Ratgeber Mr Landwirtschaft-
Gartenbau und Hauswesen»
Nr. 24. x> 30. Zahrgang. ex 0 o SrMZbeigabe zum DsmfaNusbstsn. 0 Zulda, den 14- November 1920
Düngung der lsndW. AulLurpflanzen.
vom Generalsekretariat des kurheff. Bauern-BereinS, Abteilung lanüwirtschaftticye Technik.
Geschäftsräume: Fulda, „Halber Mond", Friedrichstr. Fernruf Fulsa 236.
4. irShrstoffbersllusg de» Lodens durch Zufuhr von ptzosphorsSurehalNgea Düngemitteln.
Die phosphorsäurehaltigen Düngemittel wirken vor allem auf die Vusbüdrmg der Körner, (während i^e schon früher besprochenen stickstoffhaltigen Düngemittel in der Hauptsache treibend wirken oder wachstrnnsföedernL), also mehr aus Lie Ausbildung des Halmes einwirken. Wild einseitig mit Stickstoff gedüngt, ohne daß also auch genügend Phosphorsäure und Kali gegeben wird, so tritt leicht Lagsrfrucht ein. Die Ernte 1920 zeigt sehr deutlich küs Wirkung der Phosporsäure. Im oben genannten Jahre fehlte es mi phosphorfäurei>altigon Düngemitteln und die Folge war, daß die Ernte 1920 weit schlechter aus. fiel an Körnern, als b« vorn Jahre 1919, wo noch mehr Phosporsäure im Boden vorhanden war. Daraus geht klar hervor, daß die Hauptdüngung in Zukunft die Phos. phorfäuve bilden muß. Wir haben gegenwärtig drei Dünge- mit :', um dem Boden Phosphorsaure zuzuführen:
1) Thomasmehl
2) Rhenania oder Germanlaphosphat
3) Superphosphat.
Thomasmehl steht nur sehr wenig zm Aerfügurrg, weil Gebiete, wie Elsaß-Lothringen, die uns mit Thomasmehl beliefert haben, an Frankreich abgetreten wurden. Ebenso haben wir unsere SüdseLmseln verloren, die uns eine beträchtliche Menge Rohphosphat« lieferten. Die Airwendung des Thomasmehls geschicht am besten im Herbst oder während des Winters bei ge- fingern Frost und leichter Schneedecke. Auch im zeitigen Frühsahr (Februar) ist das Ausstreusn desselben noch möglich und damit man Arbeit erspart, sann das Thomasmehl gleichzeitig mit Kainit vermischt werden. Richt xu übersetzen ist, daß Thomasmehl 50 Proz. Kalk enthält, der für all« Böden äußerst notwendig ist. Das Thomas- mehl muß fein gemahlen sein, damit es sich leicht lösen kann im »oben. Es enthält 12 bis 20 Proz. zitronensäure- lösliche Phosporsäure. Im Boden befinden sich sehr viele Säuren mA sehen das Thomasmehl um, sodaß es allmählich für die Pflanze ausnehmbar ist. Die Wirkung ist langsamer, als beim Superphosphat, aber um so nach- haltiger. Man kann beim Thomasmehl daher von einer Nachwirkung reden. Da das Thomasmehl bis zu 50 Proz. Kolk enthält, eignet es sich sehr gut für sogenannte saure Böden und da die Phosphorsärrre langsam wirkt, eignet sie sich vorzüglich für leichte Böden (Sandböden). Wird Thmnosmel^s mit Kainit zusammen gemischt, so muß es sofort ausor-stre-ut werden, damit die gemischte Masse nicht erhärtet. Mim kann pro Margen 1—3 Zentner anwenden, da nichts ausgewa schon werden kann, es kommt also der Nachfrucht noch zuMte. Man rechet, daß im selben Jahre der Düngung nur dreiMertel von der Pflanz'; ausgenommen werden kann und ornvirrtei kommt erst im nächsten Jahre zur Wirkung. Thomasmehl kann zu allen Pflanzen verwendet werden, hauptsächlich aber zu denen, die eine lange Wachstumsdauer haben, z. B. Getrâ, Klee usw., unb wo es nicht auf eine schnelle Wirkung ankommt, z. B. als Kopfdüngung, wo Superphosphat vorzuziohan qt, wer! es sehr viel leichter löslich ist.
