** 103 **■
è warten. Er ging zum Bauernhaus. Voll ute über den hohen Def-rch wollte man gleich das te auftischen, was in Küche unb Keller war. Kaplan ;r. v. Ketteier dankte ruhig und erbat sich nur xän lterbrot. Nicht ohne Verwunderung brachte man herbei. Ketteler nahm das Brot und ging zur re. Hier drehte er sich noch einmal und sagte: : habt mich geehrt, weil ich Kaplan, weil ich Frei« r bin; das Butterbrot ist aber für ein armes Kind, en Gast, der höher steht als ich; denn „Was ihr n geringsten meiner Brüder tut — sagt Christus — > habt ihr mir getan."
UiKöersragèn und MutterVekhett.*)
Der Vater kommt am Abend von seiner Berufs- ieit heim — aus der Schule, einem Kontor, aus einem schäft oder woher immer es sei ... es tut nichts : Sache. Er ist müde, abgespannt, und als eins fein- stige, liebende Frau siehst du ihm beim Willkomm- th schon eine gewisse Mattigkeit der Haltung und ? Wesens an. Die wirklich verstehende, gütige Frau, ! eines Mannes treue Helferin und sein guter Käme« ) ist, wird Sorge tragen, daß störender Lärm, mr- tige Aufregung, allzu lautes Kinderwesen von ihm ndleibe. Und bei solchen Gelegenheiten, bei solchem »muhen einer Frau fällt bekanntermaßen oft das ort: „Kind, der Vater ist müde — du darfst nicht laut fein!" Feirmervige Kinder empfinden dieses ort wie etwas Freudedämpfendes und Lebenslust« Mendes. Es legt sich wie ein leichter Reif aus die :hen Blüten der Kinderseele. Wir wollen hier nicht von reden, daß ein edler, sich selbst in Zucht haltender -ann und Daler auch nach der Arbeit, und vielleicht rate nach der Arbeit, für sein Kind noch Heiterkeit d Frohsinn übrig hân muß . . . wir reden von den merhin häufigen Fällen, in denen ein übermüdeter iann wirklich seelischer und körperlicher Rücksickstnahme darf. Es ist naturgemäß, daß auf die Lippen des indes eines Tages die Frage sich drängt: „Worum : der Vater immer so müde, wenn er abends nach ause kommt?"
„Weil er für uns arbeiten muß, Kind", lautet deine ntwort. — Und du hast nun Gelegenheit, an diesen atz, in dem ein gutes Stück vom Ernst des Lebens ttgefchlosien liegt, eine Belchrung für dein, Kind zu lüpfen, von der für das unrckdtich wichtige unterbe- ußte Seelenleben des Kindes groß« und weittragend« Zirkungeir arwgehen können.
«Sieh, Kind," wirft du sagen, „der Vater arbeitet m ganzen Tag. Er fid)t den blauen Himmel und die -ogleln zwitschern vor seinem Fenster, als wollten sie rfen. „Samm heraus, es ist so l^>n im Freien!" — der der Vater bars alles nicht sehen und hören, er leib» bei seiner Arbeit. jDft ist er müde, es schmerzt in der Kopf, er möchte gern ein wenig frische Lust tmen — aber er tut er nicht, er arbeitet ruhig weiter. Manchmal denkt er nach Hause, an unser schönes Stüb- M, an sein liebes Kirch, mit dem er so gern spielen )ürde und scherzen und froh fein, weil er es sehr lieb at — aber schnell sagt er sich: O, dazu habe ich ntd^ jeiti Ich muß für mein Kind und seine Slutter sor- en. Ich muß arbeiten, daß mein Kind immer zu essen at, daß wir es warm anziehen, ihm schöne Bilder- ücher kaufen und es später in eine Schule schicken önnen, in ter es viel lernt, damit es etwas Richtiges Derben kann, daß mein Kind immer wie in einem oeichen, warmen Nestlein ist und keine Not leiden miß. Wenn der Vater daran denkt, dann freut ihn eine Arbeit wieder so sehr, und er arbeitet, arbeitet bis >um Abend. Dann ist er freilich sehr müde.
