31 auf 1015 660 im Jahn 1918 gestiegen ist. Don rr Zahl sind noch 182 824 Personen in Abzug ge- cGüjt, die an Kriegsverletzungen starben. Mehr als D Prozent aller im Jahre 1918 Gestorbenen sind Rankheiten zum Opfer gefallen, die größtenteils we- en der Hecabgeminderten Widerstandsfähigkeit zum pdr führten. An Tuberkulose starben 56 861 im Jahre 913; 97 581 im Jahre 1918, an Lungenentzündung 0 084 (1913) 107 965 (1918).
Ueber Deutschlands No!
hrelbt der Züricher Professor Bruno Zschokke in der Steven Schweizer Zeitung": „Deutschland macht heute -eilich schwere Zeiten durch. Um darüber weMkom- um, braucht es vor allem eine moralische Gesundung, ix von innen heraus kommen muß. Aber auch ab- eschen davon, ist es aussichtslos, eine materielle Hilfe erade von dem Volk zu verlangen, das von dein krieg wirtschaftlich selbst am schwersten getroffen würbe, und selbst wenn es wollte, einfach Nicht in er Lage ist, eine gorßzügige Hilfe auszuuben. Für )eutschland, wie übrigens für andere Länder, heißt eute die Devise einfach: Weniger jammern, weniger [reiten, weniger lumpen, aber dafür arbeiten, und nochmals arbeiten " — Der Professor dürfte mit seiner hrilif nicht so unrecht haben.
3n der Geschichte
ibt es Lagen und Verhältnisse, die zwar Jahr-zehnte snü Jahrhunderte auseinanbarliegen, aber sich doch in rauchen Punkten gleichen. So ist uns seit November 918 ost in Erinnerung gekommen, was der berühmte »istoriker Da sgang Meuzel über die Zeit nach dem lhen Zusmnmenbruch Preußens und Deutschlands 1806) fchneb: «Der Zeitraum, der zunächst auf den intergang des alten Reiches folgte, ist der traurigste n der ganzen deutschen Geschichte. Hier häuft sich lies Elend und alle Sä)ande zusammen, die ein Volk reffen sann. Der Verlust der Ehre war der größte. )ie Ehre kann nie gerettet werden; man kann sie ur selbst von sich werfen, und die Deutschen taten es über. Darin lag die Schande nicht, daß sie von dem roßten Helden der Wett geschlagen und nachher miß- «nüelt wurden; aber darin lag sie, daß die Deutschen ch selbst vor dem Kampfe im Stiche ließen, im Kampfe umin und feig handelten, und nach dem Kampfe den, -er sie mit Füßen trat, vergötterten, mit ihren fchimpf- lchen Ketten prahlten." Und über das Benehmen der raven Berliner beim Einzug Napoleon I. in Berlin am '7. Oktober 1804 berichtet Menzel: „Die damaligen Bürger Berlins waren nicht kriegerisch gefirmt; d-emwch inten es die Behörden für gut, noch durch besondere ffentliche Anschläge das Volk zu ermahnen: „Ruhe lt die erste Bürgerpflicht." Ms daher Napoleon in Berlin einritt, wurde er, nicht wie in Wien, mit grob inten Augen und stummer Wut, sondern mit lautem lubelgeschrei empfangen. Angesehene Leute standen Inter dem Volk und schrien: Um Gottes willen, schreit ur recht laut: vive l'empereur! (es lebe der Kaiser!), in ft sind wir alle verloren! Die Demoralisation der Berliner hatte einen unglaublichen Grad erreicht. Als er neue französische Kommandant Hulin mit großer lrtigkeit den Magistrat um geräuschlose Entwaffnung er Bürgergarde bat, ließ dieser aus eiaenom Arrtriebe ffentlich bekannt machen, „bei Todesstrafe" (!) soll ‘ter Bürger seine Waffen abliefern. Eine Menge teufe zeigten den Franzosen alle etwa noch versteckten leider und Vorräte an. Napoleon selbst war so er- aunt über alles, was er sah, daß er äußerte: „Ich 'eiß nicht, ob ich mich freuen oder schämen soll" — bei solche Feigheit und Niederträchtigkeit dieser „Deul- nen". — Jedes dieser Worte würde zu einem Ver- ikich mit heute Herausforderin
