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Herrnarm von MaMuckiEs

100. Geburtstag tonnte das kathol. Deutschland am 5. Februar begehen. Mit WindliMst und den Gebrü­der Relchensperger gehörte er zu den Führern des Zen- Krums im Kulturkampf. In diesem Kampfe des preußischen Staates und des neugegründeten Reichs gegen die katholische Kirche erprobte sich der tiesfromme Mann als der schlagfertige Glaubens- und der allzeit getreue Eckart der Zentrnmspartei. Seine ganze Zeit, Gesundheit und Leben opferte der edle Mann in die­sem Kampfe für die Rechte der Kirche und für seine heiligste Ueberzeugung. Frühzeitig hatte die Sorge um die heiligsten Gitter des Kathoiizisnws ferne Züge altem, fein Haar bleichen lassen, frühzeitig war buch- stäblich seine Lebenskraft in diesem Stampfe verbraucht und erschöpft: Am Schlußtage der Landtagssession, die dieneuen Maigesetze" gezeitigt hatte, am 21. Mai 1874, befiel ihn eine heftige Lungenentzündung, und, aufgerieben durch die Ueberanstrengung eines über sechs Monate ununterbrochenen parlamentarischen Kampfes, erlag er der tückischen Krankheit am 26. Mai 1874, erst 53 Jahre alt. Durch ganz Deutschland, ja durch die ganze katholische Welt erscholl die Totenklage um die­senJudas Makkabäer unseres Volkes, der als Opfer gefallen mitten in der Hitze des Kampfes", alle Gottes- häufcr füllten sich mit Gläubigen, um für ihn zu beten und für ihn zu opfern, kaum eine Kirche gab es, in der nicht feierliche Trauergottesdienste stattfanden, um dem großen Toten zu danken für alles, was er für seine Kirche und seine Glaubensgenossen getan hatte. Als seine Leiche in die Heimat überführt wurde, holten Tausende den Toten Führer ab, von Gememds zu Ge­meinde ward er geleitet, wenn der Zug auf dem drei Stunden weiten Weg von Paderborn nach Böddeken an die Grenze einer andern Pfarre kam, standen die Angehörigen dieser Pfarrei in Prozession bereit, nah­men die Leiche in Empfang und geleiteten sie unter Gebeten und Trauermrlodien bis zur nächsten Pfarrei. So ward der Tote der Reihe nach von 12 Gemeinden geleitet und begleitet. Man glaubte, eher einen Wall­fahrt szug, eine Prozession mit Begleitung der Reli­quien eines Heiligen der Kirche als einen Leichenzug gu schauen. So ehrte dos katholische Volk seinen gra­sten Führer.Das aber wissen wir, daß du in Frie­den ruhest, und daß auch wir den Frieden haben wer­den, hier und jenseits, wenn wir der Fahne folgen, die du so hoch getragen hast, ans der dein Wahlspruch steht: Für Dahrhei!, Recht und Freiheit. Gerade in der Not und dein Elend unserer gegenwärtigen Tage leuchtet uns sein Name, stärkt unsere Kraft und meh­ret unsere Opfer-willigkeit; und cs ist uns oft, als rufe sein Geist uns mit den Worten des großen Dante:

Mir folge nach und laß die Leute sagen;

Steh fest gleich nie der Turm, der ohne Wanken t Sm Süftmessaufen läßt die Zinnen ragen.

Deutsches Heia;.

Küs Ms Pariser Forderungen der Entente haben Reichs regier» ng und Reichstag jetzt geantwortet; sie sind dabei zu einem glatten Rein gekommen. Die Pariser Beschlüsse sind für uns nicht nur unannehmbar, sie sind unbistutierbar; wir sind aber guten und ehr­lichen Willens und daher zu Gegen Vorschlägen bereit.. Das war die Quintessenz der ReeierungserWrnug und der Reichstag hat sich einmütig dieser Anschauung an­geschloffen. Sei' dem 4. August 1914 sah man die Parteien unseres Vaterlands nicht mehr mit fs vol- leirdeter Einmütigkeit in der Sache hinter einer Re­gierung stehen, wie jetzt hinter der Ablehnung der Pa­riser T.-schlösse als VerhandlunMgrmrdiage für die Festsetzung unserer sogenannten Wiedergutmachungs- Verpflichtungen. Sachlich konnte zu den eingehenden Darlegungen des Außenministers Dr. Simons im Reichstag nicht leicht etwas hinzugefügt werden. Er haste wie ein rechter Diplomat nur die nüchternen und tasten Tatsachen reden lassen, die Gefühle des Herzens aber im Busen verschlossen. Wenn darum die Parteiei; auch nicht eigentlich mehr Neues zu sagen hatten und sich in ihrer Mehrzahl auf knappe Erklärungen be= jamankten, so konnten doch gerade sie darum den tief­sten Gefühlen des deutschen Volkes um so beredteren Ausdruck verleihen und sie taten es mit

