Die Wahlen.
in Pichen liegen hinter uns. Um unsern Lesern schon ein möglichst genaues Bild geben zu können, haben wir die Fertigstellung des Bonifatiusboten um einen Tag verschoben. Bei dem komplizierten Wahlsystem mit den umfangreichen Wahlkreisen nimmt die Ermittelung der Wahlergebnisse einige Tage in Anspruch, zumal diesmal gleichzeitig drei Wahlen getätigt worden sind, was die Feststellmig nod) weiter erschwerte. Fest sieht zunächst ein gemukige/ Rückgang der unabhängigen LozialdeMsiratie, die zwar in der preuß. Landes Versammlung seither nur 24 Abgeordnete gezählt hat, aber im 3uni 1629 bei den Reichsiags- rvahlen bekanntlich einen großen Gewinn budjeti und nach den damals für sie abgegebenen Stimmen auf 70 Mandate rechnen tonnte. Die Herrlichst hat aber nicht lange gebauert. Die in ihren Erwarrängen getäufd^en Wählermafsen find zum Teil zu den noch radikaleren Kommunisten ab«
selber wissen, daß sie die Versprechungen nicht hatten könnten, wenn die Erfüllung von ihnen gefordert würde. Ganz anders bei uns.
Inmitten der Schwankungen und Verschiebungen rechts und links steht auch diesmal .
das Zentrum uvecfchükkert
in der Mitte wirklich aLs der „ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht". Trotz aller düstern Prophezeiungen der Gegner hat es verhältnismäßig günstig abgefdjniitten und kehrt in der alten Zahl, vielleicht so» par noch etwas verstärkt, in den Landtag zurück. Das ist für eine Regierungspartei in einer so schweren Zeit,' für eine Partei, die nicht mit agitationetüffernen Versprechungen vor die Wähler hintreten konnte, die unter dem unentrinnbaren Zwang der SlaatsnoLwendigkei- ten in drr Politik mehrfach auf manche Forderungen ein hartes Nein sagen mußte, ein erfreuliches Resultat. Wenn das 3enlrum unter so schwierigen Umständen sich zu behaupten verstand, so ist das ein neuer Beweis dafür, daß es nicht iNnzuüringen ist Dieses Ergebnis ist das schönste Inbiläumsgeschcnk, das die Wähler ihrer Part« zum 50. Grbrrrtstage barbringen sonnten. Das Zentrum ist nicht auf den Flugsand schnell wechselnder TagesmÄnungen aufgebcutt, sondern auf Quadern tief und fest verankert im Boden der deutschen Männer- mrd FrauenfeeLen, die nicht ins Wanken zu bringen sind. Es ist errichtet auf Grundsätzen, die gezeichnet sind mit dem Kreuze des Christentums und ausgefüllt sind mit dm hehren Gedanken der christliche»! Welt« anschauung. Das ist der Grund, weshalb die Zm- trumspartei bie zMerläsilgstr Wählerschaft hat. Bei uns verbindet Partei und Wähler nicht irgendeine ASflationskonjunktttr. Wir fühlen uns eins in den
gewandert, die mit 30 Abgeordneten in das preußische Abgevrdârchaus einziehen: ein anderer Teil hat den Weg zu der alten soziaDemvkratischen Partei zurück« gefunden, die infolgedessen ihre Stimmenzahl gegenüber der Reichâagswahl 1920 bedeutend vermehrt hat, wem, sie auch die Ziffer bei den Nationalwahlen nicht erreicht hat und 40 Sibgeorbnete weniger als seither in das Abgeordnetenhaus schickt. Der Rest — und bas sind Hunderttausend«, in Berlin allein 150 000 — ist von der Wahlurne ferngeblieben. Aus der Welt oer= schwurÄen sack) indes diese Masten nicht: so sehr man sich über diesen Rückgang freuen möchte, so tarm matt sich doch nicht