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bie Brust, worauf Adolf laut zum Präsidenten Löbe wiederholt hinausruft: „Hier ist ein total Besoffener, lassen Sie ihn hmausbringcn." Ob Hörfing wirklich zu stark gefrühstückt hatte, oder ob ihn die zwei Kol­legen nur deshalb hinausführten, um den Erregten von neuen Tätlichkeiten abzuhalten, darüber gibt der Ehromst keinen Aufschluß. Auf jeden Fall ist durch diesen neuen handgreiflichen Zusammenstoß die Liebe und Freundschaft unter den ehemaligen Genossen nicht gewachsen. Diese ganze Debatte, in der die Schimpf­worte hin- und herflogen, zeigt aber auch, auf welchem Tiefst and der Ton und die ganze Haltung bet den „Er­wählten der Volkes" vielfach gesunken ist.

Beim Jusiizelat meldeten sich auch die Frauen, sie wollen als Schöffen und EeschWsrene ebenso wie die Männer tätig fein und auch die gesetzliche Möglichkeit haben, Richter, Staats- und Rechtsanwälte werden zu können, wie es der in der Republik anerkannten Gleich­berechtigung der Frau entspricht. Ueber die Zweck­mäßigkeit einer solchen Bestimmung kann man ver­schiedener Ansicht sein, einstweilen reichen auch die Männer noch völlig aus sür diese Berufe. Die demo- kralische Frau Dr. Lüders verlangte auch eine Reform des Familienrechtes und des Scheidungsl?erfahrens und verstieg sich dabei zu der Behauptung: Die Heiligkeit der Ehe wird untergraben, wenn nicht die Ehescheidung erleichtert wird. Damit rief sie lebhaften Widerspruch des Zentrums hervor. Eine solche Aeußerung aus Frauenmund mußte auch recht bedenklich erscheinen, und wenn Frau Lüders etwa damit im Namen aller ihrer Kolleginnen oder der Frauen schlechthin zu sprechen glaubte, so dürfte sie von großen! Irrtum befangen sein. Zudem konnte sie der Frauenehre damit keinen guten Dienst erweisen.

Bei der Beratung des Links des Brichsnshrmini- skeriuins wurde feftgefteßr, daß der Etat des 100 000= Mann-Heeres an die Neichsfinanzen höhere Ansprüche stellt, als das frühere stehende Heer von über 600 000 Mann. Ein Soldat des alten Heeres kostete uns jähr­lich 1200 Mark, ein Reichswehrsoldat kostet 24 600 M. Daran ist wie dre Verhältnisse liegen, nichts zu ändern, im übrigen muß man sagen, daß der Rrichslvehrmini- ster Geßler seiner Ausgabe, uns eine erträgliche Wehr- macht zu schaffen, voll und ganz gerecht geworden ist.

Beim Lwl Les Ernöhrungsminifteriums platzten die Gegensätze zwischen rechts und links natürlich wie­der scharf aufeinander. Aus Eir^elherten rinzugehen verbietet uns der beschränkte Raum. Vom Zenirum sprach der Abg. Diez, der auch auf den Preisabbau zu sprechen kam. Sehr richtig bemerkte er: ein Preis­abbau in dem Cmne, daß man einfach sagt: von mor­gen oder übermorgen an stab diese oder jene Artikel im Preise so und soviel niedriger zu setzen, ist einfach eine Unmöglichkeit, denn die Preise, die Löhne, die Ge­hälter und alle Unkosten eines Betriebes hängen so eng miteinander zusammen, daß sie gewissermaßen ein Niveau bilden, das man nur in seiner Gesamtheit he­ben oder senken kenn. Wollte man versuchen, be­stimmte Artikel, sagen wir also beispielsweise die land­wirtschaftlichen Erzeugnisse, im Preise herabsetzen, so wäre das genau so, als ob man den Versuch machen wollte, mitten in eine große Wasserfläche ein Loch zu graben Das eine ist so unmöglich wie das andere.

Derariige Dinge könne man nicht mit einem Feder­strich regulieren.