Muß da mein Kind nicht dankbar sein gegen den Vater — und will es nicht vor dem Lautsein sich in icht nehmen, wenn er heimkommt? Will es nicht recht lieb die Hausschuhe bringen und schnell jeden 8 »lisch erfüllen, den der Vater ihm sagt? Und wenn der Vatèr nchl) dem Abendessen die Zeitung liest, wird mein Kind nicht ohne Widerspruch ins Vettchen gehen, anstatt zu betteln, daß es noch länger aufbleiben darf, und so den Vater zu stören?
Höre, Kind, der Vater arbeitet nicht nur deswegen, daß er Geld verdient. Der liebe Gott im Himmel will es, da;; alle erwachsenen Menschen arbeiten. Die Faulen können nicht in die Himmelsstadt kommen. So denkt der Vater, daß er mit seiner Arbeit dem lieben Gott Freude macht, und da wird sie ihm viel leichter.
Wenn mein Kind groß ist, wird es gewiß auch so fleißig fern wie der Vater. Dann muß es sich feine
Schuhs, seine Kleider und alle anderen Dinge, die es jetzt von den Eltern bekommt, selber kaufen. Und da muß es viel arbeiten, um Geld zu verdienen. Aber es wird auch immer daran denken, daß der liebe Gott freundlich und gut auf alle fleißigen Menschen herunterschaut, die sagen: „Lieber Gott, ich will dir eine Freude machen mit meiner Arbeit!" — und solche Menschen können immer ein frohes Herz haben."
’) Wir entnehmen diese Zeilen dem wundersam zarten Merkchen von H. T.: Li» vSchlein een Mutter Mito Lind unb Satt." Der bekannte Sozialelhiker Professor Dr. I. Klug gab e» 1919 bei Ferdinand Schö« mng (Paderborn) heraus ML^ ~*^< Zeilen et jeder Mutter lieb unb wert machen.
Das UommMisnkin- des Arbeiters.
• Es war Abend vor tem Weißen Sonntag. In der Wohnung des „Spinnfranz" sah es nicht am besten aus; da wohnten schroffe Gegensätze eng beieinander.
Der „Spinnfranz", ein Mann in den besten Jahren, ging im Stübchen auf und ab und schimpfte und fluchte über die ganze Welt, befontets aber über alle Reichen und Vornehmen. Sein Gesicht geigte im Licht der Lampe jene verdächtige Farbe, deren Ursorung aus dem Wirtshaus kommt, nähächin aus dem Misse. Der Gegenstand feines Zornes war zunächst ein weißes Kleid, welches am Kasten hing: es hätte übermorgen fern Kind, sein einziges Töchterchen, schmücken sollen zur ersten heiligen Kommunion; die Frau Fabrikant Nort hatte es tem braven Mädchen gebracht. Der Spinnfranz aber, erhitzt von Bier und Schnaps und verhetzt von dem Geschwätz betrunkener Kameraden und einem Blättchen, das er seit neuerer Zeit las, hatte gedroht, das Kleid auf die Straße zu werfen, und hatte laut geschrieen, während die reiche Dame noch unter der Türe bei seiner Frau stand: „Die reichen Leute sollen ihre Arbeiter besser bezahlen, dann können diese selbst die Kleider für ihre Kinder kaufen!" Die Fabrikantenfrau hatte fia) bei diesem bösen Wort herum- gedreht und mit einem ruhigen Blicke zum Spinnfranz gesagt: „Wenn mein Mann so viel im Wirtshaus gr« fassen wäre wie gegenwärtig gewisse Arbeiter, dann wäre er heute auch arm und im Elend. Warum habt Ihr bis vor zwei Jahren gut ausgereicht mit Eurem Wochenosrdienst und jetzt nicht mehr, da Ihr doch mehr rinnehmet? Viele hundert Leute wären froh und dankbar, wenn sie Eure Einmchme hätten. Ordnung und Sparsimi ist zuerst nötig, dann folgt auch anders nach."
