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Wochenkalender.

Sonntag, 30. Jan. Sonntag Sexagesima. Martina, Jgfr. u. Wi.

Montag, 31. Jan. Petrus Nolaslu», Bek.

Dienstag, 1. Febr. Ignatius, Bisch. u. M.

Mittwoch, 2. Febr. Mariä Lichtmeß.

Donnerstag, 3. Febr. Blasius, Bisch, u. M.

Freitag, 4. Febr. Nabanus Maurus, Bisch, u. Bek. Samstag, 5. Febr. Agatha, Jgfr. u. M.

Sonntag Lexagesima.

^Ev. Luk. 8, 416.)

Zu jener Zeit, als sehr viel Volk zusammenaekommen, und aus den Städten zu Jesus herbeigeeilt war, sprach er gleichnisweise: Ein Säemann ging aus, seinen Samen zu säen, und da er säete, fiel Einiges an den Weg, und wurde zertreten, und die Vögel des Himmels fraßen es. Ein Anderes fiel auf steinigten Grund, und da es aufging, verdorrte, weit es keine Feuchtigkeit hatte. Ein Anderes fiel unter die Dörner und die Dörner, die mit aufwuchsen, erstickten es. Ein Anderes fiel auf gute Erde, und ging auf, und gab hundert­fältige Frucht. Als er dies gesagt hatte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre! Es fragten ihn aber seine Jünger, was dieses Gleichnis bedeute. Und er sprach zu ihnen: Euch ist gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen; den Uebrigen aber werden Gleichnisse gegeben, damit sie sehen und doch nicht sehen, hören und nicht verstehen. Das Gleichnis aber bedeutet dieses: Der Same ist das Wort Gottes. Die am Wege, das sind dre, welche es hören: dann kommt der Teufel, und nimmt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden. Die auf dem steinigten Grunde, das sind die, welche das Wort mit Freuden aufnehmen, wenn sie es hören; aber sie haben keine Wurzeln: sie glauben eine Zeit lang und zur Zeit der Versuchung fallen sie ab. Das, was unter die Dörner fiel, das sind die, welche gehört haben, aber dann hin» »ehen und in den Sorgen, Reichtümern und Wollüsten oes Lebens ersticken, und keine Frucht bringen. Was aver aus gute Erde fiel, das sind die, welche das Wort

V? dem guten, und sehr guten Herzen be. halten, und Frucht bringen in der Geduld.

©fcne «ihren.

. Gleichnis vom Sämann hat der Heiland mit göttlichem Ernst unter Ä selneZuhörer dasWort gerufen.Wer Ohren hat zu hören, der höre!" t Offene Ohren mußt du also mit- ^ ^S^) bringen, um aufmerksam und lern- begterig das Wort Gottes, die Predigt, zu hören, besteht denn zur Anhörung der Predigt irgend welche Verpfliwtung? Nach dem Buchstaben aller- mngs nicht, aber nach dem Geiste. Hat doch die Kirche von jeher ihren Seelsorgern die Pflicht auf- und gerade in ihrem neuesten Gesetzbuch, Kodex des Kirchenrechtes, diese Pflicht aufs

neue eingeschärft, jeden Sonn- und Feiertag das Wort Gottes zu verkünden, die Predigt zu halten. Nun frage ich: wem soll denn das Wort Gottes verkündet werden? Vielleicht den Bänken? Oder den Beichtstühlen? Oder der Orgel? Nein, sondern den Ohren und den Seelen verständiger Christen. Auch hat die Kirche ihre Kinder verpflichtet, jeden Sonn- und Feiertag der hl. Messe beizuwohnen; aber was für einer Messe? Einer solchen, wie sie eben in der kath. Kirche üblich ist an Sonn« und Feiertagen. Nun werden aber fast alle Sonntags­messen mit Predigt abgehalten; also mußt du auch der Predigt beiwohnen und hast keineswegs die Freiheit, dieielbe nach Gutdünken zu versäumen. So liegt die Verpflichtung zum Anhören der Predigt im Geiste des Kirchengeboles; und der Heiland hat be­kanntlich gesagt, daß der Buchstabe tötet, der Geist aber lebendig macht.

Und außerdem, welche Folgen hat denn die Vernach­lässigung der Predigt? Betrachte ein Feld, das jahre­lang nicht mehr gepflegt und in Ordnung gehalten wird. Wie sieht es aus? Von Unkraut, Dornen und Disteln ist es ganz bedeckt und überwuchert. So geht es einer Seele, die das Wort Gottes ver­schmäht. Da wuchern die Dornen der Leidenschaften und die Disteln der Sünden. Die Predigt muß immer wieder in die Seele gute Gedanken "hinein­pflanzen. immer wieder ausreißen die Keime der Leidenschaften, aushauen die Wurzeln der Sünden. Woher kommt es, daß viele unter den Gebildeten eine so jämmerliche Unwissenheit in Sachen bei Religion an den Tag legen? Daher, daß manche in falschem Wissensdünkel die Arznei der Predigt verschmähen. Und woher kommt es, daß manche Bauersleute, Fabrikarbeiter, Taglöhner so gut Be­scheid wissen in Sachen der Religion? Daher, daß sie die Predigt fleißig und aufmerksam anhören.

