Einzelbild herunterladen
 

fit. UTi M i n i ivi i v. I r» VI *. I MH i rrr-r^

Kassel, den M Sktober <920

Erscheint jeden Sonntag u. kostet Vierteljahr!. Ausg. A 2. Mk., B 2.50 Mk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die einspaltige Kolonelzelle oder deren Raum 40 Pfg. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Für Offert- und Auskunft-Anzeigen 30 Pfg. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher. ....... Druck und Brrlag der Fuldaer Acttendruckerel. -----

Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels

Wochenkalender.

Sonntag, 10. Okt. 20. nach Pfingsten. Franz Borgias, Bek.

Montag, 11. Okt. Vom Tage.

Dienstag, 12. Ott. Vom Tage. Maximilian, B. u. M.

Mittwoch, 13. Okt. Eduard, König.

Donnerstag, 14. Okt. CallistuSl.,P. u.M. Burkard, B.u.Bek.

Freitag, 15. Okt. Theresia, Jungfrau.

Samstag, 16. Okt. Lullus, Bisch u. Bek. GalluS, Abt

Zwanzigster Sonntag nach Pfingsten.

(Ev. Joh. 4, 4654.)

In jener Zeit lebte ein Königlicher, dessen Sohn zu Kapharnaum kxank lap, Da dieser gehört hatte, daß JesuS von Judäa nach Galiläa gekommen sei, be­gab er sich zu ihm und bat ihn, daß er hinabkomme und seinen Sohn Herle; denn er war daran, zu sterben. Da sprach Jesus zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht. Der Königliche sprach zu ihm: Herr, komm hinab, ehe mein Sohn stirbt. Jesus sprach zu ihm: Geh' hrn, dein Sohn lebt. Und der Mann glaubte dem Worte, welches ihm Jesus gesagt hatte und ging hin. Und da er hinabaing, be­gegneten ihm seine Knechte, verkündeten ihm und sagten, daß sein Sohn lebe. Da erforschte er von ihnen die Stunde, in welcher es mit ihm beffer geworden war. Und sie sprachen zu ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. Da erkannte der Vater, datz es um dieselbe Stun e war, in welcher Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte mit seinem ganzen Hause.

----------- »'M

welke Blätter.

n Konstantinopel lebte im vierten christlichen Jahrhundert der herrsch- süchtige Eutrop. Durch Talent, Rücksichtslosigkeit und Kriecherei hatte er sich zum Kanzler beim Kaiser Arkadius aufgeschwungen.

Der Kaiser wurde allmählich zur Puppe in der Hand seines allmächtigen Günstlings. Auf einmal aber wandte sich das Blatt. Wegen seiner Grausamkeit und Willkür wurde Eutrop beim Volke verhaßt. Wohl oder übel mußte der Kaiser seinen Günstling fassen lassen. Die wütende Menge wollte mit dem verhaßten Manne kurzen Prozeß machen und ihn lynchen. Da floh der Unglückliche in die Kirche der Hagia Sophia, umklammerte zitternd den Altar und flehte um sein Leben. Jetzt eilte der Bischof der Stadt, der redegewaltige Chrysostomus, in das Got­teshaus und hielt eine Ansprache, aus der ich folgende Kraftstellen anführe:

»Eitelkeit der Eitelkeiten und alles ist Eitelkeit! Nie war ein Augenblick günstiger, euch an dieses Wort des hl. Geistes zu erinnern als der heutige Tag und die gegenwärtige Stunde. Denn saget mir, wo ist jetzt die glänzende Pracht des Konsuls? Wo ist das Ge­leite der Fackeln? Wo ist die wogende, schmeichelnde

Menge? Wo das Lebehoch im Zirkus? Das Zu­jauchzen im Theater?

Alles ist dahin. Ein Sturm hat den Stolzen Baum erfaßt, feine Krone zerbrochen, seine Blatter geraubt; nun steht er da, ein kahler Stamm, und selbst die Wurzel schwankt.

Saget, wo sind jetzt jene falschen Freunde, die nur der Macht huldigen unb einzig reden und tun, was ge­fallen kann? Wo sind nun jene, die auf allen Gassen sein Lob sangen? Sie schwuren eine Freundschaft ab und suchten ihr Heil in der Flucht. Das Theater, dem du deinen Schutz gewährtest, hat dich verraten, und im Zirkus, dem du Unsummen für Spiele opfertest, hat man nach deinem Tode verlangt.

Ach, alles, das war ein nächtlicher Traum, und mit dem ausgehenden Lichte ist er entflohen: Frühlings­blumen waren es, und sie sind verwelkt, als der Früh­ling schwand; es war ein Schatten, und er huschte vor­über, es war ein Rauch und er hat sich verzogen.

Darum schreie ich in euer Ohr: Eitelkeit der Eitel­keiten und alles ist Eitelkeit!

Dieses Wort sollte überall geschrieben stehen: auf den Häusern und auf den Wänden, auf den Türen und Kleidern, vor allem aber in der Seele eines jeden; unaufhörlich sollte es beherzigt werden!"

