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schien? — Altf jede dieser drei Fragen kann man eben« so:. hl mit Ja antworten wie mit Nein, je nachdem das Tanzen ist.
Wenn ich über den Spielplatz gehe und die Sonne scheint siehe ich gewöhnlich die Mädchen tanzen. S'e falten sich an den Händen und Hüpfen im Reigen nach )cm Takt eines Kinderliedchens. Es ist lieblich an« eschen, und der gute Kleister Thoma, der wackere rutsche Maler, muß das auch gefunden haben, denn ms seinen lieben FrühlingsdiU-ern sieht man oft den Reigentanz, bald sind es Kinder auf der grünen Flur, rald mutwillige Englein in blauer Luft. Dieser na« ürlichste und funftloftfte Tanz zeigt uns auch den Ur« prung und die Bedeutung der vielverbreiteten Sitte: Der Tanz ist überquellende Lust, in Bewegung über« etzte Freude, nach bestimmtem Takt rythnstsch abgeeilt und gegliedert. Alle Völker der Welt haben Lanze, verschieden nach dem Charakter des Volkes: Der Indianer tanzt seinen Schwerttanz zwischen Han« sn Waffen, um seinen Mut zu zeigen, der Araber anzt auf flinkem Roß die Fantasia, den Tanz der ßk« randtheit, der Italiener tanzt die Tarantella und der Spanier den Fandoirgo, die Tänze der graziösen An- rut. Worum sollte man solche Leibesübungen, die den so schön und gesund wie unschuDig sirch, nicht mpfehlen?
Noch eine ediere Bedrrrtung kam der Tanz haben. Benn Mirjam, des Mosrs Schwester, mit den Iung- an?n Israels den Reigen tanzte und dazu sang: Hochgslobt sei der Herr, Roß und Reiter warf er mr Reer," so war dieser Tanz ein Gottesdienst, wie ja ach David tankte vor der Arche. Auch die alten riechen hatten religiöse Tän?.e, die in kunstvoller eierlichkeit unter herrlichem Choraesang ausgeführt urden. Selbst die christliche Liturgie kannte in alter eit gottesdienstliche Tan«, die aus dem Chore vor ’m Throne des eucharistischen Heilandes das Volk bauten, und noch jetzt sind Reste dieses Gcbrcnrches Spanien erhalten.
Freilich -ab es euch schon früh finnenrsizsndr, fei« mschaftliche, unanständige Tänze, die durcharW ner« erstich sind.
Sei Dem die Tochter der Hersdias vor ihrem Vater rd besten Gästen in der Burg Machärus um das aupt des heiligen Johannes tanzte, ist wohl mancher ndhafte Tanz vollführt worden, der aus der Sünde m und zur Sünde führte. So tanzt das Irrlicht >er dem Sumpfe und lockt den Wanderer ins Vrr- rben.
Aber was ist denn von unseren sogenannten ©e« llsrbaftstanzen zu halten, wie sie bei Festlichkeiten iftfinben, bei der Kirmes, auf der Hochzeit, zur Fast- :cht, als Fovnlicnball in feinen und als Hofboll in n höchsten Kreisen? Da kommt es auf die Umstände . Es maa ein unschuldiges Vergnügen sein, es kann rar eine saure Pflicht sein, aber oft ivird es auch is gefährliche Gsieaenheit sein. Es HM Bälle, bei neu der böse Feind die erste G"ioe svielt, während ' S^nß-nasi trauernd an b^r Türe steht Es gibt ge Leute, die sich um ihre Unschuld tanzen, und an« 'e, die sich um ihre Gesundheit tanzen. Aber bei edem darf man das Kind nicht mit b*m Bade l.u&« allen. Wenn du tanzen willst, so höre nicht bloß f die Musik, sondern auch auf dein Gewissen. Haft nicht tanzen oelernt, so fei nicht. traurig darum; s dir an wahrer Freude entgeht, ist wohl nicht r viel.
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Weißt du?