ganzem Herzen und mit der Wucht von

»atzen, , hie wie Keulenschläge auf die Wett des

(Frevels an der Gerechtigkeit und am Friedet» der Menschheit mederjausen müssen. Dem Satze, den der demokratische Adg. Schisser nalnens der Regrerungs- parteien (Zentrum, Demokraten, Deutsche Bolkspartei) aussprach, daß die Miierten für alles, was dec deut­schen Ablehnung etwa an Unheil folgen werde, die Verantwortung treffe, schloß sich der ehemalige Reichs­kanzler Herma m Müller mit dem wie ein Gelöbnis klingenden Ausspruch namens der Mehrheilsfozralksten an, es werde sich feiné deutsche Regierung finden, die die Pariser Beschlusse für ausführbar erklären körmte. Und beiden Sätzen folgte die deulschnalionale Auffas­sung Hergts:Will die Entente uns ihre Forderungen mit Gewaltmitteln aufzwingen, so zerreißt sie mit eige­nen Händen den Versailler Vertrag, und das auch für uns!" Der demonstrative Beifall, der solchen begreif- lidjen Gefühlsausbrüchen folgte, zeigte, wie sehr sie aus dem Herzen des Volksganzen kamen. Deutschland hat nun gesprochen, nun hat die Entente das Wort. Was wird sie tuen, wenn Deutschland Gegenvorschläge macht? Dazu sind wir berechtigt, denn die Pariser Beschlüsse bedeuten Abänderungen des Versailler Ver­trags, und da dieses völkerrechtlich gültige Abkom­men nicht einseitig verändert werden kann, so ist zu ihrer Gültigkeit die Uebereinstimmung mit Deutsch­land notwendig. Der Friedensvertrag bestimmt aus­drücklich. daß Deutschlanddie gesamte Schuld vom 1. Mai 1921 in einem Zeitraum von dreißig Jahren zu tilgen hsk'. Mit dem deutlichen Zwecke, Deutsch­land durch die Verlängerung der Schuldfrist schwerer belasten zu köm en, wird die Schuldverpflichtung bis 1983 gedehnt.. Wenn also die Jüngsten, die gegen Frankreich u. England im Felde gestanden, schon Greife geworben sind, soll dieser Milliardentribut noch auf Deutschland lügen. Wer da meint, in 42 Jahren ändere sich viel's, geht < irre, wenn er dies and)'' auf die Last von 226 Milliarden

Viedcrgullnschungssumms"

bezogen wissen will. Denn der Pariser Beschluß zwingt uns, sofort Bonds (Bürgfchastsscheme) herauszugeben für die ganze Summe, deren Raten an den jeweiligen Ver- faütermmeb zur Emlösu^ präsentiert werden. Diese Bands kann Frankreich NMerdefsen auch an andere Staaten verhandeln, um sich Kredite zu verschaffen. So sicher, wie ein ausgestellter Wechsel zur gegebenen Zeit bei seinem Aussteller eintrisft, werden die auf die Bonds angebenen Summen abgeforbert oder im Falle unserer Zahlungsunfähigkeit auf irgend eine ge­waltsame Weise emgetrieben werben. Mit 60 000 Mk. ist damit jeder jetzt Lebende belastet, sei es Greis oder Kind, Mann oder Frau, da die 229 MilliardenEch ihrer derzeitigen und wohl auch zukünftigen Kaufkraft für uns über 3000 Milliarden beutfdjcr Mark bedeu­ten, mehr als unser ganzes Nationalvermögen beträgt. Nicht weniger drückend und zerstörend in seinen Folgen ist der andere Beschluß der Entente, zu den obigen Jahresraten und sonst gen Verpflichtungen unsere ganze Ausfuhr mit

12 Prozent Zoll

zu belasten und sich damit eine weitere Milliarde jähr- lich zu ergattern. Das bedeutet Vernichtung der deut­schen Ausfuhr. Denn wieviel Unternehmungen, die für das Ausland arbeiten, können heute 12 Prozent Di- oibenbe verteilen? Damit werden weitere Hundert- tausende von Arbeitern, Angestellten, Kaufleuten und Handwerkern erwerbslos und brotlos. Und junger wird ins Reich crnziehen, weil uns kein Mensch Aus- londsaetreide und andere Lebensmittel für bedrucktes Papier, sondern nur für Gold oder Waren gibt. Um sicher die verlangten Gelder aus uns herauszupressen, wird Frankreich die Zoll- und Finanzkontrolle bet uns ausüben; eine Entehrung, wie sie bisher nur Halb- kutturvölkern angetan wurde. Ob die angedrohte Be­setzung weiteren deutschen Gebietes und die langsame Aotreunung des Saar- und linksrheinischen Landes vom Deutschen Re.ch nur für die Nichterfüllung der Entwafsmmgsrorschrister! cmtritt oder auch für die Finanzbeschlüsse gilt, ist noch nicht einmal klar aus­gesprochen und kann von den Gegnern bei der beab­sichtigten Konferenz in London nach jeder Seite um= gebogen werden. Hierzu sollen auch die deutschen De- legierten eingeladen werden. Es ist nach den bis­herigen Erfahrungen kaum anzunehmen, daß die En­tente ihre Forderungen mildert; auch die Reden, die Briand und Lloyd George inzwischen gehalten haben, hören sich nicht so an, als ob wir hoffen könnte», die

