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Zum zrveilenmâ

haben sich die traurigen Tage der deutschen Geschichte gejährt, da im Wald von Compiegne der Wassenstill, stand gesä-lossen werden mußte, der Kaiser in das Ausland floh und die Revolution ausbrach. Wir haben keinen Grund, dieft Tage tiefster Schmach feier- lich zu begehen Die Erinnerung an all das Elend, das aus dem Wirrwarr d-.es er Tage erwuchs und nun schon zwes Lahre auf uns lastet, läßt das nicht zu. Was seit den Tagen der Revolution cm wirklich Brauch­barern erreicht wurde, das wäre auch ohne jenes wüste Durcheinander zu erlangen gewesen. Doch sei dem wir ihm wolle; es hat nicht vri Zweck, rückwärts zu schauen auf Dinge, die nicht zu ändern sind. Wer aufbauen will, der darf nicht in Trümmerfeldern wüh­len! So wollen auch wir in Erinnerung an jene Tage, die zu den dunkelsten der dorischen Geschichte zählen, uns nicht einer ocrzwnfân Stimmung hingeben, son­dern vorwärts blicken urch ms daran teufen, wie wir Volk> Vaterland wieder besseren Zeiten entgegen- Sühren können. Revolutionen bedeuten in der Ge- chichte immer den Anfang einer neuen Zett. Sie schas­sen andere Verhältnisse, begraben vieles, was man vorher mch anzutasten wagte. Auch jener Umschwung vom November 1918 hat uns in eine Zett geführt, mtt der wir uns absurden, fei Dèe tter uns schicken und dis wir nützen müssen. Die Umstellung mag vielen schwer geworden sein, aber wer fei der Politik, im Staats- und Wirtschaftsleben nicht unbeacfstet beiseite Een werden will, der muß mit den jewotls wirk- Kräften rechnen, sie zu lenken wissen. Diese ame Ausgabe hat tiée deutsche Zentrumspartei von allem Anfang an erfaßt. Sie hat sich mitten in den Strudel begeben und durch tatkräftige Mitarbett Manche Gefahr zu bannen gewußt. Wenn einmal Me Geschichte dieser Lahre geschrieben werden wird, dann wird man das Verdienst all derer, die in jener kritischen Lage mutig eingegriffen haben, gebührend zu würdigen wissen. FreÄich sind Me Gefahren, die uns von allen Seiten droben, noch immer groß; der Revokutionr- r misch erfüllt noch weite Kreise und strebt mit russischer Hilse nach einem neuen Umsturz während man auf ter andern Seite einenationale" Revolution predigt, die wie- dieDeutsche Tageszeitung" schreibt hm Kräfte unseres Volkes in neuer nationaler Er- gung zufammenfaht," J)k allein zwischen dem dorrt- n Volke und feinem endgitttigen Untergänge steht, unsere Hoffnung ist, wie dèe anlhiattonale Revo­lution am 9. November Deutschlands Verderben war." Beides ist ein Irrwahu ohnegleichen. Denn solche Wege führen geradeaus in neue, eigene SelbstzerflÄ- schung, in neue Selbstvernichiung. Keine Reaktion aber auch feine phantastische, alles zerstörende Linksentwicklung nicht Hercmsfordern nach links nicht Putschen mit rechts, sondern in der Mitte bleiben, das allein ist nach Lage ter Verhältnisse der einzige Weg, auf dem wir nachr und mehr aus dem Elend herauskommen können. Was not tut, sind nicht Par­teikämpfe, nein, die Zusammenfassung aller Kräfte mit dem einen Ziel der staatlichen Festigung im Innern und der wirtschaftlichen Wiedererstarkung durch unent- wegte Arbeit, die ein jeter am deut Platze leisten muß, wo ihn das Geschick und Neigung Eingestellt hat. Wenn alle Hand anitgen wollten an Ne Förderung des inneren Friedens, dann sollte es wohl möglich sein, das Schiff auch leck von stürmischer Fahrt in den ruhi- gen Hafen zu steuern. Diesen allein richtigen Weg geht bas Zentrum.

