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Ein deutscher Sieg in Gberschlesien da« ist das Ergebnis der Volksabstimmung vom vori-s gen Sonntag. - So weit die Nachrichten bet Redak­tionsschluß vorliegen, sind

742 000 deuyche und 472 000 polnische Siim men abgegeben worden, es ergibt sich im Ganzen eine deutsche Mehrheit von 270 000 Stimmen. Das Re­sultat ist gut, wenn es auch nicht ganz den Erwar­tungen entspricht, von 17 Kreisen des Abstimmungs- gebieies hären 4 eine polnische Mehrheit, besonders die Kreise Pieß und Rybnik im Südosten, die seit Monaten unter dem schärfsten polnischen Terror stan­den, sodaß von einer freien Wahl wohl kaum die Rede fein komm» Der erste Teil der Entscheidung ist nun mit der Abstimmung erledigt. Oberschlesien hat sich mit einer dremir.fi el Mehrheit für das Verbleiben bei Deutschland ausgesprochen und darf damit wohl zum größten Ten als für Deutschland gerettet gelten, denn über -oas feierlich verkündete oelbftbeftimmungs* recht wird sich auch die Entente nicht hinwegsetzen ton­nen. Allerdings ist zu beugen, daß nach dem Ver- jaüler Friedensvertrag das Ergebnis der oberschlesischen Abstimmung nur die Grundlage für die endgültige Emichließunu des Obersten Rates bildet. Es ist nun die MögUchkeir nicht von der Hand zu weisen, daß j Nefer die Gebteie, die sich, wenn auch mit verhältnis­mäßig geringer Mehrheit für Polen entschieden ha den, diesem letzteren zu weifen möchte. In Betracht kämen vor allem die südlichen Teile des Industriegebiets. Pleß und Rnbnik. aber auch Beuchen und zum Teil auch andere Abstimmungsbezirke. Gegen einen solchen Entscheid müßte schon im vorhinein auf das entschie­denste protestiert werden. Das oberschlesische Industrie» gebiet ist eine wirtschaftliche Einheit, die nickst ohne schwersten Schaden zerrissen werden kann. Alles, was Oberschlesien wertvoll macht, ist aus deutscher Arbeit, deutscher Intelligenz und deutschem Kapital hervor­gegangen und so liegen die Verhältnisse auch heute noch Auch die geographischen und geographisch-wirt- fdwtlict)en Verhältnisse sprechen entschieden gegen alle Xetlungspläne, denn das ganze Gebiet gehört geogca- phiich und wirtschaftlich aufs engste ,zusammen und zu Deutschland, während bet einer Teilung die an Polen aus ^lieferte Halste wirtschaftlich wenn nicht zugrunde! ginge, so doch stark geschädigt, würde. Die Entsckstie- Üung über Oberschlesien wird natürlich auch für die Elttenle selbst non größter Bedeutung fein. Wenn man von Deutschland Wiedergutmachung verlangt, muß es leistungsfähig bleiben. Das ist aber nur dann der Fall ^uremi ihm das ober schlesische Industrie­gebiet verbleibt Denn ohne die oberschtesische Kohle wäre die Ledeurung der deutschen Industrie erledigt. Wie sollte iber Deutschland, das finanziell bankrott ist. und nur mit Arbeit zahlen kann, dem Friedens- ver'rag von Versailles irgendwie gerecht werden kön­nen, wenn auch feine Arbeitsfähigkeit lahm gelegt würde hat doch Lloyd George selbst gesagt, man könne dem Deutschen Reiche seine reichste Provinz nicht nehmen und chm zugleich die höchste Kriegsentschädi­gung auferlegen. Jedenfalls ist der „Kampf um Oberschlesieist noch nicht zu End«. j

