mb Nacht. so werde« fir doch dabo« nicht müde oder abgewannt, Ändern saugen im Gegenteil aus Me;tt Anschauung immer neue Freude und Seligkeit.
Wenn ich nun den Psalmisten richtig verstehe, so will er das Schauen Gottes auch uns Menschen zu- gestehen. Denn so lautet seine Einladung: »Suchet den Herrn und werdet stark, suchet sei« Angesicht immerdar". Wie suchen und finden und schauen wir Gottes Angesicht? Indem wir den lieben Gott besser kennen lernen, indem wir nachdenken über sein Wesen, seine Eigenschaften, seine Vorsehung besonders aber über seine unbegreifliche Liebe. Wünscht doch der Völkerapof-el, daß wir mit allen Heiligen die Höhe und Tiefe, die Länge und Breite und alle Ausdehnungen der göttlichen Liebe erkennen.
Freund, tue dein Möglichtes, um in der Gotteser- kenntnis zu wachsen. Oder ist es recht, daß du Bescher) weißt in der Landwirtschaft, im Fabrikwesen, in der Politik, in der Literatur, im Geschäft und allen übrigen irdischen Künsten, dagegen in sträflicher Unwissenheit dahinlebst über Gott, seine Wesenheit unb Vorsehung. Es fehlt dir nicht an der Zeit und nicht an der Bildung und am Verstand, in der Gotteserkenntnis fortzuschreiten durch Anhören von Predigten, durch Lektüre guter Bücher, vor allem aber durch Gebet und Nebung der Tugend. Das ist der Weg zum Glück und zum wahren Leben. Denn so betet der Heiland zu seinem Vater: „Das ist das wahre Leben, daß sie dich erkennen und den
-u gesandt hast: Jesum Christum.
Der Burgpfarrer.
Zum gest des heiligen Michael.
Sankt Michael der Schutzpatron.
„Mit deiner Kraft, o starker Held, komm uns zu Hilf im Streit der Weli", so singen wir in dem alten Michaelslied. Gerade in unsern Tagen tut uns die Hilfe St. Michaels besonders not. Der Feind erhebt kühn sein Haupt, kühn stürmt er auch gegen das stillste und kleinste Dorf. Ww ein wildes Kriegsheer dringt der Satan heran mit seinen Scharen, mit dem ungläubigen Zeitgeist, mit sozialdemokra- U chen Ideen, mit schlechten Zeitungen und filtern Io eit Schriften mit der Lockung zu Genußsucht und Vergnügen, zu Unzucht, Tanz und Kleiderpracht. War es früher, besonders auf dem Lande auf unseren Dörfern nicht viel anders, nicht viel besser? Hier galt der Glaube und der Vaier heilige Sitten, es war mehr Gebet da, mehr Einfachheit und Genügsamkeit, mehr Ehrfurcht und Zucht. Christliche Männer, schützt eure Heimat, euer christliches Dorf und euere christliche Familie gegen den bösen Geist der Zeit, kämpft unter der Fahne St. Michaels für den alten Glauben und die alte fromme Sitte. Christliche Mütter, wenn euer Sohn in die ^uurV zieht, bangt euch nicht vor den drohenden Gefahren, wenn euere Tochter in der Stadt einen Dienst erhält, wird sie brav bleiben? wenn ihr ein Kmd auf die höhere Schule, in eine Werkstälte schick!, ach wird es nicht angesteckt werden von der Verdorbenheit der Welt; wohlan hebt euere Hände Tag und Nacht für sie zum Himmel, gebt ihnen St. Michael als Patron mit und bek^ unablässig zu ihm: „St. Michael, himmlischer Schutzgeist, bitte für mein Kind bei Gott."
Sankt Michael der Seelenführer.
