Der Wahlaufruf der preußischen Sentrumspartei
ist erschienen. Nach einem Rückblick auf das, was durch ihre Mitarbeit und vielfach durch ihre Anregung geschaffen ist, weist er hin aus die
großen Aufgaben des künftigen Landtags, die es unbedingt nötig machen, daß ein starkes Zentrum in ben neuen Landlag einzieht. Das gilt zunächst im Hinblick auf die kulturpolitsche Ausgaben.
Lassen wir uns nicht täuschen durch die Beteuerung, niemand denke an einen Kulturkampf. Die bisherige Schulpolitik im neuen Preußen redet eine andere Sprache. Eine Linksmehrheit im Landtag würde die restlose Beseitigung des kirchlichen Einflusses aus die $d)u e, das Ende der kockfejiconäten Lehrerbildung und die äußerste Erschwerung der Lebensbedingungen der konfessionellen Schule bedeuten. Man sage nicht, die Abwehr dieses Radikalismus werde auch ohne ein starkes Zentrum möglich fein Welch andere Partei als das Zentrum leistete de^ völligen Auslieferung der Schule an den Staat noch mannhaften Widerstand?
Welche andere Partei kämpft für das unschätzbare Gut der Un'errichlssreihrlt? Welche andere Partei tritt so beharrlich und entschieden für die geheiligten Rechte der Eltern und der Kirche auf die Schule ein, wie das Zentrum es während des halben Jahrhunderts seines Bestehens getan hat?
Ebenso notwendig brauchen wir ein starkes Zentrum für die vom neuen Landtag zu erledigende
Derwallungsreform.
Wir verlangen eine durchgreifende Dezentralisation srr Verwaltung unter gleichzeitiger wesentlicher Er- weite^mg der Se bstverwottung in Provinz, Kreis unö Gemeinde. Ohne die energisch vorwärtstreibende Mitarbelt einer starten Zentlumsfraktion wäre an eine Erfüllung dieser Forderungen nicht zu denken. Schon der den Verfassungsverhandlungen hat sich gezeigt. daß das Zentrum der entschiedenste Gegner bürokratischer Zentralisation und der entschlossenste Vorkämpfer der Selbstverwaltung ist. Die trostlose Finanzlage des Staates erfordert eine umsichtige und gewissenhafte
Finanzpolitik.
, - Das Zentrum bürgt mit seiner ganzen Vergangenheit dafür, daß es alles aufbieten wird, um die Lasten gerecht zu verteilen und die schwächeren Schultern mög- lichst zu schonen. Um geordnete Finanzverhältnisse herzustellen, wird es im gesamten Staatshaushalt auf äußerste Sparsamkeit bringen.
Aber was würde es helfen, den Staat zu retten, wenn das Volkzugrundeginge? Die trostlose wirtschaft, liebe Lags, die Teuerung, vor allem auch die Wohnungsnot, das alles hat verheerend und zerstörend gewirkt Es muß alles geschehen, um dem Unheil -Einhalt zu tun J**^' »"Volk und s«, ist di« §2X1$ Wr muß darum ine Hilfe einsetzen. Umfassende
Fürsorge für Muller und Kind, siir das körperliche und seelische Wohl der Jugend ist die % und wichtigste Aufgabe aller Wohlfahrtspolitik. RärfikÄ^ ^ß überwunden werden durch Iän J rfiP (^ des Wohnungsbaues und planmäßige
L„2^ Zur Bekämpfung der erschreckend
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Wir zählen dabei zumeist auf die christ iche Frouenwelk.
Unser Volk braucht Gattinnen und Mütter die ihm das Heiligtum der Famills wieder aufdouen, die das yeranwachfende Gcschiecht zu Gottesfurcht und christ- 9^* lmd Sitte erziehen. Es braucht opferbereite Helferinnen für alle Not und alles Elend. Was geschehen kann, um ihnen diese hohe Mission zu erleichtern wird das Zentrum staubig tun. Es kämpft für Frauen- ehre und Mutterwürds, für Kinderwohlfahrt und Fa-
milienfürforge, für eine Schul«, der die christliche Mutter ihr Kind ruhig anvertrauen darf. Erprobte Führerinnen der christlichen Frauenbewegung stehen in seinen Reihen. Die deutsch« Frau darf ihm vertrauen!
Zur Wrederaufrichtung von Volt und Staat bedarf es der
Mitarbeit der geistig führende» Schichten.
