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3m Mittelpunkt der Interesses ; steht zur Zeit We Finanzkonferenz in Brüssel, auf der die FinanAage aller Staaten besprochen wird und Mit- tel und Wege gesunden werden sollen, aus dem Elend herauszukommen, denn schlecht steht es fast überall. Ganz Europa leidet, nur dem Grade nad) verschieden, unter der gleichen Not. Ganz Europa sieht einen rre- figen Teil seines Volkswohlstandes in Papiergeld und Banknolen verwandelt, in diese bedruckten Scheine, die man wirklich ganz treffend als diepapiernen Dupli­kate von vernichtetem Kapital" bezeichnen kann. Gegen­seitige Hilfe, gegenseitiges Verständnis braucht Europa und braucht die Welt. Die furchtbare Krise, die jetzt das Wirtschaftsleben «erschüttert, ist eine Krise des Ueber gangs. Gelingt es jetzt den vereinten Kräften, über sie hinwegzukommen, so wird in einem halben, einem ganzen Jahrzehnt zwar nicht der alte Reichtum, aber doch die Möglichkeit des Daseins für alle Völker und, in einer besseren Ordnung, die Möglichkeit gerech­tere Daseins für alle Volksgenossen erreichbar sein. Ob man die Wege dazu finden wird? Großes Inte­resse hat allgemein die Darlegung des deutschen Ver­treters Bergmann erweckt, der sich, wie es scheint, seiner Aufgabe sehr gut erledigt hat und wie s. Z. in Spa a unser Außenminister Simons allgemein einen guten Eindruck gemacht hat, besonders die Darlegung Berg­manns, daß trotz seiner schwierigen finanziellen Ve» Hältnisse Deutsckiands Lage nicht verzweifelt sei und daß es ehrlich bemüht sei, die auf ihm iaftenben Ver­pflichtungen nach besten Kräften zu erfüllen, hat eine Atmosphäre geschaffen, die für die Zukunft manches Gute erwarten läßt. Wirksame Hilfe freilich wird trotz alledem von Außen kaum zu erwarten sein, teils kann man sie nicht bringen, teils will man auch nicht.

Selbst Amerika, auf das von mancher Seite so viel Hoffnung gesetzt worden war, verhält sich gegen­über dem Ansinnen, die Sanierung der europäischen Finanzen in die Wege zu leiten, trotz aller Verklau- Mutierungen ablehnend. Der amerikanische Delegierte meint, es sei leichter, fremdes Geld auszugeben, als sich nach der Decke zu strecken, daß aber Amerika nicht die geringste Lust verspüre, sein Geld dafür zur Verfügung zu stellen. Amerika sei zwar grundsätzlich nicht abge­neigt, Europa auf rein geschäftlicher Grundlage zu hel­fen, wenn genügend Sicherheit für den zu gewähren­den Kredit vorhanden sei. Das wäre nur dann der Fall, wenn die feindlich zerklüfteten Staaten Europas sich ähnlich wie die Vereinigten Staaten von Amerika zu den Vereinigten Staaten von Europa zusammenschließen würden. Bankier einer bankerot­ten Welt will es nicht fein. Dasselbe gilt von England, das wohl auch im Stande wäre, Hilfe zu gewähren. Es hat sich selbst geholfen. Durch Sparsamkeit und eine gute Finanzpolitik, die nicht mehr ausgibt, als sie darf, ist es wieder zu geordneten Verhältnisen gekommen und es meint, wir sollten denselben Weg einschlagen. Also größte Einschränkung des Einzelnen und der Regierung in den Ausgaben, höchste Anspannung aller Kteuerkräfte des Volkes, um die entsprechenden Ein­nahmen zu erzielen und fleißige Arbeit. Aber von diesen drei Mitteln wollen viele nichts wissen. Und doch gibt es keine andere Rettung für unser Volk, und am wenigsten ein besiegtes, kann erwarten, daß fremde Arbeit ihm aufhelfe, wenn es nicht selbst alle Kräfte bis zum äußersten einfetzt. Es gibt für die ganze Welt heute nur die eine Parole:

Arbeiten und Sparen \

~ viel produzieren (erzeugen) und wenig konsumieren (verzehren), nicht mehr ausgeben als man einnimmt, die Finanzen durch ergiebige und ehrlich geleistete Steuern in Ordnung bringen, auf alles Unnötige ver­zichten, um das Notwendigste für alle Volksglieder zu erlangen. Das ist das Schicksal einer durch den Krieg bettelarm gewordenen Welt.