verhehlen, daß zu dieser Freude erst dann hinreichend Aniaß vorhmiden ist, wenn die verdrossenen Slrbeifermafjcn, die diesmal nicht gewählt haben, wieder den Anschluß an eine staats- und versassungs« bejahende Partei gesunden haben. Es wird sich wohl in der Hmqrtfache um jene Wählerrnasfen handeln, die nach Krieg und Revolution sich der Sogktfbemofratie als dem aussichtsreichsten Faktor der neuen Zeit zu- wandten, die dann, als die Mrhrheitssozialisten die Vtrspinchungen von einst »richt halten konnten, noch einmal ben Lockungen der ll abhängigen erlagen, die «ber nun begreifen, daß sie in den letzten Jahren eitlen N^ahngebilden nmhgelaufen sind. _ In ihrer Enttäuschung haben sie den Weg zum Bürgertum noch »lickst zurücke? funden und such zu Hause geblieben. Im „ _
Ganzen genommen hat die Sozialdemokrstle der ver- > »m»ß. Allerdintzs ist es auch nötig, daß immer und fd-Menften N^chümgen im 'neuen Abgeoröneterchans immer wieder triefe wwerr'lckdaren Grurckfätze der micder 161 LbiZeardsrete, woöei allerdings zu berück- ^t-m. â fee fg triftend in der alten Parole — fichUßes, ist, daß die Zahl der Slbgecrdirden sich Wahrheit, Freiheit, Recht — zusamAlMgefaßt sind, um eimae vermehrt hat. Die Rcülsnsl-1 ö-su Lä-HIsrn vor Augen geführt werden. Nie und m.smmttunß^ zählte, 145 TÄchrheitssoziolistm urtb I nLmmer sollte es vorkonunen, daß, wir es leider ge« fchehea ist, manche Kreise das ZenÄMn deshalb verlassen, weil es auf allen Gebieten, besonders auch im Finanz- und Wmtschastsleben das Chrffivulmn zur Wahrheit, zur Tat machen will, weil es dafür eint ritt, daß die mit cküSerieSen Süfem gefielen Kreise die ungch-mre G§tÄff§RsoLraullogr-n«Z der Allgemeinheit Sesenliber erkennen. Öffentlich werden die Lwge- irrten Mb auf den alten Weg zurücktehren. Nicht zerstreuen, fürderu sammeln muß die Parole heißen, â kreise vsn' den sinfachsteu bis zu den höchsten zu gememsmuer Arbeit am Wohl des Baterlmèes
rnckrirrbaren Gnmdlagen unserer Politik, in deren Tluswirkmig vorübergehend einmal hie und da ab« weichende Meinungen auftreten können, die uns aber schnell wieder ^usanmMiLowMen lassen. Das ist auch des Rätsels Lösung, warum der Zenlrumspartri Lie icheraus drückende VerantWortung des Negierens in fer schweren Zeit so verhälttnomäßig gut besonnt: dls »8u>erfchtMerü.ch« Einsicht unserer Wöhtevrnsssecr, . le sich auch ^diesmal so glövM^ bewstzrl hat. Sie ist für die Partei der Ansporn, auch fürderhin den s-chwersn Weg der Pflicht zu gehen, der im wohLv-sr- strndenen Interests des Vaterlandes gegangen werden
> 3m Wahlkreis Heffen-Rasfau ergibt das vorläufige amtliche Ergebnis folgend« StimmenvertsÄung:
Sozialdemokraten 8 Sitze, Restftimnlm 22186.
Zentrum 4 Sitze, Reftstimmen 34 676.
Deutsche VslksparLÄ 4 Sitze, Reststimmen 17 916, DeulschnationÄe Dolkspartri 4 Sitze, Nestst- 16 063* Demokraten 2 Sitze, Reststimmen 12 648 Unabhängige 1 Sitz, Neststimmen 5422.
Kommunisten 1 Sitz, Reststimmen 5286. Wirischrrstspartei keinen Sitz, Resistimmen 8157. Christliche Volkspartei keinen Sitz, Reststimm. 1093. Gewählt sind: vom Z e n t r u m: Dr. S t e m m« ler, Rhiel, Schmit t-Mslârg und Fink. Dazu durch die Reststirnmen im Wahlkreisverband auch der 5. Kandidat Ee-MrWaftssLkceiür Sdiraiff, Zulda.
