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Die 56 jährige Wkderkchr

des Tages, der dem preußischen Volke in Erfüllung jahrzehntelanger Sehnsucht ein einiges Vaterland schenkte, konnten wir am 18. Januar begehen. Stolz und Wehmut erfüllen uns in diesen Tagen. Wehmut über das, was in diesem kurzen Zeitraum aus Deutschland geworden, Stolz darüber, daß, wenn auch die Feinde uns so ziemlich alles genommen, sie uns unser Deutschtum, unsere Liebe zum Deutschen Reiche nicht aus dem Herzen reißen können, auch nicht den Willen, deutsch zu bleiben und als Deutsche wieder ein neues, wenn auch ein armes Deutschland aufzubauen. Stolz können wir auch sein aus die Siegs von 1870 und 1871, auf denen sich die Neugründung aufbaute, denn Deutschland hat sie aus eigener Kraft errungen, was nicht alle Sieger von heutzutage von sich sagen können, stolz dürfen wir auch sein auf die Gesinnung, mit der das siegreiche Deutschland vor 50 Jahren sei­nen besiegten Gegner (Frankreich) behandelt, indem es einen schnellen und ehrlichen Frieden geschlossen hat, der dem B.siegten seine Lebensbsdingungen ließ und ihm die Möglichkeit gab, sich schnell wieder von der Niederlage zu erholen. Wie ganz anders ist man jetzt mit uns verfahren in dem unmenschlichen Vertrag von Versailles, den man uns feit zwei Jahren ausgezwun­gen hat. Hoffentlich wird die Welt auch uns bald Ge­rechtigkeit und Menschlichkeit zuteil werden lassen. Damit wollen wir dann zufrieden sein. Die Zeiten in denen Deutschland tonangebend in der Welt war, sind für lange Zeit vorüber. Was anfangs der achtziger Jahre der Engländer Lord Russel von Bismarck sagte:In Petersburg ist sein Wort Evangelium, so gut wie in Paris und Rom, wo seine Aeußerungen Respekt urch sein Schweigen Furcht einflößen" wird man wohl so bald nicht wieder von einem deutschen Reichskanzler sagen können. An äußerer Macht wer­den wir für lange, lange Zeit arm sein, wenn wir doch wenigstens innerlich erstarken würden, aber daran fehlt es auch. Woran wir. aber heute am meisten leiden, das ist die Erschütterung aller Zucht, aller Vaterlandsliebe, aller Staatsgesinnung, alles Gemein­sinnes, die Taubheit breiter Schichten gegen jedes all­gemeine Gebot. Das muss auf die Dauer zur Auflösung nicht nur des Reiches, sondern über­haupt jeder staatlichen Ordnung führen. Denn wo solche Grundsätze Geltung haben sollen, da ist kein Staat möglich; weder ein Volksstaat, noch ein Obrig- ksitsstaal, weder ein sozialer, noch ein kapitalistischer Staat. Es gibt mir eine Rettung: die Erneuerung von innen heraus; Abwendung vom materialistischen Geiste, von der unbedingten Anbetung des Erfolges, hin zu den Gedanken des Christentums muß die Pa­role werden. Und daneben sind die Fundamente: die Wiedererweckung der elementarsten staatlichen Kräfte des Deutschen: Heimatliebe und Heimatgefiihl, Sinn für Ordrmng und Gerechtigkeit, für Arbeit und Treue. Neben ihnen brauchen wir, als Ausfluß praktischen Christentums, in der Staats- und Verwaltungs-Ma­schinerie wie beim einzelnen Staatsbürger und Volks­genossen eine weitere, höhere, gemeinsame Einheit, die höher und größer und dauerhafter sein nmß, als sie im alten Deutschland von 1871 war: die Schicksals- gemeinschaft des ganzen deutschen Volkes. Dieser Ge­danke, zum festen Willen geworden, geht hinweg über Föderalismus und Unitarismus. über das kleine und große Tagesgezänk der politischen Parteien. Solchen Gsanken zu dienen, wollen wir an der Halbsahrhun- dertfeier des Deutschen Reiches in Dank und Hingabe geloben.^ Helfen wir frohgemut unb tatfroh, feder an feinem ^il, daß, wie wiederholt in der Geschichte uiiierer Vorfahren, wir auch heute die Rückkehr wieher« finden zu dem, was unsere ärmsten Zeiten schon ein­mal zu unseren reichsten gemacht hat.Verteidigt das Reich, rettet es für die kommenden Geschlechter hin­über in eine bessere Zukunft! Das sollte Losung und Weckruf jedes politisch denkenden und deutschfüllen- den Mannes sein." (PosadowskyO