Mit dieser Predigt stimmt überein der Inhalt des heutigen Evange iums: was anders lehrt es uns als die Hinfälligkeit und den Unbestand des menschlichen Glückes und des menschlichen Lebens? Der Sohn des Beamten liegt am Sterben. Was nützt da die präch­tige Villa am See Genesareth? Was nützen alle Ver­ordnungen der Aerzte und alles Schlucken von Medi­zinen? Was nützen die Schweißkuren und die Um­schläge? Was nützen die schönen Betten und Möbel? Was nützt das große Einkommen und die hohe Stel­lung des Vaters? Was nützt dem Sohne die Jugend und Lebenslust? Der Tod sitzt dem Jüngling im Nacken und unrettbar ist seine Uhr abgelaufen, wenn nicht in letzter Stunde der Herr sich seiner erbarmt.

Uns allen ist das Siegel der Vergänglichkeit auf die Stirne gebrannt. Daran werden wir gerade in diesen Tagen gemahnt, wenn wir draußen in Wald und Feld uns ergehen. Die Blätter werden welk und fallen zu Boden, liegen im Schmutz und werden zertreten jene Blätter, die einst so üppig prangten an Aesten und Zweigen, die hoch oben im Wipfel thronten, mit denen der Wind Zwiesprache hielt, mit denen der Sonnenstrahl spielte, die den Vögeln zum Zelte dienten bei i ren lustigen Konzerten. Und jetzt, zertreten, zerstampft, verfault! Welch ein Wechsel!

Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt nur kurze Zeit und wird mit vieler Trüb al erfüllt. Wie eine Blume geht er auf und wird zertreten und flieht wie ein Schatten und bleibt nimmer im selben Zustand" heißt es im Buche Job.

Siehe," spricht der Psalmist zu Go't,ein Maß setztest du unsern Tagen, und mein Wesen ist wie nichts vor dir. Wabrbeftia lauter Eitelkeit ist iec»

licher Mensch, der da lebt. Als Schatten wandel der Mensch vorüber und macht sich Unruh vergebens."

Der Prophet Jsaias hörte eine Stimme:Pre­dige!" Und er fragte:Was soll ich predigen?" Die Stimme erwiderte:Alles Fleisch ist Gras und all seine Herrlichkeit wie des Grases Blume. Das Gras verdorrt, die Blume fällt ab."

Ich denke, gerade der Herbst predigt uns die Vergänglichkeit mit lauter Stimme.Eitelkeit der Eitelkeiten" steht jetzt geschrieben auf den Bäumen, auf dem Feld, im Wald, im Garten, auf dem Gottes­acker und überall. Du brauchst aber deswegen kein saures Gesicht zu machen, wie wenn du in einen wurmigen Apfel gebissen hättest. Gewiß ist diese Wahrheit ernst, doch nicht niederdrückend, sondern erhebend. Denn siehe, die Blätter fallen zwar ab, aber der Frühling zaubert neue. So ist es mit dem Menschen. Wir gehen dahin und werden eine Beute des Todes und der Verwesung. Aber wir werden erstehen in neuer Pracht und Schönheit. Nur für den Ungläubigen, bei dem mit dem Tode alles aus ist, sind die welken Blätter ein Anblick zum Verzwei­feln. Uns aber, die wir im Glauben weiter blicken, sind sie eine Frohbotschaft des ewigen Lebens.

Schau aber, wie die Blätter, ehe sie fallen, gelb werden. Ist das nicht eine stumme Lehre für dich? Wir sollen das Grün unreifen Wesens, sollen die jugendlichen Unbesonnenheiten und Verkehrheiten, sollen unsere Laster, Fehler und Schwachheiten all­mählich ablegen, die guten Keime und Anlagen aber entwickeln und weiterbilden. So wird unsere Seele reif und goldgelb. Nein, wir sollen uns nicht be­gnügen, den alten Menschen weiter zu schleppen, sondern einen neuen Menschen sollen wir zu bilden uns anstrengen.Ich vergesse, was hinter mir liegt und strecke mich aus nach dem, was vor mir liegt." Dieses Paulinische Wort sollte unser Motto bilden. Arbeiten mir an unsrer Vervollkommung, damit unsere Seele dereinst wie eine goldene, reife Frucht in Gottes Schoß falle.

Wie der hl. wendelmur die Tiere behandeln lehrt.

Wir entnehmen diesen Artikel dem sehr empfehlons- iDCrt-en in unserm Verlag erschienenen Gebetbuch für Land­leute (Wallfahrts-, Erbauungs- und Gebetbuch): Der hl. Wendelinus, herausgegeben von Hrn. Pfarrer Rau, Stein­haus (Preis 2.50 bezw. 4.50 M und 10 Proz. Teue- nmgszuschlag).

In einem dem Leben und der Verehrung des hl. Wen­delinus gewidmeten Abschnitt wird der hl. Wendellnus als besonderer Freund des Landlebens gefeiert. Es wird dort in ausführlicher Weise der Stand der Landleute mit feinen besonderen Vorzügen und das Leben auf dem Lande mit seinen Schönheiten und Annehmlichkeiten anziehend ge­schildert. Es folgen dann Andachten, Gebete unb Lieder zum hl. Wendellnus und im Anhang vollständiges Gebet­buch für katholische Christen.

Der heilige Wendelin war längere Jahre Hirte und hat das Vieh gehütet. Er war ein guter Hirth