Sonntag, den 20. März
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Nr 12
Deutschland, wach auf!
Deuts ckffand, wach auf! Hast du das Wort gehört? — Me letzte Hoffnung hat es Dir zerschlagen — Das Joch er Schmach den Nacken dir beschwevt — Hart drückt das lnrecht, doch du mußt es tragen.
Das Schwert entrissen von der Uebermacht, — Die ifinbe in des Leibens FeffEetten, — Und tief gebeugt in chmach und Schrecksnsnocht; — Kein Trost, sich selbst us diesem Zwang zu retten.
Du hast bekannt, was du verfchuldot haft, — Die Feinde «htos dich Betrüger nennen. — So murrn Geduld noch us als schwerste Last, — Die Welt wird doch devemst das as Recht erkennen.
Du sinnst nicht mehr auf Krieg unb Sühneblut, — )och furchtbar tréffen dich die Marterklingen, — Und mmpfhaft ballt die Faust sich in der Wut, — Fast will er Bogen der Geduld zerspringen.
Ein wehrlos Volk in Feigheit würgen sie, — In Falschheit schmieden sie die Todesketten; — Unb wenn Verzweiflung auch nach Gnade schrie, — Ein Gott nur mu noch raten und noch retten.
Was du er!eiben nmßt, du fühlst es bald, — dann >eißt du auch, was sie im Schilde führen. — Das Recht ingt mit der Macht und der Gewalt, — Sie können scha- en nur, doch nicht entehren.
Vergiß der Ahnen große Taten nicht! — Verzweifle ich! in Schmerz und Schâch und Not. — Es dänumrt och der Freiheit Sonnenlicht, — Und nicht umsonst einer Holden Tod.
war
Wahr' deine Ehre, halte dich in Zucht, — Wenn uch Macht und Türken jäh besiegten. — Gott laßt üben, hat dich nicht verflucht. — Er sann noch lösen, ie Feinde fügten.
dich dich
ivas
Deutschland, wsch - Erstick im Raiter mste Tat dir freie
auf! Ser Ernst der Stunde mahnt, nicht die schweren Leiden! — Nur Wege bahnt, — Nicht leere Worte
nd ein sinnlos Streiten.
So eint euch. Brüder, reicht euch stumm die Hand, — inb tragt geduldig Schmach und Not und Leiben, — Ver- eßt nicht das geschmähte Vaterland! — Gerechtigkeit »u ß sich den Sieg erstreiten! Otto Burghardt.
„Setzt alle zu Zsseptzè"
Von Pater A. B. 8. J,
Als Fuldaer Kind in der Fremde, nicht mehr gelbe ganz jung, mutete es mich doch beinahe jugendlich, ämatlich an, als ich da neulich im Bonifatiusboten im dritten Fastensonntag unter der Ueberschrift »Der kenal des hl. Joseph" die gesperrt gedruckten Unter- el sah: SotufaHusboie, Josephspfeunig, Prälat Schick.
»Doustat'iusbste", das liebe Blatt, das mir so ge- ängll ^^ i^ Woche Kunde aus der fernen Heimat
«J^ ^^ ? S^itf, unser lieber, alter Professor im i^hfr.nr^^^ dem Dom und ber Bo- liâ^Ä Mor um das Fuldaer Land hockwerdienie rw st er uno Gründer des „Bonifatiusboten"!
,/l^' ia âs ffu$ Gründer des JosepHrpfennigs zur bhllfe è^Prrestermangels in der Diözese F ui da! Wo ^Ä5s^'mr ^ Iosephspsennig, du alter 'au^1; SSeurag? Wer als Ordensmann arm ane ne Krrchen-maus, bei dem wird man wohl kei- n Geldbeitrag erheben können. Aber sollte nicht der donifatiusbote" auch einen Beitrag mit Tinte und 'der brauchen können? Wozu habe ich mir denn
ulich von einem aus der KrieasaesaneeH ^ Zantenweggesch,tft, heute aber stand eine ganze Reihe kW« M!ch-u^r °o° -r LE L'L m'»^ W?“ ,'^k kfunten,' mf ^
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fs^M r r Ä-r ' ^^l^rVf urt hwh uiUH UV yre felnes Ehrenamtes als Schutzherr der ganzen
Kirche so mächtig gewaltet hat, soll uns ein aus schlimmer Striegsnot Heimgekehrter erzählen, wie sorglich der liebe Heilige sich auch der Hof der Einzelnen Gnnttntnf.