Deutsches Hei$.

Die preußisch- Londesversammlung hat nach fest Ljährigrr Dauer ihr Ende erreicht, nach- 'dem sie zuletzt noch in Tag- und Nachtsitzungen ihren Veratungsstoff erledigt hatte. Ob es nötig war, so £>als über Kopf om2u^chLA. scheint uns lehr MÄich,.

überhaupt hätte man es nicht so eilig haben sollen mit ihrer Auflösung. Di» Deutschnationalen haben auf Neuwahlen gedrängt, mit der Begründung, nach dem Ausfall der Recchstagswohlen entspreche die preußische Landesversammlung in ihrer Zusammensetzung nicht mehr dem Willen der Mehrheit der Wählerschaft. Aber selbst rein zahlcrunäßig betrachtet, stimmt das mch. ganz, denn trotz des Ruckes nach rechts ist eine tragsnhtgs andere Mehrheit, wie wir sie jetzt haben, gar nicht möglich. Wie die Verhältnisse liegen, kann nicht gegen die Sozüüdemokratte regiert werden, weder im Reich noch in Preußen, wenigstens ist diewohlwollende Neutralität" der Sozialdemokraten nötig. Eine reine Rcchtsregieiung würde uns in die größten inner- und außenpolitischen Schwierigkeiten bringen. Für abseh­bare Zeit ist nur unter Ausscheidung der Extremen von rechcs und links eine Regierung der Mitte möglich - Leider hat die Landesversammlung am Ende noch ein reckst unerfreuliches Schauspiel geboten; nachdem durch die Widersetzlichlvst der Rechten das Hebammengesetz und das Gesetz über die Selbstbewirtschaftung der Do­mänen zu Fall gebrach; worden war, revanchierten sich die Sozialdemokraten damit, daß sie auch bei den An­trägen zum Kultusetat besonders bei den Resolutionen zugunsten der Besoldung der Geistlichen Obstruktion üblen und künstlich, durch Nichtabstimmen die Beschluß- unfähigkeit des Hauses herbeiführten. Damit ist auch die beschswcne Erhöhung der Gehälter der Geistlichen vorläufig abgelehnt und ihre Notlage dauert fort. Die­ses Vorgehen der Sozialdemokraten wollen wir uns für die bevorstehenden Vahlen merken, für die not­leidenden Geistlichen haben sie gar nichts übrig, nicht einmal das Notwendigste gönnen sie ihnen. Das ist die roteReiigwnsfrcundsichkeilt"

