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' täglich Verzeihung meiner Sünden erlange, und weil ich täglich sündige, muß ich täglich das Heilmittel gegen die Sünde nehmen. — Die hl. Kommunion reinigt also von solchen läßlichen Sünden. Ist das alles? Nein, sie wirkt noch viel Größeres: sie hat auch die Kraft, vor schweren Sünden dich zu bewah ren, vorausgesetzt, daß du würdig und oft zum Tische des Herrn gehst. Solche wiederholte Kommunionen geben deiner Seele wahre Niesenkräfte, daß du den Lockungen zum Bösen einen eisernen Damm ent­gegensetzest, dem Sirenengesang der Sinnlichkeit die Ohren verstopfest. Ist solche Bewahrung vor der schweren Sünde eine geringe Sache? Nein, sie ist das größte Glück, das ein barmherziger Gott dir schenken kann. Hast du nämlich keine schwere Sün­de, dann kannst du auch in einer schweren Sünde nicht sterben; und stirbst du nicht in einerschweren Sünde, so kannst du nicht verloren sgehen, und so ist die hl. Kommunion, oft und gut empfangen, die beste Feuerversicherung gegen die Hölle.

Und wie viele Seelen schöpfen gerade aus der öfteren hl. Kommunion die Begeisterung und die Kraft zu den höchsten Leistungen. Warum lesen die P r i e st e r täglich die hl. Messe und empfangen täg­lich die hl. Kommunion? Um nicht fortgespült zu wer­den von den Wogen der Schlechtigkeit, die uns rings umgibt, um die Liebe zu Gott und den Eifer für die Seelen warm zu erhalten. Warum legen die Ordens­leute ein solches Gewicht auf die öftere Kommunion? Um mit Hilfe dieses Wunderbrotes den Höhen der Vollkommenheit zuzustreben und gleichzeitig in die Niederungen des menschlichen Elendes hinabzusteigen und barmherzige Samariter zu machen an den un­glücklichen Menschenkindern. Würden wohl die barm­herzigen Brüder und Schwestern aushallen in der Pflege der Kranken, die oft mit ansteckenden, ekel­haften Krankheiten behaftet siird, die oft so widerwär­tig, so launisch, so undankbar sind, ohne die übernatür­liche Kraft der täglichen Kommunion? Und selbst auf dem Pflaster der Großstädte gibt es Laien, die in­mitten von Sodoma und Gomorrha ein Leben der Engel führen in Kraft der öfteren und täglichen Kom­munion. Der Vurgpfarrer.

Ein Crauertag einer Dorfgemeinde.

(Zum Sonntag: „Gut Hirt".)

Nun danke Gott, die Fahrt ist aus! Du kehrest heim ins Vaterhaus, Froh bist Du bei den Deinen! Wir aber um Dich weinen.

Ein klarer Wintermorgen. Der scharfe Nachtfrost hat noch einmal Feld und Fluren erstarren lassen. Freundlicher Sonnenschein lagert über der stillen Landschaft. Auch im Dörfchen ist's stille. Man möchte glauben, es sei ausgestorben. Aber nicht Kälte allein halt die Leute in der warnen Stube. Die kleine Dorfgemeinde beginnt einen ernsten Tag; sie rsich an, ihren allen Pfarrer zu Grabe zu tragen.

das im Orte eine Erregung gewesen, als er plötz­lich schwer erkrankte! Allem Hoffen und Bangen hatte der Tod ein Ende berellet. Heute soll der Ent­schlafene beerdigt werden.

Und darum ist's so stille. Zwar ist kein äußeres Zeichen der Trauer im Dorfe zu sehen. Aber wie ein stilles Weinen geht's durch die Häuserreihen. Ja die Bewohner des Dorfleins haben viel verloren.

Ihr Pfarrer starb. Fünfzig Jahre fast hatte der Eitschlafene der Gemeinde als Pfarrer angehört. Fünfzig Jahre am gleichen Ort! Das Herz des Katho­likin vermag in etwa die Fülle der Liebe, der Opfer uni, des Segens zu ermessen, die sich hinter diesen mengen Worten verbirgt. Fast ein halbes Jahrhun- der?, ausgefüllt mit den Liebestaten eines Seelsorgers für eine einzige Gemeinde!

In der großen Stadt war er einstens Kaplan ge- ws m. Gerne hatte man dort feinen beredten Wor­ten gelauscht. Da berief ihn fein Bischof weit weg vor der Stadt aufs Land, in eine Gegend, die vor 50 Las ren noch mehr denn heute fernab vom Verkehr lag. Und gehorsam war der junge Priester dem Ruf fein 's Oberen gefolgt. Und er, der einer angesehenen Fan ilie entstammend, in and erm Berufe vielleicht eine glänzende Laufbahn genommen, er ging zu den schlich­ten Landleuten, wurde einer der Ihrigen, blieb Jahr­zehnt um Jahrzehnt als Pfarrer bei ihnen um jetzt unter ihnen endlich auch zu sterben und zu ruhen.