Weißt Du. bei wem ich am liebsten wohnen raschle? reichen Leuten, wo man ahes vollauf hat? Neou gelehrten Leuten, die man alles fragen kann? Nein, armen Pettelmannshülten? Auch nicht Ji gro- i Neberfluffe ebeusâènig als in innerer Armut. Im -«ebenen Mittelstände, wo die L'ebe ba« Heil meiner le pflegt; dir Treue mein Herz oehütet, gesunder -sich"'verstand ni ch vor 7 arbeit bewahrt, gesunde t m ine (9 i eber st irkt, tüchtige 2fr' eit das Mahl ■31 ein fröhliches ß und ein herzhaftes Sehet den Reichl-'N: dort möchte ich mahnen. /
Wunt Du, ras bi? Höchste Trense macht? W"N ick S-fb und Gut erwerben könnte? Nen Wenn ich E'me und m-Ses Ansehen rewä me? Nr n W—u 'a r frohe ©Hieb er um mich säge? Fast — doch I. 5B^n irr " ich rechspchaEra lieh hm? Bei abe. in sich ein unschuldig Kind mir an den Hals h"nqt? m klonst da« Herz; aber die höchste Freude ist das nicht.. Wenn ich b n Feind re-Om kann g"? ter ihr und glücklich machen den Elenden und bessern S blechtern, daß er an le'nem Lebensende noch den )i tätet segnet, dar, dünkt mich, sei die höchste Freude Erden.
Weißt Du, ras das größte Leid ist? Jans und Hvf, > unb^ @ut verlieren? Nein; denn früh oben spät man's doch hinterlassen. Krank werden und elend?
Nein; denn auch im Elend kann man doch Gott loben. Von Menschen verachtet und verhöhnt werden? Dazu sann man endlich noch lachen. Die Ehre und den guten Namen verlieren? Das ist sehr hart und zu besagen, aber das ärgste ist es nodj, aichl Was ist denn das größte Leid? Unserer eigenen Seele Verderben ist das größte Leid; Unheil in der Welt aogerichtet haben und es nicht mehr bessern könnend Solches Leid muß Eltern treffen, die gottlose Kinder erzogen. (Adolf Solping.)
Zum WeiMmüSiCft
Jm Schoße unserer Heimat blühen noch schöne, a'te Bräuche, die wie Blumenkränze sich von Johr zu Jahr um unser Leben schlingen, die mir nicht missen können, weil sie die zartesten und klangvollsten Saiten in unserer Seele zum Tönen bringen und unsere Herzen feierlich stimmen. Der Glaube unserer Vater, der den leuchtenden Himmel über unser Leben zaubert, hat sie uns gelehrt, und der Weiheduft ihrer Gebete weht uns noch aus ihnen an. Es sind die kleinen Wallfahrten, die im Laufe des Jahres zu den Wallfahrtsorten unserer Heimat unternommen werden, die ihr frommer S un erstehen ließ und die wir als ihr^sthönstes Erbe treu bewahren. -Den Kranz der Wallfahrtstage im Jahre schließt der 20. Oktober, zu dem das stille, liebe Kirchlein auf dem Werlesberg die Verehrer des heiligen Wendelinus in Stadt und Land zu seinem Feste ruft. Groß mie-bie Liebe und Verehrung, die der himmlische Patron der Landleute und Hirten im weiten Fuldaer Lande genießt, ist,bie Zahl der Wallfahrer in der Fest- oktav zu seinem Heiligtum. Es liegt in der Luft unserer Heimat, daß jeder, der das tiefe Sehnen nach einem Reiche, das nicht von dieser Welt ist, kennt, von wo er Hilfe erwartet, solange er noch mit der Heimatscholle ver-wachsen ist, sich dem Schutzpotron empfiehlt, und wenn er es möglich machen kann, zu seinem Heiligtume eilt, um durch seine Hände dem lieben Sott aufzuopfern, was er im Jahre erlebt und erlitten hat, um zu oanken für allen Segen und sich der fürbittenden Hilfe der himmlischen Beschützers auch ferner zu empfehlen. Die Gnaden, die in stillen Feierstunden hier feine Brust umzittern, geben ihm Kraft zu der Arbeit, die feiner von neuem im Erntejahre wartet und ein Schimmer vom Leben jenseits der Sterne verklärt fie. ______ °- L. Fischer.
