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Deutsches Reich.

Der 18. Januar, der 50jährige Gedenktag der Reichsgründung ist überaa in würdiger Weise begangen worden, wenn auch für alle Festfeiern bas Dantesche Wort als Motto gelten konnte: Kein größeres Leid ist uns bejchieden als freier Zeiten sich erinnern in Elend". Es besteht allerdin^ ein ge- walt ger Unterschied zwischen 18. Januar 1871 und 1921 Damals überall helle Begeisterung und Hellte: Niedergeschlagenheit, Mutlosigkeit in den weitesten Volksschichten. Diese Mutlosigkeit ist das schlimmste Uebel, der schlimmste Feind und wir müssen sie be­kämpfen durch unser Vorbild und durch Worte der Er­munterung. Damit leisten wir dem Vaterlande einen gro­ßen Dienst: Mr brauchen nicht zu verzweifeln, wenn wir uns auf uns selbst besinnen: aus deutsche Arbeit, deutschen Fleiß. deutsche Treue und insbesondere auf gute, alle deutsche Sitte. Aber eines müssen wir lassen: den ewigen Parteihader, das Heroorkehren des Tren­nenden unter den Volksgenossen Einig und geschlos­sen muß das ganze Volk Zusammenarbeiten. Das Ge­bot der Stunde ist heute für jeden Deutschen: Nette das Vaterland! Rette Deutschland! Und wenn das ganze Volk wieder von diesem Geiste erfüllt ist, dann können wir in Wahrheit wieder singen: Deutschland, Deutschland über alles! Wir müssen aber aufbücken zu den Sternen, die über uns leuchten und unsere Her­zen zu Gott erheben. Sursum corda! Das sei unser Wahlspruch hi schwerer Zeit. Der Gott des Himmels und der Erde sei unsere Hoffnung. Unser Vertrauen auf Gott soll nicht wanken in Sturm und Not.

Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, In keiner Not uns trennen und Gefahr, Mr wollen frei sein wie die Väter waren. Eher den Tod. als 'm der Knechtschaft leben. Wir wollen trauen auf den höchsten Gott Und uns nicht fürchten ver der Macht der Menschen!

Entscheiden

wird sich in diesen Tagen, was wir an die Entente als Wiedergutmachung zu zahlen haben. Nach dem Frie­densvertrag soll die Festsetzung bekanntlich bis zum 1. Mai 1921 erfolgt sein. Uns wäre es am liebsten, wenn man uns gleich die Gesamtsumme mitteilen würde, die wir zahlen sollen, damit wir uns danach einrichten kön­nen und die quälende und alles lähmende Unsicherheit aufhört. Nun will man aber auf Seiten der Entente zunächst nur eine Regelung für 5 Jahre treffen. Nach den Vorverhandlungen, die in Paris zwischen dem deutschen Staatssekretär Bergmann und Vertre­tern der Entemeregierungen stattfonden, ist die deutsche Negierung anscheinend geneigt darauf einzugehen. Berg­mann betonte, es seien zwar schwere Opfer, die für Deutschland aus der Vertagung der Feststellung der Gesamtenischädigung erwachsen, er erkläre sich jedoch bereit, über die neuen Vorschläge wegen der Ficierung der fünf Jahresraten unter gewiss«, Voraus­setzungen zu verhandeln. Es dürfte sich dabei um dir Gleichberechtigung Deutschlands auf dem Handelsgebiet, Freigabe des beschlagnahmten deutschen Eigentums im Ausland, die Schiffstonnage und Oberschlesien han­deln. Nach deutscher Auffassung bilden diese Punkte die Grundlage für jede Verständigung über die Wie- dergutmachungsleistungen. Inwieweit die Alliierten bereit sind, in diesen für die ganze Weiterentwicklung der Angelegenheit wm deutschen Standpunkt aus ent« scheidenden Punkten Deutschlands Wünsche zu berücksich­tigen, darüber ist noch nichts Näheres bekannt. Es muß aber auch im Interesse der Wirtschaft der Ententestaa- ren und des Wiederaufbaues Europas über diese Bor» aussetzungen unbedingt vollkommene Klarheit erzielt werden. Was in der Presse über die Pläne der En- teme besonders Frankreichs, verlautet, klingt allerdings sehr phau.ast'sch; es wird von drei Milliarden Ssld- mar? pro Rate gesprochen, eine ganz unmögliche Forderung. In der ^jyiei>c:gutmad)ungs"=$omm Inn "ÖÄ ^ Gesamtkriegsentschädigung von - 4 )() Mnliaruen Papier f r a n c s gesprochen worden AN' was nach dem beulten Stand ungefähr 1600 MÄrisroen Papier mark ausmacht. Da ft^ht einem bald der Verstand still! ' *

