschenleben; manchmal sind aber noch Diener und Wächter dort; die müssen eben daran glau- ren und bekommen mindestens ein paar Löcher in den ^opf oder brechen Hals und Beine. Hoffentlich ver- chwrnden dabei gewisse Gerichtsakten — denken da- rei die kommunistischen Attentäter. Da sind die Eisen- rcchnbrücken, die nicht alsbald wieder herzustellen sind, venn sie beschädigt werden: man sucht sie also zu prengen, damit der Berkehr gehemmt wird und wo- nöglich Polizei und Sicherheiiswehr nicht ausrüden 'ömiem Da sind öffentli^ " " '
Selb vermutet: man fährt
entließe Kassen, in denen man
in Banden zu 20 und 30 — je Nachdem — vor, bedroht die nichts ahnenden Urgesteinen und Bediensteten, hält ihnen einen Re-
»leer unter die Nase und stiehlt und raubt inzwischen vas man gerade erreichen tonn. Die Sommersaison teht vor der Türe; man braucht gelbe Lederschuhe, vtcohhüte, Sommerkleider. Gut: man stürmt bis 3äben und erschreckt die Ladenfräuleins und statt mit Seid, zahlt man mit Püffen, mit Ann- und Bein- »rüchen. Da und dort bendelt man mit der Sicher- »ertspolizei an; man schießt herüber und hinüber und um Schluß liegen ein paar Dutzend Tote und noch »ehr Verwundete auf dem Platz und die Lazarette md Gefängnisse werden gefüllt, ein paar Dutzend Farr ilien sind wieder ohne Ernährer. Vielleicht sind âch lnige Tunichtgute oder Zuchthauspstanzen weniger, èwohl man meistens die Erfahrung macht, daß ge- ade diese Elemente ein weit zäheres Leben haben als de Summen, die sich verführen ließen, und daß ae- ade die Rädelsführer die sichersten Plätze herauszu- llfden wissen. Tausende lassen sich auch von de. Ar- »eitsstätte wegziehen und glauben an dm Abmarsch ns gelebte Land, wobei ihnen irgend ein obscurer Roses als Führer dienen soll, aber der Schluß ist, â" b*e Arbeitslöhne entgangen sind und sie l;' ^aüMr umso mehr emschränken müssen. Und ^..^ dem sollen wir an die Feinde im Ausland Älteänf^1™- NE â -«rch * A-.
7^ fft Komimmismus — deutscher Kommunis- So lieht er aus! Ja, wo ist denn feine ^bee?
L âe! Und sein Ziel/ Hat' er ebmMs
" theoretische Kommunismus hat von idw ein ohes ^el sich vorgesieckt, nämlich die gerecht/ Güier- cdetlung und damit das Glück der Sefamibeit C- atte dabei insbesondere die Not der Allerärmstèn im luge. Dieser praktische Kommunismus macht Unm- NLöene noch unzufticdmer, Arme noch ärmer, Un= ,?® no^ Mglücklicher, Friedlose noch friedloser
' schädigt Unschuldige und macht viele schuldig und met ihnen eine Verantwortung auf, die sie nicht tra- sn können. Einigen Lumpen verhilft er vielleicht» ^ zu einigen Stunden rohen Genußes, die Not des
Proletariats aber bessert er um kein Haar. Dieser Kommunismus ist eben vollendeter llnsum, Wahnsinn, Verbrechen! Er stiftet lediglich weitere Verwirrung und verlängert die Not des deutschen Volkes um nicht zu knappe Zeit. Aufwärts führen kann uns nur na- tiormle Tatkraft auf dem festen Grund christlicher Ideen, die von konununistischem Verbrechertum und kapitalistischer Selbst- und Eigensucht gleichweit entfernt sind. _ __________
SsMlWcher Kittetag.