Ernes Tages wimmern und weinen die Glöcklein von eurem Turme. Die Straße herauf kommt ein schwarzer Zug. „Herr, gib ihm die ewige Ruhe!" erschallt das Geber. Da tragen sie den Sarg. O, diese geschlossenen Augen werden euch nie mehr freundlich anblicken, dieser geschlossene Mund wird euch kein einziges liebes Wort in dieser Welt mehr sagen. Der Tote ist hinübergewandert in die Ewlg- keit.^ Eine todte Reise und wie gefahrvoll! Wird die Seele am schauerlichen Abgrund glücklich vorüber« kommen? Werden ihre Sünden sie nicht hmabziehen in den finsteren Höllenchlund, wo Satan wie ein Löwe auf Beute lauert?
Komm ihr zu Hilfe, Sankt Michael! Sei du der Seele Führer und Geleitsmann und schirme sie mit dem Schwerte vor dem höllischen Feind!
Seht, ihr geht vom offenen Grabe herein in die Kirche und das heilige Opfer beginnt Das Evangelium ist vorüber, es folgt die Opferung. Da zieht wie sanftes, inständiges Fleien der Gesang des Offertoriums durch die Kirche: „Domino, Jesu Christe, rex gloriae — Herr, Jesus Christus, König der Glorie, bewahre tue Seele vor den Pernen der Hölle und vor dem tiefen Abgrund; rette sie vor dem Rachen des Löwen, daß nicht die Hölle sie verschlinge, daß sie nicht stürze in die Finsternis; sondern der
Bannerträger, der heilige Michael, bringe sie in das heilige Licht, das du dem Abraham einstens versprochen hast und seinen Nachkommen — quam «iim Âbrahae promisisti et semini eins“.
Ist eS nicht ein tröstlicher Gedanke an der toten Leiche und an dem offene« Grob, daß der Fürst und Führer bet Engelscharen die Seele hinüberge- leitet tu das ewige Licht? Und mildert diese Gewißheit nicht die Angst und die Schrecken unserer eigenen Todesstunde, unserer eigenen Wanderung vor Gottes Gericht?
Früher baute man gern auf die Gottesäcker eine Michaelskapelle. Heute hat man vielfach vergessen, daß Sankt Michael der Geleiter der abgestorbenen Seelen ist. Aber du, Leser, darfst es nicht vergessen, du sollst fleißig zu Sankt Michael beten, daß er deiner Seele und den Seelen aller abgestorbenen Christgläubigen entgegenkomme und sie einführe in das himmlische Jerusalem.
Alle, welche den Boaifatlusvereln anfeeftä^cü, tragen dazu bei, dem göttlichen Heiland im heklrgjien Sakrament Altäre zu errichtn, ihren GlaubensbrLdern Gotteshäuser zu verschaffen uns ihnen die Erfüllung ihrer religiösen Pflichten zu ermöglichen; sie helfen mit, Seelen zu reiten und den Rückgang des Katholizismus in Deutschland zu verhütten, sie üben ein wahrhaft apostolisches Werk, das Gott sicher nicht unbelohnl lassen wird. (Benutze die Zählkarte.)
Der Rosenkranz und dar christliche Leben.
Meder naht die schöne Zeit, in welcher die Katholiken der ganzen Welt der Aufforderung des heiligen Vaters gemäß das Rosenkranzgebxt zu einer besonderen Monatsübung machen. Mit dieser, wenn ich so sagen soll, Beförderung des Nosenkranzgebetes durch reich erteilte Ablässe, hat der hl. Vater etwas getan, was dem christlichen Sinn in ganz besonderer Weise entspricht. Wenn ein Gebet dem frommen Men- schen lieb und teuer ist, dann ist es das Rosenkranz- gebet. Es ist gleichsam verwachsen mit seinem Leben.
