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Dec erste Parteitag der preußischen ScHtramspattci

Kam 11., 12. und 13. DezMber in Berka statt. ____,^m der Reichsparrettag der deutschen Zentrums- parier eure slrujje VcgantjÄ-LN geschahen, gut es nun für Preußen Lie gleiche Ausgabe zu lösen. Daneben wird er einen Rückblick werfen auf die gesetzgeberische Tätigkeit der oerfaßung-gebenden Bolksvenretung uno im besonderen aus die Mitarbeit der Zentrumssrattron. Die Borbereitturg der bevorstehenden Lanütagswi'.h- len wird der Parteitag gleuhsalls zu erledigen haben., umsomehr, als das politische Ringen dieses Mal seyr hart zu werden scheint Das sind die drei großen Auf- gabengebiele, deren glückliche Lösung wr im Interesse -des Vaterlandes und der Partei vom bevorstehenden

Parteitage erhosfen. Es trifft sich gut, daß der Geoachr- nislag des SOjührigerr Bestehens der preußijä^n Zen- rrumsfraktwn mit dem Parteitag zusammenfällt. Ge­wiß wird man sich deshalb auch mit der Zukunft des Zentrums beschäftigen. Durch die Reoe Siegetwatos in Essen ist diese Frage ja noch brennender geworden als sie ohnehin schon ist. Schon vor einiger Zeü ft eine Kommission zusammenberufen wordan, die ein groß­zügiges Zentrumsprogramm entwerfen sollte. Hof- fentlid) trägt es allen Bedürfnissen unserer Zeit Rech­nung, sodaß wir damit der (Erfüllung des Stegerwald- schen Planes schon einigermaßen näher kommen. Denn das ist sicher da ft.mmen wir derWestd. Arb.-Zcg." beiWie immer die große christliche Bolkspartei der Zukunft auch gestaltet werden soll, der Kern des heutigen Zentrums muß darin wiederzusindett sein, wenn jene Partei den an sie geknüpften Erwartungen entsprechen soll." Bor allem müssen, darin hat die Arbeuerztg." auch recht, auch die anderen Lerussstänoe sich mit recht viel Verständnis für politische Eemem- schasksarbLit erfüllen. Hier darf es keine kalte Zurück­haltung der oberen und mittleren Volksschichten geben, sondern volles Verständnis für die neue Zeit. Denn eine neue Zeit ist angebrochen und auch uns Kathobken müssen sich manche Kreise des Volkes wirklich ernstlich bemühen, umzuleriien, wenn sie es gut meinen mit der katholischen Sache. Vor allem muß die nach der Revolution be- obadjtete wachsende Abneigung gegen die Arbeiter- schast, wenn sie auch aus rmrnchen Begleiterschrrnungen der jüngsten Umwälzungen zum Teil wohl erklärlich ist, unbedingt verschwinden, denn bei der augeiiblid- lichen Zerrissenheit des deutschen Volkes ist sie doppelt verhängnisvoll. Im übrigen heißt es auch hier: gut Ding will Weile haben. Ob etwas Besseres an die Stelle des Zemrums gesetzt werden sann, ist noch sehr fraglich. Jedenfalls kann die beste Lösung der Ste- gerwaldschen Idee nur in einer vollen Harmonie mit dem bewährten Zentrumsprogramm gefunden werden. Inzwischen wissen wir verbessern und ausbauen. Dttt Neugründungen soll man immer recht vorsichtig sein. Man ist versucht, da an eine Erzählung zu denken, die sich auf den Umdichter des Nibelungenliedes Wilhelm Jordan in Arankfur! bezieht, der eines Tages auf der Straße Arbeiter Damit beschäftigt sah, das Trottoir auf« zu brechen. Er fragte sie:Was machen Sie Da?" »Ein neues Trottoir" war die Antwort.Das alle war dach noch ganz gut," meinte Jordan. Darauf der Arbeiter:Das alte Nibelungenlied war ja doch auch noch ganz gut und Sie haben es doch umgebichtet." Es ist ein Akt der politischen Klugheit, den man sich im- nur vor Augen halten nmß, wenn man die Verhal­tungsmaßregeln einer Minorität aufstellt, daß man dann viel vorsichtiger ist, als wenn man 'n einer Ma- jontät sich befindet. Es geht im wirtschaPuchen Leben auch so. Wenn man meßt reich ist, dann tut man gut, mit dem Gelde noch vel sparsamer umzugehen, als wenn man wich ist. Wir Kacholiken gehören nicht zu den Reichen im Staate und im Volke. Wir Katholik ken sind in der Minderheit gewesen u^ werden es auch wohl bleiben, besmiders nachdem der Kriegsausgang uns so viele Glaubonsbrüder im Osten und Westen ent­rissen hat, die jetzt fremde Untertanen sein sollen. Wir finD eine Minderheit, die so große Güter zu wahren hat, daß wir klug tun, sehr Dorfid)fg zu sein, und Das erste G bot ist da, jede Zersplitterung zu vermeiden. Nur das einheitliche Zusammenslehen, nur die Einig­keit in der stärksten Auswirkung ist imstande, einen Er- chlg zu erzielen. Man spricht oft vom Zenlrumslurm. Das Wort Turm gibt uns auch in dieser Beziehung ei- N-N beachtenswerten Fingerzech. Ein Turm ist' auf kleinster Fläche das stärkste Bauwerk Wir Katholi­ken haben feine große Fläche und haben doch das stärkste Bauwerk nötig, weil wir die stärksten AkUelm Lungen zu erleiden haben. Alles ist einig im Wd-m- fland gegen uns Darum müssen wir einig und ge- schlosen zusammen stehen. Möge das die schönste

