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ierfrümmern, um dann auf den Trümmern üir neuas kommunistisches Reich der allgemeinen Wohlfahrt (?) aufzubauen, so spielen die Helfferich und Genossen mit dem Gedanken, daß unsere Finanzen so zerrüttet w>r- den müssen, daß nur noch ein Kaiser und Diktator uns aus dem Finanzelend zu neuem Glanze erheben kan . Trümmer und Scherben und Blut würde es in beiden Fällen genug geben, die Schieber und Mürberer und die Leute mit einem unerschöpflichen Geldbeutel misten sich aber in jedem Falle durchzuschlängeln, die tp^r wären das bessere Bürgertum und der Mittelstand. Glücklicherweise blieb Herr Helsserick. als es zur Ent­scheidung kam, ohne weitere Gefolgschaft, gegen die Stimmen der Deutschnetionalen wurde das Gesetz an­genommen. _______ _____

Ueber die Volksabstimmung in Oberfchlcsien ist noch immer keine Einigung erzielt. Da der Vorschlag, die außer bald Oberschlesiens wohnenden Stimmberech­tigten in Köln abstimmen zu lassen, sowohl von der deutschen als auch von der polnischen Regierung abgc- lehnt wurde, hat der Votschafterrot der Entente jetzt beschlossen, daß die nicht ortsansässigen Stimmberechtig­ten 14 Tage nach der Abstimmung der Bewohner von Oberschlesien in ihren Heimatgemeinden abstimmen sol­len. Auch das entspricht nicht den Bestimmungen des Vertrages, das einzig richtige ist, wie es in Schles­wig und Ostpreußen geschehen ist, die Abstimmung aller Berechtigten an einem Tage vorzunehmen. Wenn die Entente für Oberschlesien jetzt allerlei Ausflüchte macht, so läßt das vermuten, daß sie wenig Vertrauen auf eine polnische Mehrheit hat und durch derartige Machen­schaften das Resultat korrigieren möchte.

Ml einer Demütigung Deutschlands

ist die Völkerbundsversammlung zu Ende gegangen. Oesterreich und Bulgarien wurden in dm Völkerbund ausgenommen — Deutschland blieb geächtet. Als der schweizerische Delegierte, Bundespräsident Motta, die !Frage anschnitt und darauf hinwies, daß der Bund noch große Lücken zeige, da neben Amerika und Ruß­land auch Deutschland fehle, sprang der Franzose Vi­viani erregt auf und verlangte das Wort. In einer fulminanten Rede wandte er sich gegen die Aufnahme Deutschlands, das erst zeigen müsse, daß es die auf­richtige Absicht habe, seinen Verpflichtungen nachkom- -men zu wollen, es hätte dafür aber noch keinen Be­weis geliefert. Und dabei gehen täglich die schwer­beladenen Kohlenzüge aus dem Ruhrgebiet nach Frank­reich und es gibt keinen Menschen in Deutschland, der nicht bestrebt wäre, zu seinem, wenn auch nur beschei­denen Teile an der Erfüllung der Versailler Bedin­gungen mitzuwirken, denn wir alle wissen, daß die bestmögliche Erfüllung notwendig ist, schon allein um Zwangsmaßnahmen, wie sie beispielsweise die Be­setzung des Maingaues mitten im tiefstm Frieden war, zu vermeiden. Aber trotzalledem ist Viviani anderer Ansicht und behauptet, mit der Aufnahme Deutsch­lands begehe der Völkerbund eine Ungerechtigkeit und eine Unsittlichkett. Mit allerlei Phrasen, daß Frank­reich den Krieg nicht gewollt, daß es nur zu den Waffen gegriffen, um sein Gebiet und zugleich auch die Unabhängigkeit der Welt, die Würde der Völker und die Freiheit der Nationen zu verteidigen, während wir „die Menschheit in diesen Lebensweg und in dieses Unheil gestürzt hätten", verstand er es, die Versamm­lung glatt herumzuwerfen und jedes Mitgefühl für Deutschland auszutilgen, besonders als er den Teil­nehmern zurief, wenn Frankreich und seine Verbün­deten nicht siegreich gewesen wären, dann würde der Völkerbund jetzt nicht in Genf tagen. Ein Beifall, wie ihn die Völkerbundsversammlung seit ihrem Zu­sammentritt noch nicht gehört hatte, erscholl, als Vi­viani die Rednertribüne verließ und stürmische Kund­gebungen im Saal und aus den Tribünen für Frank­reich und Frankreichs Sieg setzten ein. Das läßt tief blicken und zeigt, daß Deutschland in .dieser Gesell­schaft haßerfüllter Gegner, die sich Völkerbund nennt, nichts zu suchen hat. Die Gemeinschaft mit einer Schar heulender Wölfe wäre dem Schaf nicht be- könimlich. _____________