Unsere Weimarer Verfassung

wird viel geschmäht, basvnders von den Rechtsparteien. Das ist sehr bedauerlich. Schon der Umstand, daß das deutsche Volk nach einem solch horrenden Krieg und einer solchen Revolution, wie wir sie 1918 erlebt haben, in wenigen Monaten überhaupt eine Verfassung sich schuf u. damit den Anfang^on Ordnung in das Staats­wesen brachte, ist eine Großtat, wie sie die Geschichte kaum kennt. Und wenn auch nicht alles zu billigen ist, was in der Verfassung steht, im Ganzen genommen ist sie, wie der bad. Zentrumsführer Dr. Schöfer kürzlich

sagte, eine „Verfassung der Freiheit, der Ordnung voll christlicher Ideale". Dem Zentrum gebührt Dank, daß es dabei in hervorragender Weise mitgearbeitet hat, das wird auch immer mehr anerfannt. So neuerdings von dem früheren Präsidenten der protestantischen Kirchen- verwaltung in Elsaß-Lothringen Friedrich Curtius. Er schreibt, nachdem er die für religiöse und kirchliche Rechte günstigen Grundzüge der neuen Reichsverfassung be­sprochen hat, folgende freimütige Sätze nieder: „Wer hätte nach der Revolution gedacht, daß die deutsche Republik die vielumstrittene Frage des Verhältnisses von Staat und Kirche in so konservativem und zu­gleich freiheitlichem Sinne lösen würde! Es ist ein Triumph der kathsl-schen Kirche. Diese hat sich als Macht erwiesen, welche der siegreichen Sozialdemokra­tie die Schranken ihrer Herrschaft se^m kann. Das

ist die weUtgeschichUiche Bedeutung des deuischen Ver- fafsungstverkes." . . . Der Katholizismus ist durch seine Geschlossenheit, seine feste Organisation und seine mehr als tausendjährige Ueberlieferung in unvergleich­licher Weise befähig dos Christentum gegenüber den Weltmächten zu vertreten und auf die politische Ent- wickelurrg der Nationen Einfluß zu üben. Ihm fällt daher naturgemäß die Führung zu, wenn es darauf curkommt, bei einer Neuordnung der öffentlichen Ge­walten das Recht des religiösen Gedankens zur Gel­tung zu bringen. . . Daher dürfen, wie mir scheint, ; auch die Protestanten Deutschlands neidlos ausspre­chen, daß sich di: katholische Kirche in der furchtmcren Krisis der Revolution um die Sache des Reiches Got­tes und um das Heil unseres Volkes w«ht ver^Mt gemacht hat." So uruiU ein gerechtdenkender Pro­testant über die Arbeit des Zentrums. Das sollten sich auch die Kritiker in unterem Lager, die an allem etwas auszusetzen haben, merken. ®ott sei Dank, daß das Zentrum mitgearbeitet und das Schlimmste ver­hütet hat.

Am 27. Januar

feierte Wilhelm Li. seinen 62. Geburtstag, fern vom Vaterland, als ein von dem Throne seiner Väter Ver­stoßener in der Verbannung, die er freiwillig aufge­sucht. Was war der 27. Januar sonst für ein Festtag. Jetzt erinnert gar nichts mehr daran, daß noch wesent­liche Volksteile dieses Tages gedenken, klang- und sang- los geht der Tag vorüber und oft mag der von der Menschheit stolzesten Höhen so jäh zu Fall Gekommene die Worts Salomons bei sich bedenken: O Eitelkeit über Eitelkeit und alles ist Eitelkeit. Selbst die kon­servative „Kreuzzeitung", die es am 9. November 1918 so eilig hatte, den Spruch von ihren: Kopf zu entfernen: Mit Gott, für König und Vaterland, hat für das Ge­burtstagskind nur den Trost des Verzichtens und der Hoffnung, daß die Enkel einmal die Garben einbrin­gen werdeir, von der Saat des monarchischen Gc- ! dankens, die jetzt ausgesät werde. Ob diese Hoffnung sich einst verwirklichen wird, wollen wir der Zukunft und der Vorsehung überlassen.

