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1921

Sonntag, den 27. Hrdruar

Nr. 9

sWätrgkritszesiMMg auf dem Lande.

Heute dürfen des Bärenwirts Pferde In ihren alten gen noch einmal in die Stadt fahren. Es jchriut aoe, als ob sie es fühlten, daß heute Feiertag für fei; das ganze Dorf, Groß unb Klein, All utw ng steht um sie herum und helle Freude strahlt aus er Augen. Auch der gute Herr Pfarrer fehlt nicht frohen Kreife und mit väterlicher Güte und einer Dissen Genugtuung schaut er auf feine Pfarrtinder, iyin alle so sehr ans Herz gewachsen sind. Und hat auch ein Recht dazu, war doch seine jähre- lge Soeliorgsarbeit nicht umsonst.Was ihr dem Tingften meiner Brüder getan, das habt ihr mir an." Wie oft halte er dieses HeilanLswort von : Kanzel verkündigt und Gott fei Dank, es war f fruchtbares Erdreich gefallen. Das bars er heute tftcUen, wenn er auf den mit Lebensmitteln aller t vollbeladenen Wagen sieht, der aus jedem $aufe ; Schsrflein trägt. Ja, es war eine kindliche Freude : den guten Greis, als er in den letzten Tagen in nem Sorgenstuhl am Fenster saß und den Schul- idern zusehen konnte, wie eifrig und rührig sie in en Sacken. Körben und Kisten Kartoffeln, Kraul, Diebeln, Obst und noch vieles andere zusammen- 'eppten, das alles die Freunde in der Stadt bekam- ii sollten. Es ist kein hartesMuß", das dir Leute n Geben gezwungen hätte, es ist ein Geben aus eje, und darum fließen auch die Gaben so reichlich, merlich glücklich hat es die Leute gemacht, das ist m Herrn Pfarrer heule klar, wenn er in all die fidüer schaut, auf buten sich das innere Glück wider- egelt.

,!", umsonst ruft der Knecht die Pferde m Stehen. Jetzt lasjen sie sich nicht mehr halten und wer beladen sn)wautt der Wagen unter den Frcu- urufen der Dorfbewohner zum Tor hinaus, blad) -stündiger Fahrt zieht die schöne Fuhr in der alten schofestadt ein. Wie so ganz anders ifts doch da soeben als vor zehn Jahren, als die beiden Pferd« m ersten Male in die Stadt zogen. Bleiche und gemagerte Gesichter schauen einen so mitleidsvoll an. so so schlimm siegte in der Stadt aus? Ganz vcr- abnisroll schauen sich die zwei Pferde an und ziehen t neuer Kraft und frischem Mut ihren schweren agen weiter bis vors Krüppelh r m. Gleich kommt e barmherzige Schwester heraus, einige arme, ver- ippelte Kinder an der Hand führend. Wie ist sie ck so froh, daß der Caritasverband, der die ganze bensmittelfammlung in die Hand genommen hat. 4 ihre Anstalt nicht vergessen und über die schweren >rgcn ter Lebensmitteibeschaffung im Winter hin- geholfen hat. Einen stillen Danl^s-«rf schickt sie lauf zum göttlichen Kinberfrewi* ter das innige bet der KleinenGib uns heute unser tägliches Brot" ht unerhört gelassen hat unb Hilfe tn der Not fenbet. isch geht es nun ans Abladen und ein Korb w ch dem feem wandert hinunter in den Keller.Wo die t am größten, da ist Gottes Hilfe am nächsten", t die Schwester zu dem Fuhrmann und erzählt ihm, 3 sie jetzi schon 60 Ztr. Kartoffeln, 3 Ztr. weiße âen. 2 Ztr. Kraut, 1 Ztr. Aepfel bekommen hätte 'ch bit liebevolle Hilfe der guten Lanbleuts, und t sie hoffe, die hungrige Kiuderfchar über den Win- befriedigen zu können.

Auch droben im Altersheim wartet man schon sehn- , P Qu. den am Morgen an gezeigten Wagen mit jensmi.fein ist es doch so schwer, die allen Seit!dien, n an vor Jahren mit ihren geringen Ersparnissen SKTm % bcl dinier schweren Zeit une' t- l.'ch zu uMeryalten, denn die kleine Summe ist ja in langst abgezehrt. Und hungern lassen, ober sie aus bem Heim weisen, nein, das darf und kann kf M "^ ^ luoß ist habet das

dieser Armen, als der Wagen auch vor ihrer re hell macht. Mit Mübs und Rot haben sich nd;c, die nicht mehr gehen können, ans fünfter c?. eppt. um ihrenLebensretter" zu begrüßen. Alles. 5 helfen kann, eilt herbei und sogar in der Schurze b de- willkommene Gruß vom Land« in die Dor- Kammer getragen. Was. für ein Reichtum ist doch auf einmal eingczooen! Mit Staunen und Dank- rit stehen die guten Schwestern vor ihren Schaben, n das find diese Lebensmittel in der Tat. Sie

Treiben dann die neue Zuweisung zu der bereits er- baUencn Menge und es ergibt sich das schöne Resultat von 300 Ztr. Kartoffeln, 50 Ztr. Kraut, 20 Ztr. Stu­ben, 16 Ztr. Obst, 214 Ztr. Hülsenfrüchte. Und doch, wie bald wird der schöne Vorrat kleiner und kleiner werden, gilt es doch, täglich 150 Hungrige zu speisen, und nur mit äußerster Sparsamkeit wird es möglich sein, damit über die schwierigsten Monate hinauszu- reichen. Unter den Dankes rufen der Schwestern und Armen entschwindet der Wagen bald ihren Blicken.