„Ich kann mich nicht erinnern, den hl. Joseph je um etwas angeruf^n zu haben, was ich nicht erhalten hätte". Dieser Worte der hl. Theresia erinnerte ich mich, als ich gleich narh meiner Gefangennahme im Jahre 1916 die hatte Nst französischer Kriegsgefangen- fchaft zu fügten bekam. Ich stellte mich deshalb ver« trausnsvoll unter den Schutz des jungfräulichen Gemahls der allerfeügsten Sungfrau mit der Bitte, wie er einstmals das liebe Iefuskiud und dessen heiligste Mutter so wohlbehalten aus dem fremden Asgyptenland nach Nazareth zurückgeleitet habe, so wolle er nun auch mein Helfer in diesem meinem Aegyptentcmd sein und mich gesund an Leib und Seele wieder in mein Vaterland und zu meinen Mitbrüdern ins Ordrnshsus zu> rückführen. So oft mir nun Gefahr des Leibes oder der Seele drohte, klagte ich ihm meine Not und versprach ihm eine Rovene (neuntägige Andacht), die ich èdesmal so hielt, daß ich die sieben Freuden und die sieben Schmerzen des hl. Joseph bei mir überdachte und zu den einzelnen ein Gegrüßet seist Du Maria betete. Und jedesmal wurde ich erhött, erhielt sogar manchmal mehr, als ich zu hoffen gewagt hatte. Hier nur zwei Beispiele!
Da wir zu einem, den Franzosen doppelt verhaßten Truppenteil, der Kronprinzenarmes vor Verdun, ge- höttm, wurden wir sofort nach unserer Gefangennahme Un ein Straflager nahe an der Front gesteckt. Tags über hieß es da in Steinbrüchen arbeiten, nachts lag man auf der bloßen Erde unter stark beschädigten Zelten, wo die Novemberkälts des strengen Winters 1916-17 schon sehr empfindlich war. Und zudem mußten fast jeden Tag kleinere oder größere Abteilungen von uns an die Front vor, um dort atterhmd Frontdienste zu leisten, Verbindungsgräben auszuheben, Material in die vordersten Stellungen zu tragen, dann wieder Verwundete mit zurückzmiehnren und bald dies noch und bald jenes, das alles aber bei einer Verpflegung und Unterkunft, die nach Aussagen von zurück- tommen-en Erkrankten jeder Beschreibung spotteten. Und so ging es dann weiter Tag für Tag, Woche für Woche, ohne Ruhttag und ohne Ablösung, während bekanntlich die kämpfenden Truppen ja alle drei oder fünf, spätestens acht Tage abgelöst wurden, um sich in Ruhe- lager zurückzuziehen.
Einem solchen Frontkommrrndo war ich nun auch schon zugeteilt. Daß ich aber bei meiner ohnehin ni$t starken Gesundheit unter so schlimmen Verhältnissen erliegen würde, war für mich kein Zweifel. Noch bitterer jedoch war mir der Gedanke, auf diese Weise gar noch gegen meine eigenen Brüder und Landsleute arbeiten
zu müssen. In dieser Not machte ich nun meine erste Novene zum hl. Joseph mit der zagenden Bitte, ob er im Stande wäre, mich aus dieser Gefahr einfach zu befreien und zu bewirken, daß ich nach dem wärmeren Süden oder wenigstens von der Front weg ins Innere des Landes geschickt würde. Die 1. Novene war fertig, ohne eine Aenderung in meiner Lage gebracht zu haben; ich fing eine zweite an. Aber kaum war die begonnen, da nötigte mich eine Verschlimmerung der Frostbeulen an den Füßen, mich krank zu melden. Wirklich bekam ich einen Tag Schonung, die, wie gewöhnlich, in Lager- arbeiten bestand. Daß aber der hl. Joseph durch die gerade an diesem Tag eintretende Verschlimmerung meiner Frostbeulen mir in Wirklichkeit schon die von ihm erbetene Verschickung nach einer wärmeren Gegend und fort von t schrecklichen Front besorgt hatte,, sollte ich noch am g; .n Tage erfahren. Es war ein wichtiger Erlaß gekommen, und beim Appell am Mittag hieß es: „Alle hier genau aufpasien! Jene, deren Namen jetzt verlesen werden, sollen sich bereit halten zur baldigen Abreise nach dem Süden." Mit welcher Spannung ich da horchte, als der Sanitätsunteroffizier mit der Krankenliste des Tages in der Hand die Namen zu verlesen anfing! Bisher hatte man keine Leichtkranken weggeschickt, heute aber stand eine ganze Reihe
gezogen wurden. So war z. B. einer meiner Mitge
fangenen, ein Unteroffizier, schon wochenlang fußkrank gewesen; aber gerade am Tags vor jenem Erlasse war er als genesen von der Krankenliste gestrichen worden und mußte nun zu seinem Schmerze und meinem großen Bedauern in der schrecklichen Front Zurückbleiben. Ich aber dankte meinem hilfreichen Beschützer, dem hl. Joseph; ich war fast überzeugt und bin es auch heute noch, daß die Verschlimmerung der Frostbeulen gerade an diesem Tage kein Zufall war, sondern eine gnädige Fügung Gottes auf die Fürsprache des hl. Joseph hin.
