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3er fünfte Kanzler des alten kaiserlichen Deutsch- la; j ist, 65 Jahre alt, auf fernem Gute Hohenfinow in- ^vlge einer |'il;wmn Öung^ UstSrbèn, Bon Haus aus war er Verwaltungsbeamler und nicht Politiker. 1886 wurde er -Landrat, dann Regiermigs- und
Oberprafident, 1905 preußischer Minister des Innerste 1907 an Stelle von Posadowsky ©taatsfetreiär des Reichsamts des Innern und im Juli 1909 nach Bülows Sturz und dem Zusammenbruch seiner Blockpolitik, Reichskanzler. Als solcher brachte er die Reichs- finanzreform, ohne die damals heißumstrittene Erbschaftssteuer zum Abschluß und die großen Hseresosr- lagen von 1912 und 1913.
' Was von Bethmann Hollwegs Rainen in der Ge- fchichre verewigen wird, das ist seine Kriegspolilik Er hatte auf dem Gebiete der Auslandspolitik tmm Fürsten Bülow eine überaus schwierige Erbschaft übernommen. Er fand das Emkreisungswerk Eduards Vf r vollendet vor und es hat ihm sicherlich nicht an gutem Willen gefehlt, der Gefahr, die darin für unser Vaterland lag, mit friedlichen M'Lteln zu begegnen. Wemt trotzdem gerade er fchießstch es auf die Machtprobe des Weltkrieges ankommen lassen mußte, so war das ohne ZwÄsel gegen den Willen feines Herzens. Darm legten fast alle Reden, d'e er während der Kriegszeit als Reichskanzler im Re'chstag gehalten hat, ein R redtes Zeugnis ab; es braucht ja nur an feine Erklä- nm^ erinnert zu werden, daß Deutschland die Neutralität Belgiens verletzt habe, wenn auch in der Notwehr. Dieses in den ersten Tagen nach Kriegsausbruch gesprochene Wort hat in der Kriegspropaganda unserer Feinde eine überaus große Rolle gespielt; es charakterisiert aber auch von Bethmann-Hollweg und seine Denkart wie kaum ein zweites: Er war der Mann der Wahrheitsliebe und politischen Ehrlichkeit, die sonst gerade in der hohen Politik der Welt nicht allzu sehr zuhause zussm pflegte. Vielleicht war er eben deshalb unseren Feinden auf die Dauer nicht gewachsen. Sein Rücktritt erfolgte im Juli 1917 hn Zusammenhang mit den Kämpfen um bte Friedensresolution. Hochanzu- rechnen ist es ihm, daß er den Zeikumständen Rechnung tragend, sich für die Abschaffung des Dreitlafsenwahl- rechtes einsetzle und die besonnte kaiserliche OsterboL- fchaft und den Julierlaß veranlaßte. Dadurch hat er sich die Gegnerschaft der Konservativen zugezogen, die wohl auch die Hauptursache seines-Sturzes gewesen ist. Es ist wohl noch gu früh, die Bedeutung des Kriegs- kanzlers richtig eüyufchätzen, wir haben dazu noch nicht den genügenden Abstarrd zu den Kriegsereignisfen und ihren Folgen gewonnen. Um so mehr sind wir berechtigt, die hohen persönlichen Eigenschaften des Verstorbenen zu betonen, das hohe Maß von Pflichtgefühl, den inneren Mrü, das innere Bewußtsein guten Rechtes und guten Willens, mit denen er die schwierigsten Aufgaben in Deutschlands Gesch'chte auf seine Schultern nahm. Wie auch immer einmal die Geschichte über Bethmann-Hollweg urteilen mag, sie wird aerech- berweise ihm das eine nicht versagen können, daß er in allem guten Willens war. Von seinen Aussprüchen hat ein Wort, das er an die Spitze seines politischen Wirkens gestellt und als Grundsorderung für Staat und Volk aufgestellt hat, heute unter den veränderten Verhältnissen in erhöhtem Maße Bedeutung und Berechtigung erhalten: »der Zwang zum Schaffen," zu dem er die MitarbeÄ aller im Staat haben wollte. Mehr als je ist dieses posii oe- Schaffert die Voraussetzung für eine bessere Zukunst unseres Vaterlandes. Wenn jeder so p'uchttreu wie der fünfte Reichskanzler dem Gemeinwohl zu dienen bestrebt ist, werden auch wieder bessere Zellen kommen.