Frucht des preußischen Parteitages mrd der IubilLums- seir fejn.

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Ein scharfer Trennungsstrich wurde auf dem christlichen Gewerkschaftskongreß auch zwischenßrijlenlBm und Sozialismus gezogen. Dr. Brauer, unstreitig einer der besten uird vor allem klar­sten Köpft der christlichen Gewerkschaftsbewegung, er« mULrte Daran, wie die christliche Gewertschastsbeure- gung als Stcmdesbewegmrg cm Segenfaß zur Sozial­demokratie ausgetreten und stark geworden sei. Er zeigte die zersetzende Wirkung des (Socialismus auf allen Gebieten, des Sozialismus, der kein inneres und kein seelisches KulturpriNzrp hat. Darum besteht zwi­schen Christentum und Sozialisrnus die tiefste Kluft und es war eine große Selbsttäuschung, wenn einige vereinzelte Leute auch bei uns an Möglichkeiten der Annäherung zwischerr Christerkünn und wisfen- feßaftheßem Sozialismus dachten. Zwischen christlicher Freiheit und Der Despotie der Sozialdemokratie ist ein himmelweiter Abstand." Darum kämpft auch die ßkdj? gegen len Socialismus, Die schlimmste Irrlehre unterer Zeit, die in ihrer Auswirkung zum ewigen Ver­derben führt.

Die Kirche kämpft gegen den Sozialismus nicht, weil er den Unterdrückten zum Recht verhelfen m U, sondern weil er in seinem übertriebenen Klajserckampf ä>, Unrecht und UngereckstigkÄ erst in die Massen hineinträgt und so erst gegen die christliche Liebe, Ver­söhnung und Verständigung sündigt, und vor ollem, weil Der Sozialismus als System, d. h. wie er von feinen Führern in Wort und Schrift gelehrt wird, aus­gesprochen religionsfeindlich ist. Nur Die Welt und hre ènüfse sind feine Religiono, Gott und Ewigkeit und was damit zusammsnhängt leugnet der Soziaüs- mus. Darum nirgends ein Sozialifksnsührer irgend- weiäxr Färbung, der praktisch feine Religion ausübt, darum überall Kampf gegen Kirche und Priestertum, als Die Trä^n: der Religion, wo die Radikalen das Heft in der Hand haben. Fast jeder Tag bringt neue Beispiele dafür.

In Berlin hatten die Unabhängigen vor der Stadt- ratswahl beschlossen, daß als Kandidat mir zugelaufen wird,wer aus der Kirrhe ausgetreten ist und keinem religiösen Bekenntnis angehört". In jeder Sozialisten« Versammlung kommt es zum wüsten Geschrei, sokrald das ThemaReligion" zur Sprache kommt. Fast alle sozialistischen Abgeordneten in Reichstag und Landtag bekennen sich alsrel gionslos". Kaum hatten die Radikalen im Stadtrat in Höchst a. M. die Mehrheit, wurden die Mittel für den Reli gio nsuntarricht ge­strichen. In Sachsen, Bremen, Hamburg wollten sie chn ganz aus der Schule verbannen. In München ließen vor kurzem die radikalen Stadtväter nachprüfen, ob nicht die Ordensschwestern durch weltliches Perso­nal in den Krankenhäusern ersetzt werden könnten. Sie zogen sich st.llschwegend zurück, als bekannt wurde, daß beim weltlichen Persona! die Kosten in einem ein­zigen Krankenhaus fast ums Zwanzigfachs steigen wür­den. Der Stadtsäckel kann es nicht leisten. Worum war es den Radikalen zu tun, da sie Die Drbensfrauen verdrängen wollten? Die Antwort kann sich feder selbst geben Der Religionshaß sollte befriedigt werden. Durch die hier und da umgebundene relig'onsfreunb- liche Maske sollte sich heute niemand mehr täuschen lassen. Religion und Sozialismus stehen sich einander gegenüber ane Feuer und Wasser.

' Schärfsten Protest

fordert der Paragraph 49 des jetzt z Beratung stehmLen Lehrerbesoldungsgesetzes heraus. Dieser Paragraph steht in vollem Widerspruch mit dem Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden, da er dem Staat die Besetzung der Lehrerstellen an den Volks­schulen in die S)MV"< geben will. Wohin das unter einer svzialdemokratij n Negierung fußten würde, ist leicht einens eßen, sie könnte jederzeit sozialdemokratisch gesinnte Lchrer in katholische Gemeinden schicken, ohne daß die Gemeinden etwas dagegen tun könnten. Hier muß jetzt von allen christlichen Eltern energisch prote­stiert werden. Wir wollen in unseren Gemeinden überzeugle katholische Lehrer, die unsere Kinder im christlichen Geiste erziehen und darum verlangen wir bei der Anstellung die Mitwirkung der Gemeindever­tretung, die den Willen der Erziehungsberechtigten repräsentiert.

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Deukschöstercsich

erhielt noch langen Verhandlungen der Parteien end­lich eine Negierung. Sie besteht aus 4 Christlich-So­zialen und 6 Beamten. Politisch trägt dieses halbpar­

lamentarische Kabinett euren christlich-sozialen Charak­ter. An seiner Spitze sieht ein Anhänger dieser Par­tei, Dr. Michael Mayr. Er erklärte, sein Programm könne naturgemäß nur ein rein wirtschaftliches sein. Bei der Nottage Des Landes müssen die Parteikämpfe urzückstchen. Bei den Wahlen hatten die Sozial­demokraten bekanntlich große Verluste erlitten.

Das Finanzelcrid Oesterreichs

ist noch viel größer als das deutsche. Für Staatsange- stellte muß das kleine Land allein über 10 Milliarden jährlich aufbringen. Der Staat beschäftigt 263 OjO Men. fchen; einschließlich der Familienmitglieder leben insge­samt 662 000 Menschen, d. i. mehr als der 9. Teil der Bevölkerung vom Staate. Für Verbilligung der Le­bensmittel hat der Staat im letzten Jahre 7 Milliarden ausgewendet. Die Eisenbahnen weisen einen Fehlbetrag von über VA Milliarden, Telephon und Telegraph von über 300 Millionen auf. Die Kosten für die Wicg.'rgut- machungskommission, die nichts zu tun hat, weil es in diesem vom Hunger augefressenen Lande nichts zu ver­teilen gibt, betragen jährlich y2 Milliarde.

In Frankreich

hat das Parlament mit 397 argen 209 Stimmen den Beschluß gefaßt, die diplomatische Verbindung mit dem Papst wieder herzustellen. Aehnlich wie Bismarck, der f. Zt. den Kulturkampf bei m^ v^-^n yum, auch Den Abbau einleiten mußte, so muyte jetzt in Frank­reich Briand, der vor 14 Jahren die Trennung durch­gesetzt hatte, jetzt für die Wiederaufnahme der Be­ziehungen sprechen. Es ist eine merkwürdige Er­scheinung. Derrussische Papst" (Der Zar) ist nicht mehr, Das türkische Kirchenoberhaupt, der Sultan, ist an Ätacht und Ehren schr arm geworden. Derpro- i testantischc Papst", wie der Kaiser als Oberhaupt der protestantischen Kirche in Preußen genannt wurde, hat mit dem Krieg den Thron 'und damit auch seine kirchliche Ehrenstellung verloren, nur das von Christus seiner Kirche vorgesetzte sichtbare Oberhaupt, der un­erschütterliche Fe s Petri, ist geblieben und viele, die vorher nichts vom Papst wissen wollten, selbst nicht- katholische Staaten, haben wieder Verbindung mit ihm gesucht Gewiß für jeden Katholiken ein Trost in schwerer Zeit.^

In Frankreich

hat man immer noch eine hoilloje Angst vor Deutsch­land. Die Angst vor einer Wiederert>ouna Den-, Ir­lands, vor einer deutschen Revarrche, beherrscht es noch derart, daß es selbst am hellichten Tag Gespenster sieht. Beim gewöhnlichen Volk kann man c as j-.-nsz., a noch verstehen, aber die Führer sollten sich doch mit solchen Albernheiten nicht abgeben. Die müisen doch ganz gut wissen, wie es um die Loge der Deutschen bestellt ist und daß von einerdeutschen Gem f' zu reden etwa so viel heißt, als das Leben der Katze durch die bloße Existenz eines Mäusleins aefährdel fein lassen. Hierher gehört z. B. die von ernsten Pariser Blättern verbreitete Ansicht von einem gegen Polen gerichteten deutsch-litauischen Bündnis, dem sich auch Sowjecrußland anjchbrcßen men n Obwohl je er Vernünftige diese Meldung aüf den ersten Blick als eine faustdicke Lüge erkennt, sinüet sie bei dem in blinder Kr egspsychose befangenen französifchen Volke doch ihre gläubigen Nochbeler. Noch bezeichnender ist eine andere Meldung eines-Pariser Blattes, wonach die am 23. November zusaMmengetretene Interalliierte Luftschisf- fahrls-Komm'ssionaußerordentlich beunruhigt sei we­gen Deutschland" und sich mit derTatsache beschäf­tigen werde daß man in Deutschland gegenwärtig Luft­schiffe herstellen könne, die leicßt in Kriegslustfahrzeuge umgebaut werden könnten". Doch das ist nicht alles. Wir sind in der Lage der Entente noch weiterebe- unruhigende" 5Relbinae.il zu a 1 ' uen

nämlid) bei uns mich noch Leute mit einem Hemd auf dem Leibe herum, das man eventuell für einen Sol­daten verwenden kann, ja wir haben i^nr in denke und erschrecke sich! vor deutschen Pflügen, Heu-, Dünger- usw.-Wagen Pserdegespanne gesehen, Die man unter Umständen an Geschützlafetten spannen formte. Jetzt wissen also die Franzosen, daß sich in Deutschland noch manches befindet, das man für Kriegszwecke ver­wenden,ein"- undumbauen" könnte. Mögen sie luns auch noch das Hemd vom Le'be und die Schuhe von Den Füßen ziehen und die Pferde von unseren Pflügen wegholen, vielleicht kuriert sie das von ihrer wahnwitzigen Kriegspfychofe! Nüchterner- und ver- nünftigerwe'fs müßte man sich doch sagen, daß das deutsche Volk in seiner gegenwärtigen wirtschaftlichen, politischen und erst recht moralischen Lage, oie auch, unter den denkbar günstigsten Umständen, von Genera­tionen triebt völlig wirb überwunden werden können.