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Aus den Tod eines Lan-geijtlichen.

Don Ludwig Uhland.

Bleibt abgeschied'nen Geistern die Gewalt, Zu kehren nach dem ird'schen Aufenthalt, So lehrest Du nicht in der Mondennacht, Wann nur die Sehnsucht und die Schwermut wacht; Nein, wann ein Eommermorgen niedersteigt, Wo sich im weiten Blau kein Wölkchen zeigt, Wo hoch und golden sich die Ernte hebt, Mit roten, blauen Blumen hell durchwebt, Dann wandelst Du, wie einst, durch das Gefild Und grüßest jeden Schnitter freundlich mild.

Der Traum der MissionsschMster.

Stille Abendschatten neigen sich leise über ein Mis­sionshospital im Innern Chinas. Tag um Tag hatten dort zwei Schwestern dem Arzte geholfen, die auswärti­gen Kranken zu bedienen, die im Vorzimmer des Ope- .alionssaales behandelt wurden. Dir eine der beiden hatte heute wieder so hohes Fieber gehabt, daß sie sich pe^en Mittag nicht mehr aufrecht halten konnte. Die andere hatte, wie schon so oft, versucht, doppelte Arbeit zu tun. Jetzt sinkt sie erschöpft in einen der Lehnsessel auf der Veranda, von wo wegen der zunehmenden Li bendkühle ihre Pflegebefohlenen sich soeben zurückge-

. icn haben Noch ein knappes Viertelstündchen, und . ir Glocke wird zum Abendgebete läuten. So nimmt p2 ihren Rosenkranz, und wie die Körner sacht durch ihre müden Finger gleiten, finb ihre Gednken ganz in ue schmerzhaften Geheimnisse vertieft.

Ihre Augen haben sich im Schlummer schon lange geschlossen, aber die Lippen bewegen sich noch und spre­chen stumm: „Der für uns das schwere Kreuz getragen hat." Da steht sie im Traume mit einem Male wieder im Warteraum der Kranken. Der letzte Patient ist noch übrig, ein armer Kuli (chinesischer Lastträger), der geduldig harrt, bis der Arzt oder die Schwester ihn mit den Augen herbeiwinkt.

Der Kuli auf dem äußersten Ende einer hölzernen Bank. Sein Mund ist halb geöffnet, der Unterkiefer hängt schlaff herab. Die hinaufgezogenen Knie hält ec mit den Armen umschlungen, als fürchte er, daß ent- weder die Bank oder sein eigenes Skelett plötzlich zu- iarnmenbreche. Er stiert mit seinen Augen ins Leere. ~ an möchte es für unmöglich halten, daß ein Mensch, so ans gemergelt und verdorrt, noch leben und atmen konnte. Er leidet an einer Krankheit, die in China sehr verbreitet ist Hin und wieder wird sie zu einer Seuche und verheert ganze Landstriche. Der Kuli leidet an Hunger, an andauerndem, auszehrenden Hunger.

Die Schwester fragt den Arzt, was man mit dem armen Geichöme, hem sonst nichts gebricht, tun solle. Der Doktor meint, die Schwestern möchten ihn viel­leicht eine Woche lang behalten, um ihn aufzufüttern. Zwar sürd alle Säle jnit Kranken überfüllt, aber die Schnester erklärt, es ließe sich in einem geschlossenen Gange noch ein Plätzchen zurecht machen. Sie wendet sich zum Kuli und ladet ihn ein, ihr zu folgen. Müh­sam erhebt sich der Ausgehungerte, und nachdem er sein dürres Gebein in ein unstetes Gleichgewicht gebracht, schiebt er sich langsam gegen die Türe zu. Was immer ihm in den Weg kommt, muß ihm als Stütze dienen.

Schwester (sich erinnernd, daß der Kuli noch keine Aufnahmekarte erhalten hat): „Warte einen Augen­blick Du mußt eine Karte haben. Wie heißt du?"

Kuli (ein wenig zögernd und mit zitterndem, fleisch­losem Arm sich an die Türklinke lehnend): „Erkennst du mich nicht wieder? Mein Name? Ich heiße Jesus."

