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deutsches Reich.

Sie haben sich geeinigt

in Paris Lie Herren von der Entente, über das was man an Kriegsentschädigung von uns verlangen will, nachdem es ein« Zeitlang jast geschienen hatte, als ob die Konferenz ergebnislos verlaufen werde. Lloyd Georg« soll sogar, wie es heißt, mit seiner Abreise g«' droht haben, schließlich hat er aber doch den französi­schen Forderungen sich im Großen und Ganzen gefügt und man hat fast des Eindruck, ais ob der g<mze eng- lisch« Widerstand nichts anderes als Schein und Trug gewesen sei. Jedenfalls hat man sich wieder über- zeugen müssen, daß immer nur Deutschland die Kosten der' Entzweiung unter den Alliierten mit anschließender Verständigung zu tragen bot. Auch in Paris haben die Herren Lloyd George und Briand ihren Skat auf dem Rücken des deutschen Volkes ausgekiopft. Dieses zahlt die Zeche. Man wird ja bald erfahren, was England in Kleinasien sich hat zusichern lassen dafür, daß es Deutschland dem wohllüstigen Hasie der Franzosen über­antwortet hat. Was man von uns verlangt ist unge- heuerlich. Danach sollen wir 226 Milliarden Gold- nsark zahlen, oder, da wir kein Gold haben, rund 3000 Milliarde» oder 3 Billionen Papiermark, da eine Goldmark rund 13 Papiermark sind. Diese Riesen- fumme soll verteilt werden auf 42 Jahre. Außerdem will man noch eine Tore von 12 Prozent von unserer gesamten Ausfuhr erheben. Man glaubt wirklich, wenn man derartige in die Billionen gehende Zahlen liest, eine Rechnung aus bei unermeßlichen Form des Sternenraumes vor sich haben, aber nicht Wirklichkeiten dieser Erde. Wie Deutschland außer den Aufwendun­gen für den allernotwendigsten eigenen Bedarf noch derartige Milliardenforderungen an die Feinde auf­bringen soll ist für jeden vernünftigen Menschen ein unlösbares Rätsel. Papiergeld können wir wohl drucken, wenn noch mehr Pressen aufgestellt werden. Aber damit ist Frankreich nicht geholfen; denn mit jeder Milliarde Neudruck wird dir bereits im Umlauf befindliche Masse des Papiergeldes weiter verdünnt und entwertet und am End« der ersten Jahre schon stände Frankreich vor demselben Loch, wie heute. Wir haben den Krieg verloren und müssen deshalb die Fol­gen tragen, wir haben uns deshalb bereit erklärt das Menschenmögliche an ÄrlegsrntschäÄigunF zu leisten. Wir sind aber doch nur verpflichtet, die wirklich ver­ursachten Schäden zu ersetzen und wir haben nicht die Pflicht, darüber hinaus' ungezählte Milliarden an Staaten zu zahlen, die trotz der ungeheuren Erwerbun­gen, die sie auf unsere Kosten an wertvollem Länder­besitz, KolmüeN, Schiffen und Dingen jeder Art ge­macht haben, ihre Finanzen nicht in Ordnung bringen können und uns nach Wuchermanier abwürgen wollen. Das Empörendste ist, daß, wie beim Versailler Pakt, so auch bei der Pariser Verständigung über dieWie­dergutmachung" die künstlich, mit allen Mitteln

unserer Reichswehr, über dir Sicherheitspolizei, Ent- 1 maffnung der Einwohnerwehren und bergt. aetroffen. i Worm Kran sie heft, empfindet man es so recht, wie armselig unsere Lag« ist, wie wir wirklich völlig i in der Hand unserer Feinde sind und uns alles gefallen lassen müssen, was sie über uns beschließen, mag es I auch noch so demütigend sein. Bis zum 1. Juli müssen i alle Forderungen erfüllt sein sonst geht es uns wie : einem Jungen, der feine Schulaufgaben nicht gemacht i hat, er wird gestraft. Die Strafmaßnahmen, di« man i für uns vorgesehen hat, sind folgende: 1. Aufhebung der Räumungsfrist für die Rheinland« (also Verlänge- i rung über 30 Jahre hinaus); 2. Besetzung neuen deut- 1 schen Gebietes; 3. Errichtung eines besonderen Zoll- I regimes in den Rheinlanden und endliq 4. Einspruch gegen die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund. 1

