Deutscher Keich. I
In bei Ablehnung der ungeheuren Geldsorderüttgen. I wie sie in den Pariser Beschlüssen der Entente uns auf» erlegt werden fallen, ist das ganze deutsche Volk einig, selbst die Kommunisten wagen nicht, die Forderung von 3% Billionen Papiermark und die Unterdrückung unsrer Aussuhr durch die 12prozentige Abgabe als berechtigt und als durchführbar zu erklären. Inzwischen ist seitens der Entente die Einladung unserer Vertreter nach London zur Konserenz am 1. März erfolgt. Deutschlaird hat sie angenommen unter der Bedingung, daß die deutschen Vorschläge, die zurzeit ausgearbeitet werden, ebenfalls zur Verhandlung kommen, denn die Pariser Forderungen können wir nicht als Grundlage der Verhandlungen anerkennen, darin war sich die Reichsregierung mit den Vertretern aller Einzelländer, die in Berlin versammelt waren, einig. Gewiß, wir müssen unsere Feinde entschädigen — wir sind die Be- siegten — aber die Wiedergutmachung muß in vernünftiger Grenze bleiben und darf unsere Kräfte nicht übersteigen. Auch neutrale Blätter — selbst solche, die nicht weniger als deutschfreundlich sind — geben zu, daß die Forderungen der Entente mindestens doppelt so hoch seien, wir sie das Waffenstillstandsabkommen zulasse, das als einzig bindend für Deutschland angesehen werden müsse, da die Deutschen im Vertrauen aus dieses sich ergeben hätten. Der Wert des zerstörten französischer Gebietes, das übrigens nicht mehr als ein Fünf- un-dzwanzigftel Frankreichs betrage, werde allein durch die Eisen- und Kalilager Elsaß-Lothringens Übertrossen. Dazu kämen die Kohlenzufuhren und die wertvollen Lslouieo, die man Deutschland geraubt hat. Auch ohne jeden Schadenersatz könne Frankreich seinen Verpflichtungen leichter nachkommen als Deutschland. Die „Züricher Zeitung" (Schweiz) bezeichnet das Vorhaben der Entente als „eine europäische Schmach". So ist es auch. Ganz richtig ist kürzlich behauptet worden: „Lloyd George und Briand wollen den Friedensoertrag von Versaill-s zum Schlaraffenland ihrer Enkel und Urrnket wocheu." Mit lüsternen Blicken betrachten sie bas seltene Schauspiel, wie ein gehetztes Volk zum Lohnfklaven herabgedrückt, noch zwei ungeborene Generationen ihres Geichiechtes Frohndienfte leisten muß, wie eine durch Krankheit, Hunger und Krieg sieche Station bis ins dritte Glied eine Schuld büßen muß, die sie nie und nimmer verschuldet.
Nicht ganz einig
ist man über best andern Punkt der Enlenteforderun- gen, der sich auf die Entwaffnung und Lluflösung der -Einwohnerwehren bezieht, die vom Feindbund als end- Mlttg erklärt wird, sodaß darüber in London nicht mehr verhandelt wird. Die Reichsregierung und mit ihr die deutschen Länder außer Bayern stehen auf dem Standpunkt, die loyale Erfüllung dieses Teils der Pariser Forderungen zuzusagen, da sie dies für möglich halten und weil wir uns m Spaa ausdrücklich dazu verpflichtet hätten. Die bayerische Regierung erblickt jedoch nach wie vor in der Einwohnerwehr eine zurzeit noch unentbehrliche Krücke für die Erhaltung der SlaalsautorllSt und zum Wiederaufbau und ist mit der Mehrheit des bayerischen Landtages der Meinung, die Reichsregierung hätte auch jetzt noch nach dem Pariser- Diktat auf ihrem Standpunkt, den sie im Dezember eingenommen hat, stehen bleiben und beide Teile desselben gleich ^handeln und für gleich unannehmbar ^klären müssen. Deshalb hat sich Ministerpräsident Kahr auf der Konferenz der Staats- und Mimsterprä- j.deuten in Berlin ablehnend verhalten. Doch suchte man in mehrtägig-n Beratungen des bayerischen Mi- nisterratesund der Koalitionsparteien einen Ausweg, der die beiden sich widerstrebenden Meinungen einiger» mapen ausgleicht. Die bayerische Regierung bleibt nach wie vor grundsa^ch auf ihrer Ansicht stehen, wird aber der Reichsregierung keinerlei Hinder- msse in den Weg legen, die nach ihrem Gutdünken nö» lugen und möglichen Bedingungen der Pariser Ent- waffnungsvorschristen zu erfüllen. — Sie schiebt also der Reichsregierung die ganze Verantwortung für die Entwaffnung und Auflösung der Wehren zu.
