Ein Iahr technische Nsthilse.
Lon Prof. Dr. Thielemann.
Unser Volk ist krank. Krieg und Revolution haben es an den Rand des Totes gebracht. Milliarden von Sachwerten sind im Kriege vernichtet worden. Als im Krieg der ganze Emst ter Lage — Sieg oder Untergang — zur Entscheidung stand, raffte es sich zu den höchsten Opfern auf. Das wird seiner Vaterlandsliebe immer zur Ehre gereichen. Dem wahren Volkswohl hat das letzte Opfer aber nicht mehr gedient. Unsere Volkswirtschaft ist dadurch vielmehr tatsächlich ausgeblutet. Nun kommen aber hinzu die Wiedergutmachungsforderungen unserer Feinde. Sie entziehen mit erbarmungsloser Gewalt unserem Volke noch mehr die Existenzmittel. Die Vernichtung eines großen Volkes scheint ihnen nicht bloß gleichgültig, sondern bewußtes Ziel zu sein.
Man sollte meinen, in diesem Augenblicke größter Entscheidung müßte der Selbsterhaitungstr'eb unseres Volkes alle Kräfte sammeln, um über die Gefahrenkrise hinwegzukommen und den Grund zu neuem Aufbau aus furchtbarem Zusammenbruche zu legen. Gewiß, Kräfte dieser Art machen sich geltend, aber noch viel stärkervielleicht entgegengesetzte Strömungen. Schlimmer als der wirtschaftliche ist der seelische Zusammenbruch unseres Volkes. In dem furchtbaren Kriegs- ringen sind nur die Kräfte der Gewalt zur Geltung gekommen; die inneren Seelenkräfte sind verroht, das sittliche Empfinden ist durch das Uebermaß der an sie gestellten Opfer geschwächt, oder ganz geschwunden. Dn den Einzelphasen der Revolution ist unser Volk darum wie von Fieberschauern geschüttelt worden. Es wird auch nicht zur Ruhe kommen, bis die den Volkskörper zersetzerchen Kräfte ausgeschieden sind.
Dazu mitzuwirken muß feder, der sein Volk und Vaterland liebt, als ernste Pflicht betrachten. Es ist tief bedauerlich, daß weite Kreise die wirkliche Lage nicht verstehen und derselben nicht Rechnung tragen wollen. Wir sind ein armes Volk geworden. Unsere ganze Lebenshaltung im ganzen Umfang^e unserer Bedürfnisse durchalleSchichtenunseresVolkesmuß herabgesetzt werden. Um so mehr müssen alle in solidarischer Einheit und aufrichtiger Nächstenliebe Zusammenwirken, daß das zum Leben Notwendige we- »ügstsns für alle auf jeden Fall sichergestellt wird.
Dazu will auch in bescheidener Weise die technische Nothilfe mitwirken. Ich möchte keine Anklagen erheben nach der einen oder anderen Seite. Nicht dem Kampfe möchte ich dienen; nicht die innere Zerrissenheit weiter fördern und die Verbitterung weiter schüren. Aber die Tatsache wird man feststellen dürfen, daß die in endloser Folge sich ablösenden Streiks das Unglück unseres Volkes außerordentlich verschärft haben. Es muß wieder Ruhe und Ordnung, es muß wieder Arbeitswille und Pflichtbewußtsein in allen Kreisen einkehren. Der Geist roher Genußsucht muß bei Hoch und Niedrig bekämpft, der wucherischen Ausbeutung, die man in manchen Geschäftskreisen als selbstverständliche geschäftliche Maßnahme ansah, muß mit allen berechtigten Mitteln entgegengetreten werden. In diesem Kampfe für des Volkes Wohlfahrt kann auch der Streik zu einem sittlich berechtigten Kampfmittel werden, wenn er als letztes Abwehrmittel gegen drohendes feststehendes Unrecht in Frage kommt.
Niemals kann aber die sittliche -^Berechtigung des Streiks anerkannt werden, wenn lebenswichtige Güter der Gesamtheit in Frage stehen. Weder ter einzelne Mensch, noch der einzelne Berufsstand, noch die einzelne Klasse haben ein Recht, Forderungen mit Gewalt zur Geltung zu bringen unter rücksichtsloser Preisaabe von Existenzmitteln der Gesamtheit. Es ist sittliche Pflicht, daß der einzelne im gegebenen Falle für das Wohl des Ganzen sich opfern muß; niemals aber kann man die Vernichtung der Gesamtheit im Dienste des Einzelnen fordern; das hieße die Volksgemeirstchaft verneinen und die sittliche Pflicht, sich ihr ein- und unterzuordnen. Niemals können wir auch anerkennen, daß ein einzelner Stand oder eine einzelne Klaffe zur Durchführung ihrer wirtschaftlichen Forderungen in die Verwaltungsmaßnahmen der Regierung eingreifen darf. Das hieße eine Nebehregierung einführen, die mehr be
deutete als die eigentliche Regierung. Im Grunde genommen wäre es die Vernichtung jeder geordneten Rogierungsgewalt, das allgemeine Chaos, in dem alles zu Grunde geht.
