Einzelbild herunterladen
 
  

341

Es ist besser, auch für das Kind daß das Kind weint, als der Vater oder die Mutter. Es ist besser, die Kinder bitten die Eltern, als daß die Eltern sie bitten müssen. Die Rute muß mit dem Vaterunser gebunden und mitGott segne es!" aufgelegt sein. Eine gute Rute macht die Krnder gut. Je tchärser die Rute, desto bester die Kinder. Die Rute bricht Zein Bein entzwei. Also sprachen, darnach handelten unsere Väter, die alten Erzieher. Und heute?

Wenige Dinge muß der Mensch im Leben so bitter büßen, als wenn seine Erziehung zu weich, von einer blinden, verkehrten Affenliebe geleitet war. Wer mit seinen Kindern nur ein guter Kamerad sein und bleiben will, wird ihr Feind. Vater, Mutter merke: Du sollst über deine Kinder auch herrschen, mußt sie an Gehorsam gewöhnen. Du sollst deine Kinder belohnen, damit sie sehen, daß du ein fühlendes Herz für fie_ hast, du sollst deine Kinder auch zurechtweisen und nötigenfalls züchtigen, damit sie entschieden zum Guten angehalten werden. Du sollst deinen Kindern stets ein gutes Beispiel geben; die Kinder werden gewöhnlich das, was sie an den Eltern sehen.

Nach diesen Grundsätzen verfahre! Jetztverwünschen sie dich vielleicht manchmal, aber später danken sie es dir.

Reichwer-en,

darauf geht das Sinnen und Trachten der Menschen, besonders in unsern Tagen. Da ist es gewiß interessant, zu hören, was einer der reichsten Männer über das Reichsvin sagt. Der bekannte Milliardär Andreas Car­negie schreibt in seinem BucheDes Kaufmannes Herrschgewalt":Man sieht heutzutage allgemein Ar° mut als ein Uebel an und bemitleidet den jungen Mann, der mcht mit einem silbernen Löffel im Stunde geboren ist. Ich aber unterschreibe von ganzem Herzen Prä­sident Corfields Ausspruch, daß das reichste Erbteil, das man einem jungen Mann« von Haus aus mitgeben kann, die Armrrt ist. Ich mache mich keiner Torheit schuldig, wenn ich behaupte, gerade der Klasse der Armut entstammen die guten und großen Menschen. Nicht die Whne der Millionäre und des Adels gaben der Welt ihre Lehrer, ihre Märtyrer, ihre Erfinder, ihre Staatsmänner, ihre Dichter und selbst ihre großen Geschäftsleute. Kaum einer jener unsterblichen Namen, welche dem Menschengeschlechte außerordentliche Dienste geleistet haben, gibt es, der nicht gewiegt mrd genährt wäre in der alle Kräfte anspornenden Schule der Armut. Nichts ist so entnervend, nichts so tödlich in seinen Einwirkungen auf Geist und Herz als ererbter Reichtum. Für jedweden jungen Mann, der sich nicht dazu gezwungen sieht, sein Brot selbst zu verdienen, fühle ich nur ein tiefes Mitleid. Nicht den armen jungen Mann, welcher von morgens früh bis abends spät arbeitet, brauchen wir zu bemitleiden, sondern den Sohn des reichen Mannes, der nichts zu tun bat. Von allen Seiten ertönt heute der Ruf: Schafft die Armut aus der Welt. Glücklicherweise ist das unmöglich, wir werden immer Arme unter uns haben. Was wäre der Welt beschieden, wenn sie von den Reichen allein abhängig würde? Alles (Bute und alles Große würde aufhören, und die menschliche Gesellschaft würde in die Barbarei zurückfallen." So spricht dieser nahezu reichste Mann der Welt. Wir haben keinen Grund, anzunehmen, es seien diese Worte dem, der sie ge­schrieben, nicht so ernst gemeint, tat er doch M seinen Lebzeiten mit seinen Millionen sehr viel Gutes und hatte er sich doch selbst aus einem armen Klöppeljungen, der in einer Baumwollfabrik als Wochenlohn 3 Mark verdiente, zu einem Reichtum emporgeschwungen, daß er täglich sich an 160 000 Mark Einkünfte vorrechnen konnte. Vielmehr ist das Gesagte die lebhafte Wieder­gabe einer persönlichen Erfahrung, die alle Spruch­weisheit mit ihm teilt:Geld macht nicht den Men­schen und auch nicht die Welt glücklich."