Der Völkerbund

ist am Morckog dieser Woche in Genf zu seiner ersten Vollversammlung zusammengetreten. 150 Delegierte, die etwa drei Dutzend Staaten vertreten, werden zu­gegen fern. Trotz aller schönen Redensarten ist der ganze Völkerbund vorläufig nichts weiter, als ein Dr- MN ter Entente, durch das sie ihre Geschäfte besorgen läßt, die eine völkerrechtliches Mäntelchen nötig haben. Die Großen geben da den Ton an uni) die Kleinen, wozu ja mich die im Krieg neutral gebliebenen Lander gehören, werden kaum wagen, dagegen auszutreten. Die Tagesordnung der Genfer Zusammenkunft um­faßt 29 Punkte, darunter so ziemlich an letzter Stelle ute Frage der Zulassung neuer Mitglieder, unter der sich die Erörterung Über die Aufnahme Deutschlands fei dem Völkerbund verbirgt. Allem Anschein nach wer- den vHr nvch nicht fürwittdig" befunden werden. fei

N» erlauchte Msellscdost anfgMommerl zL werden, während bei Oesterreich und Bulgari voraussichtlich keine Schwierigkeiten gemacht ureroen; mir sind Hal! cäs Allerschlimmsten und Allerschlechtesten und müssen uns erst bessern, ehe die Herrschaften sich mit uns cm einen Tisch setzen. Wie werden wir doch so tief gedemütigt!

In der Viedergutmachrlngssrage

haben England und Frankreich sich wieder einmal natürlich auf.unsere Kosten geeinigt. L« vier Etappen soll die Frage neu geregelt werden. In Brüssel sollen die Sachverständigen zusammen kommen und zwar die Deutschen mtt denen ter Entente. In Genf wer- den dann die Lnlenlemlnksler sich treffen spätestens in der ersten Hälfte des Februar. Die Deutschen müssen Datei wieder am Katzentisch sitzen wie in Spaa; sie haben beratende Stimme, wrrNich zu bestimmen haben sie aber nichts; das besorgt dieDiedergutma- chungskommission", b« der unsere Feinde bekanntlich miter sich sind, sie wird die Gesamtsumme, die wir zahlen müssen und die Zahlungewetfe bestimmen, ob fei 10, 20 oder 50 Jahren - und dann tritt zum Schluß der berüchtigteoberste Rat", de h. di« Häuptlinge der Entente zusammen, um alle noch nötig erscheinenden Maßnahmen ju prüfen: die Sicherungen unb Straf­maßnahmen. Mit anderen Worten: Cs geht wieder nach der Melodie: Friß Vogel, oder stirb." Um Ostern herum werden wir also ungefähr wissen, war wir zahlen müssen. Das wird das Erne gute haben, daß wir wenigsten» wissen, woran wir smd mtt) das Hange« und Langen in schiebender Pein" endlich cmfhSrt.___________

