S^’T Volkssreund. -o^. i
)k hohe Vedeutung des Sefellenvereins tu unserer Zeit.
3m Zentralblatt der christlichen Gewerkschaften iben wir bemerkenswerte Ausführungen über kath. ungmännerbewegung des Verbandsvorsitzenden urtscheid, denen wir folgendes entnehmen: Auf kath. e. it filldet die Ouickbornerbewegung in ihrer Frische rrd Offensivkrast viele Anhänger und Freunde, aud) e Neu-Deulschlandbewegung hat jüngst in Fulda greuliche Proben lebendiger Begeisterung gegeben. Sie steht es jedoch mit der arbeitenden Jugend? .Hier irt man in jüngster Zeit viel von einer Jungmänner- rwegung, einer Organisation, getrennt oder im Zu- »mmenhang mit den Jünglingsvereinrn. welche die ugend von 17 bis 25 Jahren umfassen soll. Die ge- eigcrte Sport- und Turntätigkeit, die jüngst eingesetzt at, scheint der Anfang zu sein. Ein eigener Lerband, »c diese Art der Jugendbetätigung, Jugendkraft, ist Hon ins Leben gerufen und soll in Würzburg bei Belegenheit des Katholikentages dort zu einem Reichs- erband erweitert werden. Von einer allzugroßsn öportspflege haben jedoch unsere Gewerkschaften mit hren ernsten, volkswirtfchastlicyen Zielen nicht viel zu rwaricn. Für uns ist diese Jungmännerbewegung n erster Liine in den Gesellenoereinen gegeben, die cheinbar ganz übersehen werden. Diese Gesellen- lereine, auf katholischer Seite bekanntlich von Mols iivlpmg, einem ehemaligen Schuhmachergesellen, ins Leben gerufen, sind in den stürmischen Revolutions- ahren von 1848 entstanden, aus der Not der Zeit von rlncm, der diese Not am eigenen Leibe erfahren hatte, geschaffen worden. Diese Vereine, die die jungen Isomrer von 17 Jahren bis zur Verheiratung um* fassen, sind wirklich eine Lebensschule für viele ge- worderl, vor allem für überaus viele Mitglieder unserer Gewerkschaften Fast alte führenden Köpfe in unserer Bewegung sind aus den Gesellenvereinen hervorgegangen. Darum möchten wir diese Gesellen- vereine als die Lebetlsschltte unserer werktätigen Jugend in erster Linie erhalten wissen. Hier wird auf Grnrrd des Kolptngsprogramms die beste religiöse Fundamentierung geboten. Hier finden wir ferner die jungen Gesellen, die herausgenvmmen aus ihrem Familien- und Freundeskreis, in fremde Verhältnisse hineingestellt, die geistig beweglichsten unb opferfreudigsten Träger unserer Bewegung raten können, wie sw es auch schon heute zum Teil ,.,.^. Was zuletzt diese Vereitle gerade für unsere Gewerkschaften so bedeutsam macht, ist die starke Betonung der beruflichen Ausbildung. Kollege Dr. Brauer hat in seiner Schrift: „Das Betriebsrätegesetz unb die Gewerkschaften" noch jüngst betont, wie wichtig für das Fortbestehen der Gewerkschaften die Betonung und Erhaltung der Be- ruisorganisation im Gegensatz zur Betriebsorgcirri- sation, die eben alle möglichen Berufe in sich fassen kann, ist. Hier in den Gesellenvereinen ist die einzigste Jugendorganisation gegeben, in der die sachlech Ausbildung und berufliche Gesinnungspflege betrieben wird.
Man hört oft, der Gesellenverein sei ganz gut, aber passe nur für Hmldrverksgesellen. Wer heißt jedoch heute noch Handwerksgeselle'. Die paar Gesellen, die bei kleinen Meistern arbeiten, kommen heute gegenüber den Fabrikgesellen nicht in Betracht, ja selbst der Unterschied zwischen ungelernten, angelernten und gelernten Arbeitern verwischt sich immer mehr. So sehen wir denn auch in den Gesellenvereinen heute schon einen großen Teil sog. ungelernter Arbeiter, man spricht von einem Drittel. Ja, es hat von Anfang an, schon zu Kolpings Zeiten, in den sog. Iosephs- oereinen, der Gesellenverein auch andere als gelernte Handwerksgesellen in seinen Reihen gehabt. Nur mochten wir wünschen, daß die Gesellenvereine auch der neuen Zeit Rechnung tragen bei aller Bewahrung ihres Charakters, daß die Berufsausbildung noch mehr gepflegt werde wie bisher in manchen Vereinen daß die christlichen Gewerkschaften energischer gefördert werden, dann glauben wir, ist für uns Gewerksck^fter die Sungmännerfrage gelöst und die Gefahr vermieden, daß die zu gründenden Jungmännervereine in SM, Sport und Vergnügen aufgehen und untergeben, nicht ohne Schaden auch unsere christliche Gewerkschaftsbewegung.