Schmutziges Papiergeld

ist jetzt auch ein Hamsterartikel geworden. Welche Un- mmme dieser Lappen und Läppchen mögen wohl in Deutschland aufgehamstert sein von Einzelpersonen, die dadurch ihr wirkliches Vermögen verheimlichen zu kön­nen glauben, um sich von der Steuer zu drücken.. Diese Toren schaden damit nur sich und dem Vaterland. Das Reich muß immer wieder neues Papiergeld ausgeben, damit wird dieser Schuldschein (denn das ist so ein Pa­pier) immer mehr verdünnt und die aufgehäuften Papiere verlieren an innerem Wert, aber guck an

äußerem, weil der Schuldner, das Reich, immer zwei­felhafter wird j« größ« seine Schulden werden und je weniger es durch Steuereinnahmen sich wieder zum zahlungsfähigen Schuldner aufschwingen kann. Außer­dem verlieren die Papiergeüthamsterer die Zinsen, das alles zusammengerechnet macht mehr aus, als die Steuer betrugen würde, die sie beim Anlegen ihrer Schätze in Banken und Sparkassen und beim Angeben derselben bei der Steuerveranlagung zahlen müßten. Die Hoffnung aber, beim Staatsbankerott mit Papier­setzen besser ju fahren als mit Hypotheken und In­dustriepapieren oder mit Reichsschatzwechseln ist die denkbar trügerischste. Am ehesten würde dem Unfug abgeholfen, wenn durch Einziehung des alten Papier­geldes und Umtausch desselbär gegen Reichsschatzscheine und durch neues Papiergeld der Umlauf desselben her­abgemindert und das steuerscheue Kapital so zur Er­langung der pflichtigen Abgaben herangezogen würde. Ob man sich aber zu diesem einschneidenden Mittel ent­scheiden wird?

Ein Wahljahr

wich das Jahr 1921 sein. Es steht fest, daß die Reu­wahlen zum preußischen Landtag im Februar oder März stattfinden merbén, die Bemühungen der Rechts­parteien und der Unabhängigen, schon im November die Wahlen vorzunehmen, hatten keinen Erfolg. Sicher bringt uns das Jahr 1921 auch die Wahl des Reichs­präsidenten, der ja bekanntlich auch vom ganzen Volk gewählt wird. Dazu kommen nun auch noch die Wah­len zu den Provinziallandlagen und Kreistagen, auch diese sollen vom ganzen Volk vorgenommen werden. Das letzte Mal im Sommer 1919 ist die Wahl der Kreistage auch schon in direkter Wahl erfolgt, die Provinzrallandtagsabgeordneden sind dann aber von den Kreistagsabgeordneten gewählt worden, jetzt sollen also diese auch vom ganzen Volk gewählt werden, das gäbe also schon 4 allgemeine Wahlen. Nicht ausgeschlossen ist es, daß auch noch Reichstagswahlen stattfinden, wenigstens scheinen die Sozialdemokraten damit zu rechnen, denn der Gedanke kehrt in ihrer Presse und in den Aeußerungen ihrer Führer immer und immer wieder. Auch Noske l^t sich kürzlich dahin ausgespro­chen. Er meinte, daß für die Mchrheilssozialdemo- kraten kein Anlaß vorläge, in die rein bürgerliche Re­gierung einzutreten. Erst wenn die gegenwärtige Re­gierung gestürzt werde, entstehe die Frage, was dann komme. Noske läßt wohlweislich die Beantwortung der Frage offen, von welcher Seite die jetzige Regie­rung gestürzt werden soll. Noske meint dann weiter: Eine Regierungsübernahme durch die Sozialdemokra­ten ist bei dem Zerfall der Unabhängigen Sozialdemo­kratie mit dieser ebenso ausgeschlossen, wie mit dem Zentrum und den Demokraten zusammen, desgleichen mit den Deutschnationalen. Infolgedessen müssen wir die Zeit reifer werden lassen, um dann an Neuwahlen zu denken." Derartige Gedankengänge beherrschen wie gesagt zur Zeit die sozialdemokratische Partei. Eine Verantwortung wollen sie nicht übernehmen und daher wollen sie auch nicht in die Regierung eintreten. Die jetzige Regierung soll also um die schweren Entschei­dungen in den nächsten Monaten allein sich abmühen, um damit den Sozialdemokraten billigen Agitations­stoff für die von ihnen erstrebten Roichstagsneuwahlen zu geben, sobald die Zeit dazureif" ist. Es ist ja selbstverständlich, daß nach Lage der Verhältnisse vieles nicht so sein kann, wie es wünschenswert wäre. Arbeitslosigkeit, Ernährungsschwierigkeiten, Heizungs­schwierigkeiten usw. werden sich in diesem Winter wohl noch stärker bemerkbar machen als in den letzten Jah­ren und es ist wahrlich kein Kunststück, das alles zur Verhetzung der Massen zu benutzen und für das Parteiinteresse auszubvuten. Wo bleibt da aber der nationale Gedanke, wo die Ver­wirklichung des heute für jeden an oberster Stelle stehenden Grundsatzes, daß die vaterländischen Not­wendigkeiten über die Interessen der Partei zu stellen sind? Das kümmert die Sozialdemokratie nicht. Es wäre im Interesse von Volk und Vaterland bitter zu beklagen, wenn die Sozialdemokratie wirklich künftig die Oberhand bekäme und imstande wäre, allein die Regierung zu bilden. Wenn die bürgerlichen Elemente sich ihrer