Die Intelligenz darf sich dieser Pflicht nicht entziehen. Vielen hat die Revolution alle ihre Ideale zerschlagen, ihre soziale Gcltung geschmälert, in schwere wirtschaftliche Not sie gebracht. Das Zentrum hat volles Verständnis für die materiellen und seelischen Notstände, unter denen die meisten unserer Gebildeten leiden; es wird helfen, soweit es nur helfen kann und hofft auf verständnisvoll« und freudige Mitarbeit. Voraussetzung und Grundbedingung für unseren wirtschaftlichen Wiederaufstieg ist eine
gesunde, leistungsfähige Landwirtschaft.
Soll die Volksernährung verbessert, soll ihre heutige verhängnisvolle Abhängigkeit von der Einfuhr ausländischer Lebensmittel auf ein erträgliches Maß zmückae- führt werden, so kann das nur geschehen durch möglichste Steigerung der Produktionskraft der Heimischen Scholle. Nur auf diesem Wege kann auch eine dauernde Verbilligung der notwendigsten Lebensmittel erzielt werden. Die Ueberleitung der gebundenen in die freie Wirtschaft muß mit möglichster Beschleunigung geschehen, sie setzt aber voraus, daß die Landwirtschaft im Bewußtsein ihrer ernsten Pflichten gegen Volk und Vaterland auf skrupellose Alisnutzung der Konjunktur verzichtet: Das Zentrum ist stets ein aufrichtiger Freund der Landwirtschaft gewesen und wird es bleiben. Es wird sich tatkräftig rinsetzen für ausreichende Versorgung der Landwirtschaft mit Dünge- und Kraft- futtermitteln, für die Forderung des ländlichen Siede- lungswesens, für den Ausbau des landwirtschaftlichen Schul- und Genossenschaftswesens.
Die Eingriffe des Staates in
Handel und Industrie
müssen auf das wirklich Notwendige beschränkt bleiben. Mit rücksichtsloser Bekämpfung des Wuchers und des Schisbertums muß sich die umsichtige Förderung des soliden Handels verbinden. Unsere Industrie, ohne deren höchstgesteigerte Leistung ein Wiederausbau unseres Wirtschaftslebens nicht möglich ist, kann nur gedeihen, wenn der wirtschaftlichen Initiative des Unter- nehmers ein genügendes Maß von Bewegungsfreiheit verbleibt. Das Zentrum wird diesem Sachverhalt gewissenhaft Rechnung tragen.
Bei diesem Entschluß weiß es sich getragen von der verständnisvollen Zustimmung der
christlichen Arbeiterschaft.
Ihr galt seine tatkräftige Fürsorge schon zu einer Zeit, wo es anderen Parteien an sozialpolitischer Einstellung noch völlig gebrach, ihr gilt sie auch heule und für alle Zukunft. Die Erringung der politischen Gleichberechtigung allein genügt nicht. Der Arbeiter darf nicht länger ein bloßes Mittel im Produktionsprozeß fein, er muß als mit bestimmender Faktor anerkannt und gewertet werden. Diese Forderung haben christliche Sozralpolitiker schon vor einem halben Jahrhundert erhoben, jetzt ist die Zeit gekommen, sie zu verwirklichen. Daneben muß die eigentliche Sozialpolitik in der Form intensivster Wohlsahrtspstegr zugunsten der Hand- arbeitenden Volksgenossen wertergesühri werden. Das Zentrum wird tun, was in feinen Kräften steht. Es wird der christlichen Arbeiterschaft die Treue hakten, es rechnet aber auch auf ihre Treue!
Schwere Wunden sind dem
gewerblichen uns kaufmännischen Mittelstände aeschlagen. Die Kreditnot, die Rohstosfknappheit, die Ausschreitungen eines wilden Händlertums bedrohen geradezu die Existenz des ehrlichen Handwerks und Kleinhandels. Das Zentrum wird wie bisher alle Bc- strebungen unterstützen, die geeignet sind, Handwerk, Kleingewerbe und Kleinhandel in ihrer Selbständigkeit Zu erhalten. Es wird sich insbesondere jeder schematischen Kommunalisierung des selbständigen Handwerks und Kleinhandels widersetzen. Es wird sich einsrtzen für die Durchführung der gesetzmäßigen Organisation des Handwerks. Das Zentrum würbe es begrüßen
und unterstützen, wenn auch der Kleinhandel zur Schaf« fung zweckmäßiger Organisationen überginge.