Der Reichstag ist wieder zusammengetreten. Der Präsident Löwe ge= oaqjte zu Beginn der Sitzungen des 50jährigen Sehens« toges der Reichsgründung. Als der Kommunisten- j

führet Dr. Levi (aus Frankfurt) dagegen protestierte, kam es zu stürmischer. Austr'.uen. Die Kommmüsten chamten sich auch nicht, als der Präsident des ver- rorbenen Reichskanzlers v. Bethmann Hollweg gedachte, iyen zu bleiben, und durch lärmende Zwischenrufe die Worte des Präsidenten zu unterbrechen. Durch dieses Auftreten, das nicht einmal vor der Majestät des Todes Achtung hat, hüben sie sich selber aus her Gemeinschaft anständiger Menschen ausgeschlossen. Diese Leute bemühen sich überhaupt, immer mehr den Ton der Gasse und der Radauoersammlungen ins Parlament zu bringen, nicht wie Männer, bk das Vertrauen weiter Voltskreise genießen, soâru wie böse Buben benehmen sich manche dieserVolksvertreter". Das zeigte sich auch bei der von ihnen eingebrachten In­terpellation auf Aufhebung des Ausnahmezustandes in Bayern, die übrigens mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. Dem Geschwätz der Kommunisten, die über Bayern al- denHort der R.eM'Ln" los-ogen, hat der Äbg Emminger ven de: Llf,h 'ibtn Volkspartn eru- gegen, welcher jagte:Warum verargt man es Bayern, wenn es jetzt erleichtert auiatme, wo seine Landstraßen endlich von den Lastautos mit Maschinengewehren und von den roten Bestien 'm Menschengestalt befreit sind? Vom Llusnichmezustand ist jetzt herzlich wenig zu spüren." Die Vorsicht gebietet, den Ausnahmezustand vorerst noch aufrecht zu erhalten der übrigens unter dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Hofmann eingeführt worden ist. Auch über Steuerfragen gab es im Reichstag eine Aussprache, wobei die Sozklldemo- kraten dir Gelegenheit benutzten, zum Fenster hinaus Wahlreden zu halten. Die Vlklrederei, ein aller Krebs­schaden im Reichstag, ist in den letzten Monaten wieder sehr stark liervorgetreten und man suchte wieder nach Mittä und Wegen, sie einzudämmen. Ob die Vor­schläge, die deshalb zur Geschäftsordnung gemacht wurden, angenommen werden, steht noch dahin. Er- rvähnt sei noch eine Interpellation der Unabhängigen, dir sich darüber beschwerte, daß Deutschland nicht wie­der irr wirlschafsirche Beziehungen zu Rußland getreten sei. Der Außenminister Simons hatte im Sommer vorigen Jahres allerdings eine Rede gelösten, in der er von der großen ausbauenden Tätigkeit gesprochen, die in Rußland geleistet werde. Die Rede hat damals großes Aufsehen erregt, weil man in den weitesten Kreisen an dieseaufbauenbe" Tätigkeit der Bolsche­wisten nicht glauben wollte. Diese Ansicht hat sich jetzt bestätigt. Dr. Simons erklärte offen, bag die Tatsachen seine damalige Auffassung nicht bestätigt hätten. Die Pläne der Russen, von denen er damals gesprochen, feien eben nur Pläne geblieben. Mit Ruß­land sei ein wirtschaftlicher Verkehr unmöglich, so lange keine Gegenwerte gegeben würden und die Entente Deutschland von Rußland abfperre. Wir sind also auf dem toten Punkt angelangt und vorläufig werden wir auch keinen Schritt weiter kommen.

Die Gefahr innerer Unruhen

ist noch nicht beseitigt; das haben die jetzt aufgedeckten Vorbereitungen zur Bildung einer Roten Armee in Deutschland neuerdings bewiesen. Es wurden sieben Führer einer kommunistischen ungesetzlichen Kampfor- gamsation in Westdeutschland festgenommen, darunter der wegen der kommunistischen aufhetzenden Tätigkeit wohlbekannte Bergmann Schröder. Bei Durchsuchun­gen wurde reiches Material über die Bildung einer Roten Armee in Westdeutschland gefunden. Me Or­ganisation baute sich in Bezirks-, Unlerbezirks- und Orts- staben unter einer Oberleitung mit dem Sitz in Esten auf. Aus den Vorgefundenen Papieren und aus dem Geständins Schröders ist festgeftelli, daß der Plan auf einen gewaltsamen Sturz der Regierung und der Ver­fassung und zur Aufrichtung der Diktatur des Proleta­riats ähnelte, sowie daß die Kommunistische Partei, die sich gewissermaßen als ein Staat im Kleinen betrachtet, als politische Partei den Aufbau unmittelbar unterstützte. Es ist auch feftgefteßt worden, daß leichte und schwere Waffen, sowie sonstiges Kr^gsgerät in erheblicher Menge vorhanden ist. Hoffentlich wird die Regierung energisch durchgreiferr und dafür sorgen, daß diesen Un­ruhestiftern das Handwerk gründlich gelegt wird.