Rhenaniaphosphat. Die KriegszeU lehrte uns, da Thomasmehl nicht in genügender Menge zu haben ist, die minderprozenttgen Roh Phosphats aus Belgien, Nord- frankreich und der Lahn durch Glühen mit phosphor- HÄtigen Gesteinen mA Kalkrnergel in den Drehöfen der Zsmentfadriken aufzusM-eßen, d. h. die Phosphorsäure in eine leicht löslicher« Form überzuführen, wie in dem Thomasmehl. Hierher gehört das oben genannte Rhenanio- Phosphat mit 10—12 Proz. Phosphorsäure, 2—4 Proz. Kali und 25 Proz. Kalk. In seiner Wirkung kommt es dem Thomasmehl sehr nahe und kann auch genau wie dieses zur Anwendung kommen. Der Preis für Phos- phorfäure ist im Rhenmnaphosphat teurer, als im Thomasmehl, weil die Hauptwerks, dis Rhenaniaposphat Herstollen, meist im besetzten Gebiet liegen und die belgischen Rohphosphate fehlen. Trotzdem ist es zu empfekßen, die Böden, besonders die leichieoen, nÄ Rhema-niaphosphot zu düngen, weil die übrigen phosphorsäurehaltigen Dünor- m^M nicht zu haben sind oder nur in geringen Mengen.
Superphosphat. Schon im Jahre 1850 verstand man es, phosphorsäurehrltiae Gest eure (Phosphorite, Apatit« usw.) fabrikmäßig mit Schwefelsäure aufzuschließen, d. h. die Phosphorsäure lichter löslich, wasserlöslich zu machen. In Deutschland gibt es sehr wenig hochprozentige phosphorsäurehaltige Gesteine, wir bezogen sie daher vor dem Kriege aus Nordamerika, Belgien, Frank- reich euch. von bat deutschen. SWieeinlgln kNmiru und
Palao) Die Gesteine non den obengenannten Gegenden haben bis zu 80 Prozent Phosporsäuren Kalk. Die wasserlösiiche Form der Phosphorsäure ist für die Pflanze nicht verloren, er wirkt nur langsamer, Superphosphat wendet man zweckmäßig an auf schwereren Böden (Basalt- und Tonböden), da es auf dem kalkarmen Sandboden vorkommen kann, besonders bei starken Niederschlägen, daß ein Teil der leichtlöslichen (wasserlöslichen) Phas- phorsäure versickert. Das Superphosphat wird mit der Saat angewendet Md zwar bringt man es mit den Be- fteüimgsarbdten in den Boden. In neuester Zeit wird die Phosporsäure des Superphosphats nicht mehr nach der Wasserlöslichkeit, sondern nach der Zitratlöslichkeit in den Handel gebracht, d. h. es wird bei der Preisberechnung auch die schwerer lösliche Form der Phosphorsäure berech- riet. was vor dem Kriegs nicht der Fall war. Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch besonders darauf Hinweisen, daß Klesarten und Kleegrasmischungen mit einer Kaliphosphatdüngung gedüngt werden müßen, das ist eine Mi- ft^img von Thomasmehl und KanÄt, damit sie HöchsiAträge liefern und zum eifrigen Sammeln von Stickstoff veranlaßt werden. Mit Slickstoff brauchen also solche Flächen nicht gedüngt zu werden. Vergliche den vorigen Artiksi über StickstoftdünMng. (Forts, folgt)
Crutemtovser!
Christliche Bauern! Bezüglich her Kar löffel preise herrscht ein unangenehmer Wirrwarr, da die Landwirte auf ihre Kontrakte mit den Kommunen 30 Mark für den Zentner erhalten, im übrigen aber fi& mit 25 Mark lind in einzelnen Gebieten selbst mit 20 Mark und barunter begnügen sollen, was sie vielfach zur Zurück- Haltung ihrer Ware veranlaßt. Durch diese Verhältnisse sind auch die Kaufleute in ihren Dispositionen cinnfinb. l-ch beschränkt, so daß man Besorgnisse wegen der glatten Winterversorgung hegt.