Gestorben
ist im Aster Von 76 Jahren der früher vielgenannte ZentrumSabgcordnele Roeren, der bis 1912 dem Reichstag angedört hat. Sein Name ist eng verknüpft mit der Bekämpfung der öffentlichen Un. fiffucbteit und den Bestrebungen auch entsprechende gesetzliche Maßnahmen (durch die sogen. „lex Heintze"- dagegen zu treffen. Großen Anteilhotte Noeren auch an den heftigen parlamentarischen Kämpfen um die Zustände in den Kolonien, die dann bekanntlich zur Auflösung des Reichstags und zur kurzlebigen Blockpolitik mit Ausschaltung des Zentrums führten. Roeren wurde damals in seinem Wahlkreis mit ge« roalrigsr Mehrheit wieder gewählt. Später 1909
beschäftigte er sich eingehend mit der Frage nach dem Charakter der Zentrumspartei, ob politische oder konfessionelle Partei, und war her Wortführer der ioa, Jiliner Richtung ugd der §sterHs,Lnsmg--kp!i- ferenz (1909), Sie die lehtere Auffassung vertrat! Der Eepkrieg hai diesen zwecklosen Aueeinanderfetzungen ein Endegemacht. Schon vor dem Krieg halte sich Roeren vom politischen Leben zurückgezogen. AHtt ihm in wieder einer unserer ahen Zeulrumskämpen tzahiu» gegangen.
Vom Völkerbund
wird infolge feiner ersten Tagung in Genf immer noch viel geredet und geschrieben. Wie er jetzt ist, wird es nichts Rechtes damit geben, er muß auf eine ganz andere Grundlage gestellt werden. Papst Leo Xin. hat vor 30, 40 Jahren in feinem großartigen Rund- chreiben die Welt auf die großen Gefahren aufmerksam reinacht, der sie enlgegengeht. Er hat der Welt die Wege gewiesen, wodurch sie diesen Gefahren entgehen kann. Die Welt hat diese Schreiben voll Weisheit und Kraft nicht beachtet, ja vielfach belächelt, sie ist die Wege nicht gewandelt, bx Papst Leo gewiesen hat und ist dafür ins Verderben gegangen, wie wir es ja selbst erfahren müssen. Papst Benedit hat im Mai 1920 'n einem eigenen Rundschreiben an die ganze Welt die Grundlagcn aufgezeigt, aus welche sich der Bund stellen muß, wenn er wirklich ein Völkerbund fein will und der Welt die Ruhe und den Frieden bringen will. Diese Grundlage ist keine andere, als die christliche Liebe. Diese muß sich zeigen im gegenseitigen Verzeihen und in der gegenseitigen Hilft. Die Völker müssen wieder lernen, ffch als die große Jamilie der Kinder Goffes zu bekrachieu und gegenseitig zu behandeln, dann und nur dann werden sie zum bauernden Frieden kommen. Und gerade hierin wäre uns das christl. Mittelalter das richtige Vorbild, dem in allen Wirrnissen dieser Gedanke immer vorschwebts. Und was für das Beben der Völker gilt und für die gegenseitigen Beziehungen derselben, das gilt auch von dem Leben des Einzelnen und von den Beziehungen der einzelner? Menschen zueinander. Es fehlt der Weil die christliche Nächstenliebe, das ist der Grund aller Uebel, sagt der Papst. Diese Liebs hat Christus in die Welt gebracht und nur diese allein ist imstande, uns den Frieden» zu bringen; das Glück und die Ruhe. Ohne diese ist ein Völkerbund ein Pfuschwerk, ein Haus, das auf Sanb gebaut ist, das jeder Sturm zugrunde richtet.