Ihnen allen war er alles geworden. Für sie hatte er all die Lahre gebetet uub das hl. Opfer dargebracht. Seine eingringlichen Predigten hatten die Pfarrge­meinde so vielmals von einem Jahr ins andere ge­leitet. Die einstens zu Füßen des jungen Pfarrers als Kinder gesessen, sie hörten jetzt des Sonntags als Väter ia Großväter, die Christenlehre des Vriester-

gwifes. Fast alle hatte er sie am schönsten Lebens- tage ihrem Heiland zugeführt. Sein Mahnwort hatte die Bußenden ermuntert, sein Segen die Brautleute ins Leben geleitet, sein Gebet die Sterbenden hin­übergeführt in die Ewigkeit. Und alle, soviel aus dem Gottesacker im Schatten des Kirchleins ruhten, harte er dort unter den Gebeten der Kirche zur letzten Ruhe bestattet.

Der klagende Ruf der Glocken hat die Dorfbewoh­ner versammelt. Alle ohne Ausnahme waren sie er­schienen. Aus der weiten Umgegend war so mancher Pfarrer herbeigekommen, trotz schneidender Winter­kälte. Galt's doch dem ältesten Mitbrudsr die letzte Ehre zu erweisen. Nun tragen sie den Toten durchs Dorf, die langgestreckte Dorfstraße hinauf, hinab bis zum letzten Häuschen. Sinniger Brauch. Noch ein­mal soll er im Tode den Weg machen, den er lebend unzählige Male zum Wohl der ©einigen gegangen. Fromm klingt das Gebet der Kinder; selbst die Kin- dessoele ahnt, daß sie einen Wohltäter, einen väter­lichen Freund verloren. Da ziehen sie des Wegs, Frauen und Männer. Auch wettergefurchten Ge-

Gebet

Bon

Elisabeth Trabert-Nürnberg.

Großer Gott, bi .wollest leiten

Gnädig mich an jedem Tag, Ueber mich die Hände breiten, Daß mir nichts geschehen mag.

i

Laß mich gläubig aufwärts schauen«

Wie zum Bater blickt ein Kind, Dir als meinem Gott vertrauen, ' Weil bei dir ich Hilfe find'.

Laß mich nimmer unterliegen

In dem Kampf mit Satans Macht, Starker Gott, hilf du mir siegen Rette mich aus Todesnacht.

sichtern siehst du es an, daß ihrers Pfarrers Tod sie tief ergriffen hat. Hier und dort hockt ein altes Müt­terchen mit gerunzeltem Gesicht an Tür unb Fenster, und neben ihr steht der kleine Bub, die Winterkappe bis über die Ohren gezogen, fromm die ungelenken Hände gefaltet. Und über dem Leichenzug fchweben die wehmütigen Klänge des Miserere. Mögen die Töne auch hart und herb erklingen, das empfindende Ohr vernimmt doch deutlich die ergreifenden Unter­töne herzlicher Trauer.

Die kleine Kirche ist gefüllt mit Andächtigen. Das Requiem b Pinnt. Seine altbekannten Melodien ge­hen heute mehr denn sonst zu Herzen. Nach dem Evangieliâ erinnert der Trauerredner die Gemeinde an das Leben ihres Heimgegangenen Seelsorgers, und da er ihnen schildert seine Liebe, seinen Eiser, seine Treue und ausdauernde Beharrlichkeit, da geht ein Schluchzen durch die Menge, nicht manches Auge bleibt tränenleer, unb das sich anschließende Gebet, wahrlich, wenn je, dann kam es heute von Herzen.

Nach vollendetem Gottesdienst wird der Pfarrer zu Grabe getragen. Man bettet ihn zu Füßen des gro­ßen Kirchhofskreuzes mitten zwischen den Gräbern, den toten Hirten unter die tote Herde. Sobald die kirchlichen Zeremonien und Gebete vollendet sind, tritt schüchtern ein kleines Mädchen ans offene Grab und ruft dem Pfarrer der Gemeinde Abschiedsgruß zu. „Auf Wiedersehn", so klipgt das Gedicht aus. Noch ein Lied der Kinder, ein Trauergesang des Chores, und die schlichte Feier ist beendet. Noch eine Weile umsteht die Gemeinde die geweihte Stätte, dann ver­läßt einer nach dem anderen den Gottesacker......

Wie lebenswahr hat doch Alban Stolz das Ver­hältnis der Gemeinde zu ihrem Seelsorger beschrieben, wenn er sagt: „Die christliche Gemeinde weiß, was sie an einem wahrhaft guten Geistlichen hat. Wenn ein rechter Seelsorger schwer krank wird, wie ist da Angst in der Gemeinde; wie wird da gebetet; wie manche wären bereit, ihr eigenes Leben dran zu geben, wenn sie damit ihrem Pfarrer das Leben retten könn­ten! Unb wenn er stirbt — ach, der Seelenschmerz legt sich da wie ein großes Leichentuch über alle Christen im Ort, und es ist mehr Wehklagen und Trauer, als wenn ein Hagelschlag die Früchte des Feldes vernichtet hätte."