Im Fuldaer Land sind für dir mmberbemitte'ten Stadtbewohner alsbald *4 der Sollmenge für 18 Mk. von den Landleuten abgegeben worden. (Bravo!) Der Rest folgt hoffentlich bald nach.
Von den Schwierigkeiten bei der Ausführung solcher Liebeswcrke machen sich dir Städter kaum eine Darstellung. Die erste ergibt sich bei der Sammlung. Sammeln und warten bis der Üädtifche Wagen tommt, ober erst stimmeln, wenn der Wagen angerollt ist? Trck'S- portmittel sind z. T. recht schleckt, Fuhrwerke mit Kühen jetzt unmöglich (Maul- unb Klauenseirche), Kosten recht hoch usw. Wenn bei alledem die bei weitem größte Zahl der Kartofselbuuerll ih.-e Schuldigkeit als Christen tun, so möge das mich gelohrrt werden durch eine Entspannung der Stimmung gegen das Land vonseiten vieler Städter.
-————°^r— ■———
y!nr n in die DariehMasiey'
«nd YaflenwLkLMè!
Ein Soziasdenrokrat (Geschäftsführer des so?. Land- arbeiteruerbonbes) hat vor einiger Zeit höhnisch, aber leider zutreffend gesagt: ,Mören die Landwirte einig, bann würden sie die «roßte Macht im Deutschen Reiche besitzen; aber wir wißen ganz genau, daß sie es nie sein werden, darum werden wir sie auch nicht sürchtrn."
Ein beschämendes Urteil; laßt es auf Euch nicht ruhen Zeigt, daß auch in Euch das Zusirnnnengehörig- keitsgefühl stark erwacht ist Schließt Euch eng zufam- men.
SchM eure Swett
mi? die ksrdw ÖMctfätM
Neben praktischer Tüchtigkeit ist eine gründliche wil- senfchastliche Fachbildung heutzutage für jeden Land- wirt unerläßlich. Diese verschafft die Winterschule, die jetzt ihren Unterricht wieder beginnt.
Zur Vermft
mahnt die sozialdemokratische „Bolkssflmme" in Mann- heim bei der Versorgung der Verbraucher mit Kartof- sein. Sie schreibt wörtlich: „Gs muß einmal offen ausgesprochen werden, die wahnsinnigen Preße für landwirtfchafilich- Produkte sind zu einem übergroßen Teile auf das Schuldkonto der Verbraucher zu setzen Man schimpft dauernd über den Egoismus (Habgier) der Bauern, ober von dem mangelnden Ge- meinschaftsgefühl der Verbraucher in ihrer großen Mehrheit lckwelat man lrider." Wir. können vier nur an-
stin men. Die Angst, zu kurz zu kommen, der Wunsch, möglichst früh und ausreichend mit den Lebensmittel. Produkten der Landwirtschaft sich elnzudecken, förderte ein Wettrennen und ein Uebcrbieten im Preisangebot zu Tage, dem auch die biedersten Landwirte sich fügen' müssen. Wenn sogar Betriebsräte, meiste ■ oie größten Schreier gegen den „Wucher der • -te, zum Prcistreiber werden, bann verwirken t Recht, Steine auf die Landwirte zu werden $ Uebel, das seit Einführung der Zwangstmrtfcha-! t ^as Land geschleppt wurde, freiwilliges Ueberangebot an Preisen seitens Ker Verbraucher, ist auch heute noch Sch rl's an den Ungerechtigkeiten, die ben Lrbensmitielmarlt so unreell gestalten.
vLkschiedmes.