Ein Notenhagel
ist in den letzten Wochen über Deutschland nie^e^e« gangen, bald wird es dahin kommen, daß mindestens alle 8 Tage eine neue Note der Entente bezw. des Bvt- sthafterrates ober Frankreichs allein sich einstellt. Einwohnerwehr, Sicherheitspolizei, Zahl der Geschütze in den Festungen an der Ostgrenzs, angeblich nithi bis aufs T'.ppelcheu erfüllte Paragraphen des Dersamer Frie- densvertrages oder des Spaaer Abkommens bilden den Gegenstand dieser Schriftstücke. Vor allem die Auflösung der Einwohnerwehren in Bayern und Ostpreußen ist noch immer ein Stein des Anstoßes für Frankreich, das anscheinend doch noch — trotz unserer Handvoll Soldaten, die uns noch geblieben sind — eine geradezu kindische Singst vor uns hat. Natürlich tommen wir bei diesen fortwährenden Drängeleien niemals zur Ruhe, die für den Wiederaufbau doch so nötig wäre.
Die Brüsseler Konferenz, bis am 10. wieder Zusammentritt, soll, wie jetzt in den Zeitungen zu lesen ist, unsere vorläufige an die Entente zu leistende Gesanckenffchädigung auf die Kleinigkeit von 100 Milliarden Goldmark festgesetzt haben. Das sind nach dem heutigen Stand unserer Valuta — jtDÖlfhundert Milliarden Paprermark! Wo sollen d'e Herkommen? Die Eillenteherrsn müßten schon Im Besitze des weiland Arorrischen Zauberstaber fein, nm dem ausgebrannten Reifen der deutschen Finanzamt- schaft eine so märchenhafte Goldquelle zu entlocken. Die deutsche Industrie und der deritfchs Handelsmarkt sind durch die systematische Zerstörungs- und Vernichtrillgs- Politik der Alliierten derart hermltergekonmisn, daß es auch völlig undenkbar ist, die genannte schwindelhaft hohe Summe in Waren auf^nbringen. Nequid rrimis! sagt der Lalemer. Man soll nicht zu viel verlangen, sonst bekommt man am Ende gar nichts. Und das wird im vorliegenden Falle, wenn die Alliierten nicht noch bedeutend mit sich reden lasten, zutreffen. — Einer »Times"-Meldung Lufolge wurde di« Ge-
famtenf^äblgungsfumme sogar auf — 266 Milliarden Goldmark festgesetzt.
In Müssen starrt -
trotz Völkerbund die Welt, statt der Abrüstung zehen wir gerade wie vor dem Krieg ein Wettrüsten, be« sonders zur See. Deutschland dagegen ist völlig ent- Waffnet: die Eânte hat ihr Ziel erreicht. Mitten m Europa liegend, von allen Seiten von Feinden um- neben, sind wir wehrlos ihrer WRkür preisgegsbvir. Statt 800 000 Mann Friedensstand besitzen wir heute etwa 86 060, so daß an dem uns gnädigst bewilligten IGO 000 Mann-Heer sogar noch einige tausend schien, fast 40 000 Offiziere sind entlassen, nur noch 4000 ji-w in der Reichswehr verblieben. Wir haben keine schwere Artillerie, keine Flieger- und Lustjchifforrnationen mehr. Die allgemeine Wehrpflicht ist abZeschafft. Die Teilst- stellen für die militärische Listensührung, die. Bszirks- rslinrandss, sind verschwunden, alle Ossiziere und Mannschaften des BrurlMldlenftaâs sind aus ihren militäriMN Denstverpflichtungen entlassen. Unsere deu 'cheu^ Frftnngen an der Weftgrenze find zerstört. Alle modernen Forts, Unierstände, Panzertürme sind gesprengt Kabellciinngen, militärische Eisenbahn- und FörderbahMnièN sind im Abbau begriffet. Nur