Einzelbild herunterladen
 

Nasse!, den 25. Ianuar 192(

Erscheint leben Sonntag u. kostet Vierteljahr!. Ausg. A 2. W., B2.50 31L Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die einspaltige Kolonelzeile oder deren Raum 40 Pfg. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Für Offert- und Auskunft-Anzeigen 30 Pfg. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten mir uns entsprechend früher.

I- I Druck und Verlag der Fuldaer Acllendnickeret. ' "~

., ^rrTTfi^i^^t"'^ w .jTT^TTCTrrruuiirm^^

Wochenkalender.

Sonntag, 23. Jan. Sonntag Septuagesima. Raymund Bec. Emerentiana, Jgfr. u. M. '

Montag, 24. Jan. Timotheus, Bisch, u. M.

. Dienstag, 25. Jan. Pauli Bekehrung. h Mittwoch, 26. Jan. Polykarp,. Bisch. u. M.

Donnerstag, 27. Jan. Johannes Chrhsostomus, Kchl.

Freitag, 28. Jan. Agnes (2. Fest).

Samstag, 29. Jan. Franz v. Sales, Bisch, u. Kchl.

Sonntag Septuagesima.

(Ev. Matth. 20, 116.)

In jener Zeck sagte Jesus zu seinen Jüngern ° folgendes Gleichnis: Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am frühesten Morgen ausginp, um } Arbeiter in seinen Weinberg zu dingen. Als er nun c mit den Arbeitern um einen Zehner )ür den ^ag über- , eingekommen war, sandte er sie in seinen Weinberg. ' Und um die dritte Stunde ging er (wieder aus), und W sah andere müßig nur dem Markte stehen, und sprach zu ihnen: Gehet auch ihr in meinen Weinberg, so / werde ich euch geben, was recht ist! Und sie gingen ^ hin. Adermal ging er aus um die sechste und neunte i-, Stunde, und machte es eben so. Und als er um die elfte Stunde ausging, fand er (wieder) andere dastehen, * und sprach zu ihnen: Warum stehet ihr hier den ganzen ß. Tag müßig? Sie antworteten ihm: Es hat uns Nie- maub gedungen. Da sprach er zu ihnen: So gehet auch s ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden, - sprach dec Herr des Weinberges zu seinem Verwalter: - Latz die Arbeiter kvmmen, und gib ihnen den Lohn, r von den letzten nngefangen bis zu den ersten. Da nun dre kamen, welche um die elfte Stunde eingetreten " waren, empfing ein Jeder einen Zehner. Als aber ' auch die Ersten kamen, meinten sie, mehr zu empfangen; , aber auch von ihnen erhielt Jeder einen Zehner. Und 5,1 da sie ihn empfingen, mui rten sie wider den Hausvater und sprachen: Diese, die Letzten, haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gehalten, die wir die Last und Hitze des Tages getragen haben. Er aber antwortete Einem aus ihnen, und sprach: Freund, ich . t"? dir nicht unrecht; bist du nicht um einen Zehner j mit mir über eingekommen ? Nimm, was dein ist, und geh hm: ich will aber diesen Letzten auch geben, wie Es mir Nicht erlauat, zu tun, was ich will. Ist dein Auge darum schalkhaft, weil ich gut bin? Also werden die Letzten die Ersten, und die Ersten die ^.etzteii fein, denn Viele sind berufen, aber Wenige sind auserwahlt.

«- Wettspiele. o

A^^M-Dport und Spiel sind die Signatur 7 â ^ÄibC* unserer Zeit. Sport und Spiel sind CV^ 5^ das Evangelium unserer Jur end. ^port und Spiel sind die Hoffnung C 5^^^'^ des Vaterlandes und der Zukunfi. .( '' In allenZeitungeu, an allen Sir aßen- ecken >lnd die Wettspiele ausgeschrieben. Die Plätze m der Kirche sind oft leer, aber aus den Sportplätzen ttaut sich die Menge der Spieler und Zuschauer.

Mit welchem Fleiß wird geübt von Einzelnen, von Gruppen, von Vereinen, um mit Erfolg bei Wett­spielen aufzutrelen und den Preis zu gewinnen. Kein Opfer an Arbeit, an Zeit und Geld wird ge­spart. Dem Sport wird alles in den unersättlichen Rachen geworfen.

Im Lutetium waren es besonders die Griechen die in Sport und Spiel vernarrt waren. Berühmi waren die Olympischen und die Jsthmischen Sp'ele. Der Schauplatz für die letzteren war das reihe Korinth. An die Christen dieser Stadt schrieb nun Paulus einen Bnef, aus welchem gerade heute ein Teil in der hl. Messe gelesen wird. Der Apostel spricht darin von einem Wettspiel und vergleicht damit das christliche Leben:

^Wißt ihr nicht, daß in der Rennbahn zwar alle Spieler mit laufen, aber nur ein einziger den Pre s gewinnt? So laufet denn ihr alle, um den Sieges preis der ewigen Seligkeit zu gewinnen. Wer sich im Wettkampf übt, lebt in strengster Enthaltiamkeit, um einen vergänglichen Kranz zu gewinnen. So sollt auch ihr Wettkämpfer sein, aber nicht ins Blaue und Ungewisse laufen und keine Luststreiche führen : sondern machet es wie ich, der ich meinen Leib kasteie und in Knechtschaft bringe, damit ich nicht, nachdem ich andern gepredigt habe, selber verloren gehe". (1 Kor. 9, 24 27)

