— «8 —
ias „souveräne Volk" will es so haben, und die unumschränkten Herren in den Parteien drücken oft gegen den Willen Ler Wähler solche Leute in die Kandidatenliste. Das ist der Nachteil der Listenwahl, daß ltcr einzelne Abgeordnete viel weniger mit dem Wahlkreis in Verbindung steht und von seinen Wählern gekannt wird. Sonst würde mancher der neuen Männer nicht hier im Parlament sitzen.
Einer, der es endlich fall hat, ist der gewesene sozialistische Nedakteur O. Schmaß- mann, einer der schärfsten, der „Feuer und Flamme" gegen die Bürgerlichen spie. Dieser ehemalige Schriftleiter der Volksmacht am Bodensee, der Winterthurer Arbeiterzeitung und des Freien Aargauer, widmet seiner Partei folgenden Abschiedsgruß:
1. Die, sozialistischen Arbeiter werden von ihren Führern mit Schlagworten bearbeitet. Das ist ihre geistige Nahrung; 2. die Sozialisten sind nicht grundsätzliche Gegner des Militärs, sondern nur des bürgerlichen Militärs. Sie streben eine rote diktatorische Militärgewalt an; 3. die sozialistischen Arbeiter wissen nicht, wohin man sie führt; sie sind arme Verführte; 4. die materialistisch-marMische Geschichtsauffassung ist abzulehnen.
Hoffentlich kommen noch recht viele zu dieser Ueberzeugung.
---- ■ -— ■ ■ogHg—-------------—
Nusland.
Sie finbltWe der Entente für Oesterreich ist setzt aus dem Grau scheinbar unerschöpflicher Theorien endlich in die Welt der Wirklichkeit getreten. Das Hin- uni Herschwanken zwischen verschiedenen Plänen und Vorschlägen, das Aus und Nieder der Interessengegensätze, die sich innerhalb der Entente auch in dieser Frage äußerten, scheint überwunden und eine bestimmte Marschroute gewählt zu fein. Das ist der Erfolg der Reise des österreichischen Bundeskanzlers nach London; schon be- ginnt auch die österreichische Krone langsam zu stei- gen. Hoffentlich entspricht der weitere Verlauf der Verhandlungen den in Oesterreich gehegten Erwartungen.
Die französische sozialistische Partei wendet sich in einem Ausruf, in welchem die Kriegs- schuld einseitig Deutschland aufgebürdet und alle angeblichen Verletzungen des Kriegsrechts und systematischen Zerstörungen aufgezählt werden, an die Arbeiter der ganzen Welt. Damit sollen natürlich in deren Augen die Gewaltmaßnahmen gegen das deutsche Volk gerechtfertigt werden. Und da hat die sozialistische Presse Deutschlands den Mut, tagtäglich dem deutschen Volke den internationalen Sozialismus als Netter aus aller Not vnzupreisen.
England versteht es, in allen Sätteln zu reiten; jetzt hat es mit Sowjetrußland einen HarÄetsvertrag abgeschlossen unter der Voraussetzung, daß dieses jede Aktion gegen England einstellt. Die Sache spielt schon seit längerer Zeit und schien gairz verfahren zu sein. Aber die englischen Diplomaten haben die Sache doch wieder aufs richtige Geleise gebracht, denn in Rußland lassen sich gute Geschäfte machen urck» da ist England immer bei der Hand.
Der Bischof von Limerick über die Leiden Irlands.