---- ..... ^»

Ihr werdet mich suchen, aber nicht Men Wahrheitsgetreu von C. H.

Es war am Donnerstag vor dem Herz-Iesu°Frei- tag im Oktober. Auf den Herz-Jesu-Freitag pflegten fast alle Insassen des Krankenhauses zu S. zu beichten, und am Tage selbst wanderte dann der Heiland in Brotsgestalt, getragen von der Hand seines eifrigen Priesters, von Bett zu Bett, um die Leidenden zu trösten und zu erquicken.

Auch heute ging der Hausgeistliche zu jedem ka­tholischen Spanien und fragte, ob er den Wunsch hätte, zu beichten. Alle benützten der R^he nach die gebotene Gelsgen heit. So kommt er auch zu einer Kranken, die erst zirka 14 Tage da war.

Sie wollen wohl auch beichten, nicht wahr?" fragt der Priester frsuMich.

Nein," komm! es schroff von den Lippen der Frau,ich war zu Ostern."

Dem Priester steigt ein Zweifel an der Wahrheit dieser Antwort auf; er meint, deswegen könne sie doch auch jetzt die hl. Sakramente empfangen. Aber die Kranke wird erregt, mrd so dringt er nicht weiter in sie.

Es oerg eben etwa zwei Wochen. Da macht der Arzt die tägliche Runde; kurz vorher hatte sie die Schwester gemacht, ohne etwas Lüftendes zu gewah­ren, jetzt begleitet sie den Arzt. Sie kommen an das Bett jener Kranken. 3M einem Ruck wenbet sich der Arzt zur Schwester:

Schwester, ist die versehen?"Nnn." Nun, dann aber schnell, die stirbt ja!"

Der Schwester fahrt es in alle Glieder. So schnell wie möglich schickt sie zum Hausgeistlrchen; der ist heute morgen weggefahren. Man schickt auf die Pfarrei. Der Pfarrer ist nicht zu Hause; der Kaplan arrf dem nächsten Dorfe in der Schule, wird aber in einer halben Stunde zurückerwartet und soll dann gleich kommen.

Wer immer im Krankenhause abkömmlich ist, wird in die Kapelle gebeten, ran der Kranken noch den Empfang der Sterbesakramente zu erbitten. Endlich kommt der Kaplan angerannt, nimmt das Allerheiligste und geht im Sturmschritt in den Saal. Als er die Schwelle betritt, tut die Sterbende den letzten Atem- Mg. Traurig trägt der Priester das Allerheiligste zurück.

Schwestern und Weltleute stehen im Flur und besprechen den traurigen Fall. Da kommt das Pfor­tenmädchen und sagt:Schwester, warum haben Sie denn nicht den Franziskanerpaler geholt, der während der ganzen Zett im Sprechzimmer saß und auf den nächsten Zug wartete?"

Alle lind wie erstarrt.Sie Unglückskind! Warum sagen Sie das jetzt erst?"Ich habe nicht daran gedacht, die Schwestern und die Frau Oberin wußten ja auch, daß er da ist."

Ja, sie wußten es, und keine hatte daran gedacht. Ihr werdet mich suchen, aber nicht finden." (Joh. 7, 34; 8, 21.)___________

vec Schwachsinnige.