Venn Generäle Politik treiben
gibt es Unglück oder Dummheiten. Das haben wir im Kneg erfahren, wo das Militär in die Politik Hin- emregiert und uns schließlich in den Abgrund geritten bat. Auch von der inneren Politik sollten die Generäle
sich fernhalten, es kann einer ein ganz tüchtiger Soldat und dabei doch ein sehr schlechter Politiker sein. Dem General Keim mit seiner Flottenvereinspolttik, den verschiedenen Generälen, die im Evangelischen Bund und im antiultramontanen Reichsverband das große Wort führten, hat s«h jetzt auch der katholische General Herr v. Gallwitz angefchlofsen, der an der Spitze des deutschnationalen Kolholcken-Ausschusses in Berlin steht und von dem Anschluß der Katholiken an die Deutsch- nationalen sich alles Heil verspricht — ausgerechnet von der Partei, in her der einseitige protestantische katholikenferndtiche Geist mehr als in jeder anderen von maßgebendem Einfluß ist. Wenn Herr o. Gallwitz zum soundsovieltenmÄe behauptet, das Zentrum habe durch sein Zusammengehen mit der Sozialdemokratie größeres Unheil verhüten wollen, in Wirklichkeit sei es aber von der Demokratie und dem Sozialismus mitgezogen worden, so ist das schon ost widerlegt worden. Sollte Herm v. Gallwitz die tolle Politik der Demschnationalen, die sich in Berlin jüngst z. B. darin gezeigt hat, daß ein Teil der deutschnationalen Stadtverordneten für den „unabhängigen" Bürgermeister Kandidaten Dr. Weyl gestimmt hat, wirklich
^gssasBBEgessHeMeesHBaBsgâiasaB^ j* Oer heutige Sonntag, 1
I der 20. Februar, ist ein Schicksalstag für |
I Preußen, heute fällt die Entscheidung für |
I die nächsten 4 Jahre. Geh’ zur Wahl I
§ und wähle Zentrum, dann hast Du Deine |
9 Pflicht und Schuldigkeit getan. I ^4£sssw&sa9a&a3&eHU6saa£B$Ba«s$*^ lieber gewesen sein als die mühselige, von Erfolg gekrönte und übrigens auch von den Bischöfen Deuisch- lands nach der kirchenpolitischen Seite hin dankbar anerkannte Arbeit, die das Zemrum in den beiden letzten Jahren geleistet hat, um zu verhindern, daß der politische Wagen, aui dem das Geschick Deutschlands fuhr, in den Abgrurrd des politischen und religiösen Radikalismus hinabrollte? Mit derartigen Phantastereien, die jeden Blick für die politischen Möglichkeiten in Deutschland vermissen lassen, ist dem Volke nicht geholfen. Wir waren, sind und bleiben der Meinung, daß den natl. Interessen nur durch eine Politik der Versöhnung und des Ausgleichs, durch eine Politik sozialer Gerechtigkeit, wie sie das Zentrum vertritt, wirklich ge» bient ist.
Um die Sendung der 742 amerikanischen Milchkühe, die dieser Tage in Bremen angekommen sind, hat sich besondere Verdienste erworben der Präsident des Zentralvereins deutsch^: Katholiken in Nordamerika, der Richter Michael F. Girten in Chicago. In einem Brief an die kath. Schriftstellerin El. Haupt schreibt er, daß mit dieser Sendung die Probe gemacht werden sollte, ob es besser ist, Kühe von Amerika zu schicken, oder ob sie in Holland und Dänemark gekauft werden, und von Amerika nur Kraftfutter geschickt wird. Der Zentralverein ist nod) immer emsig am Sammeln für die Deutschen und Oesterreicher. Auch helfen wir den Vertretern des Bonifaüusvereins, die die Bischofskonfe- renz in Fulda nach Amerika schickte. Und jetzt wird noch unter den anderen (nichtdeutschen) Katholiken gesammelt, da die Bischöfe Amerikas einen Aufruf dazu erlassen haben.