Der Spimrfranz hatte darauf nichts zu sagen sich getraut; die Dame hatte ihn mit ihrem Worte gründlich getroffen. Unb außerdem war ja ihr Gemahl sein Arbeitgeber, der jeden Augenblick ihn entlassen konnte und bei dem er ohnehin nicht besonders gut angeschrirben war. Als Frau Nort fort war, tobte der Angetrunkene erst recht. Zu seinem Zorn mochte auch Mitwirken, daß er mit fid) selbst zerfallen war. Früher war er ja ein anderer Mensch gewesen, zufrieden, heiter und i glücklich mit seiner Familie, bi» durch Aufhetzerei der übermäßige Wirtshausbesuch und die Unordnung über ihn gekommen waren und ihm sein Glück unb seinen Frieden genommen, sein Leben vergiftet unb verbittert hatten.
Der Unglückliche ließ seinen Zorn immer noch an den ©einigen aus, als plötzlich von draußen her Musik erschallte. Der Spinnfranz trat ans Fenster und sah, rote durch die nächtlichen Gassen ein roter Schimmer leuchtete; er sah viele Leute hinal^ilen, der Fabrik zu, rauschend erklang die Musik durch die Nacht.
Er öffnete das Fenster und hörte die Worte: „Fackelzug — Ständchen"; nun zog er rasch den Rock an und trat auch ins Freie, nachdem er seinem Töchterchen be« fohlen hatte, mitzugehen. „Ach, Vater, ich möd)te lieber hier bleiben und beten", meinte das gute Kind, „ich werde sonst zerstreut aus übermorgen." Aber die Mutter hatte dem Mädchen zugeflutzert: „Geh lieber mit und opfere es dem lieben Gott auf; er kennt ja dein Herz."
So war Lina mit dem Vater gegangen durch die Straßen hinab. Drunten sahen sie das Haus des Fabrikanten Nort hell beleuchtet, ein Männerchor fang eben ein schönes Lied, in weitem Bogen stand die Menge und lauschte, und droben am Fenster standen verschie- tene Leute und hörten zu.
Erzürnt wollte der Spinnfranz rasch sich wegwenden, als er sah, wem das Ständchen galt, aber die Lina hielt ihn fest und sagte: „Schau, Vater, dort ist der Bischof!"
„Was — Bischof?" fragte er überrascht.
„Freilich, Vater", war die Erwiderung; „sieh, der große Herr mit dem langen Bart und dem Kreuz, das ist der Bruder der Frau Nort; er ist Bischof oder gar Erzbischof in Indien und ist heute gekommen; er will eine Zeitlang hier bleiben, ehe er weiter nach Asien fährt und Abschied von seiner Schwester nimmt.
So blieb ter Spinnfranz noch einige Znt und horte das Ständchen bis zum Schluß an, sah auch noch einmal den fremden Bischof; bann wendete er sich zum Heimgehen. Da stieß ihn einer an und sagte: „Franz, kommst du nicht noch ein bißchen hinüber in die Kanne?"
„O lieber Vater, gch mit mir heim!" fleht« seick Töchterchen. Aber es war umsonst; er schickte sie allein heim Mid saß bald darauf in der Schenke. Lndesseri war es ihm nicht wohl diesen Abend; als ob etuxE Besonderes ihm drohe, kam es ihm vor.
Etwa nach einer halben Stunde kam eine Nach^ darin und bat ihn, heimzukommen. Es sei etwas paft siert.
„Was?" schrie Spinnfranz entsetzt.
„Eure Lina hat den Fuß gebrochen Ein paar böse Buben haben sie geneckt, das Ki.nd will fliehen,/ fällt, mrd das Unglück ist geschehen."
„Das hast du auf tem Gewissen", sagte er zu sich selbst; „wärst du mit dem Kind« heimgegangen, fa wäre das nicht geschehen." Jetzt eilte er nach Hause. Schweigend und düster trat er ein. Der geschickte Wundarzt richtete eben das Bein ein, das Kind stöhnte dabei vor Schmerzen. „Das hast du verschuldet,^ sprach wiederrun sein Gewissen. Sein Kind sah dann und warm ihn bittenb an aus den von Schmerz verdunkelten Augen; er konnte den Blick nicht ertragen.