Der notwendige Mindestvrrdiensl
non^r11 fernstehenden Mann betrug in Groß-Berlin J20 (laut einer Ausstellung von Dr. R. Kuczynski, tn lor des Statistischen Amtes Berlin-Schöneberg 000 für das kinderlose Ehepaar 11 900 J(, für n Ehepaar mü 2 Kindem 16 500 JL In Groß- ^r ^J0 en $ und Gas 9mal soviel wie vor eben Jahren, Brot lOmol soviel, Briketts 12mal so. W, Butter 14mal soviel, Zucker 16mal soviel Mar- urtne ISmal soviel, Kartoffeln 20mal soviel, Neis Jmal soviel. Schmalz 31 mal soviel. Eine an die Beelterung verteilte Monatsmenge Brot, Erbsen, Fleisch, lütter, Schmalz, Zucker und Kunsthonig kostete ün ooember 1920 = 64,73 Ji; dieselben Mengen — log in bester Qualität — erhielt man vor sieben Jah- rn für 4,93 Ji. Es klingt wie ein Märchen aus ur- stct! Zeiten.
Kurland.
Rußland und die katholische Kirche.
Die aus vatikanischen Kreisen gewöhnlich sehr gut in» formierte römische Zeitung „Tempo" veröffentlicht eine Mitteilung über eine dieser Tage in Berlin stattgefundene Beratung zwischen zwei früheren russischen Großfürstinnen, einem früheren zaristischen Minister und Vertretern ■teutscher katholischer Krache. Es wurde festgestellt, daß nach dem Sturze des Zarentums das letzte Hindernis für die Vereinigung der beiden Kirchen gefallen ist. Berichte hochgestellter Vertreter der katholischen Kirche in Rußland, besonders des Bischofs von Mohilsw, weisen darauf hin, daß die russische Volksmasss sehr nach der kalholischen Kirche neigt. Beweis für die überraschenden Erfolge der kocholischsn Propaganda sind die massenhaften Ueberlritle der Anhänger des Orthodoxlem-us zum Katholizismus. Der Bischof von Mohilew führt amgenbllcklich Derhand- lungen mit der S o w j et -N egte tun g über die Rückgabe der katholischen Kirchen und des Kirchene'Mnt-mns. Wenn diese Verhandlungen — wofür tue Aussichten günstig stehen — zu einem günstigen Ergebnis führen, wird der katholische Kultus diese Lage unverzüglich zu einer verstärkten Propaganda ausnützen, wobei ihm die Kongregationen beider Geschlechter nützen werden. Dem „Tempo" zufolge wurde bei den Berliner Beratungen auch ter Text für einen Ausruf in Rußland festgesetzt. Es heißt darin, daß die Propaganda des Antichrist zu neuen Eroberungen schreitet. Angesichts dieser Tatsacl-e muß es als heiligste Pflicht jedes Gläubigen erscheinen, daß man sich zusam- m erschließt. Durch Verbreitung entsprechender Zeitungs- artikel und Schriften und die Herausgabe eines Jahrbuches soll die Propaganda loterftüßt werden. Der „Tempo' hofft, daß, wenn der Vatikan mit Energie diese Ziele verfolgt, der Augenblick gegeben erscheint, zur Erfüllung des großen Werkes.