Msgr. Hallinan, Bischof von Limerick, schreibt in seinem neuesten Fastenhirtenbriefe: „Es ist ein eitles und unnützes Unterfangen, ein Land mittels Gewalt regieren zu wollen. Niemals kann eine fremde Nation es zustande bringen, eins andere gegen die überwältigende Mehrheit ihres Volkes zu regieren. Im Verlaufe dieses Konfliktes zwischen zwei Nationen hatten wir Exzeße und Gewalttaten von beiden Seiten zu beklagen und zu verurteilen. Von feiten Irlands begingen einzeln« Gewaltakte, die eine schwere Verletzung des göttlichen Gebotes fink Don feiten Englands sind wir entsetzt ob dem System der Unterdrückung und der Repressalien, die ihrer Natur nach aufreizend wirken und ein wahres Unglück für die Nation sind, in deren Namen sie ausgeführt werden, die überdies mit Abscheu und Verachtung von allen zivilisierten Völkern der Welt verurteilt werden. Wir behaupten nicht, daß wir, sei es als Nation, sei es als Einzelpersonen, vor den Augen Gottes fehlerlos bastenen und wir müssen die gegenwärtige Geißel als Strafe für unsere Sünden annehmen. Unter der Strahlensonne der Freiheit, die nicht ausbleiben wird, wird Irland, als Bannerträger des Rechts, der Gerechtigkeit, der Wahrheit und der Freiheit seinen Platz unter den Vortrupps» der christlichen Kultur erhalten, ich bin davon scst über^ugt."
Zwischen Rußland und Polen
ist am 18. März in Riga der endgültige Frieden ge- schlosien worden, nachdem der Kriegszustand durch den Borfriedell von Kronstadt 1920 schon beendet war. Der Friede von Riga kann vom gesamteuropäischen Standpunkt aus als der eigentliche Abschluß des Welt- krieges im Osten angesehen und begrüßt werden. Er tritt an die Stelle der nichtig gewordenen Friedensschlüsse von Brest-Litowsk und sanktioniert gleichzeitig die vorläufige Rettung Europas vor der Ueberflutung durch den Bolschewismus, was ohne Zweifel ein Ber- bienst Polens ist; ob der Friede haltbar ist, muß die Zukunft zeigen. Vorerst denken die Bolschewisten wohl kaum an eine Neuauflage des Krieges, denn zur Gesundung des russischen Wirtschaftslebens ist nach Lenins eigenen Worten eine „Atempause" nötig.
3n Rußland
ist die Bewegung gegen die Sowjettruppen erfolglos verlaufen, Kronstadt, der Hauptstützpunkt der Aufständischen. ist von den Sowjettruppen genommen worden. Das laßt daraus schließen, daß die Bolschewisten doch fester sitzen, als man bei uns vielfach annimmt. Ein klares Bild wird man schwerlich bekommen. Die Wiener „Reichspost" meint, der Bolschewismus besitze heute weder eine pcllitifche noch eine militärische Offen« sivfahigkeit Die roten Armeen hätten sich nur im Kampfe mit den planlos vordringenden Söldnerheeren der zaristischen Generale, die keinen Rückhalt im Volke besaßen, siegreich erwiesen, die einzige Offensive, die sie gegen ein sich verteidigendes wehrhaftes Volk unternahmen, jene gegen Polen, habe mit einer vernich- teirden Niederlage geendet. Es fei für den Kampf, der jetzt in Rußland ausgefochten würde, kennzeichnend, daß die Sowjettruppen, die den Angriff auf Kronstadt durchgeführt hätten, zum großen Teil aus Chinesen bestanden. Weit davon entfernt, sich auf den russischen Volkswillen stützen zu können, stelle sich die Bolschewikenherrschaft jetzt mehr denn je als eure Dbeuauflage der seinerzeitigen asiatischen Mongoleneinfälle dar, die Rußland Jahrhunderte lang in schwerer Knechtschaft gehalten haben. Die Macht der Sowjet- regierung beruh* heute fast ausschließlich auf den internationalen, größtenteils asiatischen Kontinaenten, die aus Chinesen, Baschkiren imb anderen Völkern beständen, urtb denen ungarische, lettische und sonstige kommunistische Abteilungen angeschlossen sind. Wenn sie diese srewdrassigen Hilfstruppen nicht hätte, die gleichzeitig die Henkerdienste bei den Masselrexekutio- neu an der sich auflehnenden Bevölkerung vollziehen, so wäre ihre Herrschaft längst beseitigt. In wie weit diese Anschauung zutrifft, läßt sich wohl nicht mit Sicherheit sagen. Uebrigens heißt es jetzt auch, Lenin verhandele mit den gemäßigten sozialistischen Parteien (Menschewiki und Sozialrevottrtionären) wegen Bildung einer Koalitionsregierung.