Eine große Kraft besitzt in der Tat das Wor Gottes. Lebendig ist es und wirksam, sagt der Apostel, und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch bis zur Scheidung von Mark und Bein, von Seele und Geist. Ist nicht das Wort Gottes, die Predigt, oftmals schon der Donner gewesen, der eine schlafende Seele aufgeweckt, die Posaune welche die tote Seele zum Leben zurückge- rufen hat, der Hammer welcher so manche Seele härter geschmiedet hat als Stahl und Eisen? Geschmiedet hat gegen die Versuchungen, geschmiedet hat gegen Fleisch, Welt und Satan, festgeschmiedet hat an Gott, Tugend und Vollkommenheit? Welch reiche Ernte von Seelen wird z. B. bei Volks­missionen erzielt; wie viele Bekehrungen und Er­leuchtungen sind da zu verzeichnen als Frucht der flammenden Predigten gottbegnadeter Missionäre. Was hat im christlichen Altertum einen hl. Antonius aus den W.g der Vollkommenheit, auf den Weg des Ruhmes und der Seligkeit geführt? Eine einzige, aufmerksam gehörte Predigt. In einer Kirche hörte er das Wort des Herrn vortraaen. das er einst .i -e^ '

reichen Jüngling zurief:Willst du vollkomme lein, so geh hin, verkaufe alles was du hast und gi es den Armen und komm und folge mir nach."

Wie muß man aber die Predigt anhören? Nicht mit geschlossenen, sondern mit offenen Ohren. Von den Juden steht geschrieben, daß sie bei der Predigt des Stephanus die Ohren zuhielten! Wann schließen sich die Ohren? Wann geht die Predigt ipurlos an ihnen vorüber? Wenn die Augen sich schließen im Schlaf. Ein Schlafen ohne Absicht, ein Schlafen sogar trotz Gegenwehr, ein Schlafen aus Schwäche der Natur verdient Entschuldigung und war sogar schon Veranlassung zu einem Wunder. Während der Predigt des hl. Paulus zu Troas hatte sich der Knabe Euiyches ins offene Fenster gesetzt und da die Predigt die ganze Nacht dauerte, war der arme Bursche eingeschlummert und fiel plötzlich vom 3. Siockwerk hinab auf die Straße. Große Panik t Paulus aber eilte hinab und erweckte den Jüngling zum Leben. Absichtliches Schlafen aber, böswilliges' Schlafen ist eine große Unhöflichkeit, ist eine Ver-i achtung des göttlichen Wortes, eine Beleidigung des Predigers, etn Stein auf der Wagschale des Gerichtes!

Gelehrig sollst du das Wort Gottes anhören; an­wenden sollst du es auf wen? Nicht auf andere, nein zuerst auf dich selber. Dazu gehört eine gute Dosis Demut und Aufrichtigkeit. Selbst dem König Dabib mußte der Prophet mit dem Holzichlegel winken. Ein reicher Mann, so sprach Nathan zu David, bekam Besuch und anstait eines seiner eignen Schafe, deren er ganze Herden hatte, zum Festschmaus zu nehmen, raubte er das einzige Schäfchen eines armen Unter» ianen. Der König ergrimmte. Dieser Mann soll sterben, rief er zornig aus, und das Schaf soll er vierfach zurückerstatten.Du bist jener Mann," fiel ihm Nathan ins Wort. Denn du hast durch beinec Ehebruch geraubt und gemordet."

Es ist eine große Verkehrtheit, nach der Predigt zu sagen: heute war der und der getroffen, heute hat die und die ihr Fett bekommen! Freund, kehre zuerst vor deiner eignen Tür, bevor du in die Stube des Nachbars eindringst, um dort den Schmutz zu inspizieren. W.ie sagt doch so schön der liebe Hei­land? Zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge und dann magst du sehen, wie du den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehen magst." Auch *oH man nach der Predigt nicht verhandeln, wie die Frau Bürgermeister und die Frau Lehrer angezogen war und welchen Ring und welchen Hut sie getragen, sondern die Predigt sollt ihr zu Hause bei Tisch' be- prechen und überlegen, wie ihr sie im Leben benützen könnt.

Wohlan, besuchet eifrig und lernbegierig die Pre­digt und höret sie mit offenen Ohren, damit ihr euer Hei! auf einen Felsen baue1.

Der Burgpfarrer.