Warum diese Zeilen geschrieben wurden? So manche Kräfte sind heute am Werk, das Volk gegen die Geistlichen aufzuwiegeln, so viele Federn sind ge­schäftig in der Arbeit, ihm die Liebe zu seinen Ser« lenhirten zu rauben. Man malt ein Zerrbild des Priesters, man stellt ihn dar als Gönner und Freund der Reichen, als Feind der Armen, man freut sich, wenn man unter Tausenden einmal einen gefunden hat, der seinem Stande keine Ebre macht unb ruft es in die Welt hinaus: „So sind sie alle". Wem das Wohl der Kirche, wem das Heil der Seelen am Herzen liegt, der darf dazu nicht schweigen, der muß auch reden trott den guten Priestern, von ihrer Liebe zum Volk und von der Liebe des Volkes zu feinen Priestern, damit Volk und Priester immer mehr wieder werden ein Herz und eine Seele.

Das Menschengewâchs

oder

Wie der Mensch sich und andere erziehen soll.

Von Alban Stolz.

(Kalender für Zeit und Ewigkeit.?

April. 6. bis 14. Jahr. Blatt und Blüte und süßer Dust.

Darum lehr du dein Kind nur das Vaterunser recht bald, und laß dich nicht irr machen. Denn wenn es keiner beten dürfte, als wer es ganz ver- steht, so dürften ich und du und noch ein paar nn« feresgleichen das Vaterunser auch nicht boten. Und wenn du in die Kirche gehst, so laß dein junges Kind auch nebenher laufen und dir das Gebetbuch nachtragen. Eine fromme Mutter, die man tadelte, daß sie ihr kleines Kind schon mit in die Kirche nehme, sagte: „Wenn es auch noch nichts von Gott weiß, so weiß Gott doch von ihm." Es ist auch schon Frömmigkeit, die vor Gott zählt, wenn es so still hinsitzt oder steht und niemand stört und gern wartet, bis die Kirche aus ist, und das nächste Mal wieder mitgehen will. Die Sonne wirkt auch auf das Pflänzlein, das noch blind und bleich unter der Erde rubt. Der himmlische Vater segnet das Kind so gut wie euch Große; am Beten ist eben gar viel gelegen, darum kann das Kmderseelchen nicht srüh genug gelehrt werden, in die Höhe zu schauen und zu beten.

Aber du magst das Kind noch so früh und so gottselig beten lehren, so daß es in den ersten Jahren betet wie ein junges Engelein, so herzig und lieb: es wird später doch das Beten verlernen und ab« schaffen und am Herzen schwarz und holzig werden wie ein alter Rettig, wenn du das zarte Pflänzlein nicht sorgsam bewahrst vor dem Ungeziefer der Sünde. In dem Kalender von 1843, „Mixfur gegen die Todesangst", ist die Rede davon, was einem be­sondere Angst und Not beim Sterben verursacht, und es ist ganz vornen daran eine Sünde postiert, welche hauptsächlich den Tod schwarzgelb und die Hölle heiß macht. — Setze recht früh ein Dornen« Häglein um dein Kind, daß biefe* Geißböcke es nicht anfreffen können. Das eine Laster bat einen recht unehrlichen Namen, aber ist noch viel ehrloser, als es heißt — Stehlen, und wenn's schon geschehen ist, Gest oh le n. Vielleicht lassest du aber einen nicht ausreden, und fährst gleich über einen her und ereiferst dich: „Unsere Kinder stehlen nicht; da ist kein Gedanke daran; das tät uniereins nit leiden." — Nur gemach; vielleicht ist eben doch ein Gedanke da, und vielleicht noch mehr als ein Gedanke. Viel« leicht bringt' dein Kind schon hie und da etwas heim: ein Messer, ein Bleistift, ein paar Knöpf, einige Hocken Nuß oder ein Bild, und ist nicht recht zu ec- fahren, wo es her ist; und fragt man das Büblein, so schaut es nebels und wird rotlecht und stolpert in der Red. Vielleicht ist auch schon hie und da etwas aus dem Haus verschleppt worden, unè du hast die arme Magd darob scheel angesehen, ob sie es nicht getan .habe. Vielleicht hat dein Büblein schon Zuckerkandel und Rosinle beim Krämer auf Borgs geholt und du hast es doch nicht geschickt; oder es ist über dein Brusttuch gegangen und hat Münz herausgenommen, und Aepfel darum gekauft und dem Kamerad von dem Geld geschenkt. Menn schon so etwas passirt ist, da sei streng; und wenn du schon einmal dem Söhnchen gesagt hast, was vas Stehlen für ein Teufelshandwerk sei, und es hat doch nicht abgelassen davon: da nimm ein Stück Seil oder eine Gerte oder ein Meerröhrlein, und hau das Büblein recht gewaltig durch. Und wenn deine Frau ein dummes Weib mit einer kurzen Nase und schmalen Stirn ist, so daß sie dir ab« wehren will: so kör nicht auf sie, sondern setz dem jungen Dieb eillche Hiebe noch als Zugabe auf, sonst könnte er aar meinen, eS aescbebe ibm unreckb