Auch so riete hilfsbedürftige Familien, die in der schweren Zeit mit ihren bescheidenen Einnahmen nicht mehr durchkommcn können, sollen nicht unbedacht blei­ben. Einzelne von ihnen sind auf heute mittag 3 Uhr ins Caritasbüro bestellt, um auch noch einen Teil von dem Wagen zu bekommen, der im Krüppelheim und Altersheim schon so reichen Segen gestiftet hat. Der ganze Bedarf kann ja in den meisten Fällen nickst ge­deckt werden, aber immerhin sind 34 Zentner Kar­toffeln heutzutage doch ein Wert und zugleich eine Er­sparnis für die Leute von 140 Mark. Sie sind ja auch so sroh darum, und ein guter Großvater, der hinten in der Ecke sicht, sagt so treuherzig zum F -tzr- matrn, der ihm die Kattoffeln in seinen Sack schüttet: Vergelts Gott, viclmol, 's git doch no guets Lüt us ein Land, un 's isch nit recht, wenn mer allewiel so über sie schelte tuet." Dieser alte Mann hat die Brücke geschlagen und erkannt, wie gut und christlich die Lcmd- lcute für ihre Glaubettsbrüder in der Stadt sorgen. Diè Bitterkeit, die auch ost bei ihm Platz greifen wollte, har er für immer aus seinem Herzen verbannt.

Der Wagen ist leer und doch geht er so reich be­laden wieder heim, an gefüllt mit dem innigen Dank so vieler Kinder, Eltern und Greife, denen die Wohliat zu gute kommen wird. In jedes Haus soll er hinein­dringen und der Herrgott möge ihnen allen das große Wer? der Barmherzigkeit reichlich lohnen.

Dieser Eiser und die große Gcbcfreubigteit zeigt sich noch in vielen Gemeinden, HebereK, wo der Stuf­ruf hingedrungen ist, Haben sich Herz und Hand geöffnet. 11 000 Ztr. Kartoffeln, 1300 Z!r. Rüben und Kraut verschiedenster Art, 108 Zw. Dörrobst, 267 Ztr. Hül­senfrücht«. 21 Ztr. Zwiebeln und noch andere Lebens­mittel der verschiedensten Art in kleineren Mengen sind nach der bisherigen.Aufstelluna den Bedürftigen der Städte zuoegangen, die einen Wert von ca. % Mil­lion darstellcn.

Die Liebe der Landleube zu ihren Brüdern und Schwestern in der Stadt hat sich wieder in herrlichem Maße gezeigt und wird ein Ruhmesblatt sein für sie in der Geschichte der Caritas. Aus unser aller Herzen schlägt ihnen ein herzlichesVergelts Gott" ent- entgegen.

Dieses Stimmungsbild entnehmen wir dem Frei­burger kath. Gemeindeblatt. Die alte Bischofsstadt ist Jreiburg und die Angehörigen der Erzdiözese" haben den hier geschildetten schönen Beweis (alfräfliger christ- sicher Mildtätigkeit gegeben.

Wir würden uns freuen, wenn "wir auch aus unserer Diözese von vielen solcher Liebestaten berich- ten könnten.. Verschiedene Anstalten in der Diözese sind in großer Not und mich von Einzelpersonen kom­men immer wieder Hilferufe an das Garitasfefretariat. Wer machte den Freiburaern nach? Vor allem fehlt es auch in armen, kinderreichen Familien an Leib- wäsche. Wie manches Kind hat nicht einmal ein rin- 'iacs Hemd. Für derartige Gaben natürlich auch für Hemdenstoff nlw. hat das Garitasfefretariat immer dankbare Abnehmer.

helft unseren Missionaren!

Don der oft so traurigen und bedrängten Lage un­serer Missionshäuser haben wohl nur wenige von uns Katholiken Kenntnis. Man vermutet bei ihnen gar keine Not und glaubt, die für dir Mission erforderlichen Geldmittel ständrm stets zu ihrer Verfügung. Man meint so oft, die Missionsorden hatten infolge ihrer regen Sammeltätigkeit große Reichtümer, unb cs fei ihnen deshalb ein leidstes, ihre in die Heldenländer ^h-mden Priester, Brüder mL Schwestern mit allem Notwerckigen zu vcrsehew Ss Wirklichkeit jedoch liegt

dir Sache zumeist ganz anders: die behaupteten Reich­tümer jilid nicht vorhanden, und deshalb sinL bis Mis- sionscrden nicht selten in einer bedrückten und unan­genehmen Lage. Sie müssen Schulden machen, um dis Uebel rtaljme einer Mission zu ermöglichen und ihren ausreisenden Giaubensboten das Fahrgeld zu Per« schassen. Da diese Schulden aber wieder abgetragen Verben müssen, kann das Mutterkloster seine Missionar» nur wenig in der Folge unterstützen und deshalb leidet die Mission selbst nicht selten recht großen Nachteil.