Eine Hauptaufgabe des neuen Landtags wird dich fortlaufende Anpassung des Beamteneinkommens an dis Kosten der Lebenshaltung sein. Das Mindestziel bleibt
Sicherung des Existenzminimums.
Das Orisklafjenverzeichnis wird nach großen Gesichts« punkten unter Berücksichtigung sämtlicher Teuerungs- Verhältnisse aufzustellen sein. Mit dem neuen Etatsjahr wird geprüft werden müssen, ob das heutige System des Teuerungszufchlags beibchalten werden kann. Das Sperrgesetz war eine Notwendigkeit, wenn der Grundsatz: Gleiche Leistung, gleiche Bezahlung, durchgeführt werden sollte; der Zentrumsantrag auf angemessene Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse der Oe« membebeamten gibt die Gewähr. daß unbillige Härten vermieden werden. Das von der Regierung angekün- digte Beamtenrätsgesetz wird vom Zentrum vor aCe.it unter dem Gesichtspunkt geprüft werden, daß die Per- sönlichkeitsrechre des Beamten zur Geltung und An« erkennung kommen müssen.
Das Zentrum wird bleiben, was es immer gewesen ist, eins
echts chrWchr VsikZparlel, dis ihre Fürsorge auf alle Volksgenossen ohne Unterschied des Standes oter BekeiMtnisses erstreckt. Ihr« Arbeit ist heute notwendiger denn je zuvor. Die unerschöpflichen Kräfte, die aus den Lebensquellen des Christentums strömen, müssen sich ungehemmt entfalten können. wenn das große Werk des nationalen Wiederaufbaues gelingen soll.
Für Wahrheit, Recht und Freiheit! Mit diesem alten Kampfruf pflanzt das Zentrum fein ruhmreiches Banner auch diesmal wieder im heißen Wahlkampfs auf. Möge die alte Lösung, die nunmehr eine 50» jährige Geschichte Hal. auch diesmal in vielen Millionen deutscher Herzen freudigen Widerhall finden! Klein- mutige Verzagtheit, mißmutige Verdrossenheit müssen in so entscheidungsschwerer Stunde schweigen. Wer teilnahmslos abseits stehen oder gar Zwietracht in unsere Reihen säen wollte, würde eine schwere Verantwortung auf sich laden. Einigkeit und Geschlossenheit haben uns stark gemacht und stark erhalten. Tut jeder seine Pflicht, bann wird uns dec Sieg nicht schien.
Kämpfe.
(Wahlbetrachtungen).
Ein Kampf ;ft das Menscheuleberr. Je älter der Mensch wird, desto klarer wird ihm die Wahrheit dieses Satzes. Sie gilt fürs irdische und überirdische Leben. Die meisten Menschen müßen sich, wie man sagt, durchs Leben schlagen, müssen sich wehren um ihr Durchkom- men, um sich eine Existenz zu erringen. Noch mehr gilt es was das Ueberirbifdje anbelangt. Das Himmelreich leidet Gewalt, und nur die Gewalt brauchen, reißen es an sich. Das ewige Leben muß recht eigentlich erkämpft und errungen fein. Nicht minder gilt das Wort, wenn es sich um die
großen Geisteskämpfe und politischen Bewegungen in der Welt handelt. So lange die Welt steht, hat es große und kleine Kriege gegeben und wird es solche geben mit kleineren und größeren Unterbrechungen, ebenso hat der geistige Kampf nie geruht und wird nie ruhen, bis ans Ende der Zeiten. 2m Paradies hat er begonnen und beim Wellende wird er ausgeherr. Letzten Endes, sagt der Dichrsr Goethe, der bekanntlich alles eher als ein Heiliger, wohl aber ein grundgescheid- ter Mensch war, ist dieser Kampf der Geister auf Erden mdjis- anderes als her immerwährende Kampf zwischen Glaube und Unglaube. Der Einsatz ist die Ewigkeit; die Menschenseele. Selten zeigt sich das ganz klar vor den Augen der Mitmenschen. Vcelsach scheint es sich um rein irdische Dinge zu handeln. Ziel und Einsatz wird durch solche Dinge, solche Zutaten verdunkelt. So werden die Menschen oft genug verwirrt, wissen oft nicht, rvohin und wo aus, und stellen sich oft unbewußt auf eine Seite, mit der sie im Grunde genommen eigentlich nicht gerne etwas zu tun hätten. Wie kaum jemals in der Weltgeschichte, todt getabe in unseren Ta-