auferlegte Summe sei nicht übertrieben und werA Deutschlan sich weigert, müssen wir handeln, jo äußert« sich Lloyd George. Aber trotzalledem darf eine ver­antwortliche Diplomatie, besonders wenn sie die Anteil­nahme des Auslandes gewinnen will, seinen geeigneten, ehrenwerten Versuch unterlassen, die wahnsinnigen Feindbundfrrdcrungen in ihrer Unerfüllbarkeit der En- tente selbst und der ganzen Welt darzutun und ihrer« feite

durchführbare Vorschläge entgegen zu setzen. Geht der Feind nicht darauf ein, dann mag geschehen, was wir auch beim besten Willen nicht ändern können. Aber im vorherein jeden »roch möglichen Versuch abzulehnen, das Chaos in Deutsch­land und den Ruin Mitteleuropas 311 verhindern, das wäre ein gewagtes Spiel. Die Worte:Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecke»'» ohne Elche", wie sie im Re chetag gefallen sind, oder wie Präsident Königbauer im bayerischen Landtag in einer denkwür­digen Protest-Sitzung gegen die Pariser Forderungen sie ausgesprochen:Lieber ehrlich untergeben, als in unwürdiger Sklaverei unehrlich zu verderben", Horen sich schon und ideal an, werden aber von denen, die kommen, ganz anders empfunden, zumal in einer Zeit solch msgepiägter Diesfeitskultur, wie sie von der Mehrheit der deutschen Bevölkerung gepflegt wird. Diese giebt es immer noch vor, inunwürdiger Skla­verei zu leben" als ehrlich unterzugehen. Es ist wohl die schwerste Belastungsprobe, vor die das deutsche Reich jetzt .gestellt ist. Nicht absehen lassen sich die kommenden Ereignisse. Man muß wohl annehmen, daß hinter Urnen die Absicht der Entente lauert, Deutschland wirklich zu zerschlagen. Jetzt brauchten wir erleuchtete Männer, mutige, weitblickende, goltver- trauende Führer, um das Schlimmste von dem Volke Deutschland abzuwenden, einen Frhr. von Stein, einen Görres. Und ein Trost bleibt uns: Le größer das Un­recht, je fdjlimmer das Sündigen gegen das Naturrecht, desto eher muß es aus sich selbst heraus zusammen­brechen. ______

Von Bst mMicks Erinnerungen

erscheint jetzt der 3. Band, der u. a. auch die Ent­lassung des Kanzlers behandelt, bei der bekanntlich auch der Besuch Windthorsts bei Bismarck eine Rolle spielt. Als Bismarck dem Kaiser sagte:Ich kann Ew. Majestät melden,.baff Wmdchorst aus dem Bau gekommcu ist und »nich ausgesucht hat", lief der Kaiser darauf aus:Run, Sie habe»» ihn doch natürlich zur Tür hrnauswerfen lassen?" Und mit Bezug darauf, daß der Bankier Bleich; öder den Beiuch bermtttelt hatte, machte der Kaiser die Be- meUung:Juden und Jesuiten halte»» immer zu- fatmnen". Es iäßtztief blicke»», daß man solche Ruch nichts begründeten Anschauungen über die Jesuiten bei einer so hohen Stelle hatte und so nv.freundllch über den Führer des katholiichen Volkes dachte. Da kann man auch sagen:We-rn das am grünen Holze geschieht, »vas wird am dürren ge chehen?" Da kann man es den untergeordneten Instanzen und Personen natürlich nicht so übel nehinen, wenn sie e.ne wilde Jeiuiien- und Katholirenhetze trieben.

Vor der eigenen Türe kehren

ist immer sehr ratsam; das merken jetzt auch die Deutsch- nationalen, die so gerne, besonders galt das vomFall Erzberger", vor fremden Türen dieses Geschäft' besor­gen wollten. Jetzt ist der deutschnaiionale Abg. van den Kerkhoff, der noch vor einiger Zeit gegen einen Staatssekretär den Vorwurf der Korruption erhoben hat, selbst wegen Steuerhinterziehung und Bestechung in Untersuchung gezogen worden. Die Sache ist noch nicht zweifelsfrei erwiesen, fest steht aber, daß auf bis­her unaufgeklärte Welse Steuerakten des genannten deutschnalionalen Abgeordneten verschwunden sind und daß der Abgeordnete widerrrchilicherweise ein behörd­liches Siegel von einem Geldschrank entfernt hat. Die Steuerakten des Abgeordneten van den Kerkhoff sind also spurlos verschwunden! Muß man da nicht auf den Verdacht kommen, daß sehr lebhaftes Interesse daran besteht, diese Akten verschwunden sein zu lassen, d« man die Aufklärung fürchtet?! Aber wo bleibt hier die Entrüstung im deutschnalionalen Lager? Und wer hört etwas von einer Entrüstung über eine solche unerhörte Handlung, die in dem Abreißen von Ge­richts- nicht Gerichtsr^lzieher- Siegeln besteht? Dem Abg. Erzberger war es schon als ein schweres