Das Rüsten

Hort trotz Völkerbund nicht auf; uns hat man allerdings gewaltsam entwaffnet, man hat auch im Völkerbund über Abrüstung geredet und einige Anträge angenom­men, — nachdem Frankreich und England erklärt hatten, daß sie dieselben für sich nicht als bindend er­achten. Frankreich ermäßigt zwar von 1922 ab seine Dienstzeit aus 18 Monate, vermehrt aber seine Kolo- nialtruppen von 100 000 auf 300 000 und dehnt die allgemeine Dienstpflicht aus bis zum 50, Lebensjahr. Kriegsschiffe werden zurzeit in der ganzen Welt mit gewaltigem Hockdruck'gebaut, mehr als es je zuvor

der Fall war. Und alle begründen ihre Rüstungen wie seiner Zett Deutschland mu bem alten Römerspruch: „Wenn du Frieden haben willst, rüste zum Krieg." Das Gegenteil ist wahr, wenn immer zmn Krieg ge­rüstet wird, muß es auch Krieg geben.

Bedauerlich

ist es, daß weite Kresie unseres Volkes für die traurige Lage Deutschlands und die Not der Zeit kein Verständ­nis haben und unberührt am Elend unseres eigenen Volkes vorbei gehen, ja durch ihr Verhalten unser Elend geradezu verhöhnen, wie es durch die ständig wachsende Genuß- und Vergnügungssucht geschieht. Als Beispiel dosür ist festgestellt worden, daß in diesem Jahre 10 Millionen Flaschen Champagner getrunken wurden im Werte von 1 Milliarde, während es im Jahre 1914 nur 6 Millionen Flaschen innren; daß an den Wettkassen bei den Pferderennen (Totalisator) 411 Millionen umgefetzt wurden gegen 202 Millionen bei der letzten Rennsaison im Vorjahr; daß der Ver­brauch an Zigaretten trotz ihrer weiteren Preiserhö­hung weiter gestiegen ist, daß sich die Zahl der Kinos im Reiche weiter vermehrt und die Spalten der Zei­tungen mit Vergnügungsanzeigen, der Mode-, Theater- und Sportwelt angefüllt fint. Das Schlimmste dabei ist, daß das feindliche Ausland daraus schließt, es könne uns nicht so schlecht gehen, wenn wir für solche Dinge Geld hätten. Es wiro dadurch bei den Entente- völkern die Ueberzeugung gefestigt, daß wir zahlen können. Das ist das Urteil auch wohlmeinender Aus­länder. In einem solchen Briefe ist das ernste Wort beigefügt: „Jeder Deutsche fügt seinem Lande unbe­rechenbaren Schaden zu, wenn er in dieser Zeit allerlei Genüssen nachgeht. Mehr sittlichen Ernst vor allem in eurem Leben". Leider werden, diejenigen, die es angeht, sich nicht darum kümmern zum Schaden des gesamten Volkes.

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In Brüssel

findet zur Zeit eine Sachversländigen-Konferen; statt, die die Unterlagen für die von Deutschland zu leistende Wiedergutmachung beschaffen soll. Die deutschen' Ver­treter werden hier eine genaue Darlegung der wirt­schaftlichen und finanziellen Verhältnisse Deutschlands geben, worauf dann eine gegenseitige Aussprache statt- finden wird. Hoffentlich kommt man auf französischer Seite dabei zur Einsicht, daß Brüssel nur dann zu einem positiven Ergebnis führen tonn, wenn Frankreich in seinen Forderungen und Ansprüchen der Lage Deutsch­lands und seinem wirklichen Leistungsvermögen Rech­nung trägt. Der französische Ministerpräsident hat die­ser Tage sich geäußert, daß Frankreich nur verlangen werde, was vernünftig sei und daß es damit einverstän­den sei, wenn die deutsche Schuld statt in bar auch in natura, das heißt in Form von Lieferungen entrichtet werde. Das ist vernünftig, denn der gesamte Edelmetall- vorrat der ganzen Welt würde ja nicht ausreichen, mehr denn einen kleinen Bruchteil der von Frankreich gefor­derten Summe in bar zu erlegen.