Sport
Wenn man heute die Tageszeitungen liest ober ein besonderes Augenmerk hat auf all die Neuerscheinungen auf dem Gebiet der Jugenderziehung, so könnte man fast den Eindruck gewinnen, als erwarte man alles Heil von der körperlichen Ertüchtigung unserer Heranwachsenden Jugend in Stadt und Land, tn Schulen und Vereinen. Der eine preist in hohen Tönen das deutsche Turnen als die Schule körperlicher und geistiger Frische; der andere erwartet vom Wandern eine Vereinfachung des modernen Lebens, eine Rückkehr zur Natur und Natürlichkeit, eine Veredelung des Herzens und Gemütes im Reichtum der herrlichen Gottesnatur; der dritte führt die Jugend heraus aus den staubigen Straßen, aus den qualmenden Kneipen, aus der Schwüle des Kinos, auf den Spielplatz zu Wettkämpfen und Siegen; für den ^vierten liegt die Zukunft unserer Jugend auf dem Wasser. Die Genreinden werden bestürmt mit dringenden Gesuchen um Anlage von Spielplätzen; die Regierungen ollen in allen Schulen die Zahl der Turn- und Spielftundeu um das doppelte und dreifache vermehren. Gin Retchsspiel- platzgesetz wird allen Ernstes beraten und dem Reichstag vorgelegt. Die Turn-, Sport- und Wanderverbände, die seit dem Kriege einen gewalttgxn Aufschwung genommen haben, entfalten eine geradezu fabelhafte Propaganda in Wort und Schrrst für ihre Ideen und versetzen das deutsche Volk, besonders aber seine Jugend in eine Art Hypnose, so daß hmtr die ganze deutsche Jugend turnt und spielt, meutert und schwimmt oder sonst einem Sport huldigt.
Wer sich bei dieser Mastenpsychose noch ein ruhiges Urteil bewahrt hat, der wird sich wohl freuen an dem frohen Tummeln der Jugend, an den prächtigen Leistungen auf turnerischem und sportlichen» Gebiete, der wird aber auch ein offenes Auge haben auf die Gefahren, die für eine gesunde Entwicklung unserer Jugend in dieser Bewegung liegen.
Das Menschenleben ist nicht nur Spiel und Sport, sondern ernste Berufsarbett erfordert heute eine solide Berufsbildung, ein gründliches Wissen und Können sann sich heute nur durch zielbewußte Arbeit durchsetzen. Wer unter derJugend lebt, wer an der Erziehung unserer Jugend müarbeitet in Elternhaus ober Schule ober Werkstatt, der macht doch nur allzu cst die Beobachtung, daß dieser Hochbetrieb der Lettes- Übungen gar manchen jungen, hoffnungsvollen Menschen allzusehr abzieht von seinen Berufsarbeiten, den jugendlichen Ehrgeiz auf falsche Bahnen lenkt und das kommende Geschlecht geistig veräußerlicht und seelisch entwertet. Nur zu oft verliert auch der junge Mann den Sinn für Sparsamkeit, macht große Ausgaben, fommt nachts oft sehr spät nach Hause, geht dem Vergnügen nach unb nicht selten leidet er schweren Schaden an seinem religiösen und sittlichen Leben, ganz ab- grfehm davon, daß der Ueberanstrengung, die der übermäßige Betrieb der Leibesübungen mit sich bringt, auch in hohen»" Grade gesundheitsschädlich wirkt und oft die Ursache schwerer innerer Leiden und eines frühen Todes ist.
Der junge Mensch hat vielfach keine Zeit zur geistigen Konzentration, zu gemütbildender Lektüre, zur Pflege edler Häuslichkeit und Familienfreuden, zu religiöser Erbauung und Erhebung. Der Sonntag mit seiner Weihe und seiner Verinnerlichung, mit seiner Heimkehr zu Gott und seiner Einkehr in das eigene Men- schenArz geht für viele Sportsmenschen und Wandervögel ganz verloren. Diese Sonntagsentwechung muß sich rächen und führt ohne Zweifel zu einer weitgehenden religiösen Verarmung und damit auch zu einer verhängnisvollen religiösen Gleichgültigkeit. Je mehr schwindet das Verantwortungsgefühl und das Pflichtbewußtsein, desto mehr wankt Ne Sittlichkeit. Die einseitige Körperkultur, die in so hohem Maße die Pflege der Seele, die Pflege des Innenlebens vernachlSfsiA, wird mehr zum Verderben als zum Segen des Volkes werden. In England und Amerika, wo der Sport seine Heimat hat, wird der Sonntag als Tag der Ruhe und der Gottesverehrung hochgehalten. Der gegenwärtige Turn-, SM- und Wanderbetrieb in Deutschland, der gar keine Rücksicht kennt auf den Tag des
Herrn, wird die großen Hoffnungen, die manche die Not seiner Mitbrüder und Mitschwesterr Kresse auf ihn setzen, nicht erfüllen, wenn er nicht mehr | Bereicherung gewissenlos zu mißbräuchenl
Verständnis für die großen geistigen und seelischen Werte der Religion und des kirchlichen Lebens an den Tag legt.