Trüb sind die Aussichten

für die Besprechungen, die demnächst in Brüssel unter den Sachverständigen über die Einzelheiten der von uns verlangten Wiedergutmachung fortgesetzt werden sollen. Eine Reihe von Fragen will man uns vorlegen, darun­ter u. a. folgende:Welche Maßnahmen hat Deutsch­land getroffen, bei b r Aufstellung des diesjährigen Budgets die Herstellung des Gleichgewichts anzustre- ben?" Welche erhöhten Steuereingänge hat Deutsch- land in den nächsten 2 oder 3 Jahren zu erwarten?" Wie hoch sind die Kosten der deutschen Ver­waltungsbehörden, wie groß die Zahl der Beam­te n und Angestellten?" Welchen Zweck die Entente mit dieser Frage verfolgt, das beantwortet ein Antrag eines französischen ©negierten, der fordert, den deut­schen Reichshaushalt auf die Möglichkeit von Abstrichen zu prüfen. Frankreich wird zweifellos auf dieser For- derrmg bestehen und sie mit allen Mitteln durchzudrük- ken versuchen. Es kann sich bei seiner Forderung auf dir Bestimmungen des Friedensvertrages berufen. Denn im Teil 9, Art. 218 des Friedensvertrages heißt es:Es haften der gesamte Besitz und alte Einnahme­quellen des deutschen Reiches und der deutschen Staa­ten an erster Stelle." In Teil 8, Abschn. 1, Anlage 2, § 12 heißt es weiter:Der alliierte Ausschuß prüft in regelmäßiger Wiederkehr das deutsche Steuersystem, damit alle Einkünfte Deutschlands, einschl. der für den Zinsendienst und ole Tilgung aller inneren Anleihen bestimmten, vorzugsweise zur Abtragung der WieLer- gutmachungsschuld verwendet werden." Wenn diese Bestimmungen des Fr.edensvertrages auch nicht ohne weiteres Frankreich das Recht geben, Abstriche am deutschen Reichshaushalt zu verlangen, so besteht doch kaum noch ein Zweifel, daß Frankreich die Berechtigung feiner Forderungen aus düsen Bestimmungen des Fr'sdensoertrags herzuleiten versuchen wird. Die Er­füllung dieser Forderung wird letzten Endes nichts ari­deres bedeuten, als die Finanzkontrolle Deutschlands durch die Entente bezw. Frankreich. Mit dieser Fest­stellung ist die ganze Schwere der Situation, der wir in den nächsten Tagen entgegengehen, gekennzeichnet. Ganz abgesehen davon, daß ein Land, welches der Fianzkonlrolle fremder Swalen untersteht, seine Selb­ständigkeit zum allergrößten Teil verloren hat, muß man auch gewärtig sein, daß von der Entente, beson­ders von Frankreich, Abstriche am Haushaltsplan ge­fordert werden können, und damit, daß von der Reichs - regierung und vom Reichstage nach sorgfältiger Prü- ! fung getroffene Maßnahmen von der Entente bezw.; Frankreich willkürlich außer Kraft gesetzt werden.

Welche Folgen das 'für bes innerpolitische Leben haben I kan^.wollen. wir nickt erörtern. Eines aber. muk ge­

sagt werden; wenn wir auch nichts oder wenig mehr tun können, die drohende Gefahr unsererseits abzuwerr« den, so erscheint es uns doch als dringen.de Notwendig­keit, immer und immer wieder daraus hinzuweisen, daß wir im össemüchen Leben wie im privaten Leben ,die äußerste Sparsamkeit anwenden müssen um dadurch Frankreich die Möglichkeit zu nehmen, sich in innere Angelegenheiten des deutschen Reiches einzu­mischen.

Um die Reichssurben

ist wieder ein Streit entbrannt, die deutsche Volkspar­tei hat bei den anderen Parteien angeregt, sie Entschei­dung der Frage der WiedereiuführunZ der schwarz-weiß, roten Flagge statt der durch die Verfassung festgesetzten schwarz-rot-goldenen durch Volksentscheid herbeizuFh- ren. U. E. haben wir zur Zeit wirklich Wichtigeres zu tun, als uns über derartige Aeußerlichkoiten zu streiten.

Das Kindsrelend in Deutschland ist vor allem auch bedingt durch den großen MilchmMgel in den Städten. Hier einige sta­tistische Zahlen.