Roch viel schlechter

als bei uns sind die Verhältnisse in Polen, trotzdem es zu den „Siegerstaaten" gehört; als „miserabel schlecht" bezeichnet sie der neue polnische Finanzminister. Die Polenmark steht auf der untersten Stufe unter den Randstaaten, noch unter der esthnischen. In Polen gilt eben folgende Preisliste für je ein Pfund (das Pfund stets zu 400 Gramm zu rechnen): Roggenbrot 30 Mark, Weizenbrot 45 Mk., Rindfleisch 75 bis 90 Mk., Butter 200 Mark, Milch vier fünftel Liter 30 Mark. Für ein Paar recht gewöhnlicher Stiefel wurden vor fünf Tagen 2300 Mark, zwei Tage später 2500, heute 2700 Mark verlangt. Hausbrandkohle, die vorgestern zu 100 Mark pro Pud (das Pud gleich 32 deutsche Pfund) einzukaufen versäumt wurde, kostet heute bereits 150 Mark. Ein aus Rußland im Herbst zurückgekehrter Flüchtling sagte einem Berichterstatter der „Frankfurter Ztg.": „Die Polenmark steht an Kaufkraft dem Sowjetrubel bereits näher als der deutschen Mark, denn für diesen Anzug, den ich trage, habe ich im August in. Moskau 75 000 Sowjetrubel gegeben; in Warschau würde er heute 15 000 Polenmark, in Berlin noch nicht 2000 Mark ko­sten." Ob diese Verhältnisse es den Oberschlssiern nicht auch rötlich erscheinen lassen, für Deutschland sich zu ent­scheiden?

Siozess §u^ß.

Dechant Dr. An-sn Fischer f.

Am vorgien Mittwoch entschlief in Poppen­hausen nach dreitägigem Krmrksein an Gehirnblu­tung und Gehirnschlag He ■ Dechant Dr. Anton Fischer. Nachdem er am vergangenen Sonntag bei §vollem Bewußtsein die hl. Sterbesakramente empfan- jgM hatte, verlor er am Montag das Bewußtsein und