Die technische Nothilfe ist deshalb nichts anderes als der öffentliche Appell an die sittlichen Kräfte unseres Volkes, alle Kräfte zum Neuaufbau unseres Volkslebens zu sammeln und die wirtschaftlichen Differenzen der verschiedenen Interessengruppen im Geiste gerechten Entgegenkommens und gegenseitiger liebevoller christlicher Rücksichtnahme zu schlichten. Sollte es aber doch zum Kampfe kommen, so verlangt sie, daß Halt gemacht wird vor den lebenswichtigen Gütern. Licht und Wasser dürfen niemals abgeschnitten werden, die Zuleitung elektrischer Kraft, die Zufuhr von Lebensmitteln darf nie unterbunden werden. Wer es doch zu tun wagt, legt die Axt an den Lebensbaum unseres Volkes. Zu seinem Schutze ruft die technische Nothilfe ihre Getreuen auf. Möchte der bloße Appell an das Gewissen genügen, um zu erreichen, was die Nothilfe sich zum Ziele setzt.
Ueber die Auswüchse der heutigen Mode urteilt ein langsähriger Großstadtarzt in folgender Weise:
Ueber die Frage der Bekleidung haben seitens der Gelehrten eingehende Beratungen stattgefunden. Man hat nämlich schon lange beobachtet, daß namentlich die Eltern in der Stadt Damit anfingen, ihre Kinder halb nackt herumgehen zu lassen, in der wohlgemeinten Absicht dieselben abzuhärten und zu gesunden Menschen zu erziehen. Sie glaubten, 10 zur Natur zurückkehren zu müssen und ihre Kinder wie Bauernklnder zu behandeln, welche auch vielfach barfuß usw. herumliefen.
Nun wurde aber gleich alles übertrieben; nicht nur die Beine wurden nackt getragen, sondern auch der Oberkörper. Man fand nun bald, daß diese Kinder merkwürdig in der Entwicklung zurückbiicben Lie waren wohl geistig frisch, entwickelten sich aber körperlich nicht so ivie man es erwartete, so daß starke Eltern, welche a'.s Kinder nicht halb nackt herumliefen, merkwürdig kleine, in der Entwicklung zurückgebliebene Kinder hauen, bis ihnen nachgewie;en wurde, daß den Kindern all die Wärme, welche sie durch Ausnahme der Speisen im Körper zu feiner Entwicklung und zum Wachstum erzeugten, jetzt notwendig war, um die kalten Glieder zu erwärmen, welche tonst durch Kleider erwärmt wurden. Auch mit der ogeuounten Abhärtung war es nicht weit her, da solche Kinder bei Epidemien viel leichter krank wurden.
Durch die Beratung der Gelehrten wurde durch Experimente gefunden, daß die Bekleidung d'e geeig- netite sei, welche den Körper vom Halse bis zu den Füßen verhüllt, daß namentlich die Brustorgane in ihrem oberen Teile eines gewissen Schutzes bedürfen, da gerade in den oberen Teilen die wichtigsten Teile der Lunge, die Lungenspitzen, liegen, wo meistens die Lungentuberkulose oder Schwindsucht beginnt Gerade diese Stellen bedürfen eines gleichmäßigen Schutzes gegen Wind und Wetter, sie müssen vor piötziichcw Tempecaturwechsel geschützt werden. Eine gewisse Abhärtung kann man machen durch regelmäßige kalte Abreibungen beim Anziehen. Je nach der Jahreszeit kann man die Stellen leichter oder dicker verhüllen. Sonst ist es nicht möglich, die Überhandnahme der Lungentuberkulose zu verbind m, Die jetzt von Tag zu Tag in furchtbarer Wc^e zu- nimmt und viele Opfer fordert.
Was nun die ethische Seite anbelangt, so ist es merkwürdig, daß gerade in den christlichen Staaten gegen diese Gesetze, namentlich vom weiblichen Geschlecht gesündigt wird. Wenn die Frauen im türkischen Staat oder im Orient, wo sie noch alle als Sklavinnen und minderwertig betrachtet werden, es wagen wollten, sich io zu kleiden wie bei uns, so würden sie einfach getötet, meistens in einen Sack genäht und ertränkt. Tas Weib im Orient würde es nicht wagen, einem Manne unverhüllt entgegenzutreten, während sie bei uns wie Dirnen auftreten und sich auch von Dirnen die Mode machen lassen.