Nach dem Spätem der

LsAdoner Ronserenz wB die Entente anscheinend die ursprünglichen Be­dingungen des Versailler Friedensvertrages Mr Durch­führung bringen. So hat sie jetzt auf einmal ihre Schadeuerfatzforderungen angerueldet in Höhe von 180 Milliarden Gstdmark, was mit Zinsen und Zinses- i ästen dreimal so viel bedeutet als die in Paris ver­langten 226 Milliarden. Zwei Jahre hat sie sich zu der Zusammenstellung Zett gelassen, mir aber sollen die Forderungen in kürzester Frist, teilweise binnen ein bis zwei Wochen nachprüfen, widrigenfalls dir Forderungen rechtskräftig werden, und dabei sind die beigegebenen Unterlagen so dürftig wie nur möglich. Weiler hat sie der deutschen Regierung mitgeteilt, daß bis zum 1. Mai 1921 die bedungenen 29 Milliarden Goldmark bezahlt, brzw. ihre Zahlung geregelt sein müßte. Die von Deutschland bereits gelieferten Waren, Kriegsmaterialien, Schiffe, landwirtschaftlichen Maschi­nen, Aufwendungen für die Besatzungtruppen usw., feien nicht, mit Deutschland angebe, über 21 M-Nor­den, sondern nur 8 Milliarden wert, infolgedessen müsse es noch 12 Milliarden zalsten oder sicher stellen, droan 1 sogar schrm bis zum 23. Wät^. SSrienb bs-

gleitete diese Forderungen mit neuen Drohungen, wo­bei er von den in Deutschland angeblich noch vorhan­denen Hilfsmitteln und Reichtümern phantasierte. Daß es den Franzosen mit ihren Drohungen ernst ist, daran ist nicht zu zweifeln, in ihrem Siegesübermut find sie zu allem fähig. Die Pariser Presse ist infolge der jüngsten Kammerrede Briands völlig in Ver­zückung geraten; sie wälzt sich vor Vergnügen. Briand habe, so schreibt sie, hauptsächlich sich ans deutsche Volk gewendet und diesem die Wahrheit gesagt, nämlich daß es besiegt sei und, weil es die Schuld am Kriege trage, auch allein für die Bezahlung bér angerichtecen Schäden auskommen müsse. Frankreich werde jetzt linerbittlich sein und sich nicht einmal mehr an die Pariser Forderungen halten, sondern darüber hinaus auf Bezahlung auch des letzten Pfennigs bestehen, den es nach dem Versailler Vertrag zu fordern habe. In­zwischen sind im englischen und französischen Parla­ment die Gesetzentwürfe über die Erhebung des 50pro- zentigen Aufschlag auf die deutschen Waren angenom­men worden und in wenigen Tagen werden sie in Kraft treten. Die Folge macht sich bereits bemerkbar, indem alle Lieferungen ins Feindesland abgemeidel und bereits rollende Waren zurückgerufen worden sind. Recht groß werden also die Einnahmen aus diesen Aufschlägen nicht werden. Und ob ein anderer, vielleicht der Hauptzweck, besser erreicht wird, nämlich durch Erdros­selung der