Vom Dsnnerslug und Freitag der Karwoche — fast sieht gerade die Wahl dieser Tage wie eine Demon- ftrat'ian gegen die Empfindungen der christlich gesinnten Mitbürger im deutschen Staatswesen aus — hatte die deutsche Sozialdemokratie nach Dresden einen Sssaml- lehrerèag der sozialistisch gerichteten Lehrerschaft zu- sarnimenberufen. Neben den 400 aus allen Teilen des Reiches erschienenen Lehrern waren anwesend Vertreter der ParteiLildungs- und Iugendausschüffs, ferner sozialistSsche Vertreter einzelner Landesregierungen, so u. a. solche von Preußen und Sachsen, dann Vertreter der sozialdemokratischen Reichstagssraktion, tMer Landesfraktionen unb solche des Sächsischen und Dresdener Lehrervereins. Es ist selbstverständlich, daß man auf dieser Tagung den preußischen Kultusminister Konrad Haenisch sah, den Staatssekretär im Reichs- min'lsterium des Innern Heinrich Schulz, den sächsischen Ministerpräsidenten Buck und den Minister Fleißner. Auch der deutsche Reichstagspräsident Löbe und der frühere österreichische Gesandte Prof. Hartmann waren erschienen. Die Tagung selbst bezeichnete sich als den „ersten soz-aldemokralischsn Kulkurlag". Man hatte sich dort also ein StÄldichein gegeben, um die unwissende Mitwelt darüber zu bekehren, was unter so- zialiftischer Kultur zu verstehen, oder vielleicht noch besser gesagt, was darunter nicht zu verstehen sei. Denn nach den vorliegenden Berichten will es uns scheinen, als ob die negative Seite der Materie bei weitem aus- chebiger behandelt worden fei, als die positive. Und schließlich ist dies auch einleuchtend. Denn selbst für die Sozialisten, die, wie in seiner Einleitungsrede der Parteworsitzends Otto Wels hervorhob, bisher immer eine wirtschaftliche Kampfpartei gewesen sind, ist es ein ebenso kühnes wie schwieriges Unterfangen, sich nunmehr in dem allgemein herrschenden Dildungsbe- streben auch eine sogenannte sozialistische Kultur zu konstruieren. Aber das eine Gute hat dieser sozialistische Kulturtag mich für uns gehabt. In aller Deutlichkeit hat er uns gelehrt, wie es auch heute noch ureigentlich mit der Stellung der Sozialdemokratie zu Christentum und Schule steht. Gerade mehrheitsfozia- liftifche Blätter sind es gewesen, die in letzten Zeiten immer wieder glauben machen wollten, daß die Rell- gionsfeindlichkeit der Sozialdemokratie ein Märchen sei, die immer wieder darauf hunviesen, daß der Satz des Erfurter Programms: „Religion ist Privatsache" nichts anderes bebeuten sollte, als das Bekenntnis, daß die Sozialdemokratie religiösen Dingen gegenüber gleichgültig und uninteressiert sei. Der Kulturtag der Sozialdemokratie in Dresden aber hat in dankenswerter Weise das wahre Gesicht sozialistischer Denkart nach dieser Richtung hm enthüllt, so klar enthüllt, daß es selbst diejenigen aufrütteln muß, die töricht genug maren, sozialistischem Sirenengesang Glauben zu schenken. Der Kampf der Sozialdemokratie ist rück- sichtslos auf die Vernichtung der christlichen S^u-e i und Re restlose Durchführung der sozialistischen Schule gerichtet. Und selbst die Gemäßigten unter ihnen wollen die durch die Reichsverfassung Art. 149 geschaffene Lage nur als einen Uebergangszustand ansehen, der ihnen den Weg nicht vermauern, sondern im Kampf um ihre Ziele öffnen soll. Dieser Paragraph der Reichsverfassung ist dm Herren von links ein Dorn
im Auge. Der Genosse Arzt forderte durum in seinem von ihm gehaltenen Referat, daß alles daran gesetzt werden müsse, den § 149 der Reichsverfassung zu Fall zu bringen, und der Staatssekretär des Reichsministe- rinms des Innern, Heinrich Schulz, sprach unter die-, „ • ,
fe’WW" Wunsch aus baB di- M°chl°°-. N^ Kn -"S«: 8üÄe - Ä»; d^ltmsse in ^en Parlamenten geändert weroen muß- i Schwiu/l - maßlos; Wucher — grenzenlos; Geschäft â Herr Schulz hat weiter hrrvovgchoben, „daß er | — kritiklos; Diebstahl — endlos; Pöbel — gewissen» nur rmier dem Zwange der politischeu Lage dem.Wei- los; Regisruna — ratlos: überall — bet Leusel los/ r