Bei der Deruner Obec bn i ge rnie-sle rrsayl wurde der Stadtkämmerer Beeß gewählt, ein Fach- mann, der bisher politisch nicht hervargetreten ist. Die sozialistische Mehrheit ging dabei in die Brüche, die Mehrheitssozialisten stimmten mit den bürgerlichen Parteien für Boeß, worüber sie von den Unabhängigen als „Sozialistenverräter" geschmäht nxirben. Be­zeichnenderweise stimmten die Deulfchmckknslen — für den Unabhängigen Dr. Wenl. Das ist eure Politik von bösen Jungen. Diese Katastrophenpolitiker halten es nämlich für die klügste Politik, die ganze Ver­antwortung „den Roten" zu überlassen und dann, wenn diese abgehaust haben, selbst das Ruder kraftvoll in die Hand zu nehmen. Ja, wenn nur nicht inzwischen soviel Glas zerbrochen würde, daß es nicht mehr ersetzt werden kann, und solche Trümmer geschaffen würden, daß sie auch ein bürgerlicher Herkules in absehbarer Zeit nicht mehr wegräumen kann. Und wenn nicht die größere Gefahr bestände, daß beim Versagen der roten Herr­schaft die Massen nicht rechts, sondern noch weiter links, bei den Kommunisten ihr Heil suchen.

Eine unheimliche Porkoerhöhung

sieht der Entwurf des neuen Post- und Telegcaphen- gebührengesetzes vor. Für Briefe bis zu 20 Gramm 60 Pfennig, über 20 Gramm 1,20. Für Postkarten 40 Pfennig. Für Drucksachen 40 Pfennig. Für Pakete in der Nähzone bis 5 Kilogramm 3 Mk., Fernzone 4 Mk.; über 5 Kilogramm bis 10 Kilogramm 6 Mk., Fernzone 8 Mk.; über 10 Kilogramm bis 15 Kilogramm 12 Mk., Fernzone 16 Mk.; über 15 Kilogramm bis 20 Kilo­gramm 18 Mk., Fernzone 24 Mk. Die Wortgebühr für Telegramme soll künftig 30 Pfennig, mindestens aber 3 Mark betragen. Auch die Fernsprechgebühren sollen er­höht werden. , i

Zwei amerikanische Beamte, die in Eberbach in Baden versuchten, die beiden amerikanischen Deserteure Bergeohl und Stecher auf deutschem Gebiet zu überfallen und mit Gewalt über den Rhein zu schleifen, wurden verhaftet und unter An­klage gestellt wegen Landfriedensbruch; sie erklärten, daß sie in bestimmtem Auftrag gehandelt hätten. Die amerikanische Generalität in Koblenz will von der Sache nichts wissen. Im badischen Landtag erklärte der Minister des Innern, der Vorfall zeige die Aerm- lichkeit Deutschland, das sich keine Genugtuung ver­schaffen könne. Selbst das „Fürstentum" Monaco würde sich für einen solchen Schimpf Genugtuung zu verschaffen wissen. Das deutsche 60-Millionen-Volk muß es sich mit der Faust in der Tasche gefallen lassen, wenn ihm ein fremder Landstreicher ins Gesicht spuckt.

Gestorben

ist im 82. Lebensjahr Wechbischof Dr. Fr. Knecht in Freiburg. Er entstammt emer evangelischen Faunic in Bruchsal und fand erst als Gymnasiast den Weg zur katholischen Kirche. Nach Beendigung seiner theologi­schen Studien mit 23 Jahren zum Priester geweiht, stand er fast zwei Jahrzehnte in der praktischen Seel­sorge, bis er 1882 ins Domkapitel Freiburg berufen und 1894 zum Weihbischof bestellt wurde. Knechts Haupt- und Lebensarbeit gehört der christlichen Schule, der er seins „Biblische Geschichte" und seinen praktischen Kom­mentar zur Biblischen Geschichte widmete. Große Ver­dienste hat er sich auch um die Förderung des Bcnifa- Husvereins erworben. Der Verstorbene hat im Jahre 1898 in Fulda die Beerdigung des Hochw. Erzbischofes Komp vorgenommen und Die Trauerrede gehalten.

Oesterreich

wie es jetzt ist, ist nicht lebensfähig, es muß tatsächlich verhungern. wenn ihm nicht geholfen wird. In ernsten Worten Hot jetzt auch der hl. Vater ' ' * ^ — hoben zu Gunsten unseres unsächlich .

Volkes. In einem Schreiben an den Kardinalstaats- sekretär sagt er: „Die traurige Lage Oesterreichs, ist derart, daß es unmöglich ist, weiterhin zu ichmelzen.