Die deutsche ^tissisnskongregation der Benediktiner von St. Ottilien (Bayern) weiß in dieser Hinsicht ein Liedlein zu fingen. Im Jahre 1908 wurde sie gebeten, sich an der Mission in Korea zu beteiligen. Sie sagte zu und übernahm im Vertrauen auf die tatkräftige Hilfe der Katholiken die Gründung eines Lehrer­seminars in der Hauptstadt Seoul. Aber weder dir Propaganda in Rom noch die deutschen Missionsvereine konnten ihr Mittel zur Verfügung stellen. So blieb dem Mitter Hause zu St. Ottilien, welches nicht wortbrüchig werden wollte, nichts anderes übrig, als 80 000 Mark Schulden oufzunehmen. Zweifellos war dies für hie Vorkriegszeit eine gewaltig« Summe, die auf dem Mut« terklc-strr ganz gehörig drückte. Zwar blieb infolge der Großmut des Mutterhauses die neu gegrübelt* Mis­sion zunächst schuldenfrei, aber nur durch die Aufnahme neuer bedeutender Schulden war cs dem Missionsoberen unserem Landsmann Abt Bonifazrus Sauer (aus Ober­ufhausen) möglich, das begonnene Werk während des Krieges vor dem Untergange zu reiten. Diese Schul­denlast drückte ihn um so härter, als infolge der schlech­ten Valuta die Gaben aus der Heimat nur reckt lang» fam dm entstandenen Schaden zu beheben imstmrdH waren. Gleichwohl hat sich 21 bt Sauer kürzlich mutig entschlossen, ein eigenes großes Missionsgebiet selbstän­dig zu Übernehmen. Die beiden nordöstlichen Provin­zen Koreas, ein Gebiet, dreimal so groß wie Bayern, sind ihm als Arbeitsfeld daraufhin übertragen worden, und nun soll er als erster apostolischer Vikar die reli­giöse Eroberung dieses Ländergcbietes in Angriff neh­men. Sofort wandte er sich an sein Mutterkloster und bat um Entsendung von Hilfskräften. Schott stehen zehn Missionare bereit, aber es fehlt ihnett an den Mitteln für die Ausreise. Da die Uebcrsahrl für eine einzige Person auf ca. 30 000 Mk. zu stehen kommt, sind ca. 300 000 Mk. allein an Reisegeld er­forderlich. Pun temmen noch hinzu die sehr beträcht­lichen Kosten für die Ausrüstung, den ersten Lebens­unterhalt usw. Alles in allem, eine so große Summe, daß sie das schon von Schulden beschwerte Mutter­kloster nicht durch Ausnahme von neuen Schulden zu- fammenbringen kann. Deshalb müssen die bestimmten Missionare so lange zu Hause bleiben, bis das erfor­derliche Geld zusammengebettelt ist: die Mission hat natürlich von dieser Verzögerung nur Schaden.'

Andere Missionare befinden sich gegenwärtig in ähnlicher Lage. Eine große Anzahl steht zur Abreis« bereit, kann aber ebenfalls noch nicht obfahrcn wegen Mangels an Mitteln. Sie müssen deshalb warten, bi« das Geld zusammen ist, während inzwischen Tausende von Heiden nach der Ankunst neure Missionare sich sehnen und vielleicht ohne die Gnade der hl. Tauf 6 sterben. Christlicher Leser, willst du ba nicht helfen? Willst du kein Missionsnoiopser spenden und damit unseren sahrtberciten Glaubensboten die Ausreise er­möglichen? Um Gottes willen gib ein Almosen für die teutsche katholisckE Heidenmission und sende es durch Zählkarte aus das Konto 82014 des Priester- Missionsbundes in Fulda bei dem Postscheckamt Frank­furt (Main). Ein schönes Missionsbuch wird dir als Genen gäbe portofrei zugehen. Auch die Acliendurckersi Tulda ist zur Entaegennahme vyn Almosen bereit. Des Segens des Himmels sowie des dankbaren stän­digen Gebetes der Missionare uni) ihrer Neubekehtterj kannst du gewiß sein.

---^ DiLzcss FrrlLa

Ullttchshoulkn. Vorige Woche haben wir unseres «gjâbr.gen Htwn Pfarrer Stephan Gnau zu Grabt icleitet Beinahe J 7 Jahre war er Seelsorger unserer lernen katholischen Gemeinde. Ein stilles, bescheidenes, anspruchsloses, aber zunteich , ticffrL^ums und f.&n»l