Gottesdierrstardnung in der WeuLeUn^SöNsv in Steinhaus.
Mittwoch, 20. Okt. l/-l0 Leoitenamt n Pr., L A.
Sonntag, 24. Oit. 2'/« nachm. A u. Pr. d. h»chi» Herrn Jeiuitenpcurrè Stichler aus ^ranfrurt
An den Wochen teilen (üO —27. Oktober) 7 L»t. Tâ Jut) A.-te. enyeit zum Empfanz bei ÄakramantL in der Kaperte.
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Ehrlich WZhri am !sna/ea.
(Em wahres Geschichlchsn aus der Vorkriegszeit.)
Die ZeiiuttgsjuuLen fallen die Abendblätter in den verfch «denen Expeditionen in Empfang genommen und waren damit an ihre Standplätze geeilt. Wilhelm Otto hatte einen solchen Platz an der Ecke der Lützowstraße und. des Lützowplatzes, einem der verkehrsreichsten Punkte her Residenz Berlin, wo ein starker Wechsel her PferLebehnwagen zwischen dem Innern der Stadt und dem Westviertel stattsindet. H:er verwe lle er morgens und abends und hatte unter den Absteigenden und BoriL-ersahrenden eine Anzahl guter Kunden. Unter letzteren war auch ein nahebei am Uf r wohnender Banker, der Wilhelm regelmäßig die neueste Stummer der „Post" und des „Berlin'er Tageblattes" abnahm. Ssin« Wohnung hatte W lhetm Otto in ein em der Hinterhäuser neben der Kurfürsten straff, unw ii. des Tieraarlens, im vierten Stock. Sein Vater war ein kleiner, blutarmer Beamter, seine Mutier waih pesis-rben, an ihrer Stelle besorgte seine älteste, 15 Jahre alte SäMester den sie nen Haushalt
Eines Abends, als der Knabe nach Hause kam und ,.Ka e machte", stieß er plötzlich einen Ruf Der Ueberraschung aus.
„Was hast du?" fragte der Vater.
„So sieh, Vater," rief Wilhelm, „ein Zehnmarkstück' Das heb? ich statt eines Nickels erhalten."
Der V ier schwieg einige Momente und sah dabei fein Sch dxn an. Dann fragte er ruhig:
„W ißt du, von wem du's gekriegt hast?"
, Gs kaim nur vom Bankier Veit sein," erwiderte der nabe. ^
W ehe? eine Pause.
„Was r ist du nun damit machen?" fragte hieruas der D ter m iier.
? ilhelm wurde sehr rot. Es schien ein Kampf in seiner € er le vorzugehe n^ der jedoch rasch zur Ent- schèi'-ung kam. Er hob den Kopf mit »eines kurz ent« -Höhnen Bewegung frei empor unär richtete seinen Blick auf das Gesicht des Vaters:
„Zurückgeben muß ich's," sagte er.
, Recht so," ver.etzke der Vater und legte Lem Knaben ferne Hand auf die Schulter. „Bist ein braver junges Ehrlich währt am längsten! Ob der reiche Bankier diese zehn Mark vermißt oder nicht — ist ganz egai — du gibst's ihm wieder, ^dann kannst du ihn frei anfehen." —
Am andern Morgen befand sich Wllheim wieder pünktlich auf seinem Platze, aber der Bankier erschien nicht.
„Ist vielleicht in seiner Equipagc gefahren," dachte der Knabe. „Nachher, wenn ich dtirch die Leipziger Straße fomme; merDe ich in sein Geschästslokal gehen und ihm das Geld geben."
Der Bankier war aber nicht in ferner Equipage gefahren, sondern befand sich länger als sonst in seinem Prioctzimmer. (Sr war in grohsr Aufregung. Bald g ng er mit heftigen Schritten auf und ab, bald trH er mü einer heftigen unsicheren Bewegung an seinen Schreibsekretär, nahm mit zitternder Hand eines oder das andere Papier, zerriß es und schleuderte die Stücke in den Ofen. Dann wieder cheß er sich in den reich gepolsterten Armstuh! fallen, fuhr sich mit der Hand durchs Haar und^arrt« mit düsterem Blicke vor sich hin.