In Sachsen
hat der neue Landtag vom 14. November 1920 mit seiner sozialistischen Zufallsmehrheit von zwei Abgeordneten dem schwergeprüften Lande eine Regierung aus SPD. und USPD, beschert, die dem Winke der Kommunisten gehorcht. Denen verdankt sie ja ihr Dasein. „Regiert" wird aufs röteste, so rot, daß sogar die rosaroten Demokraten in die Opposition gegangen sind. Der Kampf der Roten geht gegen jegliche Kultur, in erster Linie die der Kirche. Als Kultusminister amtet der Tischlergeselle Fleißner (USP), der sächsische Adolf Hoffmann, ein Heide. Er läßt sich seine Sendung gegen Christentum und Kultur recht angelegen sein. Zwar ist Sachsen noch nicht so weit und wird auch nicht dahin kommen, daß, wie einst in Frankreich, die Priester für vogelfrei erklärt und die Kirchen in Ställe umgewandelt werden, aber es gibt noch andere Mittel und Wege, dem verhaßten Gott und seinen Knechten
das Wasser abzugraben, denkt Fleißner. Darum erklärt er im Landtage, er werde es schon einrlchten, daß bei der Trennung von Kirche und Staat der letztere nicht zu kurz komme, barum jagt er in einer Lehrersersammlung unter Beifallsstürmen (1), er werde dafür sorgen, daß der letzte Rest kirchlichen Einflusses aus der Schule verschwinde, darum fordert er entgegen der Reichsverfassung von den Eltern der ABC-Schützen eine bindende Erklärung, ob ihre Kinder am Rett- gWNsunterricht teilnehmen sollen oder nicht. Jm Früy« fahr werden die wildesten Gesetzesvorlagen bem Landtage zitgehen. Man will eine wüste Masse von Mit- und Nachläufern heranziehen, die gut und bos nicy! mehr zu unterscheiden vermag. Das ist die Sozial- semskralie, wo sie die Macht Hal, da zeigt sie sich in ihrer wahren Gestalt rabialesler Kirchen- und 2te» ligionrfeindlichkeit.
Kurland.
Gestorben
sind die Kardinäle Cemassei, Patriarch von Jerusalem, der erst am 15. Dezember 1919 mit dem Purpur geschmückt wurde uub der auch in Deutschland bekannte Kardinal Ferrari von Mailand (bei vor kurzem schon einmal rotgesagt war), der noch unter Leo XIII. 1894 Kardinal wurde. Er war ein Mann von ausgesprochen sozialem Empfinden. In lebhafter Erinnerung ist noch seine Teilnahme an vom eucharistischen Kongreß in Köln und an Dem Katholikentag in Essen, wo er in einer Ansprache Die Arbeit und Organisation der Katholllsn Dem -ch» lands als vorbildlich für die ganze Welt hinstellte; damals sprach er das berühmt gewordene Wortt Germania docet (Deutschland lehrt uns).
Der Präsident der Polnische» Republik
war dieser Tage als Gast in Paris. Zu seinen Ehren wurde am Tage seiner Ankunft in sämtlichen Volksschulen ein Vortrag über die polnische Geschichte gehalten, wovon die ABC-Schützen.sicherlich viel bei- Itanben haben werden. Aber die Franzosen versehen sich auf Theathralik, das muß ihnen der Neid lassen
Harding,
der zukünftige amerikanifche Präsident erklärte vor einigen Tagen, keine Regierung könne gerecht sein, wenn sie nicht eilten Kontrakt mit bem Allmächtigen habe, und der Hauptmangel des Versailler Vertrages fei nach seiner Meinung, daß in dem Begrisfsbereich dieses internationalen Dokuments keine Anerkennung Gottes zu finden fei. An einem guten gegenseitigen Verhältnis der Nationen müsse man verzweifeln, so lange nicht unter ihnen allen der gemeinsame Wunsch herrsche, das höchste Wesen anzuerkennen. Alle Achtung vor dem Marrn.
Wahlbewegung.
Mn ssA ich wüPen?
Das ist die ernste Gswissenfrage, die du dir am 20. Februar
vor legen mußt. Von allen Seiten wirst du umworben und umschmeichelt, Flugblätter aller Art drückt man dir in die Hand, um dich zu gewinnen. Da heißt es mit ruhigem Blut und kühlem Verstand die Entscheidung zu treffen.
Der MilèekWcg ist immer der beste.
Wer auf der Straße zu weit rechts oder links ab» biegt, der läuft Gefahr, daß er mit dem Kopf an die Häuser rennt oder draußen in den Chaussecgraben stürzt. So ist es auch im politischen Leben. Weder von rechts noch von links kommt das Heil, es kommt nur aus der Mitte — vom Zentrum.
Die Rechtsparteien
führen neue Namen, aber die neuen Fassadenin.schriftsn durchschimmern doch noch die alten Namen. Wir sehen deurlich das Wappen des alten Liberalismus, und man braucht nur
das Wort Kulturkampf auszusprechen, um die Bekanntschaft mit dem, was hinter diesen Namen steckt, wieder aufflackern zu lassen. Gebrannte Kinder scheuen das Feuer. Was sich heute als deutsche Volkspartei präsentiert, ist nichts anderes als der alte Nationalliberalismus und die Partei, die