Amnestie

(Slrafnachlaß) ist in der letzten Zeit öfters allgemein gewährt worden. Selbst der sozialistifche sächsische Justizmimstec mußte zugeben, daß das die öffentliche Moral augenscheinlich verschlechtert habe, denn von 1918 b^ 1919 sei in Sachsen die Zahl der Verbrechen

und Vergehen um 28 Prozent gestiegen und LA Steigerung auch 1920 angehallen. Das ist ^em Wunder, wenn die Uebertreiung der ©eftfee ustm« wieder nachgesehen wird, kümmert sich fcyüeuM) reih Mensch mehr darum. Sowohl der unabhängige wc« der mehrtzeitssozialistische 81 ebnet traten übrigens -e* zsichriLNderweise für Strafsreiheit von LeveWNutte^ diel stahl ein; die Kommunisten forderten biete auch für den Bandenführer Hölz. Beim sächsischen Justiz- imuisterium laufen täglich bis zweihundert Gnadcn- gesuche ein. Jedenfalls ist das alles auch ein ZèrchM des Trefstaiides unserer Zeit.

Eine Spaltung

zeigr sich überall unter den Sozialisten. In Deutzch» land stehen sich vier Richtungen gegenüber, in Fram- reich haben sich dieMoskauer" im Parlament als selbständige neue Partei ausgetaw In Imiden zeigt sich dasselbe Bild. Mit dieser zunehmenden Spaltung des Proletariats mindert sich die Gefahr ferner Allein­herrschaft. Die vernünftigen und ordnungsliebendsn Teile der Arbeiterschaft werden geradezu hingedrängt zur Mitarbeit mit den übrigen, in den bürgerlichen Par- teien verrrstenen Ständen. Hoffentlich werden auch die kalholijchen Arbeiter, die nach der Revolution in das rote Lager gezogen sind, bald wieder den Weg zurückfinden, nachdem sie eingesehen haben, daß die Sozialdemokratie ihnen das verjprochem Paradies aus Erden auch nicht geben kann, während sie aus der anderen Seite ihnen das nimmt, was das irdische Leben allein erträglich macht den Glauben und die ^< ltgion. Diese Massen -urückzugewirmen, muß unsere dringendste Ausgabe sein.

Eründlich greift

ist der Sozialist Schwartz, eines der rührigsten Mit» glieder der amerikanischen sozialistischen Partei, der von den Sozialisten seiner Heinwt zur Teilnahms am Kon­greß der Dritten Internationale nach Moskau entsen­det worden war. er erklärt« in einer Unterredung gegen­über dem Vertreter desMatin" in London, er sei abgereift in dem Glauben, die Sowjetherrschaft sei ge- eignet, die Arbeiterschaft zu befreien. Er sei aber aus Rußland als glühender Gegner des Bolschewismus zu- rückgekehrl. Da er die russisch« Sprache vollkommen beherrschte, habe er eine genaue u. umfangreiche Unter­suchung angestellt, ohne die Vermittlung eines Dolmet­schers hi Anspruch nehmen zu müssen. Schwartz er­klärte, in Rußand gebe es keine Preßfreiheit, keine Meiunngssreiheit mib keine Rsiigiansfreiheil mehr. Oefsentllche Versammlungen feien verboten. Die Ge­richte arbeiten bei verschlossenen Türen ohne Anwälte. Ueberall herrsche Elend und wüten Krankheiten. Als die Bolschewiken den Scharfblick Schwartzs erkannten, hätten sie ihn ins Gefängnis geworfen, wo er drei Monate blieb. Schließlich erklärte Schwartz, er wollt eine lebhafte Propaganda entfalten, um allen jenen bii Augen zu öffnen, die noch an die Wohltaten der bolsche- wikijchen Herrschaft glauben.

Lich selbst schaden

jene, die ihr Geld in Banknoten zusamluenhamstern- 'oie haben insofern eine Mitschuld am finanziellen Zu­sammenbruche des Vaterlandes, als sie durch ihr un­vernünftiges Hamstern den Staat zwingen, immer mehr Banknoten zu drucken. Dadurch sinkt der Geld­wert von Tag zu Tag. Diese Pap iergeldhum sterer wer- den beim Staalsbankeroll am ersten betroffen, denn in erster Linie wird das Papiergeld herabgefetzt oder ganz ungültig erklärt, wie es nach der französischer-. Revo­lution mit Len sog. Assignaten geschah. Die beste Geld­anlage ist heute in Haus, Grund und Boden, im An­kauf von ©ebrau^sgegenftänben oder Pfandbriefen Landgemeinden, in denen viel Geld verdient wurde, sonnten heute eher als sonst einmal daran denken, eigen* Scelsorgsstellen, Pfarreien oder Kuralien 311 stiften.

Kurland.

Das neue stanzssische Ministerium

hat in der Kammer durch Briand sein Programm be« sannt gegeben . Danach eröffnet sich, wie voraus zu sehen war. keinerlei Aussicht auf irgendwelch versöhn­liches Verhalten Frankreichs. In der Form vielleicht etwas höflicher, in der Sache dagegen gleich unnach­giebig als feine Vorgänger, vertrat Briand den franzö­sischen StanbMnkt einer buchstäblicken Durchführung der