Den Rosenkranz lernt man schon beten als kleines Kind. Welch eine Freude für das Kind, das noch an der Hand der Mutter läuft, wenn ihm die Tante oder der Herr Kaplan ein Rosenkränzchen schenkt; es betet daran mit kindlichem Gemüte und so erblühen cm diesem Perlenkranze die ersten Rosenblüten seiner Andacht. Auch der Jüngling und die Jungfrau lieben Dies Gebet. Wo ist ein Pensionat, ein Marienverein, eine Bruderschaft, eine Lüngiingskongregation, worin man nicht das Rosenkranzgebet liebte und übte? In manchen Gegenden, auch im Fuldaer Land, herrscht die schöne Sitte, daß die Brautleute den Rosenkranz um die Hand gewunden zum Altare schreiten, als wollten sie sagen, daß sie ihren ehelichen Bund ganz unter den Schutz der Gottesmutter stellen und im Rosenkranz vereint, als Kinder Mariens zusammen durchs Leben wandern möchten. Und beten nicht Mann und Frau in den Sorgen und Kämpsen des Lebens am liebsten den Rosenkranz? Er ist ja das eigentliche Familien- Gebet. Geh nur in der Advents- und Fastenzeit am Abend durch das kleinste katholische Dorf und aus jedem Hause vernimmst du das Rosenkranzgebel von Jung und Alt. Und was hält der Greis und das betagte Mütterchen am längsten und am liebsten in den zitterirden Händen? Den Rosenkranz. Halb erblindet, können sie nicht mehr im Gebetbuch beten, geschwächt am Gehör, keine Predigt mehr verstehen manchmal an Gicht und anderen Gebrechen gelähmt, müssen sie sogar auf den Besuch der Kirche verzichten, der Rosenkranz ersetzt ihnen Gebetbuch, Predigt und Kirche. So ist das Rosenkranzgebet mit dem ganzen menschlichen Leben und seinen Verhältnissen verflochten.
Alle Stände lieben das Rosenkranzgebet. Der einfachste Gläubige betet .den Rosenkranz, aber nicht allein, auch alle Ordensleute und Priester. — Nicht bloß für Uegebildete, die nicht lesen können, ist der Nosnkranz, sondern auch hochgebildete Männer, Könige und Kaiser, Künstler, Gelehrte, Generäle haben nach dem Zeugnis der Geschichte den Rosenkranz gerne gebetet.
An allen Orten hat der Rosenkranz seine Stelle. In stillem Kämmerlein betet ihn so gerne die fromme Sungfrau vor ihrem Marienbilde, der Vater mit den Seinen in der Familieustube, fromme Dienstmädchen beim Wuschen und Putzen, die Pilger auf der Wallfahrt, die Gläubigen bei der Prozession und in der Kirche fei den Andachten. Und gerade hier im Tarife Gottes ist es allen ein so liebes Wechselgebt: die Leute sind, weil sie den Rosenkranz auswendig können und
während desselben häufig zum lauten Beten kommen, mehr beteiligt und selbständig tätig. Immer macht es einen erhebenden Eindruck, wenn in einer vollen Kirche der Rosenkranz andächtig gebetet wirb.
Uebrigens kann man, ohne der Phantasie zu viel Spielraum zu gönnen, wohl sagen, der ganze Psalter mit seinen drei Teilen, bem freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen Rosenkranz ist ein kleines Bild des menschlichen Lebens; der freudenreiche ein Bild der Kindheit mit ihren unschuldigen Freuden, mit dem opferwilligen Herzen, den Jugendjahren, wo man so leicht im Sturm der Versuchung Jesum verlieren, aber auch durch anhaltendes Gebet und frommen Sakra- mentenempfang ihn wiederfinden kann, der schmerz- hafte Rosenkranz ein Bild jener Jahre der Sorgen für die Familie, für Weib, Gatte und Kind, jener Zs'- ten, wo man mehr denn sonst empfindet, wie schwer das Kruztragen ist und daß auch das Haus zu einer fortwährenden Geißel werden kann und ein Leben, das man nur als das glücklichste geträumt, oft nichts arideres tut, als einem die Stirne mit Dornen umkränzen. Und der glorreiche Rosenkranz, ist er nicht ein Bild des Lebens mancher frommen alten Leute, denen im Beten und Dulden sich das Leben schon vor dem Tode zur Verklärung neigt? Wer hat sie beim nicht gekannt, die alten Großeltern und Tanten, deren körperliche Gestalt zwar so durchsichtig war wie Wachs, deren frommes Tun und Lassen aber ein lebendiges Beispiel blieb für die Gemeinschaft des ganzen Hauses, deren letzte Lebensjahre, dem schönen Abendrot gleich, nur einen frohen Auferstehungsmorgen verkündeten, nur ein sanftes Hinüberschlummern war, ein ruhiger Gang zur himmlischen Heimat.