Schwester (in fragendem Staunen): „Jesus?" Dann (voll Wonne und Ehrfurcht): „Jesus!"

Mit dem Namen des Heilandes noch auf den Lip­pen, erwachte die Schwester. Sie hatte geträumt. War es aber nur ein Traum? Ihr Herz war mit fühlbarer Lcugkeit überströmt. Nein, es war kein bloßer Traum, nein 'in tiefster Seele war sie die Wahrheit inne ge- worben: „Was ihr den Geringsten meiner Brüder tut, das habt ihr mir getan."

•r e/'^ JÜr- "^ ?QS schwere Kreuz getragen hat," ch.-s ert. sie im Gebete weiter. War sie noch müde? ^'^ war sehr müde Aber wie zufrieden, wir üucklnh war sie dabei, daß sie die Liebe ihres Heilandes ind Bräutigams mit gleicher Liebe erwidern konnte — ~ Christliche Leser, rund 3000 deutsche katholische Schwestern gegen 4GZ> der Vorkriegszeit) befinden sich leute noch in den verschiedensten Ländern der 5)eid<n. r-ie alle sind der katholischen Mission von unberechen­barem Nutzen durch dir Werke der Nächstenliebe, die sie mter den Heiden verrichten. Nicht selten vermag eine Schwester mehr zu erreichen als ein Missionar. Bei brer Tätigkeit sind sie auf deine Mithilfe angewiesen, W dieselbe müßten sie ihre Arbeit einstellen. Gerade n der gegenwärtigen schweren Zeit, die sie gleich uns

durchzumachen haben, dürfen wir sie nicht verlassen, son­dern müssen sie besonders kräftig unterstützen. Ihr Werk ist sonst gefährdet. Ihr lieben Frauen und Jungfrauen, gebt darum auch ihr «in Missionsnotopf-r oder sammelt ein solches in euren Vereinen und Kon­gregationen. Sendet dasselbe durch Zahlkarte auf das Santo Nr. 82 014 des Pucstermisfionsbundes in Fulda bei dem Postscheckamt Frankfurt (Main) oder gebe es in der Acliendruckerei Fulda ab, dir dasselbe weiterleiten wird. Des Segens Gottes sowie des dankbaren Ge­botes der MifsionLschweftern und ihrer Pfleglinge dürst ihr euch gewiß halten. Ein eurer Gabe entsprechendes schönes Missionsbuch wird euch alsbald portofrei zu­gehen. ____________

„ . . . sreiheiL!"

Im Treppenhaus von Nr. 27 in der Köterstraße ging es lebhaft zu. Alle Hunde der Nachbarschaft hat­ten sich versammelt. Sie wollten sich organisieren.

„Mithundel" bellte Karo, der Pudel des Professors im zweiten Stock. „Das darf nicht so weitergehen! Das ist ja kein würdiges Hundeleben mehr, das wir führen. Das Fressen ist unterm Hund und s-gar die Wursthäute find aus Papier!"

„Sehr richtig!" stimmte der Windhund des Leut­nants von Dünkel bei. „Hunde von edler Raste und Erziehung, wie mir, müssen auch entsprechenden Lohn für ihre Arbeit fordern."

„Was wißt ihr mit eueren Kunststückchen von Ar­beit!" knurrte verächtlich Pluto, die große Dogge. „Ihr solltet einmal bei meinem Metzger sein! Aber seit der auch noch die paar Knochen den Kunden gibt, mag ich nimmer. Wenn ein Hund nicht reichlich zu fressen kriegt, zeigt er die Zahne! — Wauwau!"

„Wohlgebellt!" keifte ein fetter Mops. „Wir müs­sen dem Menschengeschlecht Ernst zeigen, sonst verhun­gern wir noch alle miteinander."

„Du und verhungern!" höhnte ein Spitz. „Daß doch die Dicksten stets am ärgsten jammern! Ich mein', du hast's nicht schlecht bei deiner verliebten alten Jungfer."