In Schottland wäbt der Katholizismus erfreuliche Fortschritte Jm vergangenen Jahre sind 43 094 Personen zur katholi- scheu Kirche übergetreten; in Glasgow allein zählt man 11 000 Konvertiten Die Zahl der Katholiken in ganz Schottland beträgt 603 094
Die kaltzoiiken Amerikas haben schon ms! für ihre teutschen Brüder bl Deutschland getan, auch zu der sogen. Quäkers peifung in den Städten haben sie beigetragen; außerdem sind schon zahlreiche Liebesgaben durch den Caritasverband nach Deutschland gekommen und weitere werden folgen. Erst dieser Tage hat der Kölner Erzbischof Dr. Schulte von Erzbischof Mundelein in Chicago ein Telegramm erhalten des Inhalts, daß eine Liebesgabe von 30 Millionen Pfund Mehl für die Notleidenden in Deutschland geschickt werten solle. Gleichzeitig fragte ter Erzbischos an, ob die ReicyLvegierung den erforderlichen Schiffsraum stellen könne. Sowohl der Reichskanzler als auch der Reichsernährungsmmffter haben dem Kölner Erzbischof unter dankbarster Anerkenrmng für die karitative Großtat der Katholiken Nordamerikas telegraphisch wissen lassen, daß der Schiffsraum unverzüglich zur Verfügung gestellt werden soll. — Von der roten „Internationale" hört man Derartiges nicht. Und dooch hat sie die „Brüderlichkeit" in Erbpacht genommen mit dem M—und wenigstens.
Dem Regierungswechsel in den Vereinigten Stauten sieht man in Deutschland mit großen"Erwartungen entgegen und erhofft von ihm die Losung aller Schwierigkeiten. In der Fähi^leil das zu glauben, was wir gern glauben wollen, waren wir ja von scher groß. Etwas Bestimmtes über seine Stellung zu Deutschland hat Harding noch nicht verlauten lassen. Daß er, wie man sagt, keinen Haß und keine Voreingenommenheit gegen Dmtschlaud hat, kann man wohl schon glauben. Sein Wunsch sei, so heißt es, auszugleichen, einen mittleren Weg ter Verständigung zu finden, die Interessen Amerikas zu vertreten, aber die berechtigten Interessen Deutschlands nicht zu vergessen. Das sind schöne Redensarten, mit denen nicht viel araufangen ist So viel ist sicher, daß Harding in erster Linie die Interessen Amerikas wahren wird. Wie weit im Zu- sammenhang der Bieltgeschchnisse das in einem oder dem anderen Fall für uns von Nutzen ist, muß die Zukunft lehren.
Fast 42000 Mark
(zwerundvierzigtaufend Mark) hat bis gum 20. d. M. die von uns im Oktober eingeleitete Sammlung für den Dsnifatiusverein in unserer Diözese eingebracht; davon fallen auf das „Notopfer" ungefähr 31 600 Mk^ auf die Schutsammlung, die vor Weihnachten begann, ungefähr 10 300 Mark. Herzlichen Dank sagen wir allen Gebern für die großen und kleinen Gaben,
die uns gespendet mutten, ganz besondern Dank I lich geschmückt
gebührt den Herrn Lehrern u. Frl. Lehrerinnen, Ne so bereitwillig unserer Bitte willfahren und die Kinder für die Not ihrer kleinen Brüder und Schwestern in der Diaspora erwärmt und begeistert haben. Gewiß werden auch die noch fehlenden Schulen gerne bereit sein, dieses gute Werk durch ihr Scherslein zu unterstützen. Es handelt sich vor allem um die Linderung der großen Not, in der der Bonisatiusoerern sich befindet, durch die gewaltig gewachsenen Kosten für die Unterhaltung der 15 katholischen Diasporafchulen in Thüringen und der Kommunikantenanstalken, besonders des St. Josephshauses in Hünfeld. Auch für das Rolopfer erbitten wir weitere Gaben mit Zahlkarle auf Postscheckkonto 6215 Frankfurt a. M., Diözesan- komitee des Vonisatiusoersins zu Fulda. Auch in bet Acliendruckerei und bei Pfarrer Aßeri (Ma- rienheim) können Beiträge abgegeben werden. Noch immer bleibt wahr: Die Unterstützung des Bonifatius- Vereins ist die Hauptpflicht der Katholiken Deutsch- lands, und fügen wir bei, vor allem der Katholiken ter Diözese Fulda. Pfarrer Atzert.