Bekanntlich setzen sich die Wahlkreise 19 (Hessen« Nassau), 20 (Köln-Aachen) und 21 (Koblenz-Trier) zum 9. Wahlkreisverband zusammen. Wie alle Par« feien, hat auch das Zentrum seine Wahl Vorschläge in diesen Verbandskr^s verbunden, wodurch über 80 000 Stimmen zirsammLNgekommen sind, so daß dadurch 2 Mandate, darunter eins für Hessen-Nassau dem Zentrum zufallen.
Für den Provinsiallandtsg entfallen nach dem vorläufigen Resultat auf bl( Hessische Aibeitsoemeinschaft 20, auf die Demokraten 4, auf das Zentrum 7, auf die Mehrheitssozralrsten 18, auf die Unabhängigen 1, auf bie Kommunisten 2, Die 7 Zentrumssttze derlei eu sich folgender maßen i Fulda erhälr 3 Sitze, Gelnhausen, Gerefeld, Hünfeld und Kirchhain je einen Sitz.
Das Ergebâ der Wahl im Kreise Fulda ist fülgSudes: Landtag: Zentrum 24 769 (1920: 23 790), Mchrh.-Ssz. 4024 (1736), U. S. P. 1180 (4359), D.'Nat. 1142 (1208), D. Bolksp. 886 (1242), Dsniokr. 797 (1131), Wirtschaftsp. 371 (0), Kommrun 248 (36). (Drs «ngeGamnierten Züchten beziehen sich tmf die Wahl vom 20. Juni vorigen Jahres.) —■ Provinziallandtag: Z 24 619, S 4192, Hoffsche Arb Es «es kAr-sch^i st 1986 U. S. P. 1164, Dernskr. 913. — Kreistag: 3 24 620, S 4192, Hess. ArbertLFem. 1976, U. S. P. 1164, Demskr. 924.
Diwvn enffallM auf die Stadt Fulda Land« tag: 3 6708 (1920: 6500), S 2355 (1174), DN 896 (781), D 668 (847), U 618 (2034), DV 710 (686),
24 Unabhängige, in $gs preußische ALgeordrveterchau» ziehen 111 Mshrher^ssgsi^ksten, 28 Unabhäneige und 30 Kommunisten ein. Ein weiler-, Merkmal der Wahl ist die Zunohn^s der Bet&fcpsr feien; im Osten sind es die Deutschnationalen, im Westen die Deutsche Bolkeportei, die einen ganz erheblichen Gewinn buchen kömren, sie sind von 71 Mandaten auf 129 gestern, wasei mrf die Deutschnatisnalen ein Zuwachs von 22, auf die Volkspartei ein solcher von 36 kommt, während die D?Wskrseen von 6-5 auf 25 gesurrksn sind effo eine Eiâtze von 40 Sitzen haben. Es wäre snMos, meirst die „Frankfurter Zeitring", die nach Gründen für den Rückgang der demokratischen Stimmen sucht, die zweifellose Wahlnisderlave der demo«
»tischen Partei irgendwie bestreiten eher beschönigen woben. Sie sei in den Wahlziffern zu deutlich ^™- und man habe auch nach der Stimmurm v-n ven Wahlen damit rechnen muffen. Aber trübem, ''^Ä.è« '^^ ^rmck» vor, wegen des jetzigen ß S» werden, „im bsmoftmitoen
g* Mr«« v^re Starke, um auch eme iuW .^ Periode zu überwinden". Bei dem Emuerm eii Krebsgang der Demokraten gchört dazu ^^ ^^J^' ^r âstsparlelen hatten es leicht mit der Agitation. Für alles, was in Preußen un- err^üch ist, mchdns ist nach Krieg und Revolution u. «i dem Druck der Feinde sehr viel — hobc-r, sie die Rsgrerimgs Parteien verantwortlich gemaüst um, mit
'Lebensart „es muß anders werden", sich a[5 ^n Styler aus aller Not dem Volke empfohlen. Bei der Zerrtruknswählerfchast haben, sie damit stel.ich keine Geschäfte gencacht, nicht aber bei solchen ^ân, die keine festen Grundsätze kennen und den
und des Volkes. Wir brauchen uns der bisherigen Leistungen nicht zu schämen. Die Partei kann zrrmr unter tsm Druck der Groemvart nicht von Heule auf meinen eine glänzende Zukunft hervorzaubern, aber kraft ihrer Grundsätze und ihres eisernen Willens ver» mag sie in zäher mwerLroflaner Arbeit Land und
Volk aus dem ClrnL Moder zu glücklicheren zu Khrr.n
DM«n lres zum ZsL-xum aK^cli.