„So? Wo ich jeden Brocken, den wir noch erham- stern. mit ihr teilen muß? ^ei nur du still! Wir wissen alle, wie die Silbersteins schlemmen."

„Die schon. Aber ich?! Früher gab's wenigsten» Kuchen. Seit aber der auch Brotmarken kostet, soll ich mich alleweil an Eeflügelbeinen fattfreffen, die ich nicht mag. Und die werden erst immer dreimal aus­gekocht"

„So eine Gemeinheit!" bellte alles entrüstet durch­einander.

Ein^leiner Schnauzl aber meinte trübselig: „Ach, nicht nur, daß tue Menschen uns jeden Bissen miß­gönnen, auch ans Leben wollen sie uns. Gestern hab' ich unser Fräulein zu seiner Mutter sagen hören: Ich mein', wir sollten den Schnauzl ablun. Das Vieh frißt uns arm, und für mich gäb's einen guten Muff."

„Unerhört!" heulten alle.

Pluto aber nieste ernst mit feinem dicken Kopf. „Es ist schon 10! Wollt' ich die Geheimnisse meines Metzgerladens ausplaudern — sogar unserm wohl­weisen Pudel mürben die Schnürln zu Berge stehen . . Ihr habt doch alle den Hektor und die Zamba gekannt?"

Freilich hatten sie das, und der Schnauzl fragte bang: „Was ist? Ich hab' schon allweil gedacht, warum die Zampa sich gar nimmer sehen läßt?"

Da sah Pluto einen nach dem andern finster an mit seinen bösen, blutunterlaufenen Augen, dann stieß er grimmig zwischen den langen Zähnen hervor: „Weil der Meister den beiden das Fell abgezogen hat! Den Hektor hat er als Geiß verkauft, die Zampa aber, Schnauzl, hat deine Geheimrätin gestern als Wild­braten verzehrt."

Entsetzt fuhr der arme Schnauzl zurück. „So waren die Knochen, die ich gefressen, also die meiner geliebten Zampa?"

Und nun warf er den Kopf zurück und begann ein jämmerliches Klagegeheul, in das sofort die ganze Ge­sellschaft aus Leideskräften einstimmte.

Es war ein schauerliches Konzert. Fenster wur­den aufgerissen oder eilig geschlossen, und aus dem ersten Stockwerk stürzte ein Mann mit einem Prügel. Beim Anblick der zähnefletschenden Versammlung aber kehrte er schnell wieder um.

Pluto triumphiere. „Seht die Angst! So hab' ch einmal eine Menge Leute davonloufen sehen vor einem winzigen Hund, der toll geworden war. Drum sag ich: Toll müssen wir alle werden! Dann ist der Sieg unser! Wauwau, wauwau!"

Der Pudel hob beschwörend die Pfoten. „Keine rohe Gewalt, Freunde! Nur Klugheit führt zum Ziel und Einigkeit! Alle für einen, einer für alle!"

„Einer für alle? Das gefällt mir!" brummte Pluto, und alle bellten Beifall!

„Hört, hört!" kläffte der Spitz. „Alle für einen, Frei­heit für alle!"

Ein Dackel verlangte: Freie Jagd! und ein struppi­ger Köter von unsicherer Abstammung: Freie Liebe! Der Mops aber wollte: Gleichheit! Sein Unterschied der Hunderassen mehr, — welche Anmaßung ihm vom Windhund einen verächtlichen Blick und von Pluto eine derbe Ohrfeige eintrug. „Ich will dir Gleichheit geben, du Knirps! Aus einem Mops wird (einer Lebtag feine Dogge. Und ihr anderen bell! keinen Unsinn! Sagt's gerad heraus: Fressen wollen wir! Fressen, was jeder will und so viel er kann. Freßfreiheit, das soll unser Stichwort sein! Wauwau, wauwau, wauwau!"

Ei, wie das einschlug! „Freßfreiheit!" heulte alles begeistert.

Nur Karo schüttelte mißbilligend das Haupt. „Mit­hunde! Laßt uns doch auf dem Boden des Möglichen bleiben! Was nützt Freßfreiheit, wo er nichts zu fres­sen gibt?"