Ganz ungeheuerlich

ist die Kriegsentschädigung, die Frankreich glaubt von uns verlangen zu können. Um sie zu begrünben, stellt man die durch den Krieg verwüsteten Gebiete Nord- frankreichs dem von denKriegsgreueln" angeblich verschont gebliebenen Deutschland gegenüber und leitet ; daraus das Recht ab, in Deutschland eine Wohlhaben­heit, ja einen Reichtum voraussetzen zu dürfen, der die geforderte KriegsenrfchädiMig ganz wohl aufzubringen vermöchte. Der Vergleich hinkt. In Frankreich handelt es sich nur um Teilgebiete, die, mir geben das zu, wirtschaftlich völlig darniederliegen; das übrige größere Frankreich floriert. In Deutschland haberi die Kriegssolgen, oder besser: die Folgen desFriedens" von Versailles das ganze Land und das ganze Volk . erfaßt, unsere wichtigsten Industriezweig« sind ausge­raubt worden, die uns verbliebenen in der traurigsten Weise heruntergewirtschaftet. Uns fehlen nicht nur die notwendigen Fabnkattonsrohfiofse, sondern vor allem auch die Kohlen, obwohl wir mehr als wir brauchten, erzeugen. Das Spaaer Abkommen zwingt uns aber dazu, nicht nur einen etwaigen Ueberschuß, sondern auch noch einen ganz enormen Teil unseres eigenen dringendsten Bedarfs an die Entente abzugeben, so daß unsere Industrie infolge biefer Zwangskohlenliese- rangen zum Erliegen zu kommen droht.

Frankreichs Industrie dagegen blüht und gedeiht bei einem Ueberfluß von Kohlen. Und trotzdem stellt es an uns das Ansinnen immer höherer Kohlenlieferungen. Frankreichs Ueberfluß an Kohlen ist derartig gewaltig, daß wegen überreichlicher Haldenbeständr der französi­schen Bergwerke teilweise die Förderung eingeschränkt werden, und Frankreich eine erhebliche Kohlenpreis­ermäßigung eintreten lassen konnte. In England, das infolge der deutschen Kohlenzwangslieferungerr seinen besten Kunden, eben Frankreich, verloren hat, ist der Kohlenpreis in wenigen Monaten von 170 Schilling pro Tonne auf 50 Schilling, also um mehr als das Dreifach gesunken.

Frankreich wird infolge der Kohlenpreisermäßi­gung allein für die Eisenbahnen mit einer Ersparnis von jährlich über eine Milliarde rechnen. Es liegt auf der Hand, daß durch diese neuerliche Verringerung der Selbstkosten dre französische und belgisch« Kon­kurrenz in Eisen- und Stahlerzeugnissen, die sich schon jetzt auf dem neutralen Markte nicht nur für die deutsche, sondern auch für die englische Industrie in empfindlicher Weise fühlbar macht, erheblich verschärft werden wird. Das Comtoir be Lougwy hat die Preis« für Roheisen aller Sorten um lOu Franken je Tonne ermäßigt. Auch Mr Walzwerkserzeugnisse hat die Herabsetzung der Preis« für Hüttenkoks eine entsprechende Ermäßigung hervorgerusen. Wenn dem ungeachtet die Franzosen immer noch nicht zufrieden sind und immer neue For- ' derungen stellen, so wird damit offenbar, wie wenig die französischen Forderungen dem Gedanken einer wirklichenWiedergutmachung", das ist Beseitigung einer Notlage in Frankreich, entspringen, sondern wie sich vielmehr einzig und allein von dem Haßgedanken diktiert sind, das deutsche Wirtschaftsleben durch Auf- 1 erlegung unerträglicher Leistungen zugrunde zu richten.