Und wie liebevoll derselbe auch noch gesorgt hatte, daß einer meiner besonderen Herzenswünsche erfüllt wurde, sollte ich zu meiner Freude nach Ankunft im wärmeren SW and erfahren. Das Glück nä mlich, an Sonntagen die hl. Messe hören unb die Sakraments empfangen zu können, hatte man nur in den großen Gefangenenlagern; wurde man einem kleineren Arbeitsdepot zugeteilt, war man dieser großen Gnade beraubt. Wie es nun der hl. Jsseph angegangen, daß
ich, obschon bereits für so ein kleines Arbeitsdepot bestimmt, doch noch in letzter Stunde von
der Liste wieder
in Geheim- einmal im
nis; ich freue mich
Himmel von ihm zu erfahren, wie es feiner väterlichen Fürsorge gelungen, zur rechten Zeit einen Strich durch dis gestrengen Verfügungen der Kommandantur zu machen. Sehen wir nun, wie gut er im großen Süd- lager, wo wir nach einer dreitägigen Fahrt in ge-
schlosseuen Viehwaggons enttarnen, für unsere religiösen Bedürfnisse gesorgt hatte!
Das Lager bestand aus drei massiven Holzbaracken, die auf betoniertem Fußboden solid feftAenracht waren, um den dort häufig tobenden Mistralstürmen standhal- ten zu können. Es war auf einem flachen Bergrücken angelegt, der durch ein enges Tal von dem Gebirgskranz getrennt war, dessen kahle Höhen uns mit weißen, mar« morähnlichsn Granitfelsen umschlossen. In dem fruchtbaren Tate unten erzählten Mandel- und Olloenbäume von dem Fleiß frommer Mönche; aber an deren Stelle lagerte setzt Militär und übte sich im Aus heben von Schützengräben, im Scharfschießen und allen Arten der modernen Nahkampfes mit Minen und Handgranuien, So von allen Seiten umschloffen und bewacht lag auf einsamer Höhe unser Gefangenenlager, eingerichtet für Sanitätssoldatm und für Senefenbt und Krüppel, die beide als Untaugliche („inaptes") bezeichnet waren.
Obschon aber dis Berpflegung gar manches zu wünschen ließ, und mit Recht das Wort: „Diel Steine gabs und wenig Brot" bei uns sprichwörtlich war: gefiel es mir doch hier viel bester, als in irgend einem anderen Lager, auch in denen, in die ich später noch kam. Denn an jedem Sonntag und gebotenen Feiertag kam ein feeieneifriger Priestergreis trotz seiner 68 Jahre von Marseille zu uns in die Berge heraus, um uns die hl. Messe zu lesen und die Sakramente zu spenden. Er beherrschte gut unsere Muttersprache, weil er bis zum Ausbruch des Krieges als Seelsorger und Dolmetscher für die deutschen Pilger in Lourdes tätig
gewesen war. Derselbe zeigte sich auch sonst sehr freundlich und wohlwollend gegen uns Deutsche; er stellte sogar den wenigen Franzosen darunter Adjutant und Sergeant in Gegenwart des deutschen Meßdieners uns deutsche Katholi^n als Vorbild hin, bis er sie auch richtig dazu brachte, während der Wandlung und bei den Gebeten nach der Messe hinzuknien. Wirklich machten sich auch die meisten von uns die herrliche Gelegenheit zur Erfüllung ihrer religiösen Pflichten gut zu nutze, worüber das edle Priesterherz hocherfreut war.
Selbstverständlich kam es mir nun sehr darauf an, diese Wohltaten unseres Lagers möglichst lange genießen zu können; ich hütete mich also recht sehr, mich irgendwie straffällig zu machen. Trotzdem war es einmal drauf und dran, daß eine Unachtsamkeit mich all dieser unschützbaren Vorteile beraubte, wäre mir nicht wieder mein himmlischer Beschützer im letzten Augenblick hilfreich beigesprungen.
Eines Tages war Gepäckrevision. Bei so einer Gelegenheit machten die Franzosen gewöhnlich reiche Beute, indem sie alles Uebsrslüssige oder Verbotene -fortnahmen; auf Kursgeld, Kompaß, Landkarten hatten
sie es besonders abgesehen. Bei mir aber entdeckten sie ein anderes willkommenes Beutestück. Einige Tage vorher hatte mir ein Kamerad, her in der Schweiz interniert werden sollte, beim^ Abschied eine Decke geschenkt