deutschen Ausfuhr die Arbeitslosigkeit in England zu beseitigen, von der bereits 2 Milbonen Arbeiter betroffen sind, scheint auch fra^ich. Wenig­stens haben sich dadurch die Gegner Lloyd Georges in England nicht abhalten lassen, ihr schweren Bedenken gegen diese Maßnahmen in der fresse und im Parla­ment darzulegen. Auch sonst scheint es in England nicht recht zu stimmen, das beweist auch der plößlidje mit Gesundheitsrücksichten begründete Rücktritt des Ministers Bonar Law, der die stärkste Stütze von Lloyd George war und die auseinanderstrebenden Elemente der Regierungskoalition immer w eder zu­sammenhielt. Auch der Privatsekretär Lloyd Georges !hat seinen Posten v^lassen. wahrscheinlich m>d er die Maßnahmen gegen Deutschland nicht billigt und wie viele seiner Landsleute den Kurs, den Lloyd George im Fahrwasser der Pariser Chauvinisten steuert, für verhängnisvoll für England hält. In 3$ct:en scheint auch keine besondere Stimmung zu sein für Durchführung der Strafmaßnahmen. Ueber die Pläne Japans, wo augeMicklich eine Regierungskrisis infolge einer Abstimmung die Gemüter erregt, ist auch Lloyd George nicht unterrichtet. Der andere Verbün­dete, „die Vereinigten Staaten" in Rordcmserika, haben sich an der Londoner Konferenz und den Gewaltmaß­nahmen überhaupt nicht beteiligt. Leider aber auch nicht die Hoffnung erfüllt, daß mit Antritt des neuen Präsidenten Harding sofort der Kriegszustand mit Deutschland aufgehoben würde. Diese Angelegenheit wurde, wie schon e.-sttzeteilt, auf spätere Zeit vertagt. Um Ne nach dem Ausspruch eines englischen Staats­mannes über die Sanktionen uns drohende „Orgam- iierung des vollständigen C^ios in Deutschland" ockzu- wenden, haben die Reichsbehörden bereits Beratungen gepflogen und den Reichswirtschsflsrat einberufen. Geld wird auf die bisherige Weife Frankreich nicht erlangen, obwohl es dieser se notwendig braucht. Schließlich wird doch die Slot das dortige Volk zur Einsicht bringen, daß es besser fährt, Ne Hilfe Deutsch­lands beim Wieder cm sbsÄ der zerstörten Gebiete in Anspruch zu nehmen, als nod) länger sich von gewinn- und habsüchtigen Spekulanten an der Nase herumfüh­ren zu lassen. Dr. Simons hat deshalb die Ausar­beitung eines genauen Wiedermisbauplanes angeord­net, um ihn der nächsten Konferenz vorzulegen, die nach seiner Ansicht nicht lange hinaus geschoben werden darf. Wer freilich die erste Anregung dazu gibt, ob wir, oder Lloyd George oder eine neutrale Macht, z. B. Präsident Harding, ist noch unentschieden. Nach dem glücklichen Ausfall der Abstimmung in Oberschle­sien ist eine Verstönkngung wohl leichter geworden.