„Es ist nâcht schlimm," tröstete ter Wundarzt, „ein einfacher Beinbruch; es wird bald wieder alles geheilt sein."
„Aber die erste heilige Kommunion!" seufzte Linm Doch als sie den Blick ihres Vaters sah, da fujwife* sie. Die Nacht über wachte er am Bette des ^inteS: Am andern Tage kamen verschiedene Besuche zu dem verunglückten KÄrde; tet Spinnfranz staunte, wie Frau und Kind auch nicht die mindeste Ant-eutung davon machten^ daß er «chgenttèch fein Töchterchen Hütte heimbringen sollen, sondern wie sie dankbar rühmten, daß er die ganze Nacht am Bette ausgehalten habe. Auch Frau FabrikaM Nort kam; sie sagte: „Wenn ich geahnt hätte, daß Euch dieses Unglück bevorstünde, dann hätte ich gestern nicht so scharf» Worte gesagt."
Er aber erwiderte: „Ich muß nun doch glauben, daß unser Herrgott mich gestraft hat für meine Bemerkungen über das weiße Kleid. Jetzt wäre ich froh, wenn Lina es anziehen könnte."
Da streckte die vornehme Frau mit Jeuajtenben Augen ihm die fjanb hin und sagte: „Spinnfranz, euer Kind soll morgen doch seinen Festta-g Haber». Ich gehe gleich zmn Herrn Pfarrer; er wird es siche» recht machen." —
Der Weiße Sonntag war da; das Stübchen be^ verunglückten Kindes war festlich geschmückt mit Kreuz, brennenden Kerzen und Blumen. Der Gemeinde- gottesdienst war zu Ende; da bewegte sich ein langes Zug, laut betend, in Prozession hinab zu dem Häuschen, wo ter Spinnfranz wohnte. Alle Kommunikanten in ihren festlichen Gewändern waren dabei, di«; gmize Gemeinde begleitet das Allerheiligste. Unbi mm trat der Herr Pfarrer in. das Haus, zwei Kaplan» folgten, und hinter ihnen im violetten Talar, das goldene Kreuz auf der Brust, den funkelnden Ring am der Hand, der bleiche, gebräunte Missionsbischof: der trug den Leib des Herrn selber zu dem armen Kinde? Und während er vor tem ärmlichen Tische kniete, auf welchen er das Allerheiligste niedergesetzt hatte, konnte? der Spinnfranz so recht bas abgearbeitete, durchgeistigte Gesicht tes Apostels sehen und die Narbe? ter surchtbaren Wunde, die der Bischof und Bekenner einst um seines Glaubens willen erhalten harte.
Und nun nahte ter Bischof tem Vettchen, worin? das Kind lag, und reichte ihm den Leib des Heilanbes zum erstenmal mit den Worten der Kirche: „Der Leib unsers Herrn Jesus Christus bewahre deiir«! Seele zum ewigen Leben! Ulmen."
Das arme Arbeiterkind war dem Kirchenfürsteck nicht zu gering, um ihm die heilige Kommunion zu bringen.
Wir wollen nur noch anfügen, daß dieser Tag auch dem SpinnsrartZ den Segen und die Gnade Got-' tes gebracht hat. Er ist zurückgekehrt zum heiligens Glauben, in welchem allein die Seele ihre Ruhe sinter
Zur ersten hl. Kommunion.
Dem Heiland reich' die Hand, daß er dich leite, Am 2eben8pfab steh'n bot Verderber viel.
Er ist dir nah, er steht dir bei im Streite, Und führet sicher dich zum ew'gen Ziel.
Dem Heiland weih dein Herz, daß er drin wohne, Daß er eS fülle mit der Tupend Glanz;
Eo schmücket dich dereinst der Lebens Krone, So trägst du einst des Siege» goldnen Kranz.
Dem Heiland gib dich ganz, dein ganzes Leben, Mit jedem Schmerze und mit jeder Last. Wenn dann im Tode endet einst dein Streben, Erwachst du selig an des Herlands Brust.
ailfUetl XrUett, »Lraber».