Richt verzweifeln,

der Verleumdung geschaffene Annahme von der alleinigen Kriegsschuld Deutschlands die Voraussetzung bildet. Deutsche Kriegsverbrechen, deutsch« Kriegs­schuld, das war ja das rechtlich-moralische Mäntelchen, mit dem die Henker Deutschlands zur Täuschung der Welt den schamlosenVertrag" von Versailles umhüll- ten. Das Mäntelchen ist längst gefallen. Selbst in den Siegerstaaten sind in der letzten Zeit gewichtige Stimmen, Männer von Ruf und Ansehen aufgestan­den und haben bas Märchen von der alleinigen Kriegs­schuld Deutschlands gründlich zerzaust. Und kein Ge­ringerer als Lloyd George selbst hat unlängst zuge- standön, daß am Kriege alle beteiligten Staaten die Schuld tragen, weil alle betliligten Staaten die Atmo­sphäre schassen hatten helfen, die den Krieg hervorge» bracht hatte. Aber die Konfeguenzen aus ihrer besseren Einsicht und Erkenntnis ziehen die Siegerstaaten nicht; sie behandeln das beutfdje Vrlk immer noch als den alleinigen Kriegsverbrecher, um sich vor ihrem eigener Gewissen zu rechtfertigen für die ver­brecherischen Grausamkeiten, die sie fortgesetzt an einem ganzen Volke begehen, das das Unglück hatte, von einer Mächtekoalition, wie sie die Welt noch nicht gesehen, irr heroischem Kampf« besiegt worden zu sein. Aber das Eine kann ganz energisch verlangt werden: daß die Alliierten das WortGerechtigkeit" nicht mehr be- schmutzen, indem sie es bei ihren Gewaltakten gegen das deutsche Volk in den Mund nehmen. ,

nicht mutlos werden, das muß immer wieder unser Vorsatz fein. Es ist wahr, unjere Gegenwart ist schwer und drückend, wir spüren es alle am eigenen Leib, dunkel ist auch die Zukunft, wir wissen nicht, was der Uebermut der Sieger mit uns vor hat. Aber wie dies in ~ v------- . - .der msnschl. Natur liegt, vergessen wir Menschen nur

$" ^ Eniwtiffnungssrage ist auch eine ganze Reihe allzu leicht, daß alles Schwere und Grausige, das uns wn Forderungen über Einzelheiten in der Einrichtung! - scheinbar unerträglich belastet, nichts einzig Da-

siedendes noch nie Dagewejenes vor stellt, sondern M der Form vermieden, im Wesen und der Wirkung das. selbe, schon Hunderte von Generationen Spanen h« unb noch Hunderte trefien wird, daß all M6.^ niss«, vom Strom des Werdens und der ^ntw.ck.ung herbei geführt, von diesem auch weder fortgetragen wer­den. Aber es wäre ein törichter und schädlicher G.auoe, wenn einer meinte, es genüge, mit tatenlos verschlang«, den Händen in diesen Strom zu blicken und sich von ihm wehrlos müssten zu lassen. Nicht die Ereig^ inen ben Menschen, sondern der Mensch gestaltet pe, wenn die Zeit nicht tätiges Handeln und Eingrelsen er- laubt, so doch durch seine seelische Bereitschaft, durch die geistige Auffassung, die sittliche Willensrichtung, dre er ihnen gegenüber aufbringt:Gewaltiger als ua» Schicksal ist der Mut, der es unerschüttert trägt und der es, wie uns die Sefd)id)te lehrt, eben durch bieic Unerschütterlichkeit und Ungebrochenhâ ü^rwindet. Unser Volk, unser Vaterland Ijat schwere Geschicke dem gegenwärtigen vergleichbar schon mehr als emmal gesehen, es sei nur erinnert an die Zeit des 30jährigen Krieges und an die Napoleonischen Kriege zu Anfimg des vorigen Jahrhunderts, immer wieder hat es sich erhoben und darin liegt die Gewähr, daß auch jetzt über kurz ober lang mit der unwiderstehlichen Triebkraft historischer Gesetzmäßigkeit neue Formun­gen sich cnimideln müssen, die uns den uns gebuhren- den Platz im Weltgeschehen jurütfgeben.