Beim Vö!kerbm-

hat die deutsckst Regierung gegen die Zwsngsmaßnah-

men der Entente protestiert. Das „Verner Tagebl." , a < cäu,!:.

meint: Denn alles mit richtigen Dingen zu gehe, dann schreibt, die jetzigen Vrrhaltnifse so: „Ftmyec ^tt^nwu müsse der Völkerbund den mikitärischen Spaziergang r nichl gewagt, foldje Leute, wie ne jetzt unten satt nach den Rheinhäsen rügen und verwerfen. Die Geiz-!Abgeordnete) in den Si^rr^sfaal gehen, auch nur aber »et D«ttMands hätten unter keinen Umstärrdeu ^ shiueinztilasien (ak Zuhörer «if die TnvEn). Abei

Recht, gegen Deutschland kriegerische Maßnahmen zu treffen, sofern sie nicht von neuem den Krieg erklärt hätten. — Ja, wenn . . .1 Uns will scheinen, als habe die deutsche Regierung den Teufel bei seiner Großmutter verklagt.

Der Reichstag

hat nach mehreren Dauer- und Nachtsitzungen am Samstag vor Palmsonntag seine Osterferien bis zum 20. April aisgetreten. Außer dem Etat, der glücklich noch vor April unter Dach gebracht wurde, fand noch eine gcmze Reihe von Sachen Erledigung, so u. a. das neue Wohrxesetz, das die Verhältniße unserer Reichswehr regelt, die uns berannttich 3—4 Milliar­den pro Jahr kostet. Viel Staub hat das sogen. Ent- wafsnunW§esetz aufgewirbelt. Darüber wäre es bei­nahe zu einem Konflikt zwischen dem Reiche und Bayern gekommen, das sich feine Einwohnerlvshres nicht nehmen lassen will. Wir sind aber nun einmal in einer Zwangslage. Der Friedensvertrag von Ver­sailles, nötigt zur Auflösung. Nach § 177 dürfen sich Untrrrichlsanstalien, Universitäten, Kriegervereine, Schützsngildeii, die Sport- und Wandervereine, über- Haupt Vereinigungen jeglicher Art, ohne Rücksicht auf das Alter ihrer Mitglieder nicht mit militärischen Din­gen besassen. Es ist ihnen namentlich untersagt, ihre Mitglieder im Kriegshandwerk oder im G. brauch von Militärwasfen auszubiböen oder ausüben zu lassen. Sie dürfen in keinerlei Verbindung mit dem Kriegsmini­sterium oder irgend einer anderen militärischen Be­hörde stehen. Zur Durchführung dieser Bestimmungen verlangt der Vertrag ein deutsches Gesetz. das schon im August 1919 beschlossen worden ist; in Bayern war man der Ansicht, daß die Einwohnerwehren als Selbstschutzorganisationen nicht unter das Gesetz fielen, die Entente ist aber cmderer Ansicht und verlangt die Auslösung, sonst sind neue Gewaltmaßregeln zu be­fürchten. Nach langen Verhandlungen gelang es dem Demokraten Schiffer einen Weg zu finden, der schließ­lich ziemlich allgemein Anklang fand; der von ihm vorgelcgt« neue Entwurf, in dem von der Regierung Vorlage nur noch die Ueberscyrift übrig geblieben ist, enthält nur das, was der Versailler Vertrag von uns verlangt und wahrt auch bei der Durchführutig den Ländern ein weitgehendes Recht. In dieser Form fand das Gesetz schließlich Annahme. Hoffentlich ist auch die Entente damit zufrieden. Auch Sdju fragen, die jetzt Reich-sache sind, kamen zur Besprechung. Da­bei' wurde von Zentrumssrite ausdrücklich betont, daß der Religionsunterricht nach der Verfassung Pflicht­fach, nicht Doblfach sei, weshalb die Teilnahme daran so geregelt werden müsse, daß diejenigen, die nicht teil­nehmen wollten, sich ubtrnidev müßten, nickst aber um­gekehrt, diejenigen, die teilnehmen wollten, sich an- me den müßten. Ein diesbezüglicher Antrag fand Annahme. Auch der Reichsminister Koch erklärte, auf diesem Standpunkte zu stehen. Trotzdem könne er Länder, welche anders vorgehen, nicht davon ab­halten, weil die Auffassung und Absicht der verschie­denen Gesetzgeber in Weimar bei Abfassung dieser Be­stimmung verschieden war. Der Mangel kann nur durch ein entsprechendes Gesetz beseitigt werden. Die Abstimmung hat gezeigt, daß für ein solches Gesetz im Reichstag eine Mehrheit vorhanden ist. Jedenfalls sieht man hier wieder, wie viel von dem lammenden Reichs schulgesetz abeäugt. Sehr bemerkbar wird sich bald die Erhöhung der PoftgâMren machen, aber bei dem großen Defizit blieb dem Reick^tog schließlich nichts anderes übrig, als das Gesetz zu schlucken. Da- gsgeu wird die Aenderung des Einkommensteuergesetzes allen denen, die weniger als 24 000 Mark Ein­kommen haben, in Form einer bedeutenden Siener- ermitzigung eine sehr willkommene Ueberraschung brim gen, während es der Regierung Sorge macht, wie sie ben Lieurr-Ausfall, der dadurch natürlich eintritt, wieder ausgleichen soll. Bedauerlich waren die Ha- daufzenen. die in der letzten Zeit wiederholt im Reichs- tag vorkumen, veranlaßt von den Kommunisten. Mil diesen Leuten ist ein Ton ins Haus gekommen, der eher an eine Matrossnkneipe, als an die oberste, Dieb fach ausgesiebte Vertretung des deutschen Volkes er­innert. Ein alter Diener des Reichstages charakteri­sierte, wie Gerstenberger in seinen ^Reichstagsbriesen