Doch feine Ermahnungen verhallten im rasenden Lärm oder weckten nur ein Echo von wüsten Schimpf- reden. Wäre cr ein Mensch gewesen, so hätte er sich vermutlich eine halbe Stunde lang gegen dir Opposition heiser geschrien. Da er aber nur ein närrischer Pudel war, schwieg er und dachte: „Wer nicht hören will, dem ist nicht zu helfen. Und die ärgsten Kläffer behal­ten ja doch immer recht."

Während alles so tobte und wild durcheinander­sprang, kauerte der bekümmerte Schnauzl in einem Winkel des Hofes und weinte bittere Tränen seiner geliebten Zampa nach, deren zarte Gebeine ihn jetzt schwer im Magen drückten Auf einmal aber kam er wieder gelaufen. „Pst, es kommt jemand!"

„Wer? doch nicht mein Metzger?" brummte Pluto beklommen und erschrocken.

„Nein, nur das Nähmüdel vom vierten Stock, das aus der Volksküche das Esten bringt."

„Das jagen wir ihr ab!" kläffte der Dackel. „Ver­steckt euch, schnell!"

Kaum hatte das ahnungslose Mädchen den Flur be­treten, da stürzte die ganze Meute auf die Aermstr los, so daß sie entsetzt die Töpfe wegwarf und kreischend daronrannte. Die Köter setzten ihr noch einige Schritte kläffend nach, dann kehrten sie um und wollten sich über das leckere Mahl hermachen.

Doch, was mußten sie da schènl Breitspurig, mit weit- gespreizten Seinen, stand die Dogge über der Peute und wies mit Knurren, Zähnefletschen und furchtbarem Augenrollen jeden zurück, der sich nähern wollte.

„Was soll das heißen?" begehrte entrüstet der Pu­del auf, „Haben wir nicht ausgemacht, hast du es nicht selbst geschworen: Alle für einen und / ."

„Linh einer für alle!" kurrte Pluto. Und der Eine bin ich und fresse für alle Und ich möchte keinem raten, mir nahezukommen, ehe ich satt bin!"

Dann schleckte und schluckte er wieder, daß ihm fast die Augen aus dem Kopf quollen, und seine hung­rigen Genossen kauerten winselnd um ihn herum und sahen ihm mit triefenden Mäulern zu.

Der trübsinnige Schnauzl war der letzte, der sich eingesunken. Trotz Liebe und Gram hatte der Speise- duft seine Freßlust geweckt. Als er die seltsame Gruppe der eben noch so eng Verbündeten bemerkte, machte er verwunderte Augen. Dann aber — ja, was kam ihm baun nur in den Sinn? Hatte der Schmerz ihn verwirrt? Ober spukten ihm die Reden von Freiheit und Gleichheit noch im Kopf? Oder war er seines klei­nen Lebens überdrüssig?

Er schlich sich an den Gewaltigen heran und suchte nach einem Knochen zu haschen. Da schnappte die Dogge nach ihm mit scharfen Zähnen, und jämmerlich heulend hinkte der unglückliche Schnauzl in eine Ecke.

Dort saß er nun, leckte sich die Wunde und winselte: , Und so was nennen sie dam, FreßfreiheiÜ"

(Aus der „Köln. Volksztg.'")

vom verschiedenen Wert der guten Werke.

Die guten Werke, die man bloß aus einem Natur­trieb verrichtet, sind natürliche Werke.

Jene, die man aus Gewohnheit, ohne höhere Mei­nung verrichtet, sind mechanische Werke.

Jene, die man eitler Ehre wegen verrichtet, sind Hochmutesüstden

Jene, die man aus Eigennutz verrichtet, sind mensch­liche Schwächen.

Jene, die man aus einer vernünftigen Ursache ver­richtet, sind höchstens sittliche Tugenden.

Jene, die man aus dem Glauben, um Gottes willeki verrichtet, sind allein christliche Werke, vor Gott ver- dienstUch und des ewigen Lebens würdig