marer Schulkompromiß zugestimmt habe" und er hat schLeßlich noch hinzugefügt, daß „die Masten noch nicht genug mit sozialistischem Geiste durchdrungen* seien. Der sächsische Kiiltusminifter Fleißner stellte unter dem Verfall der Versammlung fest, man bürst sich keiner Täuschung darüber hingeben, daß die So» MdsmskraÜe erst am Anfang schwerster Kämpfe stehe, Der Kampf für die sozialistische Schule sei ein eminent politischer Kampf und die Lehrer möchten gute Pioniere in diesem Kampfe sein. Und der Abg. Prost Dr. Radbruch war wohl am offensten, wenn er den sozialistischen Geist durch den Ausruf kennzeichnetet^ „Alls Pfaffen sind uns zuwider, sowohl die des Allels- mus als auch die Pfaffen überkommener Religion." So sieht also der in der Throne so wunderschöne Satz" „Religion ist Privatfache" in der Praxis sozialistischer Bestrebungen aus. Jeder christliche Mann und jede christliche Frau wird nunmehr noch viel besser wissen als früher, wessen Rechen. sie zu stärken hat, damit, wie Herr Schulz richtig sagt, „bie Machtverhälinisse in den Parlamenten geändert werden", aber dahin geändert werden, daß der sozialistischen Weltanschauung ein Damm entgegenwächst, den sie nimmermehr über« wattigen kann. Denn solange es noch eine starke, stoß- kräftige und einflußreiche Zentrumspartei kn Reichstage gibt, werden diese Bestrebungen der Sozialdemokratie, den Gottesglauben und die Lehre der L!â schon aus den Herzen der Kinder zu reißen, niemals in Erfüllung gehen. ___________
Das unerfüllbare foMdemsLraüsche psrieiidea!.
Kernpunkt aller sozialistischen Agitation ist hentè die Sozialisierung. In den Gutachten aber, bte kürzlich führende Genossen zu einer Reform deS Parteiprogramms, in einem besonderen Bande zusammen gefaßt, herausgegeben haben, bricht, ws immer wir Hinblicken, allenthalben die Einjicht von der derzeitigen Unmöglichkeit durch, dieses ozialistrsche Ideal zu erfüllen. Und was wesentlich ist, nicht etwa bloß aus physischen Gründen (Zusammenbruch, Friedensveriragl, sondern ans Gründen mangelnder innerer Vorbereitung und Reise des sozialisiischen Proletariats selber. Don der Sozialisierung selber aber schreibt hier ein alter sozialdemokratischer Praktiker, der gewesene Reichswirtschaftsminister Robert Schmidt:
„Die meisten (Genossen) haben wohl in der Vorstellung die gesteigerte Wohlfahrt in ihren Zukiinfis- Hoffnungen eingestellt, aber nicht die Voraussetzung der wachsenden Eriragsfähigkeil der Arbeit. Deshalb seh t auch nicht die Enttäuschung in den sozialisierten Betrieben. Bei richtiger Würdigung der Darstellung im Programm kann es keinem Zweifel unterliegen, daß die Voraussetzung für die gesteigerte Wohlfahrt die wachsende Ertragsfähigkeit der Albert erst nach geraumer Entwicklung in der sozialistischen Gesellschaftsordnung eintreten kann. Die Sozialisierung des einzelnen Betriebes ändert wenig an dem Ällgemeinzniland. Deshalb macht man sich auch von einer unmittelbaren Ueberführung der kapiia- listifchen Produktion in eine Warenprodukuon, für und durch die Gesellschaft betrieben, eine durchaus irrige Vorstellung über die ökonomische Wirkung auf das gesellschaftliche Wohlergehen; zumal wenn die Ertragsfähigkeit der Arbeit, wie gegenwärtig, sinkt.
Hier also wird bedächtig mit Wasser gekocht, während in der Wahlagliaiion droben in Preußen wieder eifrig darauf los fozialisiert wurde. Theorie und Praxis! Wer heute unerfüllbaren sozialrstifchen Idealen nachjagt, wird um so größeren Katzenjammer später verspüren. B.
verschiedenes
Das im modernen Staat los ist. Ein einfacher Handwerker aus dem Riefsngebrrge schreibt nach der „Magdeburgischen Zeitung" folgende Aufstellung: „Schulden I — zahllos; Steuern — endlos; Verwirrung — haltlos; ’ Lane — trostlos; Verdienst — belanglos; Theater —