Der fiadoffelprels von 25 Mk. wird als zu niedrig und auch wieder als zu hoch bezeichnet. Wer hat Recht? Im vergangenen Winter war die Kartoffelnot in den Städten recht groß, es gab statt 6—7 oft nur 2—4 Pfd. auf dir Woche, weil eben nicht mehr Kartoffeln da waren. Um mehr Kartoffeln in 1920 zu erzielen, sollte die Zwangswirtschaft fallen und bur^ Verträge zwi» schen Städten und Kartoffelzüchter!? S cherftellung für die großen Verbrauchermaßen c- j werden. Diese Verträge mußten einen Preis enthü-cra, der für den Landwirt lohnend und anreizend zu größerem Anbau war. Nach langen Verhandlungen unter dem (sozial- demokratischen) Wirtschaftsministcr Schmidt wurde der Preis der Kartoffeln auf 25 Mk. und für Bertrestar» löffeln auf 30 Mk. festgesetzt. Wie kam die Regierung nun auf 25 Mk. Nun, am ersten Januar 1920 stand der unter Berücksichtigung der Produktionskosten für alle landwirtschaftlichen Produkte errechnete Preis für 1 Zentner Kartoffeln auf 15—16 Mk. Im Juni 1920 wußte eine allgemeine Preissteigerung von 55 Pro^. hinzugerechnet werden, so daß der Ztr. Kartoffeln am L Juli c. 24 Mk. kosten würde und weil man ferner über- zeugt war, daß eine weitere Steigerung bis zur Kar» toffelernte eintreten würde, nahm man endgültig 25 Mk. als angemessenen Durchschnittspreis an. Dieser deckt bestimmt die Produktionskosten und sollte alle guten Bauern antreiben, fleißig zu liefern, damit die Rot, in die unser deutscher Volk durch den unheilvollen Krieg geraten ist, nicht noch vergrößert wird.
Kürbis einwmachsu. Die nicht zu reifen Melonen» gelber Farbe eignen sich am besten dazu, ’t den Kürbis durch, entfernt das Kern-
kürblstr von t,----- _
Man schneidet den Kürbis durch, entfernt das Kern- Irans und sticht Mit einem Kartoffelaltsstecher klein« Kugeln aus oder schält ihn und schneidet langklch-vier- eckige Stücke. Den so bereiteten Kürbis legt man über Nacht in verdünnten Essig, nimmt ihn am anderen Mor- gen heraus und läßt ihn gut abtropfen. Nun^ wird aus 2 Kilo Kürbis 1% Kilo Zucker gekocht, der Kürbis hm- eingegeben. Die durchsichtigen Stückchen herausg^oin- men. Dem Saft fügt man noch etwas EM oder Wem. eine Zitronenschale und den Saft einer Zitrone hinzu und läßt ihn einkocken, ehe man ihn auf die Frucht gießt. Nach einigen Tagen kocht man ihn nochmals auf.
Um Winkeriegerinneu zu erziele«, hält man junge Hühner in gutem Stall und füttert sie durchaus nahrhaft. Sobald der Winter kommt, muß die Nahrung so gehalten fein, daß bie Eierbildung dadurch gefördert wird. Dazu ist besonders Fl.ischfuiter nötig, das. in kleine Stücke zerteilt, der übrigen Nahrung beigemifcht wird. Aber man hüte sich vor einem Zuviel. Da, eierlegende Huhn verlangt außerdem, sofern es ben er« wünschten Zweck zur vollen Zuftiedenheit des Züchters erfüllen soll, einen ziemlich abwechselungsrelchrn Speisezettel. ©erste sollte niemals fehlen, denn ihr dankt da, Ei gerade den Wohlgeschmack, durch den es unseren Gaumen so sehr erfreut. Hin und wieder ein Blatt Salat ober überhaupt Gemüse, wir es als Abfall aus ber Küche oder vom Tische der Menschen kommt, verleihen dem Dotter fein schmuckes Eelbrot. Dazu gesellen sich die Mittel, die den Legsprozeß in anregender Weise beschleunigen: Hanfsamen, Buchweizen, geroste. ter Nefselsamen, Nesselblätter, die getrocknet und gekocht werden. Dieses Futter kann auch zu dem sonst üblichen recht reichlich beigemischt werden. Auch hat sich Glau- b-rsalz als förderndes Mittel zum Eierlegen bewahrt. Man löst eine Unze Glaubersalz in einem- Liter Wasser auf, zerdrückt gekochte Kartoffeln in der Losung und gibt den Hühnern dieses Futter vielleicht 5 Tage hindurch. Da Glaubersalz aber viel Durst erzeugt, ver- «esse man ja nicht das regelmäßige Wasserreichen. Auch Malzkeim« aus der Brauerei kräftigen die inneren Dr» qane der Hühner derartig, daß sie mehr und größer«