Mmnz erhielt vor dem Krieg tägiges) ungefähr 45 000 Liter Milch, während des Krieges sank die täg­liche Milchmenge auf 11000 Liter, im Jahre 1920 be­trägt sie nur noch <000. Unbedingt nötig wären 12 000 Liter. München hatte vor dem Krieg 250260 000 Liter täglich zur Verfügung, jetzt noch 105110 000 Liter. In Darmstadt ist die Zahl von 30 000 vor hem Krieg auf 67000 gesunken. In Frankfurt a. M. von 200 000 auf 18 000, während das MiLneftquantum 35 000 betragen-müßte. Groß-Berlin hatte nor dem Krieg einen Tagesverbrauch von 1 Million Liter, jetzt stehen nur durchschnittlich 150200 000 zur Verfügung. In Königsberg, dessen Bevölkerung durch Zuzug von Flüchtlingen ton 25u 000 aus 300 000 gestiegen ist, betrug der Milckkonsum rcr dem Krieg 110 000 Liter, jetzt muß die Stadt mit 3040 000 Liter auskommen. Diese wenigen Zahlen, die sich leicht noch vermehren ließen, sagen genug. Die jetzige MilchlieferüNg reicht nicht einmal aus uni Kinder und Kranke in der allernordürstigsten Weise zu versorgen. Vielfach haben Kinder über 4 Jahre überhaupt keine Milch besäumten können, hier und da schon vom zwei­ten Lebensjahr an nur Büchsenmilch. In Berlin war es am 7. Dezember, der letzten amtlich vorliegenden Feststellung, bei einer verfügbaren Menge von 151630 Litern Frischmilch nötig, 219 578 Büchsen Kondens­milch zu verteilen, um neben den Schwangeren wenig­stens den Säuglingen und Schwerkranken für einige Tage ihre Tagesration zu sichern. Und dabei verlangte die Entente, daß wir nicht weniger als 640 000 Milch­kühe noch abliefern sollen. Wenn man im feindlichen Ausland noch eine Spur von Vsrmttwortlichkoitsgefühl für das Menschliche hat, dann müßte man sich schämen, solche Forderungen zu stellen mrb das Kinderelsud noch mehr 3» vergrößern. Diese Zahlen sind aber auch eine ernste Mahnung für die Deutschen, die sich, sei es als Erzeuger oder als Verbraucher, um das grausige Ge­schick der Stadtkinder nicht kümmern, dis Hartherzigkeit des Auslandes macht ihre Schuld nicht geringer.

Das ist der Fluch der bösen Tat, daß sie fortzsugend Böses muß gebären! Das muß auch Deurschland jetzt an sich selbst erfahren. Bekannt- lief) hatte die deutsche Heeresleitung im Sommer 1917 Lenin und seinen Anhang in einem verschlossenen Sa­lonwagen aus iftr Schweiz durch Deutschland befördert, um durch sie das Gift des Bolschewismus in die Reihen des russischen Heeres zu tragen. Der angestreble m 111« t 8 rische Erfolg ist tatsächlich erzielt worden, aber darüber hinaus hat die deutsche Heeresleitung damals einer politischen Entwicklung in Rußland die Bahn ge- ebnet, die in ihren Fernmirkungen bis heute ganz Europa leider auch Deutschland und halb Asien in ihrem Bann hält. Das ist ein dunkles Kapitel der dcriifchcn Kriegspolitik.

Eine grsbs Takllsjsgkell beging in einer vom Nationâerband beutst^ Offi­ziere und dem Verband national gesinnter Soldaten veranstalteten Reichsgründrrngefâ Geheimrats Prus. Rathe. Der FesireW»r leistete sich ben Satz, daß Bis­marcks Werk ben 'drei internationalen Mächten dem Papstlum, der jüdischen Plutokratis imb der So­zialdemokratie nicht genügend wiÄsrstan'den habe. Der alte Papst- und Kacholckenhaß sammt da wieder r ät deutlich zum Ausdruck, es ist eme Unverschämtheit bas