Der Sohn des Müllers war am Schwachsinniger. Viele Jahre lang saß er an sonnigen Tagen auf dem zerbrochenen Mühlstein neben der Toreinfahrt. Scheu wich die Jugend des Dorfes dem Armen aus, der immer mit so sonderbaren Lauten fang oder unheimlich kräch­zend Selbstgespräche hielt, deren Inhalt unverständlich war. Nur die größten Buben wagten es, aus der- Ligen Entfernung ihn bei seinem Namen zu rufen. Lange blieb er dann noch in sich zusammengrsunken, die glanzlosen Augen stumpfsinnig auf einen Punkt gerichtet, sitzen, als ob er nicht höre. Richtete er sich aber endlich auf und machte einige schwankende Schritte in der Rich- amg der Ruhestörer, so stob die Schar auseinander.

Einmal in Beuregung ging er dann wohl auch weiter durch die stillen £-or (straffen. Niemand sah er, niemand tat er ein Leid, und doch war er allen ein Stein des Anstoßes.

Die jungen Burschen überhäuften ihn mit epott und Hohn. Die Mädchen flohen vor ihm wie die Kinder und manches alte Weiblein schwur hoch und teuer, er habe den böse» Blick.

Den Mtmnern aber war er gleichgültig.

Nur zwe- Freunde waren ihm geblieben. Der erste war sein Vater. Dieser hatte das Sorgenkind als Erb- chaft seines Weibes übernommen, Äs es von ihm ging in ein besseres Jenseits. Der Müller hatte sich nicht entschließen können, dem vernunfüosen Wesen eine zwette Mutter zu geben; er selbst hatte versucht, ihm die Mutter zu ersetzen. Das war gelungen, denn nur einen Menschen kannte der schwachsirmigr Heinrich; nur einem gehorchte er, und nur einem bewies er Anhäng­lichkeit dem Vater. , _.

Wenn der Alte mit seiner ruhigen Stimme den Armen rief:Heinrich, komme herein," dann spannten sich die sonst schlafen Züge, und freudig murmelnd humpelte er ins Heus.

Der andere Freund war ein Spitz, der in der Mugle grau geworden war Gewöhnlich lag dieser im hellen Sonnenlichte ausgcstreckt und gähnend neben dem Mühlsteine und seinem Freunde Hinrich. Nichts ver­mochte ihn in seiner beschaulichen Ruhe zu stören; feine einzige Bewegung war die Begleitung des Schwach­sinnigen auf dessen gelegentlichen Gängen durch das ^Siefe bei^n Freunde Heinrichs hatten es verstanden, sich bei den Dörflern in Respekt zu setzen. Der Spitz hatte einmal die Entdeckung gemacht, daß ein hinter- g[Üger Bursche mit Steinen nach seinem Freunde werfen wâe. Das ging gegen sein ausgeprägtes Gevschttg- ^keitraefW. Sr Mied mit seinen scharfen Zähnen dem

heimluckischen Mensch«? einen Denkzettel in die Waders der vor Nachahmung nachdrücklich warnte.

Dem Vater aber war es eimgemÄe begegne!, Sag man sich bei ihm in roher Weise nach dem Daseins» zweck des Schwachsimngen erkundigte oder in ferner Gegenwart die Spottznnge ntd^ im Zaume hatten konnte. Die Spötter eerachiâ er, doch dW Rsu gieri­gen gab er die deutliche Antwort:

Unser S>en wird wohl wissen, warum er mir den Schwachsinnigen gegeben hat, den fragt akso, wenn ihr genaue Auskunft haben wollt. Manchmal sammt mir aber auch so der Gedanke, daß mein Kind viel­leicht davor bewahrt werden sollte, von Euch gute Sit­ten zu lernen."

Die Zurechtweisung hatte zur Folge, daß man den Müller nicht mehr zu belästigen wagte. Mr einer sonnte sich in versteckten Bosheiten gegen den armen Menschen nicht genug tun.

Jenseits des Mühlgrabens lag das stattliche Gehöft des Werdenbauers. Der Besitzer war ein ziemlich junger Mann, der vor etlichen Jahren einen Rechtsstreit mit dem Müller verloren hatte. Mess Niederlage hinter ließ bei ihm nichts als Haß, gegen alles was zur Mühl, gehörte, den er bei jeder passenden oder unpassenden Ge­legenheit Ausdruck zu geben wußte. Es war nur na­türlich, daß der arme Heinrich unter diesem Haffe am mästen zu leiden hatte.