6' sublim richtete er sich nvt einer Gebärde der Lnt« schlosienheit empor.
„Es muß fein," sagte er leise. „Es gibt seine aichr-re Bettung!"
Rasch kleidete er sich nun en, verließ seine Hochelegant eingerichtet« Wohnung und schritt das Flußufer entlang zu Fuß d^r Potsdamer Brücke zu, um sich in sein Geschästslokal zu begeben.
Der Geschäftsführer, welcher mit düstrer Miene dir Abendkurf« der Zesiungen verfolgt hatte, blickte wir erleichtert euf, als der K®iKtr eintrat. Denn es war b:e Zeit der Krise, hi* er hatte, da sein Chef nicht zur get3ol)nten S'rmde erschien, schon gefürchtet, beileibe werde überhaupt nicht mehr fommen.
Der B^ier streifte mit unstäten Bl cken die Plätze feiner ß ute, ohne, wie er feucht stets getan, ihre devoten Grüße zu ers-Lern, und begab sich sofort 'm sein KabinekkT
Nach einer Weile trat ber Geschäftsführer bei ihm ein, um, wie gewöhnlich, zu konferieren. Er bemerkte erstaunt, daß der Chef den Tresor de« Gcldschrar.ks grösfnet l}Htt und die erf mehrere hunderttausend Nt«rk kich belgufenden Senats herausnahm.
„Wsllen's verschieben!" sagte der BanNer ableh- mmh. „Ich bebe jetzt keine Zeit."
Der Geschäft? sichrer zog sich zurück. Nach wenig- ßen Mumien aber erschien er wieder.
»Es ist ein Junge da," sagte er, „der Sie absolut sprechen will ... er will nicht stchen und behauptet, daß er Ihnen Geld kbürfern müsse, welches Ihnen gebäre."
. 6 eld — mir? Na, schicken Sie ihn herein!"
D lhelm trat beh nzt über d'e Schwelle.
"Ah, du bist's, Jung?!" faste der B"-^-r „Was wiklst du?"
„Herr Veit," antwortete Wilhelm, „Sie haben mir gestern abend ein Zehnmarkstück für einen Nickel ge« geben, hier bring’ ich's wieder."
Er reizte das Goldstück hin. Der Bankier nahm es nickst, sondern Mid' > nur mit einem sonderbaren Ausdruck auf den Knaben.
„Warum hast der es nicht behalten?"
"Ee^ ist nicht mein Geld," emtmortete Wilhelm. «Und V^er sagt: Ehrlich-währt am längsten."--
Der Bankier wmrde blaß wie der Tod. „Ehrlich währt am längsten"--und er, der große Geschäftsmann, war im Begriff, Hunderttausend^ zu unter« f ' laivn* Der arme Knabe beschämte ihn. Nachdem er diesen lange schiveigend angesehen hatte, sprach er:
„Behalte das Geld, ich schenke es dir! Du bist ein braver Junge. Jetzt gebe!"
Freudig dankend flog Wilhelm mehr als er ging, davon. ’ -
„Er hat recht, der arme Proletarierjunge," murmelte der Bank er. „Ehrlich währt am Pursten —■ ich werb« mu nicht an fremdem Gut vergreifen."
Und ' :‘ Depots wieder ein.
Eins v ...... später batte er eine geheime Unter« rebung mik seinem größten Deponenten, dem md;en Fürsten M>, dem er den ganzen Vorfall erzählte, feine gefck-fsi'che Lage schilderte und um Hilfe bat.
Diese Unterredung hatte den schönsten Erfolg. Der Bankier überstand die Krisis und floriert nun weiter.
Auf seinem Kontor aber sitzt heute Wilhelm Otto als jüngster Lehrling. Der Bankier betrachtete ihn im Stillen als seinen Retter und ist überzeugt, daß er ehrlich ist! ^