So innig, mein lieber Leser, ist das Nosenkranzgebet mit unserem Leben verwachsen. Drum soll die Uebung des Rosenkranzgebetes auch unser christliches Lebensbedürfnis fein. Wie schön, wenn wir in diesem Monat alle den Rosenkranz begännen mit dem frommen Empfang der hl. Sakramente und dann den ganzen Monat hindurch eifrige Besucher der Rosenkranz-Andachl ober Beter desselben zu Hause wären — die Eottesmuter wird d^e Liebe, die wir ihr dadurch antun, gewiß mit ihrem reichsten Schutze belohnen.
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Ein trauriges ZubUSum.
Am 20. September hat sich zum 50. Male der Tag traurigen Angedenkens gejährt, da Rom und der Rest zdes Kirchenstaates der Gewaltpolitik gekrönter und on- ? gekrönter Räuber zum Opfer fielen. Fünfzig Sabre j sind cs heute, daß der Papst seiner weltlichen Herrschaft beraubt und als der „Gefangene des Vatikans" auf wenige Ouadratnieter Raum beschränkt wurde.
Am Abend des 19. September war Pius IX noch einmal hinausgefähren zum Lateran. Er verrichtete dort feine Andacht an der Scala Smita", die er, w e das römische Volk es gewöhnt ist, auf den Knieen hinaufstieg. Es war bis zum heutigen Tag das letzt? mal, daß ein Papst den Sat tan verließ.*)
Die für die Verteidigung Roms verfügbaren Streitkräfte waren auf etwa 8000 Mann z. veranschlagen. Die Artillerie besaß etwa 30 Geschütze von verschiedenen Kaliber. Dieser päpstlichen Wehrmacht stand eine Uebermacht des Feindes von 60 000 Mann mit 120 Geschützen gegenüber.
Als der italienische Führer General Cadoxna durch einen Parlamentär den päpstlichen General Kanzler aufforderte, von einem weiteren Widerstand absehen zu wollen „aus Gefühlen der Menschlichkeit", erhielt er die edle und würdige Antwort: „. . . Was j Die Berufung Cadornas auf Gefühle der Menschlichkeit angeht — von solchen Gefühlen ist keiner mehr beseelt als diejenigen, die das Glück haben, dem Heiligen Stuhle dienen zu dürfen. Nicht wir sind es, die irgendwie den goitesräuberifchen Angriff veranlaßt haben, fern wir ausgesetzt sind. Sie, Exzellenz, sollten sich von Gefühlen wahrer Menschlichkeit leiten lassen und ' von Ihrem ungerechten Angriffe Abstand nehmen." Im übrigen lautete die Aniwort, er fei entschlossen. Widerstand zu leisten mit allen M tteln und Kräften, die ihm zu Gebote ständen, wie Ehre und Pflichr es erforderten. So war es der ausdrückliche Wille des Hl. Vaters: Nur der Gewalt werde er weichen.
Sm übrigen gab der Hl. Vater, der Souverän und Papst-König von Rom, an feinen General-Kanzler die Weisung: „Was die Dauer der Verteidigung betrifft, so ist es meine Pflicht, zu befehlen, daß diese nur bestehen darf in einer Verwahrung mit bewaffneter Hand, um die erlittene Gewalt sestzustellen; mehr
*) Bergt, hierzu und zum folgenden: Einhalt. Roms letzte Tage unter der Tiara. Freiburg i. B. 1918