Ein Wetupiel ist auch das christliche Leben. Als Kampfpleis ist auswwtzl der Himmel, der unve>we!k- liche Kranz der Ehren und Freuden. Der Wett­kämpfer ist der Corist. Gewinnen aber alle Christen, oder gewinnen auch nur arte Katholiken den Preis? Gelangen alle ohne Unterschied zur ewigen Seligkeit? Rach dem Wunsche Gottes ja. Denn®oit will, daß alle Mrmchen selig werden und zur E>kcnnlnis der Wahrheit gelangen". Bei vielen aber scheitert der Wille Gottes an ihrem Unverstand, ihrer Blind­heit, ihrer Bosheit, ihrer Lauheit, ihrer Gleichgiltig­keit. Und so kommt es, daß in der Wirklichkeit nicht alle das ewige Ziel, das ewige Glück erreichen. Beachte den Schlußsatz aus dem Mund des Herrn im heutigen Evangelium, jenen Satz, der wie ein Zentnerstein aus die Seele fallen mutz: viele sind berufen, wenige aber sind auserwählt.

Gehörst also du zu den Auserwählten? Das zu wissen, steht nicht in deiner Macht. Nlcht einmal Paulus, der doch zu Lebzeiten schon in den 3. Himmel entrückt war, konnte sich der Gewißheit der Sicher­heit seines Heiles rühmen. Im Gegenteil: aus­drücklich gesteht er seine Unwissenheit in Sachen seiner eigenen Auserwählung. Wir können ihm nachfühlen das Zittern und Beben seiner Seele, wenn er folgendes Geständnis ablegt:Ich kasteie meinen Leib und bringe ihn tn Knechtschaft, damit ich nicht, nachdem ich andern gepredigt habe selber verloren gehe". Welch eine Sorge, welch eine Demut, welch ein Eifer 1 Ganz mit Recht. Paulus wollte eben nicht spielen mit einem Würfel, der entscheidet für eine Ewigkeit. Er wollte die größtmögliche Sicherheit haben, die auf Erden zu haben ist. Daher

seine beständigen Arbeiten, Mühen, Anstrengungen Nachtwachen, Fasten und Strengheiten.

Dürfen dann wir gewöhnliche Christen uns in Sicherheit wiegen? Nicht einmal dann, wenn alle auserwählt wären, düi fien wir auf dem So a der Bequemlichkeit, der Gemächlichkeit ausruhen. Denn sicherlich wäre diese Auserwählung nur unter der Bed ngung zu verstehen: WLNN auch du dein red­lich Teil beiträgst zu deiner Seligkeit, um sie gleich« am zu verdienen. Unabänderlich bleibt das Wort »es Heilandes:Das Himmelreich leidet Gewalt". Nun aber sind nicht alle auserwahlt, sondei n nur ein Teil; wenige sind anserwählt, sagt ausdrücklich der Heiland. Wären es aber sogar trete, auch dann müßtest du dein Heil in Furcht und Zickern wirken; oder kannst du wissen, ob dem Name zu der Zahl dieserWenigen" gehört ? Da es aber tatmchckch nicht viele, sondein ebenwenige" sind, die zu den Anserwählten gehören, dann wärest du wahrlich von allen guten Geistern verlassen, wenn brr in heillo er Selbstverblendung, in unbegreiflicher Sorglosi keit dawnlehst, wenn du allen Leidenschaften und Sünden nach Herzenslnst die Zügel schießen läßest.

Anderseits aber darfst du auch nicht verzagen, wenn es wenige sind; daß dein Name in die Liste dieser Wenigen kommt, das hängt ganz von dir ab. Ich sage noch mehr: gesetzt den Fall, der Heiland hätte gesagt, daß , nur ein einziger auserwählt fei" siehe selbst dann düifrest du an deinem Helle nicht verzweifeln, mutig müßtest dn daran gehen, nach den Vorschriften des Heilandes zu leben in bet zuver­sichtlichen Hoffnung, den Preis zu gewinnen und den Platz jenes einen Glücklichen zu erobern. Orer ist es nicht ebenso bei irdischen Wettspielen, wenn nur ein einziger P>eis ansge'etzt wird? Stehen da die Vereine vielleicht zurück? Im Gegenteil, jeder Verein entfaltet seine ganze Kraft, um die Neberbuhler aus Dem Felde zu schlagen und jenen einzigen Preis zn gewinnen.

Was taten die Kämpfer, um sich zum Wettsp'el vorzubereiten? Neben vieler Uebung pflegen sie auch noch besonders die Enthaltsamkeit von allen über­flüssigen Bedürfnissen. Sie unterwarfen sich einer strengen Fastenkur. Auch heute sind gerade die tüchtigsten Länfer, Touristen und Sportmänner Freunde der Mäßigkeit, Freunde der Einfachheit in Speise unb Trank, Freunde der Abstinenz von Alkohol. Was geschieht aber für den Himmel? Sobald die Kirche von Fasten und Abstinenz redet, da gibt es ein Murren unb Samen. feien und Entrüstung über eine solche Zumutung. Sicher müssen in Großstädten und Judustrieorten manche Hunger leiden. ®ib' es aber nicht vielleicht noch mehr Menschen, Kriegs­gewinnler, Schieber, und dergleichen, die ärger Memmen als zuvor? Ist es nicht eine traurige Statistik, daß die Einfuhr von Schampagner, Cigarren, Tabak, Schokolade und anbeut. Luxusartikeln um viele Prozent sich gesteigert bac? Wo bleibt da die Mäßigleit? Wo das Christentum? Wo die Rücksicht auf die Hungernden? Wo die Scham vor den