Talaal Pascha,
der ehemalige türkische Großvesier, ist in Berlin von einem Armenier ermordet worden. Er und Enver Pascha waren die Seele der Bündnisses, das die Türken als Waffengefährten an die Seite Deutschlands und Oesterreich-Ungarns führte. Der unglücklich Ausgang des Weltkrieges brachte natürlich auch für Talaat Pascha das Ende seiner politischen Laufbahn. Er verließ sein Vaterland und begab sich nach Deutschland. Seit zwei Jahren lebte er mit seiner Gattin in größter Zurückgezogenheit in Charlottenburg. Ein dunkles Blatt in der Geschichte seines Großwesirats bilden allerdings die Armeniermorde. Von deutscher Seite ist damals wiederholt, leider vergeblich, versucht worden, diesem blutigen Treiben, dem Zehntausend« von Christen zum Opfer gefallen sind, Einhalt zu tun. Die Türken ließen sich in dieser Sache, die sie als eine innerpolitische bezeichneten, nicht dreinreden; sie erblickten in den Armeniern die ewigen Feinde ihres Reiches. Wegen der Armeniermorde ist Talaat Pascha auf die Auslieferungsliste der Entente gesetzt worden und darauf ist anscheinend auch jetzt der Mord, dem er zum Opfer gefallen ist, zmückzuführen.
In Spanien
ist der konservative Maura in letzter Stunde von der Kabinettsbildung zurückgetreten und hat diese seinem politischen Gesinnungsgenossen Allende Salazar überlassen, bessert ganze Persönlichkeit sich unter ben heutigen Umständen für diese Aufgabe besser eignet als die so sehr, sagen wir einmal: kantige Mauras.
Engekkanzel — TeusManze!.
Weiter als das gesprochene, wirkt das gedruckte Wort. Es muß ein Redner schon eine gute Lung« haben, tvenn er sich einigen Tausenden Zuhörern verständlich machen will. Durch das gedruckte Wort kann ein Gedanke in kürzester Zeit Tausenden und Millio
nen zugänglich und mundgerecht gemacht werden. Es ist daher die Presse eine hohe Kanzel, von der aus Tag für Tag. Jahr für Jahr Gedanken hinausgestreut werden in die menschliche Gesellschaft wie Samenkörner, die in den Herzen haften bleiben, sprossen und keimen, wachsen und Frucht bringen. Darum haben auch die, welche auf dieser Stängel sprechen, eine ungeheure Verantwortung; an all dem Guten, das ihr Wort stiftet, haben sie Anteil, aber auch das Böse, das sie, wirken, kommt auf ihr Schuldkonto. Und Gott sei's geklagt, in erschreckender Uebermacht hält die Lügenpresse die Menschheit in ihrem Bann; jene Presse, der nicksts heilig ist als der Geldsack und sein Schutz, die nichts weiß von einer christlichen Lebensauffassung, die o^it Scheu, was Millionen heilig ist, in den Kot zerrt, die nicht den Frieden des Volkes will, sondern ihre Entzweiung, die die Laster lobt und anpreist und für große, selbstlose und fromme Werke nur ein spöttisches Lächeln hat. Leider gibt es immer noch Katholiken, die solche Blätter lesen und bezahlen, die noch die Ratten füttern, die nach und nach das Beste, was sie besitzen, zernagen. Die Leser des Bonifatius- boten gehören gewiß nicht zu diesen Verrätern, sie werden sich vielmehr alle Mühe geben, die farblose und katholikenfeindliche Presse zu bekämpfen und sie aus den Häusern und Familien der Nachbarn, Freunde und Bekannten zu verdrängen, der guten, katholischen Preße dagegen den Weg zu bereiten. Vor allem gilt es, dafür zu sorgen, daß der Bonifatinsboie in allen katholischen Familien gehalten und gelesen wird. Erst kürzlich wieder schrieb ber Redakteur eines süddeutschen Sonntagsblattes — „von dem vorzüglich geleiteten B.-B.", „von der populären und instruktiven Weltschau", von den „packenden kleinen Erzählungen", von der „vorzüglichen Wahlpropaganda" — Beim Duar« talswechse! mögt man sich deshalb nicht lange bedenken, sondert! den Bonifatiusboten wieder bestellen, der, nebenbei gesagt, trotz seiner Reichhaltigkeit billiger ist wie alle andern Sonntagsblätter. Also vergesse niemand die Bestellung für das 2. Quartal.