Auch unsere katholische Jugendbewegung hat die Pflege der Leibesübungen in chr Programm ausgenommen. Deutsche Jugendkraft nennt sich der Verband der Turn- und Spielabteilungen in unseren katl). Jugend- und Gesellen- und Jungmänneroeremen. Die Deutsche Jugendkraft ist nicht Selbstzweck. Sie stellt sich in den Dienst des katholischen Erziehungsideales. Und dieses Erziehungsideal heißt: harmonische Ausbildung des Leibes und der Seele, des Körpers und des Geistes. der ganzen jugendlichen Persönlichkeit. Und zwar soll ein edler, von Gott erfüllter Geist das Menschenleben regieren und vergeistigen; ein starker, im Glauben gefestigter Wille soll die Herrschaft sichren über den Leib und das niedere Triebleben. Beglückende Harmonie kann im Menfchenherzen nur dann ihre traute Hütte aufschlagen, wenn der Leib, das wunderbare Tabernakel der Seele, dieser dienstbar ist. Die katholische Jugendbewegung vergißt nie des Heilands Wort: „Nicht vom Brote allein lebt der Mensch, sondern auch von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt." Unb St. Paulus schreibt an seinen Schüler Timotheus: „Die Leibesübung brngt nur mäßigen Nutzen; die Uebung der Frömmigkeit aber ist zu allem nütze und hat die Verheißung tes jetzigen und des zukünftigen Lebens." (1. Tim. 4, 8.)
„Sozialisierte wirtschaft "
In Nr. 23 bis 24 des „Arbeiterrat" wird übet die Art der Betriebsführung des auf sozialisierter Grundlage geführten Betriebes der Groß-Einkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine in Hamburg allerhand erzählt. Der „Arbetterrat" spricht von „abge- würgten" Lohnforderungen der Arbeiter und Ange- stellten durch die Obergenossen, die 36 000 Mk. und viele Nebenbezüge erhielten, während ihre Untergebenen sich mit 10 800 Mk. begnügen müßte»». Außer- den erhielten die lettendm Genossen alles, was der Leib begehrt, teils umsonst, tetts zu Bruchteilen der Preise, die den „gewöhnlichen" Angestellten für deren kleine Bezüge berechnet werden." Die leckenden Ge- noffen bekämen den Zucker umsonst, der Kommis muß für 3 Pfd. 4,50 Mk. bezahlen. Die Obergenossen nehmen sich guten Reis für 2,45 Mk., die „gewöhnlichen" Genossen müßten für weniger guten 6,25 Mk. bezahlen. Während die als Geschäftsführer tätigen Genosse»» 75 Stück und die Prokurtstengenossen 25 Stück Heringe erhielten, bürsten die gewöhnlichen Genosten „nur an der Laake riechen". „Wo bleibt da die Gleichheit?" Seine Ausführung schließt der „Arbeiterrat" mit Worten wie „Fußtritte ihrer Vorgesetzten", immer größer werdende „Verelendung" der „gewöhtttichen" Genossen, „KlünUelwirtschast, Unter- nehmerstandpunkt" usw. — (Die Verantwortung für diese Angaben müssen wir dem „Arbeiterrat" überlassen.)
Ein ergreifender Kufruf.
An der Kirchentüre der vielbesuchten Wallfahrt-« kirche des gegeißelten Heiland» in Wies bet Stringaden a. L. ist folgender Aufruf an das Herz der Landleute angeschlagen:
„All ihr Landleute, die frommer Sinn aus vielfach hart schaffender Werttagsarbeit in dieses stille herrliche Gotteshaus zum Wiesherrle (Bezeichnung des Wall-' fahrts - Christus) führt, zum blutig zerfchundenen Schmerzensmann dort vorne auf dem Hochaltar, zum,' Barmherzigsten unter den Barmherzigen, um von ihm Gnade in Kummer und Not zu holen — kommt doch der Ablieferungspflicht nacht Wie könnt ihr sonst vor eurem Herrgott da vorne Barmherzigkeit verlangen), wenn ihr in hartherziger Gewinnsucht der Barmherzig, keit ins Gesicht schlagt, derselben Barmherzigkeit, die Jesus Christus, der Herr und Gott, für uns alle zur ersten Bedingung gemacht hat, dereinst in den Himmel zu kommen. Selig denn der, der viele gute Werke aufzuweisen hat, der nicht die himmelschreiende Sünde monate- und jahrelang auf sich lud, den Hunger und
die Not seiner Mitbrüder und Mitschwestern zur eigenen