Der Maimonat war gekommen und hatte, wie alljährlich, die Wiesen am Mühlengroben Hüben und drüben mit Blumen bestreut. Das Mühlrad drehte sich unermüdlich im Kreise. Nebenan lag im hohen Grafs der Schwachsinnige und freute sich kindlich an ben schil­lernden Wassertropfen, die wie Perlen ins schäumelchr Element zurückfielen. Der Spitz schnappte nach den im hellen Lichte spielenden Mücken.

Drüben aber, auf der anderen Seite des Wassers, suchte ein blondhaariges Mädchen im Alter von etwa fünf Jahren, das liebliche Kind des Wânbauers, nach Blumen. Die kleinen Händchen umklammerten schon einen dicken Strauß bunter Frühüngskinder. und immer wars noch nicht genug. Es lockten und winkten noch so viele, und die Mutter sollte doch auch einen ganzen großen Strauß haben.

Da, die kleinen blcwen Blütchen dicht am Mühl­graben. Solche hatte das Kind noch gar nicht ge­pflückt. Jubelnd eilte es hm; auf den Knien rutscht es bis zum Rande.

Im nächsten Augenblick ringt sich ein mmkdurch- dringeirder Schrei von des KirLes Lippen, der HÄb von dem gurgelnd aufschäumenden Waffer des Daches ver­schlungen wird.

Ein grelles Auflachen wie in wahnsinniger FreuLe antwortet auf den Wehruf des KirDes. Der Schwach­sinnige steht am Graben und stiert auf die treibenden Blumen. Da heben sich noch einmal zwei Arnie aus dem Wasser; ein in Todesangst verzerrtes Gesichtchen nxrb aus einen Augenblick sichtbar.

Ob ein Ahnen der Gefahr durch die Geistesnacht des armen Heinrich blitzt? Klatschend fällt sein Körper ins Wasser. Schon hat er das Kind erfaßt und trägt es sicheren Schrittes zum User. Es gelingt ihm, seins Last vor sich her auf den sichern Rand zrr färben. Von dem letzten Rest der Kraft verlassen, fmff der Arme zurück in das naffe Grab.

Das klägliche Heulen des Hundes rief die Mühlen- kneppen herbei. Sie fanden die Leiche am Wehr und trugen sie mit dem geretteten Kinde ins Haus. In dem feuchten Haar des Toten klebten noch Litz frischen Blumen.

Vor der Mühle sammelte sich bald die rKugierigL Menge. Leise raunte einer dem andern die Kunde von der Rettung des Kindes und dem Tod des Retters zu. Scheu wichen die Leute dern Weidenbauer aus, der mit verstörter Miene eiligen Schrittes der Mühle zustrebte.

Als ihm sein Kind am Eingang frisch und gesund entgegeneilte, riß er es mit einem erlösenden Au sichre! empor und preßte es in überftrömenbem Gefühl an seine Sruft , , L

Dann trat er hinein in die Stube, wo bet der Leihe feines armen, im Leben mißachteten Kindes der Müller betend kniete. Hier starb der Haß; tiefe Reue und herz- lrche Dankbarkeit zogen ein irr das Herz des besiegten Feindes.

Als die beiden Männer sich gelobten, von Stund an treue Nachbarn zu fein, blickten ihre tränenfeuchten Augen auf den Toten.

Der aber lag da mit einem Lächeln um den stillen Mund, als freue er sich über das doppelt gute Werk, das er vollbracht.

Seine sterblich» Hülle wurde unter großer Bstei- ligureg der Dorfbewohner zu Grabe getragen. Der lange Zug war eine feierliche Abbitte für all die BervchttmA den Spott und Hshn, dis d« Schs«M»M fc» LâH hatte erdulden müssen.