die Festungen an der Ost- und Südgrenze des Reiches sind in verierdigu-iZLsähigem Zustand geblieben, aber auch hier hat die Unterste die Zahl der Geschütze bestimmt, bis wir halten dürfen. Alle modernen Betonbauten der Westfestungen sind zerstört. Unsere Bestände an Was» seit entsprechen heute dem Stande des neuen Reichs- Heeres, wie sie der FriedensvertrUg bezw. das Protokoll von Cpaa festsetzt 50 000 Geschütze, 5 Millionen Handfeuerwaffen, f>0 006 Maschinengewehre sind zerstört. ' Die Kriegsbetriebe sind auf MeLensaröeU um- gestellt, darunter die Riesenbetriebs Les Staates mrd dis Weltfirmen Krupp und Erhardt. Unsere LenMiffe, 14 000 Flugzeuge, 26 000 FluEloren sind abgeliefert oder zerstört, Hunderte von Flugzeugen sind abgebrochen oder im Abbruch begriffen. Der „preußische Militarismus" gehört der Vergangenheit an. Der kleinste der nach dem Kriege entstandenen Staaten ist jetzt miliärisch starker als die ehedem stolzeste Militärmacht der Erde.
un der obechtzlesischcu Abflinnnungsfcage hat die Entente nun, wie nicht anders zu erwarten war, dahin entschieden, daß die Abstimmung der nicht im Abstimmungsgebiet ansässigen Stimmberechtigten später als die Abstimmung Sv einheimischen Stimmberechtigten staitfinden soll itnj z^r an Terminen und unter Bedingungen, die sie — die ^'^nte bestimmt. Da? ist ein neuer, gegen die deutschen Internen gerichteter W'^t- kürakt unserer Gegner — wir müßen ihn uns aber gefallen lassen; — Um unsere Proteste, und ^gen sie noch so eneraisch sein, kümmert sich die Entente nicht. Sie hat die Macht —* und Macht geht vor Recht. Wir glauben nicht, daß die Rote lahmend auf den Eifer und die Treue der deutschfühlenden Vberschlesier wirkt; im Gegenteil, sie wird anfeuernd wirken, jetzt erst recht zu kämpfen für das gute deutsche Recht, wenn's denn sein muß, mit dem Mute der Verzweiflung. Noch ist Ober« schltslen nicht verloren. Das ganze Deutschland muß jetzt zuV höchsten Kraftentfaltung für die Abstimmung aufge. rufen werden.
Die Sozialisierung in der Praxis.
$m Juni 1919 hatten die städtischen Köiper schafiett in Neu - Kölln beschloffen, alle Barlardeike« durch die städtische Gemeinde ausführen zu lassen. Mit der Zeit nahmen die Baubetriebe so erRbl-chen Umfang an, daß sie am E April 1920 fast 800 Per- onen umfaßten. Jetzt hat eS sich jedoch als notwendig herausgesteUt, die Betriebe von der städtischen Verwaltung loszulö en und sie in Form einer Gesell- idjaft mit beschränkter Haftung selbständig zu machen, um — wie der Vorwärts schlèibt — „von der Vielzahl bsii parlameMarischen Instanzen loSzukommen und verwaltungsmäßig mit der Beweglichkeit, Enl« ichließtttthsfteihcit und Schnelligkeit zu arbeiten, wie private Betriebe." .
Da die Stadt Rm -Kölln , zu den ©emeinben gehört, tu denen bei der unabhängig-kommunisiischen Mehrheit im Smd!parlament die Beobachtuna soz-a- liftischer Gedankengänge bis zu den äußersten Folger- uügen selbstverständlich ist, muß angenommen werdeiy daß sie zu diesem Schritt sich erit dann entschlossen hat, als alles andere versagte. Besonders beachtens« wert ist noch der Umstand, daß schon nach einem