Als französische Besatzungtruppen in Weimar ein- rückten und alle ty^en in Furcht und Ungewißheit vor dem Kommenden zitterten, bat eine Dame Goethe um ein Wort des Trostes und der Beruhigung. Gelassen antwortete der Dichter:Die Köchin soll weiter kochen, der Schuster flicken, der Schneider nähen". In dieser scheinbaren Trivialität ruht eine große Weisheit, bie auch für uns und unsere fetzige Zeit gilt: Wenn der Blick in die fernere Zukunft dunkel und voll Schrecken ist, dann frommt es am meisten, sich in die Betrach- tung der nächsten Stunde und dessen, was diese heischt, zu versenken. Alle Kräfte zusammenfassen, aus dem Posten, auf den jeder von uns gestellt ist, so ausharren, als Hinge in Wahrheit von der Stärke und Hingebung dieser Pflichterfüllung die Rettung des Staates, die Rrt- tung jedes einzelnen ab. das ist es, was die Stunde for­dert. Kopf hoch! Seine Pflicht getan, komme was kom­men mag, so dürfen wir hoffen, allmählich aus dem Elend wieder herauszukommen.

3m Reichstag

wird bet Etat beraten, wobei sehr viel geredet wird!, Daß all die Reden nötig sind, wird kein Mensch be­haupten, im Reichstag sieht man das auch selbst ein und sucht nach Mitteln und Wegen, den Redefluß einzu­dämmen. Das wird aber vergebens sein, wenigstens so lang die Preußenwahlen nicht erledigt sind. Denn jetzt suchen die Parteien jede Gelegenheit auf, sich in empfehlend« Erinnerung zu bringen und Redenzum Fenster hinauszuhalten", befonbers stark sind darin na­türlich die Sozialdemokraten. So benutzten sie die erste Beratung einer Novelle zum Einkommensteuergesetz zu einer großen Steuerrede, um dem Kapitalismus den Vorwurf zu machen, er wolle die Einkommensteuer abbauen und die indirekten Steuern erhöhen. Das hatte natürlich die Folge, daß auch andere Redlier sich mit der Sache beschäftigten und erst lang hin und her- geredet wurde, ehe die Vorlage der Kommission über­wiesen wurde, wie das sonst in solchen Fällen geschieht, denn die Arbeit muß ja doch in der Kommission von den Sachverständigen gemacht werden. Sehr stürmisch ging es bei Beratung der Suffigierte her, wobei die Un- abhängigen und Kommunisten gegen die heutige Klas­senjustiz" loslegen, durch die bewußt das Recht gebeugt würd« zur Unterdrückung der Arbeiterklafs«" u. dergl. Was wir aber erleben würden, wenn diese Gesellschaft Düwell, Geyer, Henke, Kouen, Adolf Hoffmann und Konsorten ans Ruder kamen, und welcheKlassen­justiz" dann das arme Volk mißhandeln würde, das hat ihre kurze Herrschaft in Boyern und der Geisel­mord in München gezeigt. Eine wirklich« Klassenherr­schaft einseitigster Art hätten wir zu erwarten. Im weiteren Verlauf der Debatte kam es zu einem Zu­sammenstoß Mischen den Mehrheitssozialisten und dem Unabhängigen Könen. Als dieser den ehemaligen Reichswehrminister Noske beschimpfte, rief der Mehrheitssozialist Hörsing, zurzeit Oberpasidcnt in Magdeburg, mit Stentorstimme:Lausejunge". Die Kommunisten, an der Spitze Adolf Hoffmann, bringen auf ihn ein. Hörsing gibt dem Adolf einen Stoß auf