Der Hochwürdigste Herr Bischof hat die Pfarrer Marbach dem Pfarrer Julius Braun in Ulmbach vom 1. April d. Js. ab übertragen. Die Ueber- tragung der Pfarrei Marbach an den Pfarrer Anton Fuhlrott in Wüstem allsten ist zurück« genommen worden.
Das Aastenaimojen darf nicht vergessen werden. „Ich bitte herzlich auch in diesem Jahre um Euer Fastenalmosen zur Unterstützung unserer Kommuni- kcmtenanstalten, besonders für „St. Joseph" in Hünfeld, in denen arme Kinder aus der Diaspora auf die erste hl Kommunion vorbereitet werden. Die Anstalten bedürfen in der harten teueren Zeit besonders Eurer Hilfe," so schreibt der Hochw. Herr Bischof 'n seinen Fastenverordnungen. Wirf dein Scherflein in den Opferkasten, der die Aufschrift „Fastevalmosen" trägt oder schicke es an den Bonisatiusboten, der cs weitergibt.
Der Vinzenzverein in der Stobt Juida hielt am Sonntag nach dreijähriger Pause wieder eine Generalversammlung in der Harmonie ab. Dazu waren der Hochw. Herr B i s ch of und Herr Pro- tonotar und Generalvikar Dr. A r e n h o l d sowie eine stattliche Reihe Geistlicher und Laien erschienen. Ein fesselnder Vortrag des Herrn Dompröbendat Dr. Koch über die Seele der Caritasarbeit, die christliche Liebe, gab der Tagung einen festlichen Charakter und ließ die hehren Gedanken der Dincenzarbeit in klarer und herzenswarmer Deutlichkeit aufleuchten. Herr Bankdirektor Otto Goebel, der vor etwa Jahresfrist an Stelle des aus Gesundheitsgründen zurückgetrete- nen Herrn Fabrikanten Richard Schmitt Präsident bfs Diözesanrates der Vincenzvereine geworden ist, berichtete über den Stand der Vincenzsache in ber Diözese Fulda, in der zurzeit zehn Konfe- renzen tätig sind, davon zwei in Fulda. Herr Richter, der jetzige Kassenführer, berichtete über den Kassenbe- stand des örtlichen Derkvaltungsrates Fulda. Herr Direktor P a r z e l l e r verbreitete sich über die Jahresarbeit der St. Blasiuskonferenz, Herr Lehrer a. D. Mänz über diejenige ber St. Sturmiuskonlerenz. Te- tlagt wurde von beiden Konferenzvorstehern das Hehlen des jungen Nachwuchses bei den Gilgen Mitgliedern. Der Hochw f)err Bischof lichtete Worte des Dankes an die Mitglieder des Vinzenzoereins, be- sonderen Dank sprach er dem früljeren Diözesanvor« sitzenden, Herrn Richard Schmitt, für die langjährige überaus segensreiche Töligkeit aus.
Für das Kloster der Barmherzigen Brüder zu Montabaur, zu dem mich die Fuldaer Niederlassung