Durch schlechte Bücher.
Vor den Schranken des Schwurgerichtes einet Provinzialstadt Belgins stand vor einigen Jahren ein sechzehnjähriges Mädchen, das wegen Mordversuchs angeklagt und überführt war. Tos Mädchen war einst brav und tugendhaft und stand damals im Begriffe, ins Kloster zu gehen. Dies suchte bet gottentfremdere Vater zu verhindern, und es gelang ihm. Der gewissenlose Mann gab seiner Tochter Bücher. „Lies das", sagte er, „es wird dich zerstreuen!" Lachend ging der Mann darauf zu seiner Gatlin und erzählte ihr: »Ich habe unserer Tochter etwas zu lesen gegeben, das ihr alle Luft fürs Kloster nehmen wird!" Und die Tochter wurde wirklich gar zu bald anderer Gesinnung, verlor aber auch ihre Sittenreinheit. Von da an ging es rasch abwärts. Mit 16 Jahren war sie eine Verbrecherin geworden. Ter Gerichtshof fällte über das Mädchen in Anbetracht ihrer Jugend und der vorliegenden Verhältnisse ein MildesUrteil: eine zehnjährige Zuchthausstrafe. — Das war die Folge des Lesens schlechter Bücher.
warum ich nicht weiter reiste.
In seinem Buche „DaS Hemd des Glücklichen" erzählt Artur Baron Lüttwitz, der katholisch wurde, folgendes Erlebnis:
Ich war in Paris unb beschloß, den Winter fol üblich in Nizia zuzubnngen, wo ich meine Abende da ich nicht in einen Klub ging, im Theater zubrachte. Da ich aber in Frankfurt noch zu tun hatte, beschloß ich, über F^ant,urt zu fahren . . . iÄ wählte den Nachtschnellzug. Als ich mein Kupee bestieg, überkam mich die Gewißheit, daß der Zug entgleisen werde . . . der Gedanke, einen andern Zug zu nehmen, kam mir nicht, trotzdem ich ganz sicher war, daß der Zug entgleisen weide. Ich saß allein in einem Halbkupee 1. Klasse und wickelte mich in meine Reisedecken ein, um die Katastrophe möglichst zu paralysieren. Der Zug ging ab, mit einer Geschwindigkeit von acht 'jJt eilen in der Stunde flog er in die Nacht hinaus. Ich nahm mein Gebetbuch zur Hand und las lange Zeit. Gegen Mitternacht blickte ich auf, der volle Mond stand gerade vor mir. Ich sagte zu Gott: „Lieber Gott, du hast damals die beiden Städte Sodoma und Gomorrha um einiger Gerechten willen verschonen wollen; ich bin vielleicht der einzige in diesem Zuge, der an dich gedacht hat; würdest du nicht um meines schwachen Gebetes willen den Zug verschonen wollen?* Tann las ich weiter. Plötzlich hielt der Zug an, die Türen meines Waggons wer« den aufgcrlffen, der Schaffner ruft: „Aussteigen!* — „Was ist denn los?" fragte ein Herr im Nach- barkupee. — „Die Achse ist gebrochen." — „Die ist seit einer Stunde gebrochen," erwidert derselbe Herr „die hören wir seit einer Stunde klappern." — Dann antwortete der Zugführer: „Es ist auch ein reines Wunder, daß der Zug nicht entgleist ist." Ich ver« neigte mich im Geiste vor dem Allmächtigen: „Herr, genug, genug, ich glaube!" —
Wenn man abgeschloffen von der Welt lebt, ist man in perman nter Unterhaltung mit Gott und er bleibt keine Antwort schuldig. Ich fragte also:, „Was soll das bedeuten?" Ta drängte sich mir die Antwort auf: „Reise nicht weiter!" Ich gab bie Reise nach Nizza auf. Einige Wochen darauf lese ich in der Zeitung: „Das Theater in Nizza ist ab« gebrannt und keiner von den Zuschauern ist gereitet worden. Da wußte ich, daß ich mitverbrannt wäre, da wurde mir die Bedeutung der Eisenbahnkalastrophe klar. ... So behütet uns der himmliiche Vater, o spricht er mit uns, so offenbart er sich uns nach seiner Verheißung."
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Line selige Sterbestunde.
Es war zu Seekirchen Da kam eines Tages ein 78jähriger Greis, gottesfürchtig und fromm, wie er war, in die Sakristei und bestellte ein Gebet um eine „glückselige Sterbestunde"^ denn „ich bin zwar gesund", sagte