Pflicht und Verantwortung

bewußt sind, ist das ausgeschlossen. Leider fehlt es dorM vielfach. @U «ââÄ feafüg U Groß Berllm

es hat bekanntlich ein sozialistisches Stadtparlament, das jetzt daran ist, seine Macht in der unverschämteste» Weise auszunutzen, ja sogar so weit ging, einen unab­hängigen ungläubigen 35jährigen Juden zum Leiter des Schulwesens zu wählen. Schuld daran sind schließlich die christlichen Wähler selbst. Wahltag war in diesem Sommer an einem sonnenglitzernden Sonntag. Nach­träglich waren damals böse Klagen zu lesen über di«

Wahlfauiheit der Bürgerlichen, denen vielfach ein Ausflug nach Wannsee wichtiger schien als eine Stadtverordnetenwahl. Nun stehen sie in machtloser Minderheit im Stadtparlament und haben Mitschuld, wenn das Erziehungsschicksal ihrer Kinder einem Dr. Löwenstein überanwortet wird. Was sich da in Berlin zurzeit abspielt, ist wirklich sehr lehrreich, hoffentlich zuerst für Berlin selbst und dann für das ganze weite deutsche Bürgertum, das in den letzten Jahren infolge seiner politischen und weltanschaulichen Gleichgültigkeit vielfach versagt hat, zu seinem eigenen Schaden und zum Schaden her Gesamtheit.

In der preußischen Landesversammlung

wurde u. a. eine Vorlage angenommen, durch die der Geistliche wieder als geborenes Mitglied der Schul­deputation gilt. In dem ursprünglichen Negferungs- entwurf war nämlich bestimmt, daß der Geistliche nicht mehr, wie bisher, geborenes Mitglied der Schuldepu­tationen fein solle. Diese Bestimmung hatte den leb­haften Widerspruch des Zentrums und der Rechteck beroorgerufen. Der Widerspruch konnte sich, abge­sehen von der grundsätzlichen Seite der Angelegenheit, auf die verfassungsrechtliche Bestimmung stützen, wonach an dem bestehenden Zustand auf dem Gebiete der Schuloerfassung bis zum Erlaß des Reichsschul­gesetzes nichts geändert werden soll. Die Mehrheits­parteien, auch die Sozialdemokraten, erkannten das an, infolgedessen ist die Bestimmung aus dem Gesetzent­wurf jetzt verschwunden. Auch ein unabhängiger An­trag, der sie wieder zum Leben erwecken wollte, er­reichte dieses Ziel nicht. Es bleibt also beim Alten, d. h. die Geistlichen gehören nach wie vor der Schus- deputation an, auch ohne daß sie eigens gewählt sind.

In russischer Gefangenschaft

befinden sich noch immer Tausende unserer deuischeN Brüder; die Reichszentrale veröffentlicht darüber jetzt anckliche Mitteilungen. Der Rücktransport ist M Mai d. I. in vollem Gang, 90 Millionen Mark sind bisher für die Heimführung der deutschen Gefangenen aufgewandt worden (19 Millionen für die Heimfüh- rung über die Ostsee, 80 Millionen für'die über Wladi­wostok. Nichts bleibt unversucht, um alle noch in Sibi­rien und Rußland befindlichen Kriegsgefangenen noch vor dem Wircker heimzubefördem. Sofern die Heim­kehr vor dem Winter für eine geringe Anzahl (etwa 35000) aus Gründen, die durch die besonderen Ver­hältnisse in Sowjet-Rußland erklärlich sind, nicht mög­lich sein sollte, wird für die Sicherung ihrer Gesundheit bis zum endgültigen Abtransport alles nur Erdenk­liche getan werden.

In französischer Gefangenschaft

befinden sich noch und zwar im Stammlager von Avignon und in verschiedenen Zweiglagern 200 fogn. Strafgefangene, die nur militärische Strafen zu ver­büßen haben wegen Gehorsamsverweigerung und Fluchtversuchs. Den deutschen Bischöfe bezw. der Kirchl. Kriegshilfe in Paderborn ist es gelungen, die Erlaubnis zum Besuch dieser Gefangenen durch einen katholischen Geistlichen zu erlangen, der ihnen die Grüße der Heimat überbringen konnte. Wenn auch die Klagen über mangelhafte Beköstigung nicht mehr so häufig waren, so stellte sich doch dir Lage der Kriegs­gefangenen bezüglich Kleidung und Unterbringung und vor allem in seelischer Hinsicht als eine sehr traurige heraus. Die Entbehrung der Freiheit, der Mangel an religiöser Versorgung, das Leben unter hartem Kriegs­gesetz, die sich immer steigernde Sehnsucht nach der Heimat, das sind die Soelenqualen, die das Los unse­rer armen Landsleute fast unerträglich machen. Um so erhebender wirkten auf die Kriegsgefangenen die Grüße der Heimat und die, wenn auch geringen Lie­besgaben, die der Delegierte überbringen konnte. Trost­reich unb erhebend war für die Katholiken die Teil- âbâ an einem Keldaottesdienst sowie der EmvkanÄ