Die Zuss-KiAenletzung des LandlsZS
Togen
ist nach den letzten Meldungen solgendermaßen r
Z ntrmu . ,...,, Sozialdemokraten. . , . .
Demokraten ...... Deu:schnativnale. . . . .
Deutsche Volkspartst . . .
Unabhängige ...... Kommunisten . . . , . .
Wiitschaftspactei . . . , .
Welfen u. SchleSwig-Holsteiner
83 m
£5 73
56
28 30
9
6
dn »md am meisten verspachen, wenn sie auch.
Der neue Landtag zählt 414 Mitglieder gegen bisher 402,
DW 348, K 26 (18). — Provinz: S 2476, Hess. Arb. 1529, D 725, U 612. ■ 3 6692, S 2476, HA 1559, D 786, U 612.
Auf drr LKidßS^ekkd«» drs krefissr
3 6693,
Land
tag: 3 18 061 (17 290), 6 1669 (582), DN 246 (781), U 562 (2325), DA 176 (686), D 129 (234), DW 23, K 222 (18). — Provinz: Z 17 926, 6 1716, U 552, Hess. Arb. 387, D 188. — Kreis: 3 17 628, S 1716, U 552, HA 387, D 183.
(Die „Hessische AâstsMnânfchaft" sind die vee- emsgiLy DmLfchrmtisrralLN u. Dsuffchs VvlksparteÄer.) Die WatziÄelsWWitg war WeraL fHr rege. In der Stadt 3rulbat hat sie 84 Prozent betragen. In einzelnen SLwâbszlrkerl betrug sie über 90 Prozent. FÄ den Äreis-r^f Jrâa smtz AswLtzlt: 19 Vertreter der
3® tirutn sportei (Soru», Bürgermeister, Rex,
8lrnd,
I &«l, K«iMMM, MM-S, Vieth, Landwirt und Bür- AerMerstsr, Lar^enÄâsr, Vogel, Magnus, Mrtallar«
Leiter, SSetersberg, Dr. Antoni, OberbÄtzennsister, Fâs, Schmu, Schr«L-MN«Psr MÄ HAtnrr, Dieters» hrWsM, AppÄ, Bürssrni«stsr u. LanÄwirt, Blankenau, Schmitt, Eduard, KkrHnarm, Fulda, Möller, Wilhelm, Mmrrer, Ws^r«, Wspmk, Hsinr., Gutsbesitzer, Trätzhof, 6«nf£l, Karl, ME^errnePsr, Fulda, Ärgei, Loi., La^ät, Z«L«^ch, L^smarrn, Lehrer, Salzschlirf, Frank, VÄlsvsrâis^rstär, FaKs, Schüler, Schmieds- meister, Malkes, KnMsch. Bürgern^ister und Larrs- Wirt, Soffa, Schickelanz, Arbeiter, Neuhof, Bub, Isf., LrsÄMÄt, Märkalbach, WdigmseLd, Schuhmacher« meUter, Engeihckms, 3 ScHaldemokraten (MilM, WÄ8gsrcker, Ronde), 1 Unabhängiger (Auth-Nreder- kalbach), 1 Boma tret (Rogner), 1 Vertreter der Hef» fischen Arbe-itsgenEk-fchLft (Köhler).
Für den Provinztallandtag sind vom Zen- truurswahlvorschlag gewählt dfe Herren Breiden« b st ch, Darlchnokasienrechner, Großenlüder, Dr. Antoni, Oberbürgermeister, Fulda, und Dr. Graß»