verblieb in diese mZustande bis zu seinemMittwoch früh erfolgten Tode. Der Heimgang dieses hervorragendes Priesters bedeutet für die Pfarrei Poppenhausen und für die ganze Diözese Fulda einen großen Verlust. Wo immer der Verstorbene als Seelsorger tätig war, hat er seine ganze Persönlichkeit in den Dienst Gottes und der Menschenseelen gestellt, bis zur Ueberanstrengung seiner Kräfte. Einer solchen Ueberanstrengung ist er schließlich zum Opfer gefallen. In der vierzehntägigen Volksmission, die er Ende November und anfangs Dezember dieses Jahres durch Iesuitenpatres in seiner Pfarrgemeinde abhalten ließ, hat er in Sorge und Arbeit seinen Kräften mehr zugemutet, als er durste. Und so ist er trotz seiner sonst so starken Konstitution rasch dahingegangen. Dr. Fischer war am 25. Mai 1855 zu Roßdorf in Obertassen geboren. Nach kurzem Besuch der Universität Würzburg machte er seine philo­sophischen und theolag. Studien im deutschen Kolleg zu Rom, allwo er am 30. Oktober 1881 zum Priester geweiht wurde. Im folgenden Jahre kehrte er, nach Erlangung der theologischen Doktorwürde, in seine Heimatdiözese zurück. Nach kurzer Tätigkeit in Gro­ßenlüder und .Hanau wirkte er fast vier Jahre als Kaplan in der damals wett ausgedehnten Pfarrei Somborn, wo er heute noch in lebendigem, besten An­denken steht. Darauf wurde er zur Gründung und Verwaltung der neuen Seelsorgstelle in Apolda beru­fen, wo er unter unsäglichen Opfern und Schwierig­keiten die katholische Gemeinde ins Leben rief, eine Kirche baute, die zu den schönsten der ganzen Diözese Fulda gehört, Pfarrhaus und Schulhaus errichtete und den Grund zur späteren Pfarreigründung legte. Nach siebenfältigem Wirken in Apolda wurde er im April 1896 zum Pfarrer in Poppenhaußm ernannt. Er würde also im nächsten Jahre fein 23jähriges Pfarr- jubiläum dortselbst begangen haben. In dieser cmsge- dehntesten geschlossen katholischen Landpfarrei der Diözese Fulda entfaltete er eine höchst eifrige und er­folgreiche Tätigkeit. Unter anderem rief er eine Schwesternniederlassung mit Kinderschule ins Leben, erbaute nach dem großen Brande das neue Psarrhcurs, restaurierte die Kapelle zu Sieblos und war auch in wirtschaftlichen Fragen der Gemeinde ein tatkräftiger Berater und Helfer; besonders in den Raiffeisenver- einen. Seine private Wohltätigkeit haben an allen Orten seines Wirkens Hunderte von Armen und zahl­reiche gemeinnützige Zwecke in reichem Maße erfahrens In opferwilligem persönlichen Bemühen hat er zahl­reiche junge Leute durch Unterricht für das Studium vorbereitet, um sie dem Pnesterstande zu gewinnen. Längere Zeit bekleidete er bis zur Aufhebung der geist- l'chen Schulaufsicht durch die Revolution,' das Amt eines Kreisschulinspektors, zugleich war er Dechant des Dekanate Weyhers. — Ein unvergeßlicher Trauertag für die ganze Pfarrei war der Tag, an dem der Ver­storbene zur letzten Ruhe bestattet wurde. Es war für jedes rührend zu sehen, welch inniges Band der Liebe den Hirten und die Herde umschlungen hatte, als die Pfarrkinder in langem, langem Auge ins Chor der Kirche schritten, um ihren verstorbenen Pfar­rer noch einmal zu sehen, dessen Leiche dort aufgebahrt war, wo er sieben Tage vorher ohne Todesahnung am Altare noch seines hl. Amtes gewaltet hatte. Wenn auch schon die hl. Messen, die von 6 Uhr ab gelesen wurden, überaus stark besucht waren, so war doch die ganze große Pfarrei restlos erschienen zu den feierlichen Exequien, die der 80jährige Herr Geistl. Rat und Dechant S ch n a u s von Batten hielt unter Assi- - stenz des Herrn Regens Prof. Dr. Schreiber- Fulda und Pfarrer Ruez- Künzell, als der beiden Vertreter der ehemaligen Schüler und früheren Kapläne des Verstorbenen. Ein Leichenzug, wie ihn Poppen­hausen in diesem Jahrhundert noch nicht gesehen hat, gab dem verstorbenen Herrn Dechant das Geleite auf dem letzten Wege, auf dem er selbst 24 Jahre so manche seiner Pfarrkinder begleitet hatte. Nach den Schulkindern tarnen mit ihren Fahnen der Lünglings- verein, Turnverein, Kriegerverein Poppenhausen, Krie- gerverein Abtsroda und der Gesangverein, der auf dem Wege und auch am Grabe, wie vorher in der Kirche, mehrstimmige Lieder in ergreifender Weise fang. Unmittelbar vor dem Sarge ging die Geistlichkeit. Außer dem Herrn Domkapitular Prof. Dr. Leimbach, als dem Vertreter des Hochw. Herrn Bischofs und des Dom­kapitels, zählten wir über 25 Geistliche, die ihrem so unerwartet schnell verschiedenen lieben Mitbruder die letzte Ehre erwiesen, trotzdem es Winter und Samstag war und Poppenhausen von der Bahn 1% Stunde ent­fernt liegt. Dem Sarge folgten die barm­

herzigen Schwestern, denen der verstorbene Herr Dechant allezeit ein treu besorgter Vater gewesen war seit dem Tage ihres Einzugs in das von ihm erbaute Schwesternhaus, dann die Verwand 'en, darauf hie ausmärlkien Vertreter, Herr Landrat Dr,