Im Diözefsnklerus sind folgende Veränderungen erfolgt: Der Hochwürdigste Herr Bischof hat dem Kuraius Joseph Lar big in Hainzell die Pfarrer Bieber (vom 22. 2. ab), dem Pfarrer Georg Adam Rhiel in Gersfeld die Pmrrei Uttrichshausen und beut Pfarrer Anton Fuhirott in Wüstenfüchsen die Pfarrei Marbach vom 1. 3. ab übertragen. Anweisung mit Wirkung vom 22. 2. ab erhielten Pfarrverweser Anton Hahn in Rom- merz als Pastor in Wansried, Pfarrverwefer Friedrich Horst in Kassel bei Wirtherm als Kuratas in Hainzell, (Pa- or Seifert bleibt in Langenselbold), Pastor Dr. Georg Otto Müller z. Z. in Poppenhausen als Pfarrverweser in Gersfeld.
Herr Pfarrer Weber zu Marbach, der am 22. Februar in den Ruhestand getreten ist, tourte vom hochwürdigsten Herrn Biichof zum Geistlichen Rat ernannt. Herr Pfarrer Weber gehört bekanntlich zu den Priestern, die von den Kulturkampfgesetzen am härtesten betroffen worden sind. Da er gegen die Maigesetze als Domkaplan angestellt war, wurde er, nachdem der Gendarm ihn .viederholt beim Messelesen und sonstigen „unbefugten Amtshandlungen" erwischt hatte (!), zunächst aus den Kreisen Fulda, Gersfeld und Hünfeld und dann aus dem deutschen Reiche ausgewiesen; erst im Juli 1884 wurde die Ausweisung zurückgenommen. Seitdem har Herr Geistlicher Rat Weber segensreich in Marbach gewirkt.
Herr Sladtkautor Chr. Scherer konnte am vergangenen Sonniag (20. Febr.) auf eine 25jährige Tätig- teilt als Organist an der Stadtpfarrkirche zurück» blicken. Als Nachfolger des allen ehrwürdigen Kantors Gesang hat er in 'dieser Zeit außerordentlich viel zur Hebung der Kirchenmusik in der Stadt- Pfarrei getan. Die Orgel, welche gleich zu Anfang -einer Tätigkeit umgebaut und modern eingerichtet wurde, meistert er mit Virtuosität, sein Sp el ist kunstvoll und edel, und weiß sich dem Charakter der gottesdienstlichen Feier wohl anzupassen, bald wehmütig klagend, bald freudig jubelnd und gewaltig dahinbrausend. Dem deutschen Kirchenlied widmen er mit unermüdlichem Eifer seine ganze Sorge, ei bildete sich songeStüchtige Knaben aus und schuf sich so die Grundlage zu seinem gemischten stadtpsarr» lichen Kirchenchor, der unter seiner Leitung nicht nur in der Pfarrkirche an den hohen Festtagen ba» Lob Gottes fingt in den vorgeschriebenen liturgischen Formen und in erhebendem polyphonem Kunstgesang, sondern auch im Konzertsaal geistliche Fest« spiele und Oratorien zur allgemeinen Erbauung aufführte. Die vielen Opfer, "die der Jubilar in uneigennütziger Weise gebracht hat, haben reichen Lohn getragen, sodaß er mit berechtigrer Freude auf sein Wirken zurückblicken kann. Die gesamte Gemeinde der Stadipfarrei würdigt die großen Verdienste in dankbarer Gesinnung. Der Kirchenvorstand, die Geistlichkeit unb der Kirchenchor brachten im Laufe des Tages im Hause des Gefeierten ihre Glückwünsche unter Ueberreichung von Geschenken
dar. Die Orgelbühne in der Pfarrkirche war fest-