Diese edle und hervorragende Nation hat all ihren ehemaligen Glanz verloren. Auf sechs Millisnen Ein- wohicer vermindert, von denen ein Drittel auf Wien entfällt, das jetzt, ein Kopf ehne Rumpf, bera Elend und der Verzweiflung preisge^rben ist, ist nicht zu ersehen, wie Oesterreich âus sich selbst die Mittel finden könnte, um als Staat zu bestehen.

Dies» Lage wirkt besonders auf die Armen, Kranken und Hiait'r zurück, zu deren Gunsten wir wiederholt an die Barmherzigkeit der Guten einen Appell gerichtet haben. Einige Negierungen habe?, Hilfe versprochen, sbcr selbst wenn die Hilfe schnell käme, wird sie nicht wirksam sein können, da Oesterreich die (Elemente eines eigenen Daseins fehlen.

Wir forschen nicht, do die Dersnlwsrtlichkeiken sind, wir beklagen die gegenwüriige Lage Oesterreichs, die »ollksmncen «»erträgllch ist; kenn sie benimmt der gan­zen Ration die rNÜglichkett, sich die Mittel zum Ceben zu verschaffen, die vom Schöpfer «Sen Menschen zur VertügunH gestellt sind.

Subern wir unsere Stimme erheben, sind mir sicher, die Gefühle der Menschlichkeit und christlichen Brüder­lichkeit zu verdolnretschen. Wir bcabfid)tigen nicht, eine Lösung der Frage vorzuschlagen, denn da sie einen aus- nehmend politischen Charakter besitzt, liegt es an den Regierungen, sie zu losen, beformers an jenen, die den Ariedeusvertrchg unterzeichnet heben.

Wir beschränken uns darauf, die Aufmerksamkeit der Mitglieder der beim Helligen Stuhl beglaubigten hkpto- masifchen Vertreter ans dieses sehr ernste Problem zu lensen, damit sie sich bei ihren Regierungen zum Ver­mittler unserer Dünsche machen und damit die Reg-e- rungen, beseelt von den hohen Grundsätzen der Mensch­lichkeit und Gerechtigkeit, die Mittel in Erwägung ziehen, um diese Grundsätze ehrenvoll zu verwirklichen."

Eiitdrucksvolleres, aber auch Freimütigeres ist über Oesterreichs hartes Los noch nicht gesagt worden, noch ntemanb hat es gewagt, so mit den Machthabern der Erde zu reden. Es sind wahrhaft apostolische Worte von anibrosianlichkr Hoheit, Kraft und Kühnheit. In seinem Unglück carf sich Oesterreich glücklich preisen, daß es einen solchen Fürsprecher, einen solchen Verteidiger und berufensten Bestätiger seines Rechtes gefunden hat.

Die oberste sittliche Drltanloriiäl Hai für Oesterreich und fein Recht ihre mächtige, Jahrhunderte durchschal­lende Stimme erhoben. Das bleibt die unschätzbare Bedeutung der päpstlichen Tat für Oesterreich, einerlei, ob jene, an die die Mahnung zunächst gerichtet wurde, darauf hören mögen oder nicht.

seine Stimme er­leidenden Bruder-

In Polen,

namentlich im ehemals deutschen Gebiete der Diözese Kulm, wird unter dem Deckmantel national-polnischer Bestrebungen ein öder Kulturkampf getrieben. Derselbe lstilt selbst vor dem Bischof nicht imre und hat wieder­holt schon in die ureigensten Rechte und Freiheiten der Kirche schwerstens emgegrifsen, namentlich durch Ab­berufung verdienter Geistlicher, ohne Wiffen des Bi­schofs. Gewiß hat auch Preußen f. Zt. den Katho- liken in Posen allerlei Schwierigkeiten gemacht, das gibt aber den Polen kein Recht, nun dasselbe zu tun.

In Böhmen

hat die Abfallbewegung, von der wir f. Zt. berichtet haben, glücklicherweise nicht den Unifang angenommen, den man befürchtet hatte. Auf dem ersten Kongreß der tschecho-slo- wakischen Notinoalkirche (die mjt unsern Altkatholiken zu vergleichen ist) waren von mehr als 3000 Priestern Böh­mens, Mährens und Schlesiens mir 71 erschienen. Die Zahl der zu der neuen Kirche Uebergetretcnen beträgt ica. 150 000. Das Parteiorgan, das anfangs 15 000 Abonnenten zählte, weist heute nur noch eine Auslage von 3000 auf.