Ein wenig erfreuliches Bild

boten die Darlegungen unseres Reichsern^ungsmini- sters über die Lage und die Aussichten unserer Er- nährung. Besorgniserregend ist es vor allem um unsere Vrolverforgung bestellt, Ne nur bis Mitte März einigermaßen gesichert ist Zwar sei Ne Ernte, be- onters in Roggen, schlecht gewesen. Damit alleln lasse sich aber die mangelhafte Ablieferung des Brotgetrei­des nicht erflären; der Schlelchhandel in Mehl nehme riesigen Umsang an. Es bleibe der ^Regierung nichts anderes übrig, Äs mit den schwersten Strafen gegen alle vorzu gehen. Ne ihrs Ablieferungspflicht nichi er­füllen oder sonst die Ernährung gefährden. Aus Schwarzmahlen und besonders auf der unerlaubten Ausfuhr von ßebenemittdn sollen verschärfte Strafen, auch Zuchthausstrafen, stehen. Für jene verabscheu- uiTßstDitrNge Elemente, die unser armes ausgefoßenes Land um schnöden Geldgewinns wegen noch mehr von dem zum Leben Notwendigsten, den geringen Brot- mengen, über Ne w'k verfügen, entblößen, ist keine Strcssr hart genug. Sie muß jeden treffen, der an diesem Landesverrat sich beteiligt oder ihn begünstigt. Ob aber mit derartigen Strafandrohungen bei der be­klagenswerten Verwirrung der einfachsten Rechts- und Sittlichkeitsbegriff«, die me weitesten Kreitz erfaßt hat, praktisch seyr viel erreicht wird, ist eine untere Frage. So lange « nicht gelingt, das Uercmfrood- iichkeilSFefühl wieder zu stärken, sind alle derartigen Maßnahmen unr ein Schlag ins Wasser. Die Sozial- demokrâe Webt natürlich alle Schuld auf die Regie­rung und auf den Abbau der Zwangswirtschaft. Da­gegen ist zu sagen, daß ter Abbau notwendig war, weil die ZwangswirtjchÄt nur noch auf dem Papier stad); ihre verschärfte Wiederauftuchme war unmög- lich, todt es zu ihrer DurchführmM an ten behörd­lichen Machimiltelv fehlt. Es tonnte aber sehr wohl der Zeitpunkt kommen, da auch mit schwachen staos- lichen Mitteln versucht werden müßte, an Stelle ter freien Wirtschaft aufs neue den Zwang zu setzen, dann nämÜch wenn Ne Lage einfach unerträglich werden sollte, und die hungernden Massen ihr Recht forderten. Niemand wird wünschen, ba§ es dazu komme, denn was bann geschehen würde, vermag jeder leicht sich auszumolen. Die Preise ter Freiwirtschaft steigen in unheimlicher Weise. Ln manchen Städten tee. Reiches kostet ein Pfund SäMciueslsssch bereits 25 Mk. und ein Zentner Kartoffeln 4550 Mk., ohne daß man letztere in halbwegs genslgerrber Menge elchalten kann. Mtt der Zunahme der PapierMrt- schuft klettern aber Nest Preise fdpreHftens weiter in die Höhe Je größer bte Auslagen in den Fleischerladen werden, lmisomehr knurrt der Maaen der hungernden Menge, Ne die Auslage liebt aber den Genuß des

Fleisches sich »Äht nichr gestatten kann. Es ist oh« Zweifel eins ernste und schwierige Lage; fi^er ^ jedenfalls, daß Deutschland ohne Zuschuß vom AuslanÄ nW leben kann. Die Menge der im Ausland eiuzu- kcurfenden Lebensmittel fielst noch nicht fest Abcr für zwei bis drei Monate ist miâstens Drolgetreide z« k-mfen. Man spricht von einer Summe vAr 20 Mil­liarden Mark, die hierfür auszugeben sei; bis È ater ans Einkäufen v dieser Sctensmittei kommen, brauchen wir, wenn ter Wert der Mark weiter sinkt, vielleicht gar 40 Milliarden Mark. Womit wolle« wir die für das Leben des Volkes absolut notwendigen Nahrugnsmtttel bezahlen? 3m Lahre 1919 zahlte ma« mit Gold und mit neutralen Wertpapieren. Diefs Quelle ist ausgetrocknet. 3m Lahre 1920 zahlte man den Zuschuß mtt Bankiwten. Len Lahre 1921 wirfe uns niemand in der Welt mehr 20 ober 40 Anlliar» ten Stars Banknoten abnehmen. Der aus dem Spaaer Abkommen fließende Vorschuß auf Lebens­mittel beträgt im günstigsten Fall 360 Millionen Goldmark pro Lahr. Das ist nicht einmal der acht» Teil von tem, was wir absolut notwendig hoben. WahrLch trostlose Aussichten sirr die nächste Zukunft.

Eine undankbare Aufgabe

das Zentrmn durch Uebernahme des Finanz- Ministeriums und des CrnShrun^minislerkums übe», nommen; ohne Zweifel sind das dir schwierigsten Mb- nifterpoften, die es gibt Der eins soll die Mesen­summen beischaffen, die wir brauchen; wenn er ab« Steuern haben will, dann halten es alle mit dem hl. Florian:verschon mein Haus zünd andere an,' keiner will zahlen; jeder sucht sich zu drücken und es dahin zu bringen, daß er möglichst wenig Steuern za zchlen hat. Und wenn er dann den Beamten, An­gestellten und Arbeitern sagt, daß Faß ist leer, wir können feine Zuschüsse und Teuerungszulagen zahlen, dann ist es natürlich auch wieder nicht recht, dann heißt's, er sei arbeitet- und beamtenfeindlich und die Partei, der er angehöre, mit ihm; jetzt müsse man sie auf den Plakattafeln der öffentlichen Verachtung preisgeben und bei den Wahlen müsse über diese Volksfeinde" ein Volksgericht ergehen und sie hin­weg fegen. Und wer dann kommt, wird auch nicht helfen können. Noch undanbarer ist die Stelle des Lcnährnngsministers. Der Finanzminister kann sich wenigstens damit helfen, daß er die Banknotenpresse in Tätigfeit fetzt und mit Papiergeld Ne leeren Brief­taschen vollstopft aber der knurrende Magen wird von Papier nicht satt. Es ist deshalb kein Wunder, daß dieser Minister viel kritisiert wird. So lange diese Kritik sachlich bleibt, ist Dagegen nichts zu sagen u. man sachlich bleibt, ist dagegen nichts zu sagen und man muß sich damit abfinden, auf schärfste zu verurteilen ist es aber, wenn der Kampf aufs persönliche Gebiet hin­übergespielt wird und Vorwürfe erhoben werde> für Me auch ter Schatten eines Beweises fehlt. Diesen Weg haben die Soz-aidemokralen beschritten. Seit Wochen haben sie Den Ernähruirgsmimster Dr. Hermes mit persönlichen Angriffen und Beschimpfungen über- häuft. Ä!>er von allem, was 'man ihm vorgeworfen hatte, ist nichts übrig geblieben, als daß er ein Auto­mobil-zu teuer gekauft hatte und sonstige Kleinigkeiten, die überall vorkommen und für die man sonst keinen Minister verantwortlich macht. Lm Ausschuß dee Reichstages ist auch ausdrücklich feftgesteM worden, daß nichts Ehrenrühriges gegen Hermes vorliege. Den Sozialdemokraten ist es natürlich mir darum zu tun, zu hetzen und Unzusriedenhstt hervorzunifen, für sie ist auch Ne Not des Volkes, wie Niemond leugnet, in erster Linie Agilattousnüttet, sie benutzt sie, um mög­lichst radikale Sprüche in die Massen zu schleudern, für sie gilt es nur, die allgeme'ne Nahrungsmittelknapp­heit Die wirtschaftlichen Nöten, die unser Volk und vor'allem die großen Massen ter Verbraucher nervös gemacht haben, in gangbare AzttationLnrerle unrzu- münzen, Teuselsgeld zu frassen, wie Reichskanzler Fehrenbach so treffend gesagt hat. Daß Die Zwangs­wirtschaft nicht mehr aufrecht zu halten war, wissen die sozialdemokratischen Führer auch, sie wissen auch, daß Die jetzigen Preise immer noch niedriger sind wir die früheren Schleichhandelspreise (das Organ der so­zialdemokratischen Konsumvereine hat das selber zu­gegeben). Sie können sich auch vernimftigerweise sagen, daß ter Nebergang zur freien Wirtschaft allerlei Schwierigkeiten bringen muß, aber